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Malaysia benötigt Maschinen für Hightechproduktion
Malaysias Maschinenpark soll effizienter und grüner werden. Der Staat fördert Investitionen in Ausrüstungen, aber chinesische und US-Anbieter sind im Vorteil.
11.02.2026
Von Boris Alex | Kuala Lumpur
Ausblick des Maschinenbaus in Malaysia
Bewertung:
- Dekarbonisierung des malaysischen Industriesektors bietet Lieferchancen für effiziente Maschinen und Anlagen.
- Mögliche Abnahmeverpflichtung von US-Ausrüstung im Zollabkommen verschärft Wettbewerbssituation.
- Regierung stärkt malaysische Anbieter durch Sonderabschreibungen auf lokal gefertigte Maschinen.
- Malaysische Maschinenbauer sind vor allem bei Anlagen für die Halbleiterproduktion international wettbewerbsfähig.
Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Februar 2026
Markttrends
Die malaysische Wirtschaft zeigt sich weiterhin in robuster Verfassung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte laut Zentralbank 2026 real um 4,5 Prozent zulegen. Die Wachstumsprognosen für die verarbeitende Industrie, die rund 15 Prozent zum BIP beiträgt, bewegen sich in einer ähnlichen Größenordnung. Im Rahmen ihres New Industrial Masterplans (NIMP) will die malaysische Regierung die Digitalisierung und Automatisierung im Industriesektor vorantreiben, um verstärkt High-Value-Produkte unter anderem aus der Elektronikbranche und der Petrochemie zu exportieren. Die heimischen Maschinenbauer wollen in Industrie-4.0-Anwendungen und Energieeffizienz investieren, um international wettbewerbsfähiger zu werden.
Verarbeitende Industrie zieht mehr Investitionen an
Die positive Konjunkturentwicklung spiegelt sich in den Investitionen wider: In den ersten neun Monaten 2025 legten die genehmigten Investments in der verarbeitenden Industrie gegenüber der Vorjahresperiode um 3 Prozent auf 22,3 Milliarden US-Dollar (US$) zu, so Daten der malaysischen Investitionsbehörde MIDA. Der Großteil der angekündigten Vorhaben entfällt auf wichtige Abnehmerbranchen des Maschinenbaus. So wurden in der Elektro- und Elektronikindustrie Projekte mit einem Volumen von 5,2 Milliarden US$ genehmigt, im Chemiesektor von 4,2 Milliarden US$, im Fahrzeugbau von 3 Milliarden US$ und in der Metallverarbeitung von 2,4 Milliarden US$.
"Die Verlagerung hin zu einer höherwertigen Fertigung in Malaysias verarbeitender Industrie, einschließlich Halbleitern, Automatisierung und grünen Technologien, sowie grenzüberschreitende Partnerschaften mit Singapur zur Nutzung seiner regionalen F&E-Kapazitäten bieten Wachstumspotenzial. Gleichzeitig zwingt der Kostendruck durch Zölle und Inflation sowie Unsicherheiten in der globalen Lieferkette die Hersteller, sich auf dem Laufenden zu halten und sich den Markttrends in der Region anzupassen."
Tiffany Ang, Regionalmanagerin ASEAN, VDMA
Die Nachfrage nach Industrierobotern entwickelte sich 2024 mit 1.421 Neuinstallationen positiv - ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Dass der Ausrüstungsbedarf im Industriesektor steigt, zeigen auch die Außenhandelszahlen. Malaysia importierte 2024 Maschinen (SITC 71-74) im Wert von knapp 25 Milliarden US$, ein Plus von 26 Prozent gegenüber 2023. Wichtigster Lieferant war China, das seine Exporte um 30 Prozent auf 8 Milliarden US$ steigerte. Die USA verdoppelten ihre Lieferungen auf 4,3 Milliarden US$. Die Bezüge aus Deutschland verharrten mit 1,3 Milliarden US$ auf dem Vorjahresniveau.
