SWOT-Analyse | Malta

Drehscheibe im Mittelmeer

Malta ist eine kleine, aber wachstumsstarke Volkswirtschaft. International ausgerichtete Dienstleistungsbranchen prägen die Wirtschaft. 

Torsten Pauly

Von Torsten Pauly | Mailand

Attraktives Investitionsumfeld

Seit der Aufnahme in die EU 2004 hat sich Maltas reales Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2022 mehr als verdoppelt (+123,6 Prozent). Dies ist dem kleinen Inselstaat, der mit 521.000 Einwohnern (2022) die geringste Bevölkerung in der EU hat, durch konsequente Förderung einzelner Sektoren gelungen. Malta konnte mit einem unternehmerfreundlichen Umfeld erfolgreich ausländische Investoren gewinnen. 

SWOT-Analyse Malta
Strengths Weaknesses
Einige starke Exportbranchen treiben WachstumKleiner Inlandsmarkt
Malta ist Logistikdrehkreuz im südlichen MittelmeerAbhängigkeit von einigen Dienstleistungsbranchen
Amtssprache EnglischFachkräftemangel
Unternehmerfreundliche Gesetze und attraktive KörperschaftsteuerImportabhängigkeit bei vielen Waren
Solide StaatsfinanzenAbhängigkeit von fossilen Brennstoffen
OpportunitiesThreats 
Bevölkerungsanstieg wegen Arbeitsimmigration erhöht Nachfrage in allen BereichenHohes Zinsniveau verteuert Investitionskredite
Ausbau des öffentlichen PersonenverkehrsÜberlastete Straßeninfrastruktur
Günstige Voraussetzungen für ElektromobilitätUnzureichende öffentliche Ladestationen
Ausbau der (Ab-)Wasser- und RecyclingsystemeTeilweise langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren
Ausbau erneuerbarer EnergienZwei große Parlamentsfraktionen bestimmen Legislative und Exekutive
Quelle: Germany Trade & Invest 2023

Starke Positionierung in einigen Sektoren

Große Bedeutung haben der Tourismus, das Finanzwesen, das Logistikgewerbe und der Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Diese Branchen erwirtschaften im Austausch mit dem Ausland konstante Überschüsse in der Dienstleistungsbilanz. Als Logistikstandort profitiert Malta von seiner Lage im südlichen Mittelmeer auf halber Strecke zwischen dem Suezkanal und der Meerenge von Gibraltar. Der internationale Freihafen bietet sich mit einem Tiefgang von 17 Metern zum Umladen auf kleinere Schiffe für Häfen mit weniger Tiefe an. Malta gehört zu den Ländern mit dem größten Containeraufkommen im Mittelmeer. Das Land positioniert sich auch erfolgreich in der Wartung von Flugzeugen.

Im verarbeitenden Gewerbe gibt es ebenfalls einige exportorientierte Unternehmen, etwa in der Elektro-, Elektronik- und Pharmaindustrie. Ein wichtiger Produzent ist auch geobra Brandstätter, der dort seit Jahrzehnten Playmobil-Spielzeug herstellt. Insgesamt spielt das verarbeitende Gewerbe aber nur eine untergeordnete Rolle: Im Jahr 2022 trug der Sektor 7,7 Prozent zur Bruttowertschöpfung des Landes bei. Maltas Handelsbilanz weist ein konstant hohes Defizit auf, da sehr viele Waren ausschließlich importiert werden.

Qualifizierte Arbeitnehmer, wachsende Bevölkerung

Malta bietet sich als Standort für internationale Unternehmenstätigkeiten an. Neben Irland ist das Land das einzige EU-Mitglied, das auch Englisch als Amts- und Unterrichtssprache hat. Das Maltesische gehört zur semitischen Sprachfamilie und ist mit dem Arabischen verwandt.

Der wirtschaftliche Aufschwung hat in Malta viele hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen, insbesondere im Finanz- und IKT-Sektor. Auch die Zahl der weniger qualifizierten Arbeitsplätze, zum Beispiel in der Gastronomie, ist gestiegen. Da der Bedarf durch die geringe maltesische Bevölkerung nicht gedeckt werden kann, gibt es einen starken Zuzug von Arbeitern aus der EU, aber auch aus dem Commonwealth. Die Einwohnerzahl hat sich von 2004 bis 2022 um 30,3 Prozent erhöht und soll bis 2032 um weitere 19,7 Prozent steigen, so das europäische Statistikamt Eurostat. 

Verkehrsnetz ist stark überlastet

Ein Nachteil des Bevölkerungswachstums ist die sehr hohe Bevölkerungsdichte, die im Jahr 2022 mit 1.657 Einwohnern pro Quadratkilometer siebenmal so hoch war wie in Deutschland und mit Abstand die höchste in der EU. Die erwartete Zuwanderung wird die Bevölkerungsdichte weiter erhöhen.

Der Infrastrukturausbau hat mit diesem Anstieg und dem Wohlstandgewinn nicht Schritt gehalten. Im Jahr 2022 kamen auf einen Führerscheinbesitzer statistisch anderthalb zugelassene Kfz, was stark überlastete Straßen zur Folge hat.  Der öffentliche Personennahverkehr ist mit einem landesweiten Busnetz gut ausgebaut und günstig, arbeitet aber hinsichtlich der Taktung an der Kapazitätsgrenze. Es gibt Pläne zum Bau einer U-Bahn. Diese haben jedoch noch kein Stadium der Realisierung erreicht. Anstrengungen wird Malta in den kommenden Jahren auch für den Ausbau der Wasserver- und -entsorgung, des Recyclingsystems und des Gesundheitswesens unternehmen müssen.

Energiemix hängt von fossilen Brennstoffen ab

Malta hat dank seiner Lage hervorragende Bedingungen zur Nutzung von Solar- und Offshore-Windenergie. Mit Wasserstoffanlagen und Unterseekabeln nach Italien könnte das Land zukünftig auch hohe Exporterlöse erzielen. Entsprechende Planungen sind jedoch noch nicht weit fortgeschritten. Erdöl und Flüssiggas haben 2020 noch 93,6 Prozent zur gesamten Energieversorgung beigetragen.

Wegen der kurzen Entfernungen ist Malta für die Nutzung von E-Autos prädestiniert. Dennoch sind die Zulassungen von Neuwagen auf reiner Batteriebasis in den ersten zehn Monaten 2023 nur um 21,1 Prozent und damit weniger als im EU-Durchschnitt (+ 53,1 Prozent) gestiegen, jeweils gegenüber demselben Vorjahreszeitraum. Dies liegt zum einen an der Ladeinfrastruktur. Ende 2022 mussten sich 10.000 maltesische Einwohner 1,9 öffentliche Stromzapfsäulen teilen. Damit lag Malta in der EU auf Rang 20. Auch machen im EU-Vergleich niedrige Treibstoffsteuern Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren weiterhin attraktiv.