Branchen | Pakistan | Bergbau und Rohstoffe

Sicherheitslage erschwert Bergbauprojekte in Pakistan

Das größte Minenprojekt Pakistans verzögert sich. Anderswo laufen schon Beschaffungen. Ein One-Stop-Shop soll Unsicherheit und Behördenwirrwarr beheben.

Von Ulrich Binkert | Bonn

"Das Management überprüft angesichts des Anstiegs der Sicherheitsvorfälle derzeit alle Aspekte des Projekts" – bei Pakistans milliardenschwerem Kupfer-Gold-Projekt Reko Diq hat der kanadische Investor Barrick Anfang Februar 2026 vorerst die Bremse gezogen. Beobachter warteten eigentlich seit Monaten auf die endgültige Vereinbarung zur Kofinanzierung der Mine. Zu den finanzierenden Banken des Vorhabens in der Provinz Belutschistan im Dreiländereck mit Iran und Afghanistan zählt die Presse auch die deutsche KfW Ipex. Barrick taxiert das Projekt in einer ersten Phase mit 5,6 Milliarden US-Dollar (US$) und weiteren 3,3 Milliarden US$ später. 

Markterkundungsreise für deutsche Unternehmen

Die für Pakistan zuständige Deutsch-Emiratische Industrie- und Handelskammer in Dubai organisiert vom 7. bis 10. April 2026 eine Markterkundungsreise zum Bergbau in Pakistan. Teil des Programms ist das jährlich staatfindende Pakistan Minerals Investment Forum in Islamabad. Dort gibt es am 29. April 2026 zudem ein Bergbauforum im Rahmen des EU-Pakistan Business Forum.

Knapp 50 Kilometer südöstlich von Reko Diq ist mit Siah Diq eine weitere große Kupfer-/Goldmine geplant. Entwickeln soll das Projekt nach einer Entscheidung Anfang 2025 die China Metallurgical Group (CMGC). Laut Presse gibt es eine Verpflichtung, dies in drei Jahren zu tun. CMGC arbeitet nach einem Firmenreport vom August 2025 an einem Flugplatz und an der Verbesserung der Sicherheit. 

CMGC betreibt in Pakistan auch die wohl größte produzierende Mine im Erzbergbau, Saindak (Kupfer, Gold, Silber), sowie Duddar (Blei, Zink). Im 1. Halbjahr 2025 erlösten die beiden Minen laut dem Firmenreport zusammen gut 200 Millionen US$. Seinen Gewinnanteil bezifferte CMGC mit insgesamt rund 45 Millionen US$.

Projekte und Minen in Pakistans Erzbergbau
Projekt; OrtInvestition (Mio. US$)FirmenAnmerkungen
Reko Diq (Kupfer, Gold); Belutschistan5.566 1)Barrick 50%, 3 pakistanische Staatsfirmen (zusammen 25%), Provinzregierung Belutschistans 25% (de facto übernimmt Barrick einen Teil dieser Einlage)Finanzierung "steht", u.a. (in Mio. US$): US Eximbank 1.250, Asian Development Bank 410; zudem laut Presse u.a.: KfW Ipex u.a. europäische Partner 900, IFC 450, Japan Bank for International Cooperation 300; EPCM: Fluor; Produktionsstart Ende 2028 geplant
Siah Diq (Kupfer, Gold); Belutschistank.A.China Metallurgical Group (CMGC, 80%), Siakoh Mineral Development (20%)frühes Projektstadium (Erstellung Machbarkeitsstudie); Vergabe an CMGC Januar 2025
Bolan Mining BLZ (Barite-Lead-Zinc) Project; Belutschistan (Bezirk Khuzdar)200Bolan Mining Enterprise (BME, Regierung Belutschistan, Ölfirma PPL); DMT (Berater)Finanzierung durch BME
Dasht-e-Kain (EL‑320; Kupfer, Molybdän); Belutschistank.A.FWO

Aufbereitungsanlage "vor Bestellung"

 

Muhammad Khel Copper Mining Project (MKCMP, ML-30; Kupfer); Khyber Pakhtunkhwa (KP)k.A.FWOMine in Betrieb; Kostenrahmen für Ausbau der Mine: unter 40 Mio. US$
Saindak (Kupfer, Gold); Belutschistan 

Provinzregierung Belutschistans, CMGC (Betreiber)

 

große Erweiterungen geplant; Kupferproduktion 2024: 23.865 t; Lizenz laut Marktinfos kürzlich um 10 Jahre verlängert

 

Duddar (Blei, Zink); Lasbela/Belutschistan Metallurgical Corporation of China/CMGC, China HuayeMine in Betrieb
Nokkundi (Eisenerz); Belutschistan BME

Iron Ore (Nokkundi) – BME:

Mine in Betrieb und Ausbau geplant (Vormachbarkeitsstudie), aber kein Fortschritt bekannt

Khewra (Steinsalz); Punjabk.A.Pakistan Mineral Development Corporation (PMDC)

im Ausbau; "weltweit zweitgrößte Salzmine"

 

Pink Rock Salt Crushing and Packaging Facility (Salz); Punjab200PMDC, Miracle Salt Collective (USA)Stand unklar, Projekt "in Gefahr" (Presse Juli 2025)
    
* laut Barrick (NI 43-101 Technical Report, Dezember 2024) für Phase 1, Phase 2: 3.264 Mio. US$ Quelle: Unternehmen; GTAI-Recherchen; Einen

Einen groben Überblick über bestehende Minen und Minenprojekte bietet die Plattform PakESDA, die Angaben sind aber teilweise nicht vollständig.

Deutscher Berater: "Hauptauftrag vor Vergabe"

Daneben will Bolan Mining Enterprise (BME) rund 200 Millionen US$ in den Ausbau des Schwerspat-Tagebaus Gunga (Bolan Mining, BME) im Bezirk Khuzdar/Belutschistan investieren. Die Ausschreibung für den Hauptauftrag für dieses Baryt-Blei-Zink-Projekt (Barite-Lead-Zinc, BLZ) dürfte in ein paar Monaten erfolgen. Dies sagt Florian Beier von der Essener DMT Group, einer Tochter von TÜV Nord. Es gebe eine gesicherte Finanzierung durch BME, ein Joint-Venture aus der Provinzverwaltung Belutschistan und der staatlichen Pakistan Petroleum Limited (PPL). BME will in der Mine das ebenfalls vorhandene Blei und Zink gewinnen und dafür mit dem Tagebau tiefer gehen. 

DMT hat für das BLZ-Projekt vor etwa fünf Jahren eine Machbarkeitsstudie erstellt und bewirbt sich aktuell als Project Management Consultant. Die Essener erstellten vor Jahren auch eine Vor-Machbarkeitsstudie für den laufenden BME-Eisenerzabbau Nok Kundi. Dafür seien aber neben den aktuell laufenden Explorationen keine größeren Investitionen in Sicht. Zum Betrieb eines Abbaus fehle es, wie anderswo in Belutschistan, unter anderem an Wasser.

Kupfer-Aufbereitungsanlage "vor Bestellung"

Das militäreigene Unternehmen FWO ist nach Firmenangaben vom Februar 2026 weit fortgeschritten bei seinem Kupfer-Molybdän-Projekt Dasht-e-Kain (EL‑320). Das Vorhaben liegt im selben Bezirk (Chagai) wie Reko Diq. FWO siedelt die Kosten auf Nachfrage vage im dreistelligen Millionenbereich an. Man finanziere das Vorhaben selbst, die Produktion solle 2028 starten. Bis Mai 2026 werde man eine Aufbereitungsanlage mit einer Kapazität von 12.000 bis 20.000 Tonnen pro Jahr ordern. Dafür spreche man aktuell mit einer finnischen und einer dänischen Firma sowie drei Unternehmen aus China.

FWO erweitert den Angaben zufolge aktuell auch sein Muhammad Khel Copper Mining Project (MKCMP, ML-30) in Nord-Waziristan, das seit 2019 produziert. Man werde tiefer graben, um an reichhaltigeres Gestein heranzukommen. Ein Ausbau der Verarbeitungsanlagen sei nicht geplant, also auch nicht die einmal vorgesehene Kapazitätsverdoppelung der Aufbereitung. Die früher angedachte Schmelze werde man wegen der hohen Energiekosten ebenfalls nicht bauen. 2023 hatte FWO für MKCMP und das benachbarte Explorationsvorhaben Manzar Khel (EL-101) rund 35 Millionen US$ an Investitionen genehmigt bekommen.

MKCMP produziert laut FWO pro Tag - bei einer Erz-Verarbeitungskapazität von 1.500 Tonnen - rund 15 Tonnen 25-prozentiges Konzentrat. Es sei bisher die einzige Bergbauproduktion von FWO. Anderswo exploriere man höchstens: im Wesentlichen im Dreiländereck mit Iran und Afghanistan, wo Tagebau anvisiert ist, und im nördlichen Gilgit-Baltistan. Dort erfolge ein Abbau eher untertage. 

Weiter in der Zukunft siedelt FWO sein Kupfer-Gold-Projekt E-207 in Dalbandin an, etwas weiter östlich in der Provinz Belutschistan. Das Vorhaben E-101 ebenfalls in Belutschistan hingegen ruhe wegen der Sicherheitsprobleme, für die die Provinz in Pakistan einen schlechten Ruf hat. 

FWO ist erst seit rund zehn Jahren im Erzbergbau tätig, so wie die ebenfalls dem Militär gehörende Firma Mari. FWO baut eigentlich Infrastruktur, Mari fördert Öl und Gas. FWO arbeitet teils als Subcontractor für Mari. Mari ist nach eigenen Angaben noch bei keinem Projekt so weit wie FWO.  

Militärfirma beschafft ohne Ausschreibungen

Mit Blick auf deutsche Firmen zeigt sich die Militärfirma FWO namentlich an Labortechnik und -dienstleistungen interessiert. Man habe viel Bedarf an Ausrüstungen für die Exploration. FWO beschafft Ausrüstungen eigenen Angaben zufolge nicht per Ausschreibung, sondern arbeitet direkt mit möglichen Lieferanten zusammen. Der Fall ist dies bei der Aufbereitungsanlage für das Minenprojekt EL-320. Dort habe man unlängst rund 20 Firmen in China besucht, während eine Vor-Machbarbeitsstudie erst in Arbeit sei. Die Militärfirma Mari hingegen beschafft eigenen Angaben zufolge mittels Ausschreibung auf der Basis bestehender Studien. Die Firma erziele im Erzbergbau allerdings noch keine Umsätze und sei und bei keinem Projekt so weit ist wie FWO. 

Behörden- und Regelwirrwarr in Pakistan stört

Gegen Investitionen in den Abbau von Pakistans vermuteten großen Mineralienvorkommen spricht ein Wirrwarr an Vorschriften. Es ist unklar, welche Regelungen gelten und welche Behörden zuständig sind. Belutschistan, das als besonders arm gilt, sah lange die Erträge aus dem Abbau woanders hin abfließen. Es gibt Autonomiebestrebungen der Provinzen und Spannungen mit der Zentrale. Sie waren zum Beispiel ein Grund für den langen Stillstand bei Reko Diq. 

Zudem gibt es bewaffnete Auseinandersetzungen gerade in den rohstoffreichen Provinzen Belutschistan und Khyber Pakhtunkhwa (KP). Als sicherer gilt das nördliche Gilgit-Baltistan, wo es viele Edelsteine gibt und auch seltene Erden liegen sollen. Der Bergbau dort ist aber oft informell und erfolgt laut FWO meist untertage.

Regierung will Rahmen verbessern

Mit dem "Mines & Minerals Act 2025” will die Regierung ein in sich stimmiges rechtliches und fiskalisches System für den Bergbau schaffen. Ein "One-Stop-Shop"-soll zudem klare und einfache Zuständigkeiten schaffen. Ob das Gesetz auch in der Realität "die weltbesten Vorschriften zum Bergbaurecht" sind, wie vom pakistanischen Ölminister kürzlich behauptet, bleibt abzuwarten. Positiv werten Beobachter, dass das in Pakistan mächtige Militär die Umsetzung unterstützt, namentlich durch das 2023 gegründete Special Investment Facilitation Council. Das SIFC sieht den Bergbau als prioritär an. Es ist laut Beobachtern sehr engagiert und stellt beispielsweise Leute ab, um Konflikte zwischen Beteiligten zu schlichten. 

Ein Hindernis ist auch das geringe Ausmaß an Wissen, was tatsächlich unter der Erde liegt: Zu vielen Gebieten gibt es keine grundlegenden geologischen Studien. Dem zuständigen Geological Survey of Pakistan fehlen Mittel. Entsprechend mangelt es an Explorationen. "Und was sie kennen, das ist schon im Abbau", sagt Florian Beier von DMT dazu, sehr oft in Form von illegalem Kleinbergbau. Hinzu kommt laut Beier, dass fast alle Explorationslizenzen im gesamten Chagai vergeben seien - aufgrund des Booms, den Reko Diq ausgelöst habe.

 

nach oben
Feedback
Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.