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Branche kompakt | Mexiko | Kfz-Industrie

Kfz-Industrie in Mexiko entwickelt sich stark

Der Automobilstandort Mexiko expandiert. Investitionen der Branche in Elektromobilität dürften die Produktion mittelfristig steigern.

Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt

Ausblick der Kfz-Branche in Mexiko

Bewertung:

 

  • Sowohl der lokale Absatz von Pkw als auch deren Produktion haben in Mexiko dank zweistelliger Wachstumsraten 2023 wieder das Niveau von vor der Coronapandemie erreicht. Dieser Trend dürfte 2024 anhalten.
  • OEMs und Zulieferer weiten im Zuge des Nearshoring ihre Produktionskapazitäten aus. Zudem wird in die Herstellung von Elektroautos investiert. 2024 könnte Mexiko über 4 Millionen Fahrzeuge produzieren.
  • Volkswagen ist nach Nissan und General Motors die drittbeliebteste Automarke im Land. Chinesische Hersteller kommen jedoch bereits auf einen Marktanteil von 10 Prozent - mit steil ansteigender Tendenz.

 

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Februar 2024

  • Markttrends

    Der Automobilsektor ist das wichtigste Ziel ausländischer Direktinvestitionen in Mexiko. Auch deutsche Unternehmen sind sehr aktiv.

    Ausländische Direktinvestitionen im Automobilsektor erhöhen sich deutlich

    Der Ansturm ausländischer Unternehmen auf Mexiko im Zuge des Nearshoring hält weiterhin an: Nach vorläufigen Zahlen des mexikanischen Wirtschaftsministeriums erreichten die Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen (FDI) im Jahr 2023 mit 36,1 Milliarden US-Dollar (US$) einen neuen Rekordwert. Ohne Berücksichtigung der Fusion von Televisa und Univisión und der Umstrukturierung der Fluglinie Aeroméxico stiegen die FDI gegenüber dem Vorjahr um 26,9 Prozent.

    Auf keine andere Branche entfielen dabei 2023 so viele Investitionen wie auf den Automobilsektor. So legten ausländische Automobilunternehmen 7,4 Milliarden US$ in Mexiko an. Der Anstieg gegenüber 2022 war mit einem Plus von 57,4 Prozent beachtlich.

    57,4 %

    stiegen die ausländischen Direktinvestitionen 2023 im Automobilsektor.

    Im Jahr 2023 wurden 24,4 Prozent mehr Pkw verkauft

    Mit einem Plus von 24,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entwickelte sich der Pkw-Absatz in Mexiko 2023 dynamisch. Nach Angaben des Händlerverbandes Asociación de Distribuidores de Automotores (AMDA) wurden knapp 1,4 Millionen Fahrzeuge verkauft und damit wieder das Niveau von vor der Coronapandemie erreicht (2019: 1,3 Millionen Pkw). Das bisherige Rekordjahr 2016 mit 1,6 Millionen verkauften Pkw ist in greifbare Nähe gerückt. Laut AMDA befindet sich der Markt in einer Erholungsphase, nachdem die Störungen in den globalen Lieferketten und der Mangel an Halbleiterchips inzwischen behoben worden seien. 

    Laut Guillermo Rosales Zárate, Präsident des Händlerverbandes AMDA, sollen die Pkw-Verkäufe 2024 um 6,8 Prozent auf rund 1,5 Millionen Fahrzeuge zulegen. Das stabile Wirtschaftswachstum und bessere Finanzierungsmöglichkeiten für den Autokauf werden die Nachfrage antreiben, so Zárate auf einer Pressekonferenz.

    Die Mexikaner fragen seit einigen Jahren verstärkt Sport Utility Vehicle (SUV) und leichte Geländewagen beziehungsweise Pickups nach. Im Jahr 2023 entfielen 56 Prozent der Verkäufe auf diese Fahrzeugklassen. Zu den beliebtesten Modellen zählen der Nissan Pickup NP300, der Kia Seltos, der Nissan Kicks und der Volkswagen Taos. Rund 40,9 Prozent der verkauften Pkw entfielen 2023 auf die Klassen Kompakt und Subkompakt. Hier führten der Nissan Versa, der General Motors Aveo und der Kia Rio die Verkaufsranglisten an.

