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Malaysia investiert in seine Wasserinfrastruktur

Der Modernisierungsdruck im malaysischen Wassersektor steigt. Der Investitionsbedarf liegt in Milliardenhöhe. Das eröffnet Chancen für deutsche Anbieter.

Von Boris Alex | Kuala Lumpur

Die malaysische Wasserver- und Abwasserentsorgung ist im regionalen Vergleich gut aufgestellt. So haben 97 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Trinkwasser. Der Investitionsbedarf bleibt dennoch hoch, da viele Klär- und Wasseraufbereitungsanlagen ihre Kapazitätsgrenzen erreicht haben und das Leitungsnetz modernisiert werden muss, so die Malaysian Water Association (MWA). Der Wasserbedarf soll bis 2030 um ein Fünftel auf 25 Millionen Kubikmeter pro Tag steigen. 

Einer der Treiber ist die boomenden Datenzentrumsindustrie, die immer mehr Wasser für die Kühlung benötigen. Um den Druck auf die Wasserversorgung zu verringern, werden künftig nur noch Projekte zum Bau von Tier-3- und Tier-4-Rechenzentren mit effizienten Kühlsystemen genehmigt. Zudem müssen die Betreiber künftig mit rund 1,30 US-Dollar (US$) ein Drittel mehr pro Kubikmeter Wasser zahlen als andere Gewerbe. Die Nachfrage nach effizienter Kühltechnik für dieses Segment dürfte daher in den nächsten Jahren weiter wachsen.

Ein Drittel des Trinkwassers geht verloren

In dem Anfang 2026 veröffentlichten Strategieplan für die Wasserwirtschaft hat das zuständige Ministerium PETRA (Ministerium für Energiewende und Wassertransformation) umfassende Infrastrukturinvestitionen angekündigt. Dadurch sollen die hohen Wasserverluste von 7,2 Millionen Kubikmeter pro Tag verringert werden.

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Einer Schätzung der Wasserbehörde National Water Services Commission (SPAN) zufolge entstehen den Versorgungsbetrieben dadurch Mindereinnahmen in Höhe von umgerechnet 500 Millionen US$ pro Jahr. Die Regierung will bis 2030 den Anteil des sogenannten Non-revenue Water (NRW) auf 28,8 Prozent und bis 2040 auf 15 Prozent reduzieren. Laut MWA lag der Anteil des NRW im Jahr 2025 im landesweiten Durchschnitt bei 34,3 Prozent. 

Allerdings gibt es erhebliche regionale Unterschiede: Während im Bundesstaat Johor die Verluste nur knapp ein Viertel betrugen, waren es in Perlis fast 62 Prozent. Um den NRW-Anteil zu reduzieren, muss die Infrastruktur modernisiert, ausgebaut und das Leitungsnetz besser überwacht werden. Laut SPAN ist das 165.000 Kilometer lange Röhrensystem streckenweise zwischen 30 und 50 Jahre alt und damit anfällig für Lecks, die oft unentdeckt bleiben.

Sanierungsbedarf im veralteten Leitungsnetz

MWA schätzt, dass ein Viertel der Rohre ihre Nutzungsdauer überschritten hat und dringend ersetzt werden müsste. Die Kosten alleine hierfür beziffert der Branchenverband auf knapp 15 Milliarden US$. Entsprechend groß ist der Bedarf an Ausrüstung zur Leckkontrolle und an Lösungen zur Rohrsanierung. Die hohen Leitungsverluste spiegeln sich auch im Wasserverbrauch wieder: Mit 287 Litern pro Kopf war er 2023 mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. 

Malaysias Regierung hat bereits 2021 einen Transformationsplan für den Wassersektor verkündet und sich darin unter anderem zum Ziel gesetzt, den Pro-Kopf-Verbrauch bis 2040 auf 180 Liter pro Tag zu senken. 

Dem steigenden Sanierungsbedarf und den hohen Betriebskosten stehen niedrige Wasserpreise gegenüber. Um mehr Finanzmittel für Investitionen in die Infrastruktur zu generieren, hat die Regierung Anfang 2026 angekündigt, die Wassergebühren zum 1. Juli 2026 anzuheben. In der Hauptstadtregion sollen die Preise um 30 Prozent steigen. Für einen Haushalt mit einem Wasserverbrauch von 50 Kubikmetern würden dann monatlich umgerechnet 22 US$ anfallen.

Versorgungsbetriebe investieren in Trinkwasseranlagen

Die Kapazitäten zur Trinkwasseraufbereitung lagen 2025 bei rund 20 Milliarden Litern pro Tag und sind seit 2018 um durchschnittlich 2 Prozent jährlich gewachsen, so die Daten des malaysischen Statistikamts. Die Wasserversorger wollen in den nächsten Jahren weitere Anlagen bauen. Der größte malaysische Versorger Air Selangor will beispielsweise bis 2028 insgesamt 1,9 Milliarden US$ in seine Aufbereitungsanlagen investieren, um die Trinkwasserversorgung seiner knapp 10 Millionen Kunden sicherzustellen. 

