Wirtschaftsumfeld | Rumänien | Investitionsklima
Rumänien hat Investitionsförderprogramme für viele Branchen
Investoren finden in Rumänien eine breite Palette an Förderungen vor. Das Land erhält jedoch schlechte Bewertungen bei der Korruption und Rechtstaatlichkeit.
17.03.2025
Von Torsten Pauly | Berlin
Unternehmen zahlen in Rumänien einen im Vergleich zu den anderen EU-Staaten einen moderaten Körperschaftssteuersatz von 16 Prozent. Investoren können unter Industrie- und Technologieparks in fast allen Landesteilen wählen. Einen Überblick bietet die rumänische Investitionsförderagentur Invest Romania.
In Rumänien bestehen zudem sechs Zoll- und Steuerfreizonen. Diese befinden sich in den beiden Schwarzmeerhäfen Constanța und Sulina, den drei Donaustädten Galați, Brăila und Giurgiu sowie in Arad im Westen des Landes.
Investitionsförderung: Strukturschwache Orte bieten mehr Anreize
Investoren finden in Rumänien zahlreiche branchenbezogene Förderprogramme vor. Diese werden meist mit Mitteln der EU kofinanziert. Die Höhe der Investitionszuschüsse richtet sich in Abstimmung mit der Europäischen Kommission nach der Wirtschaftskraft des jeweiligen Gebietes. In besonders rückständigen Kreisen können bis zu 70 Prozent der Investition bezuschusst werden. Diese Quote sinkt abhängig von der Wirtschaftsleistung auf 0 Prozent in der Hauptstadt Bukarest.
In allen Landesteilen können Investoren für eineinhalb Jahre zudem monatliche Gehaltszuschüsse. Diese gelten für Neueinstellungen bestimmter Arbeitnehmergruppen, etwa Berufseinsteigende, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderung, über 45-Jährige oder Langzeitarbeitslose. Darüber hinaus sind Zuschüsse für Qualifizierungsmaßnahmen bereits Beschäftigter möglich.
Daneben bestehen landesweite Abschreibungsmöglichkeiten. In Ausrüstungen reinvestierte Gewinne sind steuerfrei. Dies gilt auch für geleaste Anlagen.
Ausgaben für Forschung und Entwicklung können in der Regel zu 50 Prozent abgeschrieben werden. Eine vollständige Anrechnung ist möglich, wenn das Unternehmen ausschließlich Forschung und Entwicklung betreibt.
Der Erwerb von Grundstücken in Gewerbegebieten ist von der Grundsteuer befreit. Kommunen können zusätzlich weitere Anreize gewähren, etwa eine kostenlose Erschließung von Grundstücken.
Rumänien hat im März 2026 seine Investitionskontrollgesetzgebung durch eine Dringlichkeitsverordnung überarbeitet. Investitionen müssen der zuständigen Stelle, der Comisia pentru Examinarea Investițiilor Străine Directe (CEISD), nun erst ab einer Summe von 5 Millionen Euro gemeldet werden. Zuvor lag die Schwelle bei 2 Millionen Euro. Die CEISD kann jedoch auch geringere Investitionen prüfen. Dies gilt etwa, wenn diese die kritische Infrastruktur, die Landwirtschaft oder die Pharma-, Chip- und Verteidigungsindustrie betreffen.
EU-Förderungen ermöglichen öffentliche Investitionen
Erforderlich sind hohe Investitionen in die Verkehrs-, Energie-, Umwelt- und Gesundheitssysteme. Unterstützt wird dies durch umfangreiche Fördermittel der EU.
So stehen zwischen 2021 und 2027 aus dem Kohäsionsfonds unter anderem 2,8 Milliarden Euro für Verkehrswege und 6,7 Milliarden Euro für die Abfall- und Wasserwirtschaft zur Verfügung. Weitere 12,6 Milliarden Euro stellt die EU-Aufbau- und Resilienzfazilität der EU für Umweltprojekte, energieeffiziente Sanierungen, Anlagen zur Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen sowie für die Dekarbonisierung der Industrie in Rumänien bereit.
Mittelfristig werden auch Erdgasvorkommen in den rumänischen Gewässern des Schwarzen Meeres die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen verringern. Zur Vorbereitung einer Ausbeutung ab 2027 erhielt das rumänisch-österreichische Unternehmen OMV-Petrom eine Konzession für Untersuchungen. Abnehmer des zu fördernden Gases wird unter anderem Uniper aus Deutschland sein.
Deutsche Unternehmen sind stark präsent
Das deutsche Engagement in Rumänien ist hoch. Die Schwarz Gruppe ist mit den Ketten Lidl und Kaufland der führende Einzelhändler. Metro ist der umsatzstärkste Großhändler.
Stark vertreten sind zudem Unternehmen der Kfz-Industrie und der Energieversorgung. Hinzu kommen unter anderem Elektro- und Elektronikhersteller wie Siemens, Miele, Sennheiser oder Kärcher. Diese können zunehmend von Clustern wie RO-SMARTSYS für Halbleiter profitieren.
Unternehmen | Branche | Umsatz |
|---|---|---|
| Lidl | Einzelhandel | 4,6 |
| Kaufland | Einzelhandel | 3,8 |
| METRO | Großhandel | 2,1 |
| Star Assembly *) | Automotive | 2,1 |
| REWE | Einzelhandel | 1,9 |
| Bosch | Automotive | 1,6 |
| E.ON | Energie | 1,6 |
| wpd | Energie | 1,6 |
| Continental | Automotive | 1,2 |
| Schaeffler | Automotive | 0,7 |
Industrie zieht die meisten Investitionen an
Ende 2024 entfielen rund 28 Prozent des Gesamtbestandes an ausländischen Direktinvestitionen auf das verarbeitende Gewerbe. Es folgten der Bau- und Immobiliensektor sowie der Handel mit jeweils rund 17 Prozent. Das Finanz- und Versicherungswesen erreichte einen Anteil von 14 Prozent.
Regional dominiert der Großraum Bukarest deutlich. Er vereinigte Ende 2024 rund 65 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen auf sich. In den übrigen Landesteilen wiesen die Regionen Centru mit gut 8 Prozent und Vest mit 7 Prozent die höchsten Anteile auf.
Von den ausländischen Direktinvestitionen in Rumänien entfielen Ende 2024 knapp 15 Prozent auf Deutschland. Der zweithöchste Anteil stammte mit gut 11 Prozent aus Österreich, gefolgt von Frankreich mit rund 10 Prozent.
Öffentlicher Sektor muss Effizienz steigern
Ein Standortnachteil kann die häufig als schwerfällig kritisierte öffentliche Verwaltung Rumäniens sein. Dies gilt vereinzelt auch für staatliche Unternehmen.
Im Corruption Perceptions Index von Transparency International belegte Rumänien 2025 innerhalb der EU den drittletzten Rang. Der World Justice Project Rule of Law Index führte das Land 2025 weltweit auf Rang 44 und innerhalb der EU auf dem fünftletzten Rang.
Diese Defizite führen mitunter dazu, dass sich die Umsetzung von mit EU-Mitteln geförderten Investitionsprojekten verzögert. Ursachen sind etwa lange administrative Vorbereitungen oder Vergabeklagen nicht berücksichtigter Bieter.
Die Effizienz der Verwaltung variiert jedoch je nach Investitionsstandort. Sie hängt stark von den zuständigen kommunalen und regionalen Entscheidungsträgern ab. Gleiches gilt für die zügige Umsetzung von Programmen der EU.
Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.
"Rumänien bietet gute Geschäftsmöglichkeiten"
Sebastian Metz ist seit 2012 Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der AHK Rumänien (Deutsch-Rumänische Industrie- und Handelskammer). Im Mittelpunkt seiner Tätigkeit stehen die Beratung deutscher und rumänischer Unternehmen, die kontinuierliche Betreuung der AHK-Mitglieder sowie die Interessenvertretung der deutschen Wirtschaft in Rumänien.
Herr Metz, im AHK Business Outlook vom Frühjahr 2026 nannten 38 Prozent der befragten Mitglieder die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Geschäftsrisiko. Was verstehen die Unternehmen konkret unter "wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen"?
Für unsere Mitglieder bedeutet dies vor allem politische Stabilität und verlässliche wirtschaftliche Bedingungen. In Rumänien sorgten annullierte Präsidentschaftswahlen und Regierungswechsel im Jahr 2025 für erhebliche Verunsicherung. Und auch die geopolitischen Risiken durch die Lage an den Grenzen zur Ukraine und zur Republik Moldau spielen für das NATO-Mitglied Rumänien eine Rolle. Gleichzeitig ergeben sich aus der geostrategischen Lage des Landes attraktive Geschäftsmöglichkeiten, etwa in der Verteidigungsindustrie oder bei Energieprojekten im Schwarzen Meer.
Rumänien lag beim Bestand deutscher Direktinvestitionen in der EU auf Rang 13 unter allen Mitgliedstaaten. Was spricht für ein Engagement?
Rumänien bietet im EU-Vergleich weiterhin Lohnkostenvorteile und verfügt als traditioneller Industriestandort über einen großen Fachkräftepool. Eine starke universitäre und berufliche Ausbildungsstruktur, insbesondere in den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, ist in allen wichtigen Regionen vorhanden. Zudem verbessert sich die Verkehrsinfrastruktur kontinuierlich.
Was sollten Unternehmen beim Markteintritt oder einer Investition aus ihrer Sicht beachten?
Wichtig ist eine sorgfältige Vorbereitung. Dazu zählen eine frühzeitige rechtliche und steuerliche Beratung, die Berücksichtigung regionaler Unterschiede, ein gutes Verständnis von Infrastruktur und Branchenclustern, die Auseinandersetzung mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie das Finden geeigneter Ansprechpartner vor Ort.