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Rumänien und Bulgarien fördern Lebensmittelindustrie
Rumänien und Bulgarien modernisieren ihre Lebensmittelindustrie mit Programmen, um die lokale Wertschöpfung zu erhöhen. Damit gewinnen beide Länder als Standorte an Bedeutung.
27.04.2026
Von Dominik Vorhölter | Bukarest
Steigende Preise für Energie, Transport und Vorprodukte wie Dünger infolge des Kriegs im Nahen Osten setzen deutsche Lebensmittelhersteller unter zunehmenden Kostendruck. Eine Strategie sind günstigere Produktionen und Beschaffungen. Dabei rücken Rumänien und Bulgarien in den Fokus, die innerhalb der Europäischen Union die niedrigsten Lohnkosten und vergleichsweise günstige Produktionsbedingungen bieten. Von den Förderprogrammen für die Lebensmittelhersteller in beiden Ländern können auch deutsche Unternehmen profitieren, wenn sie in dortige Produktionsstätten investieren.
Rumänien und Bulgarien positionieren sich somit als künftig alternative neue Standorte zu Ungarn, Spanien oder Italien. In Rumänien sind bereits deutsche Lebensmittelhersteller wie Hochland, Fuchs, Dr. Oetker oder Wiesenhof aktiv. Das Allgäuer Unternehmen Hochland ist seit 1998 in Rumänien tätig und produziert in seinen Werken in Sighisoara und Sovata unter anderem Schmelzkäse, Mozzarella und gereiften Käse. In Bulgarien sind internationale Einzelhandelsketten wie Lidl, Kaufland sowie Supermärkte der REWE Group vor Ort. Das Unternehmen Serdika‑94 produziert Joghurt, Butter und Schmand für Lidl. Geschäftsführer Ivaylo Filipov zeigt sich auf Nachfrage von Germany Trade & Invest zufrieden mit dieser Kooperation, die ihm Planbarkeit und feste Abnahmemengen zu akzeptablen Preisen garantiert: "Wir können insgesamt gemeinsam mit Lidl wachsen", sagt er.
Inländischen Unternehmen fehlt Kapital zur Modernisierung
Deutsche Investoren sind in beiden Ländern sehr willkommen, denn insbesondere kleine und mittelgroße rumänische und bulgarische Hersteller sind oft nicht finanzstark genug, um in moderne Ausrüstungen zu investieren. Dies erläutert der bulgarische Verband der Obst- und Gemüseverarbeiter im Gespräch mit Germany Trade & Invest. "Wir haben Unternehmen, die den Wettbewerb noch nicht richtig aufnehmen können, weil sie Schwierigkeiten haben, die vereinbarten Mengen zu liefern", sagt Miroslav Manchev, Sprecher des Verbands. "Deswegen brauchen wir Investitionen in Maschinen und Anlagen", sagt er.
Die Modernisierung der lokalen Unternehmen ist auch wichtig, um auf den Fachkräftemangel in Rumänien und in Bulgarien zu reagieren. Zudem drängen die EU-Regeln wie die Plastikverordnung oder Maßnahmen zur Energieeffizienz die Unternehmen dazu, neue Maschinen anzuschaffen.
Deutsche Ausrüster können daher von den Förderprogrammen in beiden Ländern auch als Technologielieferant profitieren. Vom 08. bis 11. Juni 2026 findet hierzu auch eine Markterkundungsreise für deutsche Hersteller von Landtechnik nach Rumänien und in die Republik Moldau statt.
Förderprogramme für die Lebensmittelindustrie
In Rumänien stimulieren finanzielle Förderprogramme und in Bulgarien wirtschaftspolitische Maßnahmen die Modernisierung der lokalen Lebensmittelindustrie. In Rumänien fördert das staatliche Programm InvestAlim die Modernisierung der Lebensmittelverarbeitung: Es unterstützt die Modernisierung von Unternehmen, die Fleisch‑, Milch‑, Obst‑ und Gemüse weiterverarbeiten.
Das Programm verteilt pro Jahr rund 150 Millionen Euro an mittelständische Unternehmen der rumänischen Lebensmittelindustrie in Form von Zuschüssen. Diese investieren die Unternehmen in neue Maschinen für Verpackungen, für die Verarbeitung oder Kühlung von Produkten.
Branchentreffen bieten sich zur Markterkundung an
Eine führende bulgarische Messe für Landwirtschaftstechnik und -dienstleistungen ist die jährlich in Stara Zagora stattfindende Bata Agro. Sie ist 2026 vom 01. bis 05. Juni terminiert.
In Rumänien richtet die Messe Arad vom 11. bis 13. September 2026 die Agromalin für die Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie aus. Auch sie findet jährlich statt.
Bulgarien fördert Veredelung von Milch, Obst und Gemüse
Die bulgarische Regierung fördert gezielt die Produktion von hochwertigen Bioprodukten. Dafür stellt das Landwirtschaftsministerium bis 2027 pro Jahr rund 27 Millionen Euro zur Verfügung. Zudem unterstützt Bulgarien Kooperationen mit ausländischen Unternehmen, um die Wertschöpfung zu steigern, teilt das Landwirtschaftsministerium mit.
Das bulgarische Unternehmen Senarro produziert etwa in Razlog Biosnacks aus Trockenfrüchten. Diese vertreibt es an Hotelketten. Künftig will das Unternehmen eigenen Angaben zufolge den Vertrieb seiner Produkte in Deutschland weiter ausbauen.
Sourcing: Lieferungen aus Bulgarien und Rumänien wachsen konstant
Die Handelszahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen seit 2020 einen wachsenden deutschen Import von Lebensmitteln aus Bulgarien und Rumänien. Den größten wert- und mengenmäßigen Anteil an der deutschen Einfuhr aus Rumänien und Bulgarien haben Getreideerzeugnisse sowie Früchte und Gemüse. So liefert Rumänien Tomaten, Gurken und Heidelbeeren und zunehmend Fleischerzeugnisse sowie Tierfutter. Aus Bulgarien kaufen deutsche Lebensmittelhändler und Lebensmittelproduzenten zunehmend Joghurt und andere Milchprodukte, Paprika und Trockenfrüchte. Bulgarische Joghurthersteller verarbeiten eine lokale Bakterienkultur, den Bacillus Bulgaricus.
Sowohl Rumänien als auch Bulgarien haben eine breite, kleinteilige Lebensmittelindustrie. Rumänien weist dabei vergleichsweise eine größere Produktionsbasis auf. Dagegen ist Bulgariens Lebensmittelindustrie im Vergleich kleiner, aber etwas exportorientierter als Rumänien.
| Indikator | Bulgarien | Rumänien |
|---|---|---|
| Anteil an Bruttowertschöpfung in Prozent (2024) | 3,5 | 3 |
| Anzahl der Beschäftigten (2024) | 77.585 | 173.229 |
| Anzahl der Unternehmen mit 0-9 Beschäftigten (2024) | 3.734 | 11.011 |
| Lebensmittelexporte weltweit 2025 in Mio. Euro | 4.936 | 7.416 |
| davon nach Deutschland, 2025 in Prozent | 7 | 6 |
| Bezeichnung | Anmerkungen |
| AHK Bulgarien | Anlaufstelle für deutsche Unternehmen |
| AHK Rumänien | Anlaufstelle für deutsche Unternehmen |
| Invest Bulgaria Agency | Agentur für Investitionsförderung Bulgariens |
| Invest Romania | Agentur für Investitionsförderung Rumäniens |
| Deutsche Botschaft Sofia | Deutsche Vertretung in Bulgarien |
| Deutsche Botschaft Bukarest | Deutsche Vertretung in Bukarest |
| APAR Romania | Branchenverband Rumänien |
| Union der Frucht- und Gemüseproduzenten | Branchenverband Bulgarien |