Milliardenschwere Investitionen im malaysischen Wassersektor geplantAuswahl wichtiger Investitionsprogramme und Projekte
Projekt (Bundesstaat)

Investitionen (in Mio. US$)

BeschreibungKontakt
Rasau Water Supply Scheme (Selangor)

1.900

Phase 1: Bau einer Wasseraufbereitungsanlage mit 700 Mio. Liter/Tag bis Ende 2029; 

Phase 2: Bau einer Anlage mit 1.130 Mio. Liter/Tag bis Ende 2030

Air Selangor
Sarawak Alternative Water Supply Programme und Sarawak Water Supply Grid Programme (Sarawak)

930

Rund 300 Einzelprojekte bis 2028; 

Ausbau und Neubau von Wasseraufbereitungsanlagen und Erweiterung des Leitungsnetzes; Programme laufen bis 2040

Jabatan Bekalan Air Luar Bandar Sarawak
National Non-Revenue Water Programme (landesweit)

587

Maßnahmen zur Reduzierung der Leitungsverluste; Laufzeit: 2025 bis 2030Ministry of Energy Transition and Water Transformation
Erweiterung und Neubau von Wasseraufbereitungsanlagen (Kedah)

280

Kapazitätsausbau an sechs Wasseraufbereitungsanlagen bis 2026; 

Bau von zwei neuen Anlagen (Sidam Kiri, Kodiang) bis 2027

Lembaga Sumber Air Negeri Kedah
Water Contingency Plan 2030 (Penang)

259

Bau von drei Wasseraufbereitungsanlagen (Mengkuang, Sungai Muda, Sungai Kerian); 

Ausbau bestehender Anlagen und Modernisierung des Leitungsnetzes

Perbadanan Bekalan Air Pulau Pinang
Non-Revenue Water Reduction Programme (Kedah)

225

Maßnahmen zur Reduzierung der LeitungsverlusteLembaga Sumber Air Negeri Kedah
Labohan Dagang Water Treatment Plant (Selangor)

121

Phase 1: Bau einer Wasseraufbereitungsanlage mit 200 Mio. Liter/Tag bis Ende 2026; 

Phase 2: Bau einer Anlage mit 700 Mio. Liter/Tag bis Ende 2028

Air Selangor
Ausbau bestehender Wasseraufbereitungsanlagen (Sabah)

110

Verdopplung der Kapazitäten des Telibong Water Treatment Plant auf 160 Mio. Liter/Tag bis Ende 2024; 

Verdopplung der Kapazitäten des Kogopon Water Treatment Plant auf 80 Mio. Liter/Tag bis Ende 2026 

Jabatan Air Negeri Sabah
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Die Digitalisierung des Wassersektors steht noch am Anfang, ist aber eines der Hauptziele des Transformationsplans. Die Wasserversorgung soll effizienter werden durch eine verbesserte Steuerung des Verbrauchs und Überwachung der Wasserqualität mit Hilfe von intelligenten Zählern (Smart Meter) und Sensoren. Ein lückenloses Monitoring des Leitungsnetzes soll Lecks schnellstmöglich erkennen. Die physische Infrastruktur und die IT-Systeme sollen vernetzt werden. 

Markteinstieg erst registrieren, dann liefern!

Deutsche Unternehmen, die Ausrüstungen an den Wassersektor in Malaysia liefern möchten, müssen sich gemäß den Water Services Industry (Registration of Supplier) Rules 2023 bei der nationalen Regulierungsbehörde SPAN als Hersteller oder Lieferant registrieren.

Voraussetzung hierfür ist, dass das Unternehmen im Firmenregister Companies Commission of Malaysia gemäß dem Companies Act 2016 (Act 777) als malaysisches Unternehmen registriert ist. Weitere Informationen sind bei der Investitionsbehörde MIDA erhältlich.

Lösungen für die Abwasserproblematik in der Industrie gesucht

Auch bei der Abwasserbehandlung steht Malaysia vor Herausforderungen. Im Jahr 2022 waren rund 7.500 Klärwerke im Betrieb, vier Jahre zuvor waren es noch 7.100 Anlagen. Bis 2030 sollen 418 kleinere und veraltete Kläranlagen stillgelegt und durch neue, größere ersetzt werden, so die Pläne der Regierung. Im Industriesektor fallen immer mehr Abwässer an, da wasserintensive Branchen wie die Petrochemie, die Gummi- und Kunststoffproduktion, die Elektronikindustrie, der Pharmasektor und die Nahrungsmittelverarbeitung in den nächsten Jahren weiter wachsen werden. Hinzu kommt der rasch wachsende Wasserbedarf der boomenden Rechenzentrumsindustrie im Bundesstaat Johor, der an Singapur grenzt. Bis 2028 benötigt Johor zusätzliche Wasseraufbereitungskapazitäten von 61 Millionen Kubikmeter pro Jahr. 

Gefragt sind auch Lösungen für die Aufbereitung und Behandlung der jährlich 120.000 Tonnen Klärschlamm, die bei der Biogasproduktion anfallen. Malaysia will zudem verstärkt Grauwasser in Industrieprozessen einsetzen. Zwischen 15 und 20 Prozent des Wasserbedarfs in der Industrie – bis zu 900 Millionen Liter pro Tag – könnten durch gering verschmutztes Abwasser gedeckt werden, schätzt der staatliche Abwasserentsorger Indah Water Konsortium.