    Absatz von Kfz in MexikoStückzahl, Veränderung in Prozent

    Kategorie

    2022

    2023

    Veränderung 2023/2022 

    Pkw

    1.094.728

    1.361.433

    24,4

    Lkw

    34.891

    44.273

    26,9

    Busse

    4.824

    8.215

    70,3

    Quelle: AMDA 2024; ANPACT 2024

    Chinesische Hersteller mit rund 10 Prozent Marktanteil

    Der langjährige Marktführer Nissan steigerte seine Verkäufe 2023 um 42,7 Prozent und baute damit seinen Marktanteil auf 17,7 Prozent vor dem Zweitplatzierten General Motors aus. Die Volkswagen-Gruppe belegte den dritten Platz, mit einem ebenfalls sehr dynamischen Absatzwachstum. Unter den zehn meistverkauften Modellen befanden sich 2023 allein vier Fahrzeuge von Nissan (Versa, NP300, March, Sentra). Das meistverkaufte Modell unter allen Herstellern in Mexiko war der Nissan Versa (76.926 Stück).

    Auch 2023 verzeichneten chinesische Hersteller hohe Zuwachsraten, insbesondere Chirey (+343,9 Prozent) und Motornation (umfasst BAIC, JMC und Changan; +52,8 Prozent). Die höchsten absoluten Verkaufszahlen verbuchte jedoch MG Motor des chinesischen Staatskonzerns SAIC Motor (60.128 Fahrzeuge, +25 Prozent). MG Motor lag damit vor renommierten Herstellern wie Ford, Hyundai oder Renault und hatte mit dem MG5 auch ein Modell unter den Top 5 der meistverkauften Fahrzeugmodelle. Insgesamt erreichten chinesische Hersteller einen Marktanteil von rund 10 Prozent.

    Finanzierungsmöglichkeiten spielen beim Neuwagenkauf eine wichtige Rolle. Knapp 60 Prozent aller Pkw werden finanziert, wobei die Zinssätze 2023 im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen sind. In der Regel wurden 2023 Zinssätze zwischen 11 und 18 Prozent jährlich mit Laufzeiten von fünf Jahren verlangt. Meist stellen die Finanzinstitute der Automobilhersteller das Kapital bereit, teilweise auch Banken.

    Absatz von Pkw nach ausgewählten Herstellern in Mexiko Stückzahl; Marktanteil und Veränderung in Prozent

    Hersteller

    Absatz 2023

    Veränderung 2023/2022

    Marktanteil 2023

    Nissan

    241.056

    42,7

    17,7

    General Motors

    184.051

    11,5

    13,5

    Volkswagen 1)

    149.936

    -16,1

    11,0

    Toyota

    104.113

    8,0

    7,6

    Stellantis 2)

    96.795

    30,1

    7,1

    Kia

    93.490

    4,9

    6,9

    Sonstige

    491.992

    k.A.

    36,2

    1 beinhaltet die Marken Volkswagen, Audi, Porsche, Bentley, SEAT; 2 beinhaltet die Marken Alfa Romeo, Peugeot, Chrysler.Quelle: AMDA 2024

    Erstes chinesisches Werk dürfte bald kommen

    Tesla will in den kommenden Jahren rund 5 Milliarden US$ für ein Werk in Mexiko ausgeben. Im März 2023 kündigte das US-Unternehmen den Bau einer Gigafabrik für Elektroautos im Bundesstaat Nuevo León an. Dort soll das erwartete, günstige Massenmodell von Tesla produziert werden. Presseberichten zufolge will Tesla seine Lieferketten der Gigafabrik in Shanghai nachahmen und ermutigt daher chinesische Lieferanten, sich ebenfalls in Nuevo León anzusiedeln. 

    In Mexiko hergestellte Fahrzeuge gelangen dank des USMCA-Handelsabkommens nicht nur zollfrei in die USA, sondern kommen dort auch in den Genuss der Subventionen des Inflation Reduction Act (IRA). Diese sehen steuerliche Anreize von bis zu 7.500 US$ beim Kauf eines Pkw vor und würden unter bestimmten Voraussetzungen auch für chinesische Hersteller gelten, wenn diese in Mexiko produzieren. Presseberichten zufolge stehen BYD, Chery Automobile und SAIC Motor in Verhandlungen mit der mexikanischen Regierung und dürften in Kürze Produktionsstätten in Mexiko ankündigen.

    Nutzfahrzeuge auf Rekordkurs

    Die Verkäufe von Nutzfahrzeugen (Nfz) legten 2023 mit einem Anstieg von 32,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr ebenfalls kräftig zu. Nach Einschätzung des Branchenverbandes ANPACT wurde damit fast das Niveau des bisherigen Rekordjahres 2007 erreicht. Für 2024 rechnet der Verband mit einem Plus von 12,9 Prozent auf 57.632 verkaufte Nfz, womit der Rekord von 2007 eingestellt werden würde. Besonders der florierende Export in die USA beflügelt die Nachfrage nach Lkw.

    Bei den Lkw hatte die Daimler-Truck-Tochter Freightliner 2023 einen Marktanteil von rund einem Drittel (12.990 verkaufte Fahrzeuge), gefolgt von Kenworth (Marktanteil 28,1 Prozent; 12.424 Fahrzeuge) und International (13,5 Prozent; 5.988 Fahrzeuge) der Volkswagen-Gruppe. Bei Bussen führten die Marken Mercedes-Benz (45,6 Prozent Marktanteil), International (14,7 Prozent) und VW Autobuses (14,0 Prozent) den Markt an. Aufgrund der starken Marktposition wird Mercedes-Benz in Mexiko auch La Casa del Autobús - das Haus des Busses - genannt.

    (Stand Februar 2024)

    Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt

  • Branchenstruktur

    In Mexiko rollen immer mehr Elektroautos vom Band. Dieser Trend wird anhalten, da neben Tesla auch Autobauer wie Volkswagen oder BMW entsprechende Investitionen tätigen.

    Pkw-Produktion erreicht Niveau von vor der Pandemie

    Dank eines kräftigen Anstiegs der Pkw-Produktion im Jahr 2023 wurde das Vorpandemieniveau von 3,8 Millionen Fahrzeugen wieder erreicht. Das Plus gegenüber 2022 betrug 14,2 Prozent, so der Verband der Automobilindustrie AMIA (Asociación Mexicana de la Industria Automotriz). Für 2024 rechnet AMIA mit 4 Millionen bis 4,1 Millionen produzierten Pkw. Damit werden in Mexiko ähnlich viele Autos hergestellt wie in Deutschland.

    Neben einer deutlichen Erholung der Pkw-Exporte (+15,2 Prozent auf 3,3 Millionen Fahrzeuge) entwickelte sich auch der lokale Absatz in Mexiko stark (+24,4 Prozent auf 1,4 Millionen Pkw). Jedoch werden nur rund 13 Prozent der in Mexiko hergestellten Fahrzeuge im Heimatmarkt verkauft. Der Rest geht ins Ausland, insbesondere in die USA.

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    Hersteller starten mit der Produktion verschiedener Elektromodelle

    Volkswagen kündigte im Februar 2024 hohe Investitionen für die Umrüstung des Werkes in Puebla an. Mit Ausgaben von knapp 1 Milliarde US$ sollen in dem Werk künftig Elektrofahrzeuge hergestellt werden. Genauere Angaben machte das Unternehmen nicht. Holger Nestler, Geschäftsführer von Volkswagen de México sagte gegenüber lokalen Medien, dass "Volkswagen mit diesem zweiten Investitionspaket die Relevanz des Standortes bestätigt". Das erste Paket hatte der Konzern Ende 2022 bekannt gegeben, es umfasste unter anderem eine neue Lackieranlage.

    Bereits im Februar 2023 kündigte BMW an, umgerechnet rund 860 Millionen US$ in den Standort San Luis Potosí zu investieren, damit dort ab 2027 vollelektrische Pkw der "Neuen Klasse" vom Band rollen.

    Bei Ford ist man schon weiter: Hier wurde 2020 mit der Produktion des vollelektrischen Modells Mustang Mach-E in einem Werk nahe Mexiko-Stadt begonnen. Im Jahr 2023 fuhr Ford die Produktion dort um 20,5 Prozent auf rund 94.000 Stück hoch. General Motors startete im Oktober 2023 mit der Herstellung der Modelle Equinox EV und Blazer EV in seinem Werk im nordmexikanischen Ramos Arizpe (Bundesstaat Coahuila). Zuvor hatte der US-Konzern rund 1 Milliarde US$ in den Ausbau des Werkes investiert.

