Branchen | Rumänien | Beschaffungsmarkt
Deutsche Einkäufer setzen auf Rumäniens Industriecluster
Starke Standorte für Elektro-, Elektronik- und Kfz-Industrie bündeln Produktionskapazitäten für internationale Auftraggeber.
19.10.2026
- Rumänien erschließt neue Rohstoffe
- Deutsche Abnehmer kaufen Elektrowaren
- Viele Kfz-Betriebe beliefern Deutschland
- Beschaffung von Nahrungsmitteln und Getränken mit Potenzial
- Löhne steigen seit Jahren kräftig
- Verkehrsanbindung hat in vielen Landesteilen Modernisierungsstau
- Wenige Branchen dominieren Rumäniens Lieferungen nach Deutschland
Rumänien entwickelt sich seit Jahren zu einem Beschaffungsmarkt mit steigender Wertschöpfung. Nicht zuletzt durch die Präsenz ausländischer Weltkonzerne haben sich in mehreren Wirtschaftszentren starke Cluster entwickelt. Deutsche Lieferaufträge konzentrieren sich vor allem auf die Automobilindustrie, die Elektro- und Elektronikindustrie sowie weitere Bereiche der Metallindustrie.
"In der rumänischen Elektronikindustrie spielt die Auftragsfertigung für ausländische Kunden eine sehr große Rolle", sagt etwa Alexandru Borcea vom Verband der Elektronik- und Softwareindustrie ARIES. "Etwa vier Fünftel der Branchenproduktion gehen in den Export."
Stark wächst auch der rumänische Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologie. Das Land entwickelt sich deshalb zunehmend zu einem attraktiven Standort zur Auftragsforschung und Entwicklung, etwa im Bereich maschinelles Lernen oder bei Industrie-4.0-Lösungen.
Rumänien erschließt neue Rohstoffe
Neue Beschaffungsmöglichkeiten entstehen durch Vorhaben zur Förderung von Metallen und Mineralien. So bereitet das Unternehmen Salrom den Abbau von Graphit im Gebiet Gorj vor. Die Firma Amerocap treibt die Wiedereröffnung einer Magnesiummine in Budureasa voran. In die Erschließung von Kupfer- und Goldvorkommen im Kreis Hunedoara (Eisenburg) investiert Euro Sun Mining.
Hinzu kommt die geplante Förderung und Verarbeitung von Erdgasvorkommen im Schwarzen Meer. Unter anderem Uniper wird ab 2027 für fünf Jahre als Abnehmer auftreten.
Deutsche Abnehmer kaufen Elektrowaren
Das wichtigste rumänische Lieferprodukt für deutsche Abnehmer ist Elektrotechnik. Dazu zählen Schaltungen aller Art, Stromverteiler, Batterien und elektrische Kfz-Teile. Es haben sich Cluster gebildet. Dabei bestehen enge Überschneidungen zwischen Elektro- und Elektronikherstellern. Diese befinden sich neben dem Raum Bukarest vor allem in Timișoara (Temeswar) und Arad in Westrumänien sowie in Cluj-Napoca (Klausenburg) und Brașov (Kronstadt) in Siebenbürgen.
"In der Elektroindustrie Rumäniens gibt es viele Hersteller, die auf Basis von Aufträgen für internationale Unternehmen bedeutende Produktionsvolumina fertigen", sagt Valeriu Velciu, Präsident des Branchenverbands APREL. "Sie sind flexibel und passen sich schnell an die Marktanforderungen an. Derzeit beobachten wir, dass zahlreiche Hersteller ihr Profil zunehmend in Richtung Automatisierung und elektrischer Ausrüstungen für den Photovoltaiksektor verlagern. Zu den Kunden zählen auch große Unternehmen, die Projekte im Erdölsektor und bei der Erschließung von Erdgasvorkommen umsetzen“, so Velciu im Gespräch mit Germany Trade & Invest weiter.
Viele Kfz-Betriebe beliefern Deutschland
Auch Kfz-Teile ordern deutsche Unternehmen zahlreich in Rumänien. In dieser Branche haben sich ebenfalls starke Cluster gebildet. Dazu zählen neben Bukarest, Timișoara, Arad und Cluj-Napoca auch Craiova im Südwesten mit einem Ford-Werk. Hinzu kommt noch Mioveni nahe Bukarest, der Sitz von Dacia.
Viele Sparten der Metallverarbeitung sind zudem in Städten mit Stahlindustrie entstanden. Dazu zählen Galați an der Donau, Târgoviște in der Walachei sowie Reșița und Hunedoara im Westen des Landes.
Beschaffung von Nahrungsmitteln und Getränken mit Potenzial
Die Erzeugung und Verarbeitung von Agrarprodukten ist in Rumänien weiterhin günstiger als in den meisten anderen EU-Ländern. Hinzu kommen gute Böden und günstige klimatische Bedingungen. Deutsche Lebensmittelhändler und -produzenten kaufen daher zunehmend in Rumänien ein.
Der Absatz rumänischer Lebensmittel an Kunden in Deutschland stieg zwischen 2021 und 2025 um knapp 65 Prozent. Zu den wichtigsten Produkten zählen Tomaten, Gurken und Heidelbeeren sowie verschiedene Milcherzeugnisse und Fleischwaren.
Löhne steigen seit Jahren kräftig
Für eine lohnintensive Fertigung wird Rumänien zunehmend weniger attraktiv. Zwar waren die Bruttoarbeitskosten pro Stunde 2025 mit durchschnittlich 13,6 Euro die zweitniedrigsten in der EU nach Bulgarien. Zwischen Juli 2020 und Juli 2026 stiegen die Nominallöhne im Durchschnitt jedoch um knapp 78 Prozent.
Dieser Trend hält an. Die Europäische Kommission erwartet für 2026 einen Zuwachs von 4,9 Prozent und für 2027 von 6,2 Prozent.
Allerdings bestehen große regionale Unterschiede. Wirtschaftsstarken Zentren stehen weiterhin strukturschwache Gebiete gegenüber. Die Bruttolöhne lagen 2024 in der Region Bukarest-Ilfov durchschnittlich um 55,3 Prozent höher als im Südosten des Landes. In strukturschwachen Gegenden finden Unternehmen zudem deutlich mehr Arbeitskräfte für umfangreiche Auftragsfertigungen.
Verkehrsanbindung hat in vielen Landesteilen Modernisierungsstau
Ein Lkw benötigt zwischen Rumänien und Deutschland zwei bis vier Tage. Zwar entfallen seit 2025 dank Schengen die Grenzkontrollen. Dennoch sind die Fahrtzeiten häufig nur schwer planbar. Viele Regionen Rumäniens sind bislang nur über Landstraßen an Mitteleuropa angebunden. Viele Standorte eignen sich daher nicht für eine Just-in-time-Belieferung.
Trotz dieser Schwächen und eines zuletzt moderaten Wachstums bleibt Rumänien ein attraktiver Investitionsstandort. Das Beratungsunternehmen Frames erwartet in einer 2026 erschienenen Studie, dass das Land in den kommenden fünf Jahren Projekte von 25 Milliarden Euro anziehen wird.
Wenige Branchen dominieren Rumäniens Lieferungen nach Deutschland
Der rumänische Export nach Deutschland spiegelt die Stärken des Landes als Beschaffungsmarkt wider. Im Jahr 2025 entfielen rund zwei Drittel der rumänischen Warenausfuhr auf die Elektro-, Kfz- und Elektronikindustrie sowie den Maschinenbau.
Deutschland war 2025 der wichtigste Auslandsmarkt Rumäniens. Das Land nahm rund 20 Prozent aller Warenexporte des südosteuropäischen Landes ab. Als Importlieferant lag Rumänien für Deutschland 2025 weltweit auf Rang 19.