Industriesektor soll weniger CO2 ausstoßen
Positive Wachstumsimpulse für den Maschinenbau dürfte die für 2026 geplante Einführung einer CO2-Steuer bringen. Aktuell wird ein Preis von umgerechnet knapp 4 US$ pro Tonne CO2 diskutiert. Malaysia will bis 2050 klimaneutral sein und dazu unter anderem die Emissionen in der Stahlindustrie und im Energiesektor reduzieren. Die Emissionsabgabe wäre für die Unternehmen ein zusätzlicher Anreiz, in effiziente Maschinen und Anlagen zu investieren. Die Sektorziele für die Stahlproduktion sehen beispielsweise den Übergang zu emissionsärmeren Stahlöfen wie Elektrolichtbogen- oder Induktionsöfen vor. Die Regierung will Investitionen in effiziente Produktionsanlagen und -verfahren stärker fördern.
Branchenstruktur und Rahmenbedingungen
Der Maschinenbau zählt mit rund 2.500 Unternehmen zu den Schlüsselbranchen in der verarbeitenden Industrie. Etwa 500 heimische und internationale Unternehmen fertigen oder montieren Komplettmaschinen vor Ort. Die wichtigsten Segmente sind Kraftmaschinen und Metallbearbeitungsmaschinen sowie in geringerem Umfang Klimatechnik, Pumpen und Fördertechnik. Malaysia gilt als größter Hersteller von industriellen Dampferzeugern in Südostasien - insbesondere für den Öl- und Gassektor und die Petrochemie.
Rund 150 Hersteller sind im Bereich Industrieautomatisierung, Advanced Manufacturing und Robotik aktiv. Wegen des hohen Stellenwerts Malaysias in der globalen Chip-Lieferkette - 13 Prozent des weltweiten Assembly, Testing und Packaging von Halbleitern finden in Malaysia statt - existiert eine Reihe hochspezialisierter Maschinenbauer wie Pentamaster oder Vitrox, die Ausrüstung für die Back-End-Fertigung herstellen. Daneben gibt es laut MIDA rund 2.000 größere Unternehmen in der Lieferkette für den Maschinenbau. Darunter etwa 450 Werkzeug- und Formenbauer, knapp 100 Gießereien und 125 Firmen im Bereich Oberflächentechnik.
Produktion und Export von Maschinen legten 2024 zu
Die Produktion von Maschinen und Ausrüstung wuchs 2024 um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr laut dem malaysischen Statistikamt. Das Segment der Metallbearbeitungs- und Werkzeugmaschinen ging um 13 Prozent zurück. Die Maschinenexporte (SITC 71-74) legten um ein Fünftel auf 15,1 Milliarden US$ zu. Wichtigster Abnehmer war Singapur mit 4,4 Milliarden US$ gefolgt von den USA mit knapp 2 Milliarden US$ sowie China und Indonesien mit jeweils rund 1 Milliarde US$. Die starke Marktposition Malaysias in der Chip-Industrie spiegelt sich auch bei den Exporten wider: Fast 30 Prozent der Gesamtausfuhren entfielen 2024 auf Maschinen für die Halbleiterfertigung (SITC 728.2) - ein Plus von 40 Prozent.
Vorteile für US-Anbieter und einheimische Maschinenbauer
Malaysia hat sich im Rahmen eines Zollabkommens mit den USA verpflichtet, bis 2030 Maschinen und Ausrüstung zur Elektronikfertigung, für die Luft- und Raumfahrtindustrie und für Rechenzentren im Wert von 150 Milliarden US$ von US-Herstellern zu beziehen. Zwar ist das Abkommen bislang nicht in Kraft und es ist noch unklar, welche Produkte genau darunter fallen. Perspektivisch könnte sich durch die Vereinbarung die Wettbewerbsposition deutscher Anbieter in diesen Segmenten verschlechtern. Durch das geplante Freihandelsabkommen mit der EU könnten sich Bedingungen auf dem malaysischen Markt wieder angleichen.
Darüber hinaus hat die Regierung in ihrem Haushaltsplan für 2026 die Sonderabschreibung von neu beschafften Maschinen geändert. Kauft ein Unternehmen diese von einem lokalen Hersteller, kann es die Maschinen innerhalb von zwei Jahren vollständig abschreiben. Bei importierter Ausrüstung greift weiterhin die bisherige Regelung mit jährlichen Sätzen von 14 oder 20 Prozent. Die Regierung will so die heimischen Maschinenbauer unterstützen beziehungsweise ausländische Hersteller zu einer Fertigung in Malaysia bewegen. Die Regelung gilt bislang nur bis Ende 2026, könnte aber darüber hinaus verlängert werden.