Wirtschaftsausblick | Malaysia
Nahostkrise wird zur Belastungsprobe für die Wirtschaft
Selbst dem rohstoffreichen Malaysia machen die steigenden Öl- und Gaspreise zu schaffen. Der Druck auf Unternehmen und Verbraucher dürfte im 2. Halbjahr 2026 weiter zunehmen.
18.06.2026
Von Boris Alex | Kuala Lumpur
Top-Thema: Ökonomen befürchten "Ruhe vor dem Sturm"
Auf dem Papier zeigt sich die malaysische Wirtschaft trotz des Nahostkonflikts robust. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im 1. Quartal 2026 real um 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Im Vergleich zum 4. Quartal 2025 sowie auf Monatsbasis zeigt sich laut Daten der malaysischen Zentralbank (Bank Negara Malaysia; BNM) allerdings ein beginnender Abwärtstrend. Grund dafür sind die steigenden Weltmarktpreise für Öl und Gas. Bislang wurden 40 Prozent des malaysischen Rohölbedarfs über Lieferungen durch die Straße von Hormus gedeckt.
Malaysia verkauft sein hochwertiges, leichtes Rohöl zu höheren Preisen auf dem Weltmarkt und importiert im Gegenzug billigeres, schweres Öl aus den Golfstaaten. Dieses wird dann in heimischen Raffinerien weiterverarbeitet. Die steigenden Preise an den Zapfsäulen und für petrochemische Erzeugnisse belasten die Stimmung bei Konsumenten und Unternehmen sowie den öffentlichen Haushalt. Schlugen die Benzinsubventionen vor Kriegsbeginn noch mit rund 180 Millionen US-Dollar (US$) pro Monat zu Buche, dürften sie im Juni 2026 bei 1,5 Milliarden US$ liegen.
Kostendruck in der verarbeitenden Industrie wächst
Die Folgen der steigenden Rohstoffpreise und der Störungen in den globalen Lieferketten durch den Irankrieg dürften aber erst im 2. Halbjahr 2026 in vollem Umfang bei den Haushalten und Unternehmen ankommen. Da die meisten Industriebetriebe Vorerzeugnisse für drei bis sechs Monate vorhalten, kommen die höheren Preise zeitverzögert an. Dennoch gaben in einer Umfrage des Industrieverbands Federation of Malaysian Manufacturing vom Mai 2026 bereits 70 Prozent der Befragten an, dass höhere Preise für Vorprodukte, steigende Logistikkosten sowie kürzere Zahlungsziele ihren Cash-Flow belasten.
Je länger der Nahostkonflikt andauert, desto eher sind die Unternehmen gezwungen, die höheren Kosten an die Verbraucher weiterzugeben. Die Inflationsrate lag im April 2026 mit 1,9 Prozent bereits einen halben Punkt über dem Wert vor Kriegsbeginn. Für das Gesamtjahr rechnet BNM mit einer Teuerungsrate am oberen Ende ihres Korridors von 1,5 bis 2,5 Prozent.
Wirtschaftsentwicklung: Konjunktur könnte sich im 2. Halbjahr 2026 abkühlen
Die BIP-Prognosen für 2026 liegen mit 4,2 bis 4,8 Prozent deutlich unter dem Vorjahresplus von 5,2 Prozent. Je länger die Krise am Persischen Golf andauert, desto stärker dürfte sich die Konjunktur abkühlen. Für 2027 erwartet die Asian Development Bank ein reales BIP-Plus von 4,5 Prozent – vorausgesetzt, der Konflikt spitzt sich nicht weiter zu. Auch mehren sich angesichts wachsender Spannungen innerhalb der Regierungskoalition die Anzeichen für vorgezogene Parlamentswahlen noch in diesem Jahr statt turnusmäßig erst Anfang 2028. Dies könnte zusätzlich Unsicherheit bei Unternehmen und Verbrauchern erzeugen und die Wachstumsaussichten weiter dämpfen.
Konsum schwächt sich auf hohem Niveau ab
Verbraucher haben wegen der höheren Energiekosten weniger Geld für Konsumgüter zur Verfügung. In den ersten drei Monaten 2026 legten die Konsumausgaben real um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Das ist 1 Prozentpunkt weniger als im letzten Quartal 2025. Angesichts des weiterhin stabilen Arbeitsmarktes mit einer Erwerbslosenquote von 2,9 Prozent sowie Reallohnzuwächsen von 2,4 Prozent dürften sich die privaten Konsumausgaben dieses Jahr dennoch behaupten und laut Prognosen zwischen 4,2 und 4,8 Prozent zulegen.
Globale Krisen drücken auf Investitionslaune
Auch die Investitionen dürften sich im 2. Halbjahr 2026 abkühlen. Die steigenden Kosten lassen die Gewinnerwartungen sinken, beispielsweise um 12 bis 15 Prozent im Bausektor. Daher werden die Unternehmen geplante Investitionen wohl aufschieben. Zwar ist die Projektpipeline in der Halbleiterindustrie und der Rechenzentrumsbranche weiterhin gut gefüllt. Dennoch dürften die privaten Investitionen 2026 nur noch zwischen 5 und 7 Prozent zulegen, nach knapp 10 Prozent im letzten Jahr.
Die rasant steigenden Benzinsubventionen engen zudem den Spielraum für öffentliche Investitionen ein. Das Plus fiel im 1. Quartal 2026 mit 5,3 Prozent deutlich niedriger aus als mit 9,5 Prozent im 4. Quartal 2025.
Malaysische Exporte legen kräftig zu
Der malaysische Außenhandel zeigt sich bislang unbeeindruckt. Die Ausfuhren legten in den ersten vier Monaten 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 20 Prozent zu. Gefragt waren vor allem Elektronik, Erdölerzeugnisse sowie Maschinen und Anlagen. Die Importe verzeichneten im betrachteten Zeitraum ein Plus von 11 Prozent zu. Für das Gesamtjahr 2026 bewegen sich die Wachstumsprognosen für den Außenhandel zwischen 3 und 4 Prozent.
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Deutsche Perspektive: Konkurrenzdruck aus China wächst
Die deutschen Exporte konnten 2025 nicht von der positiven Konjunkturentwicklung Malaysias profitieren und gingen um 6 Prozent auf 6,7 Milliarden US$ zurück. Im Gegenzug legten die Einfuhren aus Malaysia um 3 Prozent auf 12,1 Milliarden US$ zu. Wie auch in anderen Ländern drängen chinesische Unternehmen verstärkt auf den malaysischen Markt. Die Importe aus China stiegen 2025 um 27 Prozent auf 82,4 Milliarden US$.
Chinesische Anbieter besetzen zunehmend Segmente wie Maschinenbau, Medizintechnik, Mess-und Regeltechnik oder Transportausrüstung und treten damit vor allem über den Preis in Konkurrenz zu deutschen Herstellern. Diese passen ihre Marktstrategien an und entscheiden sich immer öfter für den Aufbau einer Vertriebs- und Aftersales-Service-Struktur oder einer Fertigung vor Ort, um näher am Kunden zu sein.
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