Special | Mexiko | US-Zollpolitik
Mexikos Wirtschaft wächst stärker als erwartet
Die mexikanische Wirtschaft entwickelt sich den Umständen entsprechend gut. Ausschlaggebend für die weitere Entwicklung ist die anstehende Revision des Handelsabkommens USMCA.
28.08.2025
Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt
Trotz der Zollpolitik der US-Regierung legte Mexikos Wirtschaft im 1. Halbjahr 2025 um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu, wie aktuelle Zahlen des Statistikamtes INEGI belegen. Damit hat sich das Wachstum gegenüber 2024 zwar verlangsamt, als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um 1,5 Prozent gestiegen war. Dennoch entwickelt sich die Wirtschaft besser, als bislang befürchtet. Auch der Export zeigte sich im 1. Halbjahr stark mit einem Anstieg von 4,3 Prozent auf 312,7 Milliarden US-Dollar (US$).
Das verarbeitende Gewerbe wuchs im 1. Halbjahr um 0,8 Prozent, unter anderem dank einer stabilen Produktion von Lebensmitteln. Auch der wichtige Automobilsektor entwickelte sich gut. Dem Branchenverband AMIA zufolge liefen rund 2 Millionen Pkw vom Band. Das waren 0,5 Prozent mehr als im 1. Halbjahr 2024. Rückgänge verzeichneten in den ersten sechs Monaten 2025 unter anderem der Bergbau (-8,8 Prozent) und der Bausektor (-0,9 Prozent).
Verschiedene Szenarien für das USMCA-Abkommen
Seit März 2025 gilt für Waren aus Mexiko beim Import in die USA ein Zollsatz von 25 Prozent. Betroffen sind hiervon jedoch nur Waren, die nicht unter das USMCA-Abkommen (United States-Mexico-Canada-Agreement) fallen. USMCA-konforme Waren sind weiterhin zollfrei. Eine von Donald Trump angedrohte Erhöhung des Zollsatzes auf nicht-USMCA-konforme Lieferungen auf 30 Prozent wurde zuletzt auf den 1. November 2025 verschoben.
Gleichzeitig soll bis spätestens Mitte 2026 das Handelsabkommen revidiert werden, wie es vertraglich vorgesehen ist. Drei Szenarien sind für die mittelfristige Entwicklung denkbar:
- Optimistisches Szenario: Keine neuen Zusatzzölle und nur leichte Anpassungen beim USMCA-Abkommen; Mexiko behält präferenziellen Zugang zum US-Markt im Vergleich zu asiatischen Ländern; Comeback des Nearshorings.
- Basisszenario: Nach harten Verhandlungen wird das Handelsabkommen zwischen den drei Ländern revidiert, allerdings mit klaren Vorteilen für die USA. Mexiko bleibt ein wichtiger Industriestandort, Unternehmen sind mit neuen Investitionen jedoch zurückhaltender.
- Pessimistisches Szenario: Es kommt zum Eklat, Donald Trump löst das USMCA-Abkommen auf und der Zusatzzoll auf mexikanische Waren bleibt permanent. Mexikos Wirtschaft gerät in eine Rezession, der Peso wertet deutlich ab.
Großteil der Lieferungen Mexikos in die USA weiterhin zollfrei
Im internationalen Vergleich ist Mexiko im Vorteil, da die USA derzeit gegenüber fast allen Ländern hohe Zölle erheben. Der nordamerikanische Freihandel gemäß den USMCA-Regeln wird jedoch weiterhin respektiert. Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum äußerte sich auf einer Pressekonferenz daher wie folgt: "Mexiko ist heute das Land mit dem bestmöglichen Abkommen. Im Vergleich zu anderen Ländern sind Investitionen in Mexiko nach wie vor die beste Option."
Nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch erfüllt ein steigender Anteil der mexikanischen Lieferungen in die USA das Handelsabkommen. So kamen im Juni 2025 rund 77 Prozent der Importe der USA aus Mexiko zollfrei ins Land, gegenüber 42 Prozent im Vormonat. Die meisten Automobilhersteller erfüllen inzwischen den Mindestanteil lokaler Wertschöpfung von 75 Prozent. Auch Agrarexporte halten in der Regel den Handelsvertrag ein. Elektronikprodukte wie Fernseher oder Laptops hingegen haben einen hohen Anteil asiatischer Vorprodukte und entsprechen deshalb häufig nicht den Anforderungen des Abkommens.
GTAI-Sonderseite zur US-Zollpolitik
Für Kanada und Mexiko gilt der International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) vom 1. Februar 2025 hinsichtlich Migration und Fentanyl. Dieser sieht einen Zollsatz von 0 Prozent auf USMCA-konforme Waren und 25 Prozent auf alle anderen Waren vor. Daneben gelten verschiedene Sonderzölle, unter anderem auf Stahl, Aluminium, Kupfer und Kfz.
Die Bestimmungen können sich täglich ändern. Den aktuellen Stand finden Sie auf unserer GTAI-Sonderseite Handelspolitik unter Trump.
Hoher Zollsatz für BMW
Der Münchner Autobauer BMW fertigt seit 2019 Fahrzeuge im zentralmexikanischen San Luis Potosí. Den für die Nutzung des USMCA-Abkommens geltenden Mindestanteil an lokaler Wertschöpfung erfüllt BMW nicht, unter anderem weil die Motoren aus Europa geliefert werden. In der Zeit vor Trump lag der Zollsatz beim Import in die USA auch nur bei 2,5 Prozent, gemäß dem Meistbegünstigungsprinzip der Welthandelsorganisation WTO.
Da die Fahrzeuge von BMW nicht USMCA-konform sind, fällt nun zusätzlich der Zollsatz auf Kfz in Höhe von 25 Prozent an, obwohl die Fahrzeuge aus mexikanischer Fertigung stammen. Bei der Einfuhr in die USA beträgt der gesamte Zollsatz demnach 27,5 Prozent.
"Wir übernehmen diese Kosten und haben bisher keine Preiserhöhungen an die US-amerikanischen Kunden weitergegeben",
erklärt Carlos Gutiérrez, bei BMW zuständig für externe Angelegenheiten im Gespräch mit Germany Trade & Invest.
Rund 40 Prozent der mexikanischen Produktion von BMW gehen in die USA, der Rest vor allem nach Lateinamerika, Asien und Europa. Gefertigt werden in San Luis Potosí die Modelle 2er Coupé und 3er. Die derzeitige Erweiterung des Werks zur Herstellung von Elektrofahrzeugen der Neuen Klasse ab 2027 laufe trotz der Zollproblematik weiter, fügt Gutiérrez hinzu. Rund 860 Millionen US$ investiert BMW in den Ausbau, zu dem auch ein Montagezentrum für Hochvoltbatterien gehört.
Exporte in die USA trotzen den Zöllen
Mexiko hat in den vergangenen Jahren China und Kanada überholt und ist zum wichtigsten Handelspartner der USA aufgestiegen. Der bilaterale Warenverkehr erreichte 2024 rund 844 Milliarden US$ – weltweit gibt es kein Länderpaar mit einem höheren Handelsvolumen.
Trotz des Zollkonflikts stiegen die Ausfuhren Mexikos an die USA auch im 1. Halbjahr 2025: Gegenüber dem Vorjahreszeitraum legten sie um 4,9 Prozent auf 260,8 Milliarden US$ zu, so die Zentralbank Banxico. Umgekehrt verringerten sich die Importe aus den USA in diesem Zeitraum um 5,9 Prozent auf 123,7 Milliarden US$.
Seit Gründung der Freihandelszone NAFTA im Jahr 1994 haben Unternehmen fein abgestimmte, grenzüberschreitende Wertschöpfungsketten zwischen beiden Ländern aufgebaut, darunter im Automobilsektor und bei Elektronikprodukten, in der Luftfahrtindustrie sowie bei der Herstellung von Medizintechnik. Zudem ist Mexiko ein wichtiger Lebensmittellieferant und versorgt die USA unter anderem mit Avocados, Bier und Blaubeeren.
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