    Wichtige Investitionsprojekte von Kfz-Herstellern in MexikoInvestitionen in Millionen US-Dollar
    Unternehmen

    Beschreibung

    Investitionen 

    Anmerkung
    TeslaGigafactory für Elektroautos in Santa Catarina (Nuevo León)

    5.000

    Vorarbeiten laufen; ab 2025 sollen Autos vom Band rollen
    VolkswagenInvestitionen in das Werk in Puebla zur Umrüstung auf Elektromobilität

    942

    Mitte Februar 2024 angekündigt
    BMWInvestitionen in das Werk in San Luis Potosí zur Herstellung von Elektrofahrzeugen ab 2026

    860

    Ankündigung im Februar 2023; beinhaltet Montagezentrum für Hochvoltbatterien
    VolkswagenInvestitionen in das Werk in Puebla bis 2025

    763

    Ende 2022 angekündigt; beinhaltet neue Lackieranlage
    NissanInvestitionen in das Werk in Aguascalientes

    700

    Mitte 2022 angekündigt; sieht unter anderem neue Produktionslinie für das Modell CVT-X AXO vor
    KiaInvestitionen in Werk in Pesquería (Nuevo León)

    408

    Ausbau der Kapazität von 250.000 auf 400.000 Fahrzeuge jährlich; Herstellung des Elektromodells EV9 und eines anderen Hyundai-Modells
    ToyotaAnpassung der Produktionslinien des Werks in Apaseo El Grande (Guanajuato)

    328

    Herstellung der vierten Generation des Modells Tacoma (hybrid)
    NavistarAusbau des Werks in Escobedo (Nuevo León)

    120

    Angekündigt Anfang 2023, Ausbau soll bis 2026 abgeschlossen sein; jährliche Kapazität des Werks liegt bei 67.000 Nutzfahrzeugen
    AudiInvestitionen in Werk in San José Chiapa (Puebla)

    k. A.

    Herstellung einer Elektroversion des Modells Q5 ab 2026; geplant ist eine spiegelbildliche Kopie des bestehendes Werkes
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2024

    Längerer Streik bei Audi Anfang 2024

    Audi produziert das weltweite Angebot des Modells Q5 in Mexiko (Bundesstaat Puebla), mit Ausnahme eines Werks in China, das den dortigen Markt bedient. Nach einem fast einmonatigen Streik einigte sich das Unternehmen im Februar 2024 mit der Gewerkschaft Sitaudi auf eine Lohnerhöhung um 10,2 Prozent. Die Gewerkschaft hatte ursprünglich 15,5 Prozent gefordert. Am nahe gelegenen Werk von Volkswagen wurden die Gehälter 2023 um 8,1 Prozent angehoben. Landesweit ist zuletzt ein Erstarken der Automobilgewerkschaften zu beobachten.

    Die größten Hersteller in Mexiko insgesamt waren 2023 General Motors, Nissan, Stellantis, Ford, Volkswagen und Toyota. Nissan stieg dank eines Produktionszuwachses von 57,5 Prozent vom dritten auf den zweiten Platz im Herstellerranking auf. Jede der genannten Firmen hat mindestens zwei Werke in Mexiko. Eine Übersicht der insgesamt 37 Autofabriken im Land bietet AMIA.

    Die Automobilwerke haben sich in den vergangenen Jahren auf die starke Nachfrage in den USA nach Sport Utility Vehicles (SUV), Pick-ups und Geländewagen eingestellt. Dementsprechend führen nicht Klein- oder Kompaktwagen die Produktionszahlen an, sondern die Modelle Toyota Tacoma (250.000 hergestellte Einheiten im Jahr 2023) und General Motors Equinox SUV (229.000). Es folgten der Nissan Sentra (194.000), Audi Q5 (175.000) und Honda HR-V (167.000).

    Wichtige Investitionsprojekte von Kfz-Zulieferern in MexikoInvestitionen in Millionen US-Dollar
    Unternehmen

    Beschreibung

    Investitionen 

    Anmerkung
    AGP GlassHerstellung von High-Tech-Glas in Santa Catarina (Nuevo León)

    800

    Beliefert Tesla
    NidecNeues Werk zur Herstellung von Antriebsmotoren für Elektroautos

    715

    Noch keine Standortentscheidung getroffen
    Citic DicastalNeue Produktionsanlage zur Herstellung von Aluminiumfelgen in Ramos Arizpe (Coahuila)

    550

    Phase 1 im Juni 2023 eröffnet
    MichelinPhase 2 des Ausbaus des 2019 in León (Guanajuato) eröffneten Werks

    400

    Soll 2024 in Betrieb gehen; insgesamt sechs Ausbaustufen geplant
    Ningbo Xusheng GroupWerk zur Herstellung von Teilen für Elektroautos in Saltillo (Coahuila)

    350

    Nach acht Werken in China jetzt erstes Werk in Mexiko
    ZF FriedrichshafenErweiterung des Werks in El Marqués (Querétaro) zur Herstellung von Bremstechnologie

    263

    Im Februar 2023 angekündigt
    BoschInvestitionen in Werk in Aguascalientes zur Herstellung von Bremstechnologie

    258

    Beliefert unter anderem Nissan, Tesla und BMW
    ZKWAusbau des Werks in Silao (Guanajuato)

    255

    Produktion von Autoscheinwerfern; beliefert unter anderem Ford, BMW und General Motors
    ContinentalAusbau des Werks und Bau eines zweiten Werks in Las Colinas (Guanajuato)

    210

    Herstellung von Bremstechnologien und Federungssystemen
    BorgWarnerNeues Werk in San Luis Potosí zur Herstellung von Komponenten für Elektromotoren

    198

    Baubeginn Juli 2023 im Industriepark WTC 2
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2024

    Auch Zulieferer expandieren

    Neben den Erstausrüstern (Original Equipment Manufacturer, OEM) errichten auch Tier-1- und Tier-2-Zulieferer neue Werke in Mexiko oder erweitern bestehende Produktionsanlagen. Die Pandemie legte die Anfälligkeit der globalisierten Lieferketten offen. Viele OEM möchten das Ausfallrisiko durch kürzere Lieferwege ihrer Zulieferer verringern. Wegen des großen Andrangs sind Industrieflächen in Nordmexiko bereits knapp, so Branchenkenner.

    ZF Friedrichshafen etwa investiert über einen Zeitraum von vier Jahren rund 1 Milliarde US$ in Mexiko, berichtet Alberto de Icaza, Head of External Affairs Mexico im Interview mit GTAI. Dazu gehören ein neuer Komplex in Monterrey mit einem Forschungs- und Entwicklungszentrum für selbstfahrende Autos, ein neues Werk für Elektromobilität in Ciudad Juárez sowie der Ausbau verschiedener Werke. "In Saltillo etwa wollen wir zukünftig keine Kupplungen für Verbrennerautos mehr herstellen, sondern elektrische Wechselrichter für Elektroautos", erklärt de Icaza.

    Auch der Automobilzulieferer KOSTAL weihte im Oktober 2023 in Querétaro ein neues Produktionszentrum für eingebaute Bordladegeräte (on-board chargers, OBC) für Elektrofahrzeuge ein. Die Fabrik mit 750 Beschäftigten wurde nahezu eins zu eins von einer bestehenden Produktionsanlage des Unternehmens in China übernommen und soll vor allem Fahrzeughersteller in den USA beliefern.

    Fertigung von Autoteilen auf Rekordkurs

    Mit einem Produktionsvolumen von 121,7 Milliarden US$ hat Mexiko nach Angaben des Autoteileverbandes INA (Industria Nacional de Autopartes) seinen Platz als weltweit viertgrößter Hersteller von Kfz-Teilen gefestigt. Dank eines Produktionsanstiegs von 17,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr wurde ein neuer Rekordwert erreicht. Für 2024 erwartet INA ein Produktionsvolumen in Höhe von 125,5 Milliarden US$. Im vergangenen Jahr wurden 87 Prozent der produzierten Autoteile ins Ausland exportiert, vor allem in die USA.

    Zahlreiche deutsche Zulieferer sind in Mexiko vertreten, darunter Continental, ZF Friedrichshafen, Bosch, Dräxlmaier, Schaeffler, Mahle, Brose und ThyssenKrupp. Auch ausländische Branchengrößen wie Bridgestone, Pirelli, Lear Corporation, Magna und SKF sowie mexikanische Anbieter wie Condumex, GIS, Metalsa, Nemak und Rassini sind auf dem Markt präsent.

    Einfuhr ausgewählter Kfz-Teile nach Mexiko In Millionen US-Dollar, Veränderung in Prozent
     

    2022

    Veränderung 2022/2021

    aus Deutschland (2022)

    SITC 778.3 Kfz-Elektrik

    3.729

    8,1

    141

    SITC 784 Karosserien, Stoßstangen etc.

    29.615

    13,7

    2.295

    SITC 773.13 Zündkabelsätze

    1.610

    38,6

    10

    SITC 713.2 Motoren

    8.982

    17,5

    380

    Summe

    43.936

    14,8

    2.826

    Quelle: UN Comtrade 2024

     

    Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt

  • Rahmenbedingungen

    Die Einfuhrverfahren für Kfz und Kfz-Teile wurden in den letzten Jahren digitalisiert. Aufgrund zahlreicher Handelsabkommen müssen Zollvorschriften genau beachtet werden.

    USMCA-Abkommen fördert lokale Produktion

    Das im Juli 2020 in Kraft getretene Handelsabkommen USMCA sorgt ebenfalls dafür, dass die ausländischen Investitionen im Kfz-Segment anziehen. Das Abkommen schreibt eine Erhöhung des lokalen Wertschöpfungsanteils eines Fahrzeugs von 62,5 Prozent auf 75 Prozent (seit 2023) vor. Erst dann kann das Fahrzeug zollfrei innerhalb der Region gehandelt werden. Die Autobauer greifen daher verstärkt auf lokal gefertigte Kfz-Teile zurück. Einige OEM verzichten jedoch bewusst auf die Zollvorteile, um den notwendigen hohen Anteil an lokaler Wertschöpfung zu vermeiden. Diesen Unternehmen zufolge sprechen allein schon die geringeren Lohnkosten und die gute Qualifizierung der Arbeitskräfte für den Standort Mexiko.

    Übergreifende Online-Plattform für den Außenhandel

    Die Bürokratie für den Warenimport und -export wird in Mexiko digital über die Plattform Ventanilla Única de Comercio Exterior (VUCEM) abgewickelt. Laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gehört sie zu den besten "Single Window"-Außenhandelsplattformen weltweit. Eine Bibliothek mit Rechtstexten zum Außenhandel und geltenden Handelsabkommen bietet der Servicio Nacional de Información de Comercio Exterior (SNICE).

    Für Sicherheitsnormen ist in Mexiko das Verkehrsministerium Secretaría de Comunicaciones y Transportes (SCT) zuständig. Informationen zu technischen Erfordernissen und Normen im mexikanischen Kfz- und Kfz-Teilemarkt finden sich im Normenkatalog des Wirtschaftsministeriums Catálogo Mexicano de Normas. Umweltnormen unterliegen dem Umweltministerium Semarnat (Secretaría de Medio Ambiente y Recursos Naturales).

    Die GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt

  • Kontaktadressen

    Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Mexiko

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Secretaría de Infraestructura, Comunicaciones y Transportes (SCT)Infrastruktur- und Transportministerium
    Asociación Mexicana de la Industria Automotríz (AMIA)Verband der Automobilindustrie
    Asociación de Distribudores de Automotores (AMDA)Verband der Autokonzessionäre
    Asociación Nacional de Productores de Autobuses, Camiones y Tractocamiones (ANPACT)Verband der Nutzfahrzeughersteller
    Industria Nacional de Autopartes (INA)Verband der Kfz-Teilehersteller
    Asociación Nacional de Comerciantes en Automóviles y Camiones Nuevos y Usados (ANCA)Verband der Autohändler
    Alianza AutomotrizZeitschrift und Internetportal für die Kfz-Industrie
    INA PAACE Automechanika Mexico CityAutomobilmesse in Mexiko-Stadt veranstaltet von der Messe Frankfurt; nächster Termin 10.-12.7.24
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