Branchen | Mexiko | Stromerzeugung
Mexiko investiert Milliarden in Stromerzeugung und -netze
Der staatliche Stromversorger CFE hat sein Entwicklungsprogramm bis 2030 vorgelegt. Kostenpunkt: 36,4 Milliarden US-Dollar. Das Programm setzt auf staatliches und privates Kapital.
23.09.2026
Die mexikanische Regierung hat am 26. August 2026 das Entwicklungsprogramm "Programa de Desarrollo CFE 2026-2030" für den staatlichen Stromversorger Comisión Federal de Electricidad (CFE) vorgestellt. Es ist Teil des ambitionierten Infrastrukturplans Plan México und soll sicherstellen, dass die Stromversorgung mit dem erwarteten Wachstum von Industrie und Wirtschaft Schritt hält. Der Handlungsbedarf ist groß: Bereits heute stößt die Strominfrastruktur in mehreren Industrieregionen des Landes an ihre Grenzen, vor allem im Zentrum und im Norden.
Das Programm sieht von 2026 bis 2030 Investitionen in Höhe von umgerechnet 36,4 Milliarden US-Dollar (US$) beziehungsweise 651 Milliarden mexikanische Pesos vor. Es ersetzt den bisherigen Geschäftsplan und konkretisiert die Ausbau- und Investitionsstrategie des Staatsunternehmens bis zum Ende der Amtszeit von Präsidentin Claudia Sheinbaum (2024-2030). Bei der Finanzierung setzt es auf gemischte Investitionsmodelle staatlicher und privater Geldgeber, wobei CFE stets eine Mehrheit von mindestens 54 Prozent an den jeweiligen Projekten halten soll. Hintergrund ist die energiepolitische Strategie der Regierung, die Energiesouveränität als zentrale Voraussetzung für die nationale Versorgungssicherheit betrachtet.
Ende 2025 kontrollierte der mexikanische Staat 60 Prozent der installierten Stromerzeugungskapazität, davon 51 Prozent über die CFE und 9 Prozent über den Infrastrukturtreuhandfonds FONADIN. Private Betreiber kamen auf 40 Prozent. Bei der tatsächlichen Stromerzeugung lag der CFE-Anteil jedoch lediglich bei 42,7 Prozent beziehungsweise bei 57,2 Prozent einschließlich FONADIN.
Erneuerbare rücken wieder in den Fokus
Im Mittelpunkt des jetzt vorgestellten Programms steht ein deutlicher Ausbau der Stromerzeugung. Für den Zeitraum 2026 bis 2030 sind 52 neue Erzeugungsprojekte mit einer Gesamtkapazität von 18,6 Gigawatt vorgesehen. Die Investitionen dafür veranschlagt die Regierung auf umgerechnet 26,1 Milliarden US$. Hinzu kommen Projekte, die sich bereits in der Umsetzung befinden. Insgesamt soll die Produktionskapazität der CFE von rund 46,6 Gigawatt im Jahr 2025 auf 70,7 Gigawatt im Jahr 2030 steigen.
Eine zentrale Rolle im Entwicklungsprogramm spielt der Ausbau emissionsarmer Stromerzeugung, wozu die CFE neben den erneuerbaren Energien auch Kernkraft und eine effiziente Kraft-Wärme-Kopplung zählt. Von den zwischen 2026 und 2030 geplanten 18,6 Gigawatt neuer Kapazitäten sollen rund 15,2 Gigawatt auf solche als emissionsfrei eingestufte Technologien entfallen. Damit soll auch der Anteil der erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Wasser, Erdwärme, Bioenergie) am Strommix der CFE deutlich steigen: von derzeit 21 Prozent auf 34 Prozent im Jahr 2030. Dies markiert einen Kurswechsel, nachdem die Vorgängerregierung die Nutzung der fossilen Energien priorisiert hatte.
Auch Stromübertragung soll ausgebaut werden
Parallel ist der Ausbau der Netzinfrastruktur geplant, die aktuell immer wieder zu Engpässen führt. Für die Stromübertragung sind Investitionen von rund 7,4 Milliarden US$ vorgesehen. Insgesamt sollen 7.545 Kilometer Übertragungsleitungen installiert werden. Weitere 2,9 Milliarden US$ sollen in den Bau und die Erweiterung von Umspannwerken und in Verteilnetze fließen.
Zur Finanzierung setzt das Programm auf gemischte Investitionsmodelle mit staatlichen und privaten Kapitalgebern. Vorgesehen sind zudem neue Schulden sowie die Nutzung des börsennotierten Finanzierungsinstruments Fibra E für Energie- und Infrastrukturprojekte.
Unternehmer erwarten Investitionsschub
In Fachkreisen stößt das Programm überwiegend auf positive Resonanz. Besonders der stärkere Ausbau erneuerbarer Energien wird begrüßt. Zustimmung erhält zudem die transparentere Darstellung der Unternehmensstrategie. Die Energieexpertin Ana Sotomayor betont: "Erstmals werden Wachstumsziele, Investitionen, Finanzierungsquellen und erwartete Finanzergebnisse in einer gemeinsamen Planung zusammengeführt."
Zugleich gibt es Zweifel an der Umsetzbarkeit der ambitionierten Ausbauziele bis 2030. Die Frage lautet: Kann die CFE innerhalb von nur vier Jahren tatsächlich Kraftwerke, Netze und Finanzierungsmodelle in dem geplanten Umfang realisieren?
Skepsis besteht vor allem hinsichtlich der Finanzierung. Einerseits setzt das Programm auf privates Kapital, andererseits will die Regierung die staatliche Kontrolle über den Stromsektor stärken. Ob dieser Ansatz für private Investoren ausreichend attraktiv ist, bleibt abzuwarten. Der Präsident des Unternehmerdachverbands Consejo Coordinador Empresarial (CCE), José Medina Mora, bewertet die neuen Rahmenbedingungen dennoch positiv und rechnet mit einem "Boom" nationaler und ausländischer Energieinvestitionen.
Umsetzung bleibt größte Herausforderung
Investieren muss die CFE nicht nur in neue Projekte, sondern auch in die Modernisierung alter Kraftwerke. Darauf weist Óscar Ocampo, Direktor für Wirtschaftsentwicklung beim unabhängigen Mexikanischen Institut für Wettbewerbsfähigkeit (IMCO), hin. Nach seinen Angaben sind viele CFE-Kraftwerkparks 40 bis 50 Jahre alt und weisen lange Ausfallzeiten auf. Im 1. Halbjahr 2026 standen konventionelle Wärmekraftwerke laut IMCO wegen Störungen und Wartungsarbeiten 25,7 Prozent der Zeit still, Kohlekraftwerke 23,7 Prozent. Vor diesem Hintergrund bezweifelt Ocampo, dass die CFE die Modernisierung alter Anlagen und den Bau von neuen im erforderlichen Umfang stemmen kann.
Zweifel bestehen zudem an der Ausgewogenheit zwischen dem Ausbau der Erzeugungskapazitäten und dem Ausbau der Netzinfrastruktur. Die Energieexpertin Ana Sotomayor kritisiert, dass der Schwerpunkt weiterhin deutlich auf der Stromerzeugung liege. "Der Fokus liegt nach wie vor auf der Erzeugung und nicht auf den Netzen, die den Strom dorthin transportieren müssen, wo er benötigt wird. Wenn die Netzinfrastruktur nicht funktioniert, helfen auch zusätzliche Megawatt an Erzeugungsleistung wenig“, schreibt Sotomayor.
| Bezeichnung | Anmerkung |
|---|---|
| Comisión Federal de Electricidad (CFE) | staatlicher mexikanischer Stromversorger |
| Secretaría de Energía (SENER) | mexikanisches Energieministerium |
| AHK Mexiko | Deutsch-Mexikanische Industrie- und Handelskammer |