Der Bedarf an Medikamenten steigt in Spanien auch durch Zuwanderung. Die pharmazeutische Industrie ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Land.
16.04.2026
Von Friedrich Henle
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Madrid
Ausblick der Pharmaindustrie in Spanien
Zunehmende Krankheitslast und höhere Lebenserwartung verstärken die Nachfrage nach Arzneimitteln.
Branche investiert mehr in Forschung und Entwicklung und erweitert vorhandene Produktionsstätten.
Sparzwänge im öffentlichen Gesundheitssystem bremsen Ausgaben für Pharmaka.
Unsicherheit durch geplante Gesetzesänderungen.
Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: April 2026
Der Markt für Medikamente in Spanien wächst kontinuierlich. Gestiegene Kosten für das öffentliche Gesundheitssystem rufen aber auch Sparmaßnahmen hervor.
