Wirtschaftsstandort | Schweiz

Schweiz punktet mit hoher Wertschöpfung und Innovation

Aus der Not beschränkter Ressourcen hat die Schweiz die Tugend eines innovativen, qualitätsorientierten und spezialisierten Wirtschaftsstandorts gemacht. 

Oliver Döhne

Von Oliver Döhne | Bonn

Mit ihren knapp 9 Millionen Einwohnern, den begrenzten Anbauflächen und wenigen Rohstoffen hat die Schweiz frühzeitig auf Zukunftsbranchen in den Sektoren Dienstleistungen und Industrie gesetzt. Für Deutschland ist die Schweiz nicht zuletzt ein wichtiger Partner bei Forschung und Entwicklung.

  • Die Schweiz punktet als Finanzplatz, spezialisierter Industriestandort mit hoher Wertschöpfung und Innovationscluster strategischer Branchen.

    Rund 80 Prozent der Arbeitskräfte sind in der Schweiz im Dienstleistungssektor tätig, zum Beispiel in den Bereichen Tourismus, Handel, Logistik, Informations- und Kommunikationstechnologie und im Finanzsektor. Zudem existiert im Land eine international wettbewerbsfähige verarbeitende Industrie in der Metallverarbeitung, im Maschinen- und Anlagenbau, der Präzisionstechnik sowie in den Bereichen Pharmazie/Chemie/Life Sciences. Dabei ist die Schweiz stark abhängig von ausländischen Arbeitskräften. Angesichts ihres hohen Lohnniveaus und der tendenziell aufwertenden Währung bei gleichzeitigem Exportfokus steht das Land besonders unter Innovationsdruck. 

    Schweizer Produkte werden für den Weltmarkt produziert

    In der verarbeitenden Industrie setzte die Schweiz, auch infolge ihrer Rohstoffarmut, früh auf hohe Wertschöpfung und Qualität und schuf so zahlreiche starke Marken. "Swiss Made" steht für Zuverlässigkeit und Präzision. Schweizer Produkte zielen direkt auf den Weltmarkt, so dass der vergleichsweise kleine Binnenmarkt keinen Nachteil darstellt. Im Gegenteil: Durch eine investorenfreundliche Ansiedlungspolitik holte die Schweiz zahlreiche multinationale Konzerne ins Land. 

    In der Lebensmittelwirtschaft muss die Schweiz aufgrund ihrer begrenzenten Anbauflächen immer noch rund die Hälfte der benötigten Nahrungsmittel importieren und konzentriert sich als Weideland eher auf Viehzucht und Milchwirtschaft. Genau vor diesem Hintergrund entwickelte das Land jedoch international beliebte Qualitätsprodukte wie Käse und Schokolade. 

    Im Rohstoffhandel positioniert sich die Schweiz als wichtige Drehscheibe. Sie produziert aus importierten edlen Rohstoffen mittels Handwerkskunst und viel Sinn für Eleganz und Exklusivität Luxusartikel wie Schmuck oder Uhren. Letztere stehen als Symbol für die schweizerische Präzisionstechnik. 

    In der chemischen Industrie schaffte die Schweiz frühzeitig den Strukturwandel von der Farbherstellung zu einer hochmodernen und global agierenden Pharmaindustrie. Darüber hinaus zog sie Forscher und innovative Firmen an, um auch in der Informationstechnologie und bei modernen Dienstleistungen State of the Art zu werden und zu bleiben. 

     

    9,0 Mio.

    Personen lebten 2025 im Land.

    Quelle: UN 2026

    919,7 Mrd.

    Euro betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025.

    Quelle: IWF 2026

    101.888

    Euro machte das BIP pro Kopf damit 2025 aus.

    Quelle: IWF 2026

    Rang 9

    belegte das Land 2025 unter den deutschen Exportzielen.

    Quelle: Destatis 2026

    Rang 6

    nimmt das Land im Corruption Perceptions Index 2025 ein (unter 182 Ländern).

    Quelle: Transparency International 2026

    0,4 %

    betrug die Analphabetenquote im Jahr 2018. 

    Quelle: Weltbank 2022

    Weitere Indikatoren finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt. 

    Absatzmarkt und Forschungspartner

    Aus deutscher Perspektive ist die Schweiz ein wichtiger Absatzmarkt (Rang 9) und ein wichtiger Lieferant (Rang 11). Sie ist auch ein Partner in der Forschung und Entwicklung neuer Technologie, Produkte und Dienstleistungen. In der Umfrage Going International der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) vom März 2023 stuften 47 Prozent die Schweiz in die Gruppe von Märkten ein, die aus ihrer Sicht mittelfristig wichtiger werden. Allerdings gaben auch 13 Prozent an, künftig mit mehr Handelshemmnissen im Geschäftsverkehr mit der Schweiz zu rechnen, wobei sie sich auf das gescheiterte Rahmenabkommen mit der EU beziehen, was Zusatzaufwand verursacht. 

     

    SWOT-Analyse Schweiz

    S

    Stärken Strengths

    • Politische und gesellschaftliche Stabilität
    • Wohlstand/Kaufkraft
    • Verzahnung von Firmen und Forschung/Innovationsgeist
    • Funktionierende Infrastruktur
    • Niedrige Steuern
    W

    Schwächen Weaknesses

    • Rohstoffarm, begrenzte Anbauflächen
    • Hohes Preis- und Kostenniveau
    • Kleiner Binnenmarkt/Exportabhängigkeit
    • Verzögerungen durch Referenden/Einsprüche
    • Protektionismus/wenig Wettbewerb in einigen Branchen
    O

    Chancen Opportunities

    • Digitalisierung Gesundheitssektor (Programm Digisanté)
    • Klimaschutzmaßnahmen auf dem Weg zu Netto Null 2050
    • Industrie investiert, um international wettbewerbsfähig zu bleiben
    • Schnellere Genehmigungen, z.B. Solar- und Windexpress
    • Bedarf an smarten Anwendungen steigt 
    T

    Risiken Threats

    • Starke Währung bremst den Export 
    • Engpässe bei qualifizierten Arbeitskräften
    • Schwierige Verhandlungen mit der EU, Drittlandstatus
    • Winterlücke/Energieknappheit
    • Neue Regeln zur Mindestbesteuerung

    Unternehmensnahe Forschung

    Eine besondere Stärke der Schweiz ist die enge Verzahnung der renommierten Forschungslandschaft mit Unternehmen. An zahlreichen Standorten des Landes sind praxisnahe Forschungs- und Entwicklungscluster entstanden, die konkrete kommerzielle Anwendungen neuer Technologie entwickeln. Erwähnenswert ist unter anderem der Switzerland Innovation Park in Biel mit den Forschungszentren Swiss Advanced Manufacturing Center, Swiss Battery Technology Center, Swiss MedTech Center und Swiss Smart Factory. Weitere Switzerland Innovation Parks befinden sich in Basel, Zürich, Aargau und an mehreren Standorten in der Westschweiz. 

     

    Bedeutung der Wirtschaftszweige in der Schweiz (Anteile in Prozent)

    Sektoren

    Anteil an der Bruttowertschöpfung 2022

    Anteil an den Beschäftigten 2022

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

    0,6

    2,9

    Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

    0,1

    k.A.

    Verarbeitendes Gewerbe

    18,4

    12,5

    Energieversorgung 

    1,4

    0,6

    Wasserversorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen

    0,3

    0,4

    Baugewerbe

    4,7

    6,8

    Andere Dienstleistungen

    71,5

    75,9

    Quelle: BFS 2023

    Industriecluster in allen Landesteilen

    Die Schweiz verfügt über zahlreiche industrielle Cluster, vor allem in Basel, Zürich, Zug, Luzern, aber auch in der Region um den Genfer- und den Neuenburgersee. Basel ist Sitz vieler Konzerne der chemisch-pharmazeutischen Industrie, die aber auch in Zürich, Zug und am Genfersee wichtige Produktionsstätten unterhält. Zürich ist der wichtigste Finanzplatz und Logistikdrehscheibe. 

    Im Rahmen der Regionalpolitik stehen auch in weniger entwickelten Landesteilen Fördermittel bereit und oft bemühen sich kleinere Kantone sehr um Investoren. Die Kantone bieten Steueranreize, allerdings gilt seit Jahresbeginn 2024 die OECD-Mindestbesteuerung für Großkonzerne, was den Steuerwettbewerb etwas herunterkühlen könnte. 

    Eckdaten der wichtigsten Regionen in der Schweiz (2021)

    Region/Kanton

    Anteil am BIP (in %)

    BIP pro Kopf (in Euro) *)

    Bevölkerung (in Mio.)

    Zürich

    20,5

    105.782

    1,6

    Espace Mittelland (Kantone Bern, Freiburg, Neuenburg, Solothurn, Jura)

    19,8

    83.832

    1,9

    Genferseeregion (Kantone Waadt, Wallis, Genf)

    18,8

    89.929

    1,7

    Nordwestschweiz (Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Aargau)

    14,3

    97.122

    1,2

    Ostschweiz (Kantone Glarus, Schaffhausen, Appenzell A. Rh., Appenzell I. Rh., St. Gallen, Graubünden, Thurgau)

    12,5

    83.603

    1,2

    Zentralschweiz (Kantone Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Zug)

    9,6

    93.135

    0,8

    Tessin

    4,5

    102.031

    0,4

    * Umrechnungskurs 2021: 1 Euro=1,0811 CHF.Quelle: Bundesamt für Statistik 2023

    Oliver Döhne

    Von Oliver Döhne | Bonn

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  • Die Schweiz bietet ein liberales, innovatives Investitionsumfeld. Die OECD-Mindestbesteuerung könnte den Fokus von Steueroptimierung hin zu produktiven Investitionen verlagern. 

    Die ausländischen Direktinvestitionen in der Schweiz sind in den vergangenen Jahren tendenziell gesunken. Allerdings sind diese Gesamtwerte nur begrenzt aussagefähig, um die Attraktivität des Landes für produzierende ausländische kleine und mittlere Unternehmen zu bewerten. Aufgrund der niedrigen Steuern der Schweiz machen Portfolioinvestitionen globaler Konzerne einen größeren Teil der Investitionsstatistik aus. Oft handelt es sich um sogenannte Zweckgesellschaften ohne operative Aktivitäten (Special Purpose Entities). Das ist auch der Grund, warum sich unter den größten Auslandsinvestoren Luxemburg und die Niederlande finden. 

    Mehr Real Economy, weniger Konzernmanöver

    Da die Schweiz, wie auch die meisten EU-Länder, schon zu Jahresbeginn 2024 die Mindestbesteuerung für Großkonzerne eingeführt hat, könnten sich solche Investitionen, die in erster Linie der Steueroptimierung gelten, deutlich abschwächen. Auch die von der Schweiz geplante Kontrolle beziehungsweise Genehmigungspflicht für Direktinvestitionen in strategischen Sektoren oder durch staatlich gelenkte ausländische Konzerne könnte hier zu weniger rein strategisch motivierten Merger und Aquisitions (M&A) führen. 

    Was die Attraktivität für Direktinvestitionen in tatsächliche Produktionen und Dienstleistungsbetriebe betrifft, lag die Schweiz in einer Befragung der Beratungsgesellschaft von EY aus dem März 2023 unter 508 relevanten Entscheidern immerhin auf dem 8. Platz, allerdings hinter Deutschland. Wichtige reale Investoren sind, in jährlich unterschiedlicher Intensität, unter anderem die USA, Frankreich, das Vereinigte Königreich und Deutschland. 

    Der Handel setzt in der Schweiz verstärkt auf die Reinvestition seiner Gewinne. Trotz der hohen Einfuhrzölle für Lebensmittel und der starken Marktstellung der einheimischen Ketten Coop und Migros sind auch Aldi und Lidl in der Schweiz aktiv. In der chemischen Industrie sind eher Übernahmen an der Tagesordnung. Im Bereich Life Sciences haben zahlreiche globale Chemie- und Pharmafirmen ihren Hauptsitz und ihre Produktion in die Schweiz verlegt. Auch der Metallwirtschaft und im Maschinenbau flossen in den vergangenen Jahren Mittel aus dem Ausland zu. Beim Direktinvestitionsbestand liegt in der Schweiz zudem ein größer Betrag im Bereich Elektronik, Energie und Optik. Laut EY entwickelt sich die Schweiz und insbesondere der Standort Zürich seit einigen Jahren besonders bei Internet-Technologie/Software/IT-Services auffallend gut. 

    Standort für hohe Wertschöpfung und Innovation

    In Innovationsrankings ist die Schweiz stets auf den vorderen Plätzen zu finden, wenn nicht sogar ganz oben. Hochschulen wie die ETH in Zürich oder die EPF in Lausanne gelten in vielen technischen Disziplinen als Benchmark. Als besondere Stärke der Schweiz gilt die Nähe von Unternehmen und Forschungsinstitute und die Fähigkeit, Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte umzusetzen. Hier dient auch die Agentur Innosuisse als Bindeglied. Landesweit gibt es zahlreiche Technologie- und Gründerparks, die Räumlichkeiten (für die Start- und Aufbauphase meist zu Vorzugskonditionen), gemeinsame Infrastrukturen und fachliche Betreuung bieten. 

    Auch auf den Schutz des geistigen Eigentums legt das Land großen Wert. Die Schweiz punktet zudem mit ihrer zentralen Lage als Kommunikations- und Transportzentrum zwischen Nord und Südeuropa. Eine Herausforderung stellen die hohen Kosten für Löhne und Mieten sowie die umkämpften Arbeitskräfte dar. Weitere Informationen zu Arbeitsmarkt und Lohnentwicklung finden Sie in der GTAI-Publikation Lohn- und Lohnnebenkosten Schweiz

    Die deutschen Investitionen in der Schweiz entfallen zumeist auf M&A-Aktivitäten oder Erweiterungsinvestitionen etablierter größerer Akteure. Die räumliche Nähe und auch die vergleichsweise hohen Lohnkosten sind für viele deutsche Firmen eher ein Argument, aus heimischer Produktion zu liefern. 

    Auswahl deutscher Unternehmen mit Produktion in der Schweiz (Stand: Dezember 2023)

    Unternehmen

    Branche

    Anmerkung
    B.BraunMedizintechniku.a. Produktion von Sterilgut in Sempach und Escholzmatt (beide Luzern) sowie Crissier (Waadt)
    StihlMotor- und Gartengeräteu.a. Produktion von Sägeketten und Heckenscheren in Wil und Bronschhofen (beide St. Gallen)
    BayerAgrochemikalien, Pharmazieu.a. Produktion von Fungiziden in Muttenz (Basel-Landschaft) sowie Standorte in Zürich und Basel
    WürthBaubedarfu.a. Produktion von Kunststoffdübeln in Hinwil (Zürich)
    BASFChemische Erzeugnisseu.a. Produktion von optischen Aufhellern für Waschmittel in Monthey (Wallis), Grund- und Industriechemikalien in Pfäffikon (Zürich) sowie von Kunststoffadditiven in Kaisten (Aargau)
    Quelle: Unternehmenswebsites

    Investitionsförderung: niedrige Steuern und Hilfe bei der Ansiedlung

    Die Ansiedlungspolitik der Schweiz besteht, auf nationaler Ebene, in erster Linie darin, möglichst gute Rahmenbedingungen für ein wirtschaftliches Engagement zu schaffen und potenzielle Investoren im Vorfeld eines Engagements zu informieren und zu beraten. Finanzielle Fördermaßnahmen erfolgen eher in Einzelfall. Investitionen in strukturschwächere Regionen fördert die schweizerische Bundesregierung in Kooperation mit den Kantonen über Steuererleichterungen im Rahmen der Regionalpolitik. 

    Erster Ansprechpartner auf nationaler Ebene ist die staatliche Agentur Switzerland Global Enterprise, die insbesondere nach ausländischen Investoren in folgenden Bereichen sucht: Künstliche Intelligenz, Robotik, Advanced Manufacturing, Blockchain und personalisierte Gesundheit. 

    Die meisten Kantone besitzen eigene Wirtschaftsförderstellen, bieten Steueranreize und helfen bei der Suche nach Räumlichkeiten und Grundstücken. Auch zinsgünstige Darlehen, Zuschüsse oder Bürgschaften sind im Einzelfall möglich. 

    Die GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Anfang 2024 hat GTAI eine neue Ausgabe von Zoll und Einfuhr kompakt - Schweiz veröffentlicht - ein Kurzüberblick über Einfuhrverfahren, Warenbegleitdokumente, zu zahlende Abgaben sowie Verbote und Beschränkungen. 

     

    Oliver Döhne

    Von Oliver Döhne | Bonn

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  • BezeichnungAnmerkung
    Switzerland Global EnterpriseInvestorenanwerbung der Schweiz, unterstützt und berät Firmen mit Ansiedlungsinteresse
    Handelskammer Deutschland-SchweizDeutsche Auslandshandelskammer, unterstützt bei rechtlichen und verwaltungstechnischen Fragen von Gründung und Niederlassung, vermittelt Kontakte zu Anwälten etc.
    InnosuisseInnovationsagentur, fördert u.a. Start-ups und KMU, auch in Kooperation mit deutschen Firmen
    InvestorenhandbuchInformationen von GSE über den Investitionsstandort Schweiz

     

    Oliver Döhne

    Von Oliver Döhne | Bonn