Wirtschaftsstandort | Malawi

Malawi: Ein kleiner Markt mit logistischen Herausforderungen

Das Land im südlichen Afrika lässt sich für Zulieferer gut von Johannesburg aus bearbeiten. Der Markt ist klein, bietet aber diverse Möglichkeiten, allem voran im Bergbau.

Carsten Ehlers

Von Carsten Ehlers | Nairobi

Der kleine Markt mit etwas mehr als 23 Millionen Menschen bietet einige Branchen, in denen auch deutsche Zulieferer aktiv sein können. Dies gilt besonders für den Bergbau, aber auch für Projekte mit Finanzierung durch internationale Geber.

Der Handel mit Malawi ist indes teuer und aufwändig, da das Land über keinen eigenen Meerzugang verfügt. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von knapp über 500 US-Dollar (US$) pro Jahr zählt Malawi zu den ärmsten Ländern der Welt. Deutsche Unternehmen bedienen den Markt oft von Südafrika aus.

  • Malawis Bergbau gewinnt an Bedeutung. Bisher stützen Landwirtschaft, Bauwesen und Tourismus die Wirtschaft des Landes.

    Aus Sicht deutscher Unternehmen ist Malawi ein Markt im südlichen Afrika, der sich gut von den Niederlassungen in Johannesburg (Südafrika) bearbeiten lässt. Alternativ gibt es auch Direktflüge nach Nairobi (Kenia), wo ebenfalls viele deutsche Firmen Vertriebsniederlassungen betreiben. Der Markt ist einer der kleineren, bietet aber in einigen Branchen Geschäftsmöglichkeiten. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von etwas mehr als 500 US-Dollar (US$) ist Malawi eines der ärmsten Länder der Welt und noch stark vom Agrarsektor geprägt.

    Dem Binnenland fehlt ein eigener Zugang zum Meer. Daher sind Handel und Transport aufwändig und teuer. Importe erfolgen in der Regel über die Häfen Daressalam (Tansania), Nacala und Beira (Mosambik) sowie Durban (Südafrika). Malawi ist Mitglied der Southern African Development Community (SADC), zu der auch Südafrika gehört. Das vereinfacht den Handel zwischen beiden Ländern deutlich.

    Der südafrikanische Einfluss in Malawis Wirtschaft ist dementsprechend groß. Viele Südafrikaner arbeiten in Malawi. Südafrikanische Einzelhandelsketten wie Shoprite und Game prägen den Einzelhandel. Weil viele internationale Firmen in Johannesburg große Läger betreiben, laufen auch die Warenströme oft über das Kapland.

    23,4 Mio.

    Menschen lebten 2024 in Malawi.

    Quelle: IWF 2025

    11,8 Mrd.

    US-Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2024 laut Prognosen.

    Quelle: IWF 2025

    504

    US-Dollar machte das BIP pro Kopf damit 2024 aus.

    Quelle: IWF 2025

    Rang 160

    belegte Malawi 2024 unter den deutschen Exportzielen.

    Quelle: Destatis 2025

    Rang 107

    nimmt Malawi im Corruption Perceptions Index 2024 ein (unter 180 Ländern).

    Quelle: Transparency International 2025

    SWOT-Analyse Malawi

    S

    Stärken Strengths

    • Zugehörigkeit zur SADC; damit eingebunden in die Wirtschaft des südlichen Afrika
    • Politische Stabilität
    • Gutes Klima, fruchtbare Böden
    • Zahlreiche Bodenschätze
    • Noch geringe Konkurrenz
    W

    Schwächen Weaknesses

    • Schwache politische Handlungsfähigkeit
    • Finanzierungsprobleme: Dem Privatsektor fehlt Kapital, der Staat ist hoch verschuldet.
    • Geringe Marktgröße
    • Binnenland; abgelegene Lage macht Außenhandel teuer.
    O

    Chancen Opportunities

    • Bergbau: mehrere Minen in Planung bzw. im Aufbau
    • Bausektor: Beteiligung an Bau- und Infrastrukturprojekten mit Geberfinanzierung
    • Infrastrukturprojekte: Liefer- und Beratungsmöglichkeiten in den Bereichen Energie, Wasser und Transport
    • Landwirtschaft: Produktion für den lokalen Markt sowie Export
    • Tourismus in kleinerem Stil, v.a. Ökotourismus
    T

    Risiken Threats

    • Korruption
    • Aktuell hoher Devisenmangel: Wegen Kursbindung ist ein Schwarzmarkt entstanden.
    • Hohe Inflation
    • Sparzwang des Staates: rigide Steuereintreibung
    • Zahlungsverzögerungen bei Geschäften mit dem öffentlichen Sektor möglich

    Landwirtschaft: Malawi wird Cannabis-Exporteur

    Die wichtigste Säule der Wirtschaft in Malawi ist die Landwirtschaft. Sie ist der größte Devisenbringer, Versorger des Binnenmarktes und bedeutendster Arbeitgeber. Geprägt ist sie vom Kleinanbau für den lokalen Markt. Zahlreiche Geberorganisationen unterstützen die Bauern bei der Modernisierung ihrer Anbaumethoden und der Verbesserung der Lieferketten zu den Kunden.

    Vor allem im Süden des Landes befinden sich Plantagen für Exportprodukte wie Tabak (überwiegend in griechischem Eigentum), Tee, Kaffee und Zuckerrohr. Diese gehören oft zu kapitalstarken und nicht selten international agierenden Agrargesellschaften. Bewegung gekommen ist zuletzt in den Anbau von Cannabisprodukten. Einige Farmen haben sich im Umland der Hauptstadt Lilongwe angesiedelt und investieren. Sie hoffen auf eine fortschreitende Legalisierung von Cannabis auf den großen Abnehmermärkten in der EU und Nordamerika.

    Bausektor: Chancen für deutsche Firmen durch neue Infrastrukturprojekte

    Der Bausektor ist ebenfalls bedeutend und bietet in begrenztem Umfang Chancen für deutsche Zulieferer. Baumaschinenhersteller sind über Handelsvertreter in Malawi präsent. Zement wird lokal produziert, die meisten anderen Baustoffe müssen importiert werden. Chancen entstehen vor allem dann, wenn westliche Geberorganisationen Infrastrukturmaßnahmen finanzieren. Unter den Kontraktoren dominieren chinesische Firmen inzwischen auch in Malawi. Daneben gibt es lokale Baufirmen. Mit Mota Engil und Conduril Engenharia sind auch zwei portugiesische Baufirmen im Land aktiv.

    Bergbau: Größere Investitionen stehen an

    Der Bergbau wird in den kommenden Jahren in Malawi an Bedeutung gewinnen. Er trägt aktuell weniger als 1 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. Das Land verfügt über zahlreiche Erzvorkommen, darunter Uran, Niobium, Rutil, Graphit, Ilmenit, Bauxit und seltene Erden. Mehrere Minen befinden sich aktuell im Aufbau. Darüber hinaus werden weitere Vorkommen exploriert.

    Die aktiven Bergbaufirmen in Malawi kommen überwiegend aus Australien. Anfang 2025 veröffentlichte die Weltbank einen Bericht, demzufolge sieben Minen bis 2040 Exporterlöse von insgesamt etwa 30 Milliarden bis 43 Milliarden US-Dollar erzielen könnten. Damit steht der Bergbau in Malawi vor einem Durchbruch.

     

    Bedeutung der Wirtschaftszweige in MalawiAnteile in Prozent

    Sektoren

    Anteil am BIP 2022 *)

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

    29,5

    Industrie, darunter

    18,0

      Verarbeitendes Gewerbe

    11,3

      Baugewerbe

    3,3

      Energieversorgung und Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen

    2,7

      Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

    0,7

    Dienstleistungen

    70,2

    * zu laufenden Preisen; Quarterly Statistical Bulletin December 2024.Quelle: National Statistical Office of Malawi 2024

    GTAI-Informationen zu Malawi

    Blantyre und Lilongwe sind die wichtigen Wirtschaftszentren

    Der Handel des Binnenstaates wird über lange und teilweise noch ausbaufähige Korridore über Häfen in Tansania, Mosambik und Südafrika abgewickelt. Das Wirtschaftszentrum des Landes ist nicht die Hauptstadt Lilongwe, sondern das im Süden gelegene Blantyre. Blantyre mit seinen etwa 800.000 Einwohnern ist das regionale Handelszentrum, in dem die meisten Distributoren ihren Sitz haben. Blantyre liegt auch inmitten der exportorientierten Agrarregion.

    Die Hauptstadt Lilongwe ist in den letzten Jahrzehnten rapide gewachsen und hat grob geschätzt rund 1 Million Einwohner. Längst ist die Stadt nicht mehr der verschlafene Sitz von Regierung und Behörden, wie noch vor 15 Jahren. Neben den Botschaften sind in Lilongwe auch die Geberinstitutionen wie Weltbank, EU oder die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) angesiedelt. Sie sind wichtige Player in der malawischen Wirtschaft. Wer in den Markt eintreten möchte, muss in beiden Städten seine Beziehungen pflegen.

    Carsten Ehlers

    Von Carsten Ehlers | Nairobi

  • Große Herausforderungen prägen das Investitionsklima in Malawi. Dennoch gibt es Sektoren, die so attraktiv sind, dass Unternehmen die Risiken in Kauf nehmen.

    Pioniergeist ist gefragt in Malawi. Investoren aus dem Ausland kommen nur, wenn sie ein sicheres Geschäft realisieren können oder eine besondere Beziehung zu dem Land haben. Aktuell zeichnet sich eine deutliche Zunahme der Auslandsinvestitionen ab, weil diverse Großprojekte realisiert werden.

    Die Investitionshürden sind die gleichen wie in vielen afrikanischen Ländern: hohe Korruption, mangelhafte rechtliche Rahmenbedingungen, Fachkräftemangel und Stromknappheit. Bei Malawi kommen noch eine geringe Marktgröße und die isolierte Lage hinzu.

    Mpatamanga-Kraftwerk und Minen bringen neuen Schwung

    Die größte anstehende Investition ist der Bau des Wasserkraftwerks Mpatamanga für 1,6 Milliarden US-Dollar (US$). Im Rahmen einer Public-Private-Partnership (PPP) sind die französischen Unternehmen EDF und TotalEnergies beteiligt. Diverse Geber wie Weltbank, EU und die International Finance Corporation (IFC) sicherten und bezuschussten das Projekt, damit eine private Beteiligung möglich wurde.

    Auch zeichnen sich größere Investitionen im Bergbau ab. Die im Jahr 2014 stillgelegte Uranmine Kayelekera nimmt ihre Produktion gegen Ende des Jahres 2025 wieder auf. Darüber hinaus gibt es Vorkommen von Niobium, Rutil, Graphit, Ilmenit, Bauxit und seltenen Erden. Mindestens sieben Konzessionäre, vor allem aus Australien, planen den Abbau.

    Ausländische Investoren spielen eine wichtige Rolle

    Seit Jahrzehnten betreiben malawische und internationale Firmen Exportfarmen für Tabak, Tee, Kaffee, Zuckerrohr, Baumwolle, Kautschuk und essentielle Öle. Insbesondere die Tabakfarmen müssen sich aufgrund des rückläufigen weltweiten Geschäfts nach neuen Möglichkeiten umsehen. Dazu gehört medizinisches Cannabis. Aktuell investieren einige Farmen in diesem Bereich. 

    Im verarbeitenden Sektor gehören die großen Zement- und Getränkefabriken überwiegend zu internationalen Konzernen. Im Einzelhandel spielen die südafrikanischen Ketten Shoprite und Game eine wichtige Rolle, im Bankensektor die südafrikanische Standard Bank.  

    Malawi ist mit seiner Natur ein attraktives Land für Touristen, jedoch nur für Individual- und Öko-Tourismus in kleinem Rahmen. Nicht selten investieren Ausländer in kleinere Eco-Lodges am Malawisee oder im kühlen Hochland. Der kommerzielle Aspekt steht dabei jedoch meist nicht im Mittelpunkt. Auch kämpft die Branche seit der Coronapandemie mit geringen Besucherzahlen. Einige Lodgebesitzer versuchen, ihre Immobilien zu verkaufen.

    Für deutsche Unternehmen bleibt Malawi ein kleiner Markt

    Die Präsenz privater deutscher Unternehmen in Malawi ist sehr überschaubar. Bayer betreibt in Lilongwe eine Niederlassung und beliefert vor allem den Agrarsektor. Darüber hinaus gibt es einige Kleinunternehmer, die auch aus persönlichen Gründen nach Malawi gekommen sind. Im Hochland nördlich von Lilongwe betreibt ein Deutscher eine Lodge samt Kaffeefarm. Der Kaffee wird nach Deutschland exportiert und dort vermarktet.

    Aufgrund der geringen Marktgröße lohnt es sich für die meisten Unternehmen nicht, eine Vertriebsniederlassung in Blantyre oder Lilongwe zu eröffnen. Entweder bearbeiten deutsche Unternehmen Malawi aus der Distanz (Südafrika oder Deutschland) oder über einen lokalen Handelsvertreter. 

    Beim öffentlichen Sektor zeigt Deutschland mit der Botschaft und den Büros der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) dagegen eine gute Präsenz. Hinzu kommt die unter anderem im Infrastrukturbereich (Global Gateway) aktive EU-Delegation.

    MITC vergibt Investitionsanreize

    Das Malawi Investment & Trade Centre (MITC) ist der staatliche One-Stop-Shop für Auslandsinvestoren. Unternehmen berichten davon, dass das MITC unter anderem bei bürokratischen Prozessen unterstützt. Allerdings sollte man seine Bedeutung innerhalb des Regierungsapparats nicht überschätzen. Gerade bei größeren Investitionen ist es wichtig, sich Unterstützung aus ranghohen politischen Kreisen zu sichern.

    Staatliche Investitionsförderung gibt es vor allem über Steuer- und Zollerleichterungen. Besondere Anreize bestehen für exportorientierte Unternehmen (Export Processing Zone Status), insbesondere im Bergbau. Dazu gehören die international üblichen zollfreien Importe von Investitionsgütern, eine Stundung der Unternehmenssteuer für mehrere Jahre sowie Arbeitsgenehmigungen für Expats.

    Internationale Hilfe bei Investitionen

    Eine wichtige Rolle spielen in Malawi auch Fördermaßnahmen ausländischer Geberbanken wie der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG, gehört zur KfW), der Europäischen Investitionsbank (EIB) oder der IFC (gehört zur Weltbank).

    Diese fördern private Investitionen, die auch die Entwicklung des Landes unterstützen. Aspekte sind unter anderem Beiträge für die Infrastruktur, den Umweltschutz, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Förderung des Agrarsektors. Für Investoren kann es sich lohnen, Kontakt zu den Banken aufzunehmen, um auszuloten, ob eine Förderung in Frage kommt. Alle drei genannten Institutionen sind über ihre Regionalbüros in Südafrika auch für Malawi zuständig.

    Carsten Ehlers

    Von Carsten Ehlers | Nairobi

  • BezeichnungAnmerkung
    Germany Trade & InvestRegionalbüros in Johannesburg (Südafrika) und Nairobi (Kenia); Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
    Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche AfrikaAnlaufstelle für deutsche Unternehmen in Johannesburg (Südafrika); die AHK ist auch für Malawi zuständig.
    Malawi Investment and Trade Centre (MITC)Nationale Handels- und Investitionsbehörde
    Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG)Regionalbüro in Johannesburg ist für Malawi zuständig; die DEG ist eine Tochtergesellschaft der KfW und unterstützt den Privatsektor.
    Europäische Investitionsbank (EIB)Regionalbüro in Pretoria ist für das südliche Afrika zuständig; die EIB fördert den Privatsektor.
    International Finance Corporation (IFC)Regionalbüro in Johannesburg; die IFC ist eine Tochtergesellschaft der Weltbank und unterstützt den Privatsektor.