Interview | Portugal | Start-ups
"Wir müssen Start-ups und etablierte Firmen besser verknüpfen"
Die portugiesische Start-up-Szene ist international stark vernetzt. Ein Interview mit Niklas Körner, Partner der portugiesischen Venture-Capital-Gesellschaft Faber.
23.02.2026
Von Friedrich Henle | Madrid
Niklas Körner ist Partner bei Faber, einer auf Deep Tech spezialisierten Risikokapitalgesellschaft mit Sitz in Lissabon, die in Start-ups aus dem Umfeld europäischer Wissenschaftszentren investiert. Im Interview beleuchtet er die portugiesische Start-up-Landschaft und plädiert für einen Ausbau der deutsch-portugiesischen Zusammenarbeit in diesem Bereich.
Herr Körner, in welche Start-ups hat Faber zuletzt investiert? Gibt es dabei Verbindungen nach Deutschland?
Ein gutes Beispiel dafür ist Vyoma Space, ein Start-up mit Sitz in München. Das Unternehmen entwickelt und plant den Betrieb eines innovativen, satellitengestützten Systems zur Überwachung von Weltraumschrott. Im Januar 2026 hat Vyoma seinen ersten Überwachungssatelliten "Flamingo-1" an Bord einer SpaceX-Trägerrakete gestartet. Als portugiesische Venture Capital-Gesellschaft sind wir besonders stolz darauf, dass das Unternehmen auch eine portugiesische Mitgründerin hat. Grundsätzlich investieren wir bei Faber auch in Deutschland. Unser Portfolio umfasst inzwischen mehr als zehn Unternehmen, die ursprünglich in Deutschland gegründet wurden oder dort aktiv sind.
Sind Ausgründungen aus der portugiesischen Forschungslandschaft auch interessant für Faber?
Portugal verfügt über exzellente Forschungseinrichtungen und einen starken technischen Talentpool, insbesondere in den Bereichen Ingenieurwissenschaften, Materialforschung, Life Sciences und Informatik. Allerdings ist die Zahl wissenschaftlicher Ausgründungen im Vergleich zu Ländern wie Deutschland oder Großbritannien noch geringer, als man es sich wünschen würde. Unternehmertum an technischen Fakultäten wird bisher nicht durchgängig gefördert. Die Prozesse des Technologietransfers können komplex sein, und Vertragsbedingungen unterscheiden sich leider häufig stark zwischen Institutionen. Gleichzeitig sehen wir ein zunehmendes Bewusstsein an den Hochschulen, professionellere Transferstellen einzurichten. Die Bereitschaft nimmt zu, die Angebote gemeinsam mit Gründungsteams und Kapitalgebern besser auszurichten. Für Venture-Capital-Investoren stellt diese Komplexität des Technologietransfers somit eher eine Chance als einen Nachteil dar.
"In Portugal lassen sich erstklassige Entwicklungsteams aufbauen - zu wettbewerbsfähigen Kosten."
Was ist das Besondere an der portugiesischen Start-up-Szene?
Im Vergleich zu reiferen Standorten ist das Start-up-Ökosystem hier kompakter und enger vernetzt. Dadurch ist der Zugang zu Entscheidungsträgern der Wirtschaft, Investoren, Universitäten und öffentlichen Institutionen oft einfacher und schneller. Da der heimische Markt klein ist, entwickeln portugiesische Gründungsteams von Beginn an Produkte und Geschäftsmodelle häufig für globale Märkte. Zudem gibt es eine wachsende Zahl ausländischer Mitarbeitender, was zu hoher Diversität in portugiesischen Start-ups führt. So wurden unsere Portfoliofirmen Opnova, Equall und CircuitLeap von internationalen Teams gegründet - mit verteilten Standorten zwischen Portugal und den USA. Als Investoren erleben wir dieses "Bridging of Hubs“ regelmäßig zwischen Portugal einerseits und Deutschland, den USA, Großbritannien und weiteren Märkten andererseits.
Warum sollten deutsche Start-ups den Standort Portugal nutzen?
Das Land ist attraktiv für ausländische Start-ups und Scale-ups, die in Europa erstklassige technische Entwicklungsteams aufbauen möchten. Die Verbindungen zu Nordamerika machen Portugal zudem zu einem idealen Hub für eine Expansion in die USA. Außerdem gibt es einen großen Pool hervorragend ausgebildeter Ingenieurinnen und Ingenieure, insbesondere in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, künstliche Intelligenz und Robotik. Gleichzeitig sind Gehalts- und Betriebskosten in Portugal im europäischen Vergleich deutlich niedriger. Das ermöglicht es, Forschung und Entwicklung (F&E) schneller und kapitalschonender zu skalieren. Portugiesische Fachkräfte überzeugen außerdem durch eine sehr hohe Englischkompetenz und Erfahrung in international verteilten Entwicklungsteams. Für Gründungsteams und Wissenschaftspersonal bietet Portugal zudem attraktive steuerliche Rahmenbedingungen, ein stabiles regulatorisches Umfeld und eine hohe Lebensqualität.
„Der deutsche Mittelstand sollte mehr mit portugiesischen Start-ups zusammenarbeiten.“
Wie könnte sich die deutsch-portugiesische Zusammenarbeit im Start-up-Bereich weiter entwickeln?
Ich bin überzeugt, dass nicht nur deutsche Start-ups, sondern auch mittelständische Unternehmen Portugal stärker in den Blick nehmen sollten, wenn sie internationale Expansionsmöglichkeiten evaluieren. Die Zusammenarbeit dürfte sich weiter vertiefen, da beide Volkswirtschaften zunehmend komplementär werden. Deutschland bietet starke Industriepartner, globalen Marktzugang und große Erfahrung beim Skalieren von Technologieunternehmen. Portugal wiederum verfügt über hochqualifizierte technische Fachkräfte, wettbewerbsfähige Kostenstrukturen und ein wachsendes Innovationsökosystem. Angesichts von Fachkräftemangel und steigenden Kosten in Deutschland wird Portugal zunehmend zu einer natürlichen Erweiterung für F&E-, Software- und Engineering-Aktivitäten.
Wie soll das gelingen?
Der deutsche Markt muss offener für Kooperationen mit portugiesischen Technologieunternehmen werden. Ich glaube, dass das langfristig auch so kommt, denn immer mehr junge Talente zieht es nach Südeuropa. Dies zeigt sich besonders deutlich an dem hohen Anteil deutscher Studierender an den beiden führenden Business Schools in Lissabon - NOVA SBE und Católica. Viele dieser Talente bauen kulturelle Brücken, die künftig für Geschäftsmöglichkeiten zwischen beiden Ländern genutzt werden können. All diese Dynamiken schaffen starke Anreize für zukünftige grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Investitionen und gemeinsame Innovationsvorhaben.