Wirtschaftsausblick | Philippinen
Philippinische Wirtschaft könnte ab 2027 an Schwung gewinnen
Teure Energieimporte beschleunigen die Energiewende. Die Halbleiterexporte steigen deutlich. Die Verhandlungen für das EU-Freihandelsabkommen machen Fortschritte.
11.08.2026
Top-Thema: Nahostkrise beschleunigt Energiewende
Infolge des Irankonflikts sind die Energiepreise in den Philippinen explodiert. Das Land deckt 60 Prozent seines Primärenergiebedarfs über Importe. Die Öleinfuhren stammen sogar fast komplett aus dem Nahen Osten. In den ersten zwei Monaten nach Kriegsausbruch stiegen die Preise für Benzin, Diesel und Flüssigerdgas um 50 Prozent. Im März 2026 rief Präsident Ferdinand Marcos Junior den nationalen Energienotstand aus und kündigte den zügigen Umbau der Energieversorgung an. Bis 2040 soll sich der Anteil der erneuerbaren Energien an den Kapazitäten zur Stromerzeugung auf 50 Prozent verdoppeln.
Bis 2028 könnten Photovoltaik (PV)- und Windkraftanlagen mit einer Leistung von 17 Gigawatt (GW) ans Netz gehen, bis 2040 weitere 20 GW an Stromerzeugungskapazitäten hinzukommen, so die Pläne des philippinischen Energieministeriums. Die Energiewende eröffnet auch Geschäftschancen für deutsche Unternehmen. Der Markt für erneuerbare Energien soll bis 2034 um jährlich 8 Prozent auf 42 Milliarden US-Dollar (US$) steigen, so eine Prognose des Marktforschungsunternehmens Informa.
Wirtschaftsentwicklung: Wachstumsziel wird 2026 erneut klar verfehlt
Die Konjunkturaussichten für 2026 haben sich durch die Irankrise kräftig eingetrübt. Anfang Juni prognostizierte die OECD für das laufende Jahr nur noch ein reales Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,2 Prozent. In ihren Schätzungen vom April gingen die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) noch von knapp über 4 Prozent aus. Bereits 2025 hatten die Philippinen mit einem BIP-Anstieg um 4,4 Prozent das von der Regierung anvisierte Ziel zwischen 5,5 und 6,5 Prozent verfehlt.
Auch wenn die ersten Schiffe wieder die Straße von Hormus passieren, die Auswirkungen des Konflikts dürften in den Philippinen auch im 2. Halbjahr 2026 noch zu spüren sein. Für 2027 gehen die Prognosen zwar wieder von einem BIP-Plus zwischen 5 und 6 Prozent aus – aber nur, wenn die Lage in Nahost bis dahin stabil bleibt und die Rohstoffpreise sich wieder normalisieren. Sollte der Ölpreis erneut steigen, könnte das BIP-Wachstum 2027 mit 3,2 Prozent weitaus geringer ausfallen, so die Einschätzung der Geschäftsbank BDO.
Hohe Inflation drückt Kauflaune
Im April und Mai 2026 lag die Inflationsrate aufgrund der gestiegenen Energiepreise bei 7 Prozent, deutlich höher als vor der Krise. Entsprechend hat sich die Konsumfreude der Haushalte abgekühlt. Zudem fallen die Rücküberweisungen der im Ausland arbeitenden Filipinos – davon viele in den Golfstaaten – 2026 deutlich niedriger aus. Der private Verbrauch, der 70 Prozent zum BIP beisteuert, legte im 1. Quartal 2026 nur um 3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Es war der niedrigste Zuwachs seit der COVID-Pandemie. Für das Gesamtjahr erwartet die OECD ein Plus von 2,7 Prozent, die BDO-Bank sogar nur von 2 Prozent.
Investitionen sollen ab 2027 wieder anziehen
Der Nahostkonflikt hat den ohnehin schwächelnden Investitionen einen weiteren Dämpfer versetzt. Angesichts steigender Preise für Energie, Rohstoffe und Baumaterialien stellen viele Unternehmen ihre geplanten Investments zurück. Die Bruttoanlageinvestitionen sollen laut OECD-Prognose 2026 nur um 1,2 Prozent zulegen. Die Regierung will die öffentlichen Bauinvestitionen aber im 2. Halbjahr wieder hochfahren. Im vergangenen Jahr wurden im Zuge einer Korruptionsaffäre bei Bauaufträgen zum Hochwasserschutz viele Infrastrukturprojekte auf Eis gelegt. Die Wiederaufnahme dürfte Wachstumsimpulse für die Branche setzen. Aufgrund von Nachholeffekten sollen die Bruttoanlageinvestitionen 2027 um gut 8 Prozent zulegen, so die OECD-Prognose.
Steigender Ölpreis belastet Handelsbilanz
Die philippinischen Warenexporte stiegen 2025 um 15 Prozent auf 85 Milliarden US$. Wachstumstreiber war die lebhafte Nachfrage nach Halbleitern in den USA. Die Entwicklung hat sich in den ersten vier Monaten 2026 trotz Nahostkrise mit einem Ausfuhrplus von 11 Prozent fortgesetzt. Die Halbleiterexporte legten sogar um 20 Prozent zu. Bei den Einfuhren macht sich der gestiegene Ölpreis bemerkbar. Im betrachteten Zeitraum importierten die Philippinen Erdölerzeugnisse im Wert von 7,3 Milliarden US$, nominal fast 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dadurch dürfte das ohnehin hohe Außenhandelsdefizit 2026 weiter wachsen.
Deutsche Perspektive: Unternehmen hoffen auf Abschluss des EU-Freihandelsabkommens
Der deutsch-philippinische Warenhandel bewegte sich mit einem Volumen von 7,3 Milliarden US$ 2025 auf dem Vorjahresniveau. In den ersten vier Monaten 2026 legten die deutschen Exporte um ein Drittel auf 768 Millionen US$ zu, so die Daten von Destatis. Hintergrund waren deutlich höhere Lieferungen von elektrotechnischen und elektronischen Erzeugnissen.
Insgesamt haben sich die Aussichten der deutschen Unternehmen in den Philippinen allerdings wegen der Nahostkrise eingetrübt. In der Frühjahrsumfrage der Deutsch-Philippinischen Auslandshandelskammer (AHK) gaben zwei Drittel der Unternehmen an, dass die gestiegenen Energiekosten derzeit die größte Herausforderung sind. Nur noch jedes vierte Unternehmen plant 2026 höhere Investitionen, im Herbst 2025 war es noch jedes dritte.
Lufthansa Technik investiert in zweiten Standort
Aber es gibt auch positive Entwicklungen: Die Verhandlungen zum Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Philippinen sind Ende Mai 2026 in die sechste Runde gegangen und könnten 2027 zum Abschluss kommen. Damit dürfte sich auch die Wettbewerbsposition deutscher Unternehmen auf dem Archipel verbessern. Dass der Standort Potenzial hat, beweist das angekündigte Investment von Lufthansa Technik. Das Unternehmen will 400 Millionen US$ in den Bau eines zweiten Wartungsstandorts für Großraumflugzeuge am Clark International Airport investieren. Die Eröffnung ist für 2028 geplant.
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