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Als Antwort auf Dürren: Andenländer verbinden ihre Stromnetze
Neue Leitungen zwischen Panama, Kolumbien, Ecuador, Peru und Chile sollen die Stromversorgung stabilisieren. Für deutsche Anbieter entstehen Geschäftsmöglichkeiten.
“Súper El Niño” – so nennen Experten das Extremwetterphänomen, das Ende 2026 und Anfang 2027 weite Teile der Andenländer treffen dürfte. Für die Stromversorgung birgt das erhebliche Risiken: Die Länder der Region sind stark von Wasserkraft abhängig und damit besonders anfällig für Dürren.
Wie gravierend die Folgen sein können, zeigte der letzte El Niño mit umfassenden Stromrationierungen in Ecuador und stark steigenden Strompreisen in Kolumbien. Angesichts zunehmender Dürrerisiken, des Ausbaus erneuerbarer Energien und des steigenden Strombedarfs müssen die Andenländer ihre Energiesysteme robuster aufstellen.
Interkonnektoren stärken die Versorgungssicherheit
Um ihre Stromversorgung widerstandsfähiger zu machen, setzen die Länder auf gemeinsame Stromnetze und Interkonnektoren. Diese Verbindungen ermöglichen es, regionale Unterschiede bei Stromerzeugung und -verbrauch auszugleichen und Energie dort bereitzustellen, wo sie gerade benötigt wird. Während Dürreperioden könnte beispielsweise Solarstrom aus Chile dazu beitragen, Erzeugungsausfälle in den wasserabhängigen Stromsystemen Kolumbiens oder Ecuadors zu kompensieren.
Die Interkonnektoren bilden damit einen zentralen Baustein für die Energiewende und -sicherheit in der Region. Mehrere Vorhaben befinden sich bereits in Planung oder Umsetzung, unterstützt unter anderem durch die europäische Initiative Global Gateway.
Welche Projekte sind in den Nordanden in Planung?
In Kolumbien, Peru, Ecuador und Chile sind derzeit drei Interkonnektoren in Entwicklung:
Peru und Ecuador bauen ihre Stromverbindung aus
Die beiden Länder sind bereits über eine 220-Kilovolt-Leitung verbunden. Bis 2029 soll eine zusätzliche 500-Kilovolt-Leitung mit einer Länge von 635 Kilometern in Betrieb gehen. Die Investitionen belaufen sich auf mehr als 500 Millionen US-Dollar (US$). Auf peruanischer Seite stehen die Umweltgenehmigungen kurz vor dem Abschluss. Das Unternehmen Pumate, eine Tochter der spanischen Elecnor, soll den Bau übernehmen, sobald Ecuador seinen Leitungsabschnitt vergeben hat.
Ecuadors staatliches Stromunternehmen CELEC entscheidet derzeit über die Vergabe für die Entwicklung der Leitung auf ecuadorianischer Seite, nachdem die erste Vergabe 2025 gescheitert war. Finanziert wird das Vorhaben unter anderem von der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB) und der Europäischen Investitionsbank (EIB).
Kolumbien und Panama treiben lange geplantes Vorhaben voran
Zwischen Kolumbien und Ecuador besteht bereits ein 230-Kilovolt-Interkonnektor. Nun soll eine weitere 500 Kilometer lange Leitung nach Panama folgen. Die Investitionen werden auf etwa 800 Millionen US$ geschätzt. Das Projekt gilt technisch als anspruchsvoll, da Netze mit unterschiedlichen Frequenzen und Spannungen gekoppelt werden müssen und Teile der Leitung unter Wasser verlaufen.
Nach mehr als zwei Jahrzehnten Planung haben beide Regierungen zuletzt wichtige regulatorische und technische Fortschritte erzielt. Als größte offene Hürde gelten noch die Konsultationen mit indigenen Gemeinschaften in Panama. Eine Entscheidung über das weitere Vorgehen wird noch 2026 erwartet. Die Interamerikanische Entwicklungsbank könnte 80 Prozent der Finanzierung bereitstellen.
Chile und Peru prüfen neue Verbindung
Geplant ist eine rund 60 Kilometer lange Stromleitung zwischen den Städten Arica und Tacna. Derzeit arbeitet das chilenische Energieministerium an den technischen Rahmenbedingungen für die notwendigen Studien. Erst danach sollen Zeitplan, Ausschreibungsmodell und Investitionsvolumen festgelegt werden.
| Länder | Peru - Ecuador | Peru - Chile | Kolumbien - Panama |
|---|---|---|---|
| Spannung (in Kilovolt) | 500 | 220 oder 500 | 500 |
| Länge (in Kilometern) | 635 | 60-100 | 500 |
| Kosten (in Mio. US$) | 500-600 | 131 | 800 |
Der Ausbau grenzüberschreitender Stromnetze schafft vielfältige Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen. Mit der zunehmenden Integration der Strommärkte steigt der Bedarf an modernen Netztechnologien, die einen sicheren, effizienten und resilienten Betrieb ermöglichen. Gefragt sind insbesondere Netzleit- und Automatisierungssysteme wie SCADA und EMS, Schutz- und Leittechnik, digitale Umspannwerke, Hochspannungskomponenten sowie Ingenieur- und Beratungsleistungen. Darüber hinaus bieten die geplanten Leitungs- und Umspannwerksprojekte Potenzial für Anbieter von Bau- und Infrastrukturlösungen.
Interkonnektoren sind Teil eines regionalen Integrationsprojekts
Die neuen Stromverbindungen sind Teil des geplanten Sistema de Interconexión Eléctrica Andina (SINEA), eines regionalen Stromverbundsystems für die Andenländer. Der Aufbau des Netzes erfordert Investitionen von schätzungsweise 1,5 Milliarden US$. Beteiligt sind die Mitgliedstaaten der Andengemeinschaft – Bolivien, Ecuador, Kolumbien und Peru – sowie Chile als Partnerland.
Parallel dazu schreitet die regulatorische Integration voran. Die Andengemeinschaft verhandelt derzeit mit Chile über dessen Beitritt zum gemeinsamen Strommarkt Mercado Andino Eléctrico Regional de Corto Plazo (MAERCP). Dieser soll den grenzüberschreitenden Stromhandel erleichtern und die effizientere Nutzung regionaler Erzeugungskapazitäten ermöglichen. Die Marktregeln des MAERCP sollen am 1. Februar 2030 in Kraft treten.
Europa unterstützt die regionale Energieintegration
Eine Schlüsselrolle bei der Vernetzung der Strommärkte spielt die europäische Initiative Global Gateway. Sie unterstützt in Lateinamerika und der Karibik 24 Projekte in den Bereichen Stromerzeugung, Netzausbau und Interkonnektoren mit einem Investitionsvolumen von knapp 7 Milliarden Euro.
Zu den wichtigsten Vorhaben zählt der geplante Interkonnektor zwischen Kolumbien und Panama. Auch die Stromverbindungen zwischen Peru und Ecuador sowie zwischen Peru und Chile gehören zum Global-Gateway-Portfolio. Die Initiative bündelt die Finanzierung verschiedener europäischer und multilateraler Akteure, darunter Geberländer, Entwicklungsbanken und der EIB. Damit trägt Europa maßgeblich dazu bei, die Energieintegration und Versorgungssicherheit in der Region voranzutreiben.