Große Herausforderungen prägen das Investitionsklima in Malawi. Dennoch gibt es Sektoren, die so attraktiv sind, dass Unternehmen die Risiken in Kauf nehmen.
Pioniergeist ist gefragt in Malawi. Investoren aus dem Ausland kommen nur, wenn sie ein sicheres Geschäft realisieren können oder eine besondere Beziehung zu dem Land haben. Aktuell zeichnet sich eine deutliche Zunahme der Auslandsinvestitionen ab, weil diverse Großprojekte realisiert werden.
Die Investitionshürden sind die gleichen wie in vielen afrikanischen Ländern: hohe Korruption, mangelhafte rechtliche Rahmenbedingungen, Fachkräftemangel und Stromknappheit. Bei Malawi kommen noch eine geringe Marktgröße und die isolierte Lage hinzu.
Mpatamanga-Kraftwerk und Minen bringen neuen Schwung
Die größte anstehende Investition ist der Bau des Wasserkraftwerks Mpatamanga für 1,6 Milliarden US-Dollar (US$). Im Rahmen einer Public-Private-Partnership (PPP) sind die französischen Unternehmen EDF und TotalEnergies beteiligt. Diverse Geber wie Weltbank, EU und die International Finance Corporation (IFC) sicherten und bezuschussten das Projekt, damit eine private Beteiligung möglich wurde.
Auch zeichnen sich größere Investitionen im Bergbau ab. Die im Jahr 2014 stillgelegte Uranmine Kayelekera nimmt ihre Produktion gegen Ende des Jahres 2025 wieder auf. Darüber hinaus gibt es Vorkommen von Niobium, Rutil, Graphit, Ilmenit, Bauxit und seltenen Erden. Mindestens sieben Konzessionäre, vor allem aus Australien, planen den Abbau.
Ausländische Investoren spielen eine wichtige Rolle
Seit Jahrzehnten betreiben malawische und internationale Firmen Exportfarmen für Tabak, Tee, Kaffee, Zuckerrohr, Baumwolle, Kautschuk und essentielle Öle. Insbesondere die Tabakfarmen müssen sich aufgrund des rückläufigen weltweiten Geschäfts nach neuen Möglichkeiten umsehen. Dazu gehört medizinisches Cannabis. Aktuell investieren einige Farmen in diesem Bereich.
Im verarbeitenden Sektor gehören die großen Zement- und Getränkefabriken überwiegend zu internationalen Konzernen. Im Einzelhandel spielen die südafrikanischen Ketten Shoprite und Game eine wichtige Rolle, im Bankensektor die südafrikanische Standard Bank.
Malawi ist mit seiner Natur ein attraktives Land für Touristen, jedoch nur für Individual- und Öko-Tourismus in kleinem Rahmen. Nicht selten investieren Ausländer in kleinere Eco-Lodges am Malawisee oder im kühlen Hochland. Der kommerzielle Aspekt steht dabei jedoch meist nicht im Mittelpunkt. Auch kämpft die Branche seit der Coronapandemie mit geringen Besucherzahlen. Einige Lodgebesitzer versuchen, ihre Immobilien zu verkaufen.
Für deutsche Unternehmen bleibt Malawi ein kleiner Markt
Die Präsenz privater deutscher Unternehmen in Malawi ist sehr überschaubar. Bayer betreibt in Lilongwe eine Niederlassung und beliefert vor allem den Agrarsektor. Darüber hinaus gibt es einige Kleinunternehmer, die auch aus persönlichen Gründen nach Malawi gekommen sind. Im Hochland nördlich von Lilongwe betreibt ein Deutscher eine Lodge samt Kaffeefarm. Der Kaffee wird nach Deutschland exportiert und dort vermarktet.
Aufgrund der geringen Marktgröße lohnt es sich für die meisten Unternehmen nicht, eine Vertriebsniederlassung in Blantyre oder Lilongwe zu eröffnen. Entweder bearbeiten deutsche Unternehmen Malawi aus der Distanz (Südafrika oder Deutschland) oder über einen lokalen Handelsvertreter.
Beim öffentlichen Sektor zeigt Deutschland mit der Botschaft und den Büros der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) dagegen eine gute Präsenz. Hinzu kommt die unter anderem im Infrastrukturbereich (Global Gateway) aktive EU-Delegation.
MITC vergibt Investitionsanreize
Das Malawi Investment & Trade Centre (MITC) ist der staatliche One-Stop-Shop für Auslandsinvestoren. Unternehmen berichten davon, dass das MITC unter anderem bei bürokratischen Prozessen unterstützt. Allerdings sollte man seine Bedeutung innerhalb des Regierungsapparats nicht überschätzen. Gerade bei größeren Investitionen ist es wichtig, sich Unterstützung aus ranghohen politischen Kreisen zu sichern.
Staatliche Investitionsförderung gibt es vor allem über Steuer- und Zollerleichterungen. Besondere Anreize bestehen für exportorientierte Unternehmen (Export Processing Zone Status), insbesondere im Bergbau. Dazu gehören die international üblichen zollfreien Importe von Investitionsgütern, eine Stundung der Unternehmenssteuer für mehrere Jahre sowie Arbeitsgenehmigungen für Expats.
Internationale Hilfe bei Investitionen
Eine wichtige Rolle spielen in Malawi auch Fördermaßnahmen ausländischer Geberbanken wie der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG, gehört zur KfW), der Europäischen Investitionsbank (EIB) oder der IFC (gehört zur Weltbank).
Diese fördern private Investitionen, die auch die Entwicklung des Landes unterstützen. Aspekte sind unter anderem Beiträge für die Infrastruktur, den Umweltschutz, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Förderung des Agrarsektors. Für Investoren kann es sich lohnen, Kontakt zu den Banken aufzunehmen, um auszuloten, ob eine Förderung in Frage kommt. Alle drei genannten Institutionen sind über ihre Regionalbüros in Südafrika auch für Malawi zuständig.
Von
Carsten Ehlers
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Nairobi