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Wasserstoff: Namibia setzt auf grüne Industrialisierung

Namibia will mit grünem Wasserstoff, Ammoniak und grünem Eisen eine neue Exportindustrie aufbauen. Deutsche Unternehmen und Förderprogramme spielen dabei eine Schlüsselrolle.

Jenny Tala

Von Jenny Tala | Johannesburg

Namibia gilt als eines der aussichtsreichsten Wasserstoffländer der Welt. Dank hervorragender Solar- und Windressourcen will das Land grünen Wasserstoff sowie Folgeprodukte wie Ammoniak und grünes Eisen erzeugen und damit eine neue Exportindustrie aufbauen. Deutsche Akteure spielen dabei eine zentrale Rolle: Vom milliardenschweren Hyphen-Projekt über HyIron bis hin zu zahlreichen Förderprogrammen der Bundesregierung bestehen bereits enge Verbindungen zwischen beiden Ländern.

Fünf Jahre nach dem Start der deutsch-namibischen Wasserstoffpartnerschaft stellt sich jedoch die Frage: Kann Namibia tatsächlich zu einem globalen Standort der Wasserstoffwirtschaft werden oder bleiben die ambitionierten Pläne hinter den Erwartungen zurück?

Nationales Flaggschiffprojekt Hyphen vor Herausforderungen

Das Hyphen-Projekt im Tsau-//Khaeb-Nationalpark ist das größte Wasserstoffvorhaben des Landes. Entwickelt wird es von einem Konsortium um die deutsche ENERTRAG und Nicholas Holdings; der namibische Staatsfonds hält 24 Prozent. Geplant ist die Produktion von grünem Wasserstoff und grünem Ammoniak für den Export. Das Projekt gilt als Anker des sogenannten Southern Green Hydrogen Valley.

Als Mehrheitsgesellschafter zählt ENERTRAG zu den wichtigsten deutschen Investoren im namibischen Wasserstoffsektor. Gleichzeitig unterstützt Deutschland den Aufbau lokaler Zulieferstrukturen. 2026 vereinbarten Hyphen, ENERTRAG und die GIZ ein gemeinsames Programm zur Förderung namibischer Unternehmen entlang der Wasserstoffwertschöpfungskette.

Die Umsetzung bleibt jedoch anspruchsvoll. Das Projekt befindet sich weiterhin in der Entwicklungs- und Finanzierungsphase, die finale Investitionsentscheidung wurde mehrfach verschoben. Unsichere Absatzmärkte und fehlende langfristige Abnahmeverträge gelten als zentrale Hürden. Zusätzlich wird über die künftige Finanzierungs- und Partnerstruktur diskutiert. Die Vergabe von FEED- (Front-End Engineering Design) und EPC-Aufträgen (Engineering, Procurement, and Construction) an die China National Chemical Engineering Group Corporation (CNCEC) markiert den bislang sichtbarsten Einstieg eines chinesischen Unternehmens in die Entwicklung des Hyphen-Projekts. In namibischen Regierungskreisen wird betont, dass bei ausbleibender Unterstützung aus Europa auch andere internationale Partner bereitstehen. Dies verleiht dem Vorhaben eine geopolitische Dimension, die über die Wasserstoffwirtschaft hinausgeht.

Mit ersten Anlagen in Betrieb, einer wachsenden Projektpipeline sowie umfangreicher Unterstützung durch Deutschland und die EU entwickelt sich Namibia zum vielversprechendsten Standort Afrikas für grünen Wasserstoff und seine Derivate. Für deutsche Unternehmen ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich als Technologiepartner, Zulieferer oder Abnehmer zu positionieren.

Lutz-Heiner Otto Senior Berater für die Energie Partnerschaften und die Agentur für Wirtschaft und Entwicklung (Windhuk, Namibia)

HyIron: Grünes Eisen aus der Wüste

Deutlich weiter fortgeschritten ist das HyIron-Oshivela-Projekt in der Region Erongo. Die Anlage produziert seit 2025 grünen Wasserstoff und stellt mithilfe wasserstoffbasierter Direktreduktion emissionsarmes Eisen her. Deutsche Unternehmen spielen dabei eine Schlüsselrolle: HyIron entwickelte die Technologie, TS Elino lieferte Beiträge zur Ofentechnik und LSF Maschinen- und Anlagenbau ist als Engineering-Partner beteiligt. Zudem besteht ein Abnahmevertrag mit dem deutschen Automobilzulieferer Benteler.

Für Deutschland besitzt das Projekt besondere industriepolitische Bedeutung. Grünes Eisen könnte künftig zur Dekarbonisierung der Stahlindustrie beitragen und zeigt gleichzeitig, dass Namibia nicht nur Energieträger exportieren, sondern auch industrielle Wertschöpfung vor Ort aufbauen kann.

Lutz-Heiner Otto, der in Windhuk die deutsch-namibische Energiepartnerschaft leitet, sieht vielversprechende Chancen für deutsche Unternehmen in Namibias Wasserstoffsektor: "Die Grundlagen sind gelegt, erste Projekte liefern bereits Ergebnisse - wer sich jetzt als Technologieanbieter, Zulieferer oder Abnehmer engagiert, kann den Aufbau neuer Wertschöpfungsketten von Anfang an mitgestalten."

 

Wichtige Wasserstoffprojekte in Namibia
Projekt

Investitionsvolumen (in Mio. US$) 

ProjektstandBeschreibung
Hyphen Green Hydrogen Project

10.000

Planung; Investitionsentscheidung für Phase 1 Ende 2027 angestrebtPhase 1 umfasst 3,75 GW erneuerbare Erzeugungskapazität und 1,5 GW Elektrolyseleistung. Geplant ist die Produktion von jährlich 1 Mio. Tonnen grünem Ammoniak. Im Vollausbau sollen 7 GW erneuerbare Erzeugungskapazität und 3 GW Elektrolyseleistung erreicht werden. Entwickelt wird das Vorhaben von Hyphen Hydrogen Energy unter Beteiligung von ENERTRAG. 
CMB.TECH Namibia Integrated Green Hydrogen Facility (Cleanergy)

3.500

Phase 1: abgeschlossen

Erster integrierter Wasserstoff-Hub Afrikas: Die Anlage verbindet Solarstrom, Wasserstoffproduktion und Energiespeicherung. Der Wasserstoff wird zunächst für Dual-Fuel-Lkw, Generatoren, eine Güterlokomotive und künftig ein Hafenfahrzeug eingesetzt. Siemens lieferte Elektro- und Automatisierungstechnik. 

Geplant sind außerdem großskalige Wasserstoff- und Ammoniakanlage in Arandis und ein Ammoniak-Bunkerterminal in Walvis Bay, die nicht nur die Versorgung der eigenen ammoniakbetriebenen Flotte von CMB.TECH ermöglichen, sondern über einen offenen Zugang auch anderen Produzenten zur Verfügung stehen und damit Exportprojekte wie Zhero unterstützen soll.

Zhero Molecules Walvis Bay

3.000

Planung; Investitionsentscheidung für 2027 angestrebtVorgesehen ist eine Jahresproduktion von 500.000 Tonnen grünem Ammoniak. Das Projekt umfasst 3 GW Photovoltaikleistung, einen Batteriespeicher mit 2,2 GWh, 1,6 GW Elektrolyseleistung, rund 110 km neue Übertragungsinfrastruktur und eine Meerwasserentsalzungsanlage. Der Betriebsstart ist für etwa 2030 vorgesehen.
Renewstable Swakopmund

240

EntwicklungHDF Energy entwickelt ein integriertes Solar-Wasserstoff-Kraftwerk. Geplant sind eine jährliche Stromproduktion von 142 GWh, eine Photovoltaikkapazität von 85 MWp sowie ein Wasserstoffspeicher mit 230 MWh.
HyIron Oshivela

31 (Phase 1)

 210 (Phase 2)

Phase 1: abgeschlossen; Phase 2: technische Detailplanung (FEED)Die im April 2025 gestartete erste Phase produziert jährlich 15.000 Tonnen emissionsarmes Eisen, seit März 2026 ist ein 12-MW-Elektrolyseur (der größte im südlichen Afrika) zur Wasserstoffproduktion im Einsatz. HyIron wurde vom Bundeswirtschaftsministerium mit 13 Mio. Euro gefördert. In der zweiten Phase soll die Produktionskapazität für emissionsarmes Eisen von zunächst 15.000 auf 200.000 Tonnen pro Jahr steigen. Bis 2030 wird eine Erweiterung auf bis zu 2 Mio. Tonnen angestrebt.
Daures Green Hydrogen Village und Daures Green Fertiliser Project

18

Pilotphase läuft; Skalierung geplantVorgesehen ist die Produktion von jährlich bis zu 20.000 Tonnen grünem Ammoniak und 80.000 Tonnen Ammoniumsulfatdünger. Der Finanzierungsabschluss wird für das 2. Quartal 2028 und der kommerzielle Betriebsbeginn für das 1. Quartal 2030 angestrebt. Im September 2026 hat der SDG Namibia One Fund (EU Global Gateway, Invest International) bis zu 3,6 Mio. US$ Entwicklungsfinanzierung für die kommerzielle Ausbaustufe zugesagt. 
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Wasserstoff soll auch lokale Wertschöpfung schaffen

Neben den großen Exportprojekten entstehen in Namibia zunehmend Vorhaben, die Wasserstoff direkt für Industrie, Mobilität oder die Energieversorgung vor Ort nutzen. Die belgische CMB.TECH hat 2026 ihre integrierte Wasserstoffanlage in Walvis Bay in Betrieb genommen. Die Anlage kombiniert Solarstrom, Elektrolyse, Wasserstoffspeicherung und Betankung. Der Wasserstoff wird bereits für Lkw, Generatoren, Hafenanwendungen und eine wasserstoffbetriebene Lokomotive genutzt. Damit handelt es sich um eines der wenigen operativen Wasserstoffprojekte Afrikas.

Im Daures Green Hydrogen Village zwischen Swakopmund und Arandis entsteht ein regionales Wasserstoff-Ökosystem mit erneuerbarer Stromerzeugung, Wasserstoffproduktion sowie Anwendungen in Landwirtschaft, Mobilität und Industrie. Auf dem African Green Industries Summit in Swakopmund im September 2026 kündigte die EU neue Global-Gateway-Mittel für das Projekt an.

Ein innovatives Pilotprojekt entsteht an der Kalahari Anib Lodge südlich von Windhuk. Dort testet ein deutsch-namibisches Konsortium unter Leitung des Fraunhofer IWU ein Wasserstoff-Microgrid, das Abwasser aufbereitet, daraus Wasserstoff erzeugt und diesen zur Stromversorgung nutzt. Das sogenannte HygO-Projekt kombiniert Wasseraufbereitung, Elektrolyse und Energiespeicherung in einem geschlossenen Kreislauf. Finanziert wird das Vorhaben vom deutschen Umweltministerium. Es soll zeigen, wie abgelegene Lodges, Gemeinden oder andere Einrichtungen ihre Wasser- und Energieversorgung gleichzeitig verbessern können.

75,9 Mio. Euro

flossen bislang aus Deutschland in den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft in Namibia.

Deutschland zählt zu den wichtigsten internationalen Partnern Namibias beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft. Seit 2021 besteht eine bilaterale Wasserstoffkooperation. Neben Forschungs- und Pilotprojekten unterstützt die Bundesregierung das Namibia Green Hydrogen Programme sowie Studien, Umweltanalysen und Infrastrukturvorhaben. Darüber hinaus engagieren sich deutsche Institutionen in den Bereichen Berufsbildung, Forschung, Regulierung und Marktentwicklung. Insgesamt belaufen sich die deutschen Förderzusagen auf rund 76 Millionen Euro. Die Zusammenarbeit ist zugleich Teil der Global-Gateway-Strategie, mit der die EU Investitionen in nachhaltige Energie- und Infrastrukturprojekte in Partnerländern fördert.