Branchen | Pakistan | Bergbau und Rohstoffe
Pakistan investiert in den Kohlebergbau
Mit chinesischer Beteiligung erweitert Pakistan den Abbau von Braunkohle. Auch bestehen Pläne zur Aufwertung der Kohle. Zudem ist eine Bahnlinie im Bau.
05.03.2026
Von Ulrich Binkert | Bonn
Mit dem Abbau lokaler Braunkohle konnte Pakistan in den letzten Jahren die Stromerzeugung aus heimischen Energiequellen erhöhen. Nun werden die Gruben des Thar Coal Project nahe der indischen Grenze ausgebaut. Bisher sind Block I und II in Betrieb.
Chinesen planen Milliardeninvestition
Die Erweiterung des Thar-Blocks I soll 950 Millionen US-Dollar (US$) kosten, so eine Aufstellung des staatlichen Thar Coal and Energy Board (TCEB) vom Februar 2025. Das TCEB ist unter anderem für Erschließung, Abbau und Verpachtung der Vorkommen zuständig. Der Tagebau ist ein privates Projekt mit maßgeblicher chinesischer Beteiligung. Gebraucht würden unter anderem Lkw mit einer Kapazität von jeweils 60 Tonnen für den Kohletransport.
Block II erweitert seine Abbaukapazität gerade von 7,6 Millionen auf 11,2 Millionen Tonnen jährlich. Das zuvor auf gut 100 Millionen US$ taxierte Projekt ist voraussichtlich im Juli 2026 abgeschlossen, sagt auf Nachfrage ein Manager von Sindh Engro Coal Mining Company (SECMC), der pakistanischen Betreiberfirma des Blocks II.
An der SEMC hält die Provinzregierung Sindh die Mehrheit. Minderheiteigner sind vorwiegend pakistanische Privatfirmen wie die Engro-Gruppe, die auch den Betrieb managt. Zu den Partnern gehört die pakistanische Firma Hubco, die im Kraftwerksgeschäft tätig ist, selbst aber laut Marktinformationen keine Kohleminen betreibt. Die Maschinen und Ausrüstungen dafür seien im Wesentlichen beschafft, Teile der Finanzierung sind offenbar noch in Arbeit.
Betreiber des Thar-Blocks II wollen Kapazität verdoppeln
In einer weiteren Phase soll die Förderkapazität in Block II auf 20 Millionen Tonnen pro Jahr steigen, so der Manager. Die Planungen dafür begännen nach Abschluss des aktuellen Ausbaus. Die zusätzliche Kohle soll zum bestehenden Lucky Power Plant in Karatschi gelangen.
Dafür läuft der Bau der Thar Coal Railway Line, einer Bahnlinie, die die Kohleminen schon bald mit dem etwa 350 Kilometer entfernten Hafen Qasim bei Karatschi verbinden wird. Die Bahntrasse war im Juli 2025 nach Pressemeldungen zu 35 Prozent fertiggestellt und könnte nach Einschätzung des SECMC-Managers noch 2026 vollendet werden. Pakistanische Kohlekraftwerke verfeuern aktuell weiterhin auch hochwertige Steinkohle aus dem Ausland.
| Projekt (Standort) | Investitionen | Firmen | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Thar Coal Block I – Minenausbau (Sindh) | 950 | Sino‑Sindh Resources (SSRL, Konsortium von Shanghai Electric und anderen chinesischen Firmen) | - |
| Thar Coal Block II – Minenausbau (Sindh) | 105 (aktuelle Phase III) | Sindh Engro Coal Mining Company (SECMC, Provinzregierung Sindh und private pakistanische Firmen) | weitere Phase (IV) soll Kapazität von 11,4 Mio. auf 20,0 Mio. t steigern |
Aufwertung der Braunkohle angestrebt
Der SECMC-Manager verweist auf Pläne zur Verarbeitung der Braunkohle, die für deutsche Firmen interessant sein könnten: Die Thar-Kohle hat einen niedrigen Brennwert und ist bei der Förderung zudem feucht. Sie müsste aufgewertet werden, um für weitere Einsatzzwecke als die bloße Verstromung in Frage zu kommen. So plant der Düngemittelhersteller Fauji Fertilizer Company nach einem Bericht vom August 2025, aus Thar-Kohle beziehungsweise daraus erzeugtem Gas Kunstdünger zu produzieren. Es gibt auch Überlegungen, aufgewertete Thar-Kohle in den Stahl- und den Zementfabriken Pakistans einzusetzen.
Pakistans Kunstdünger stammt bisher maßgeblich von Engro Fertilizers aus der gleichnamigen Gruppe, die auch Teil des Thar-Block-II-Konsortiums ist. Die Firma im Norden der Provinz Sindh produziert Harnstoffdünger aus Erdgas, das gleich nebenan gefördert wird. Dieses Gas hat einen niedrigen Brennwert und eignet sich laut Engro nicht zur Verstromung.
Engro Fertilizers produzierte 2023 eigenen Angaben zufolge 2,3 Millionen Tonnen Harnstoffdünger. Die Produktion erfolgt im Wesentlichen in zwei Anlagen: Es gibt eine ältere Fabrik, deren Anlagen aus den USA und dem Vereinigten Königreich verlagert wurden und über eine Kapazität von rund 900.000 Tonnen verfügen. Hinzu kommt ein neueres Werk, das 1,3 Millionen Tonnen im Jahr schafft und 2010 als "weltweit größte Einzelstrang‑Harnstoffanlage" bezeichnet wurde. Es basiert auf Technik des italienischen Anlagenbauers Saipem. Maßgebliche Teile wie Katalysatoren wurden laut Firmenangaben von einem dänischen Partner bezogen. Von deutschen Lieferanten stammten, bei einem insgesamt geringen Lieferanteil, Kompressoren, Boiler und Pumpen.
Kohleabbau tickt anders als Mineralienbergbau
Der großformatige Kohletagebau Thar hebt sich vom Rest des Bergbaus in Pakistan ab. So betreibt die staatliche Pakistan Mineral Development Corporation (PMDC) laut eigener Webseite vier Kohleminen, die zusammen aber nur für 5 Prozent der pakistanischen Kohleförderung stehen. Daneben erbringe man mit fünf Minen 40 Prozent der Salzproduktion des Landes. Im Geschäftsjahr 2024/2025 setzte PMDC allerdings lediglich rund 17 Millionen US$ um.
Pakistans Bergbau ist geprägt von kleinen und oft illegal betriebenen Gruben. Es gibt nur wenige große Erzminen, die überwiegend Firmen aus China betreiben. Die Regierung versucht den Abbau der vermutet großen Mineralienvorkommen voranzutreiben. Mit Reko Diq im Dreiländereck zu Iran und Afghanistan soll ein milliardenschweres Kupferprojekt bald starten. Zuletzt gab es aber wieder größere Bedenken wegen der angespannten Sicherheitslage in der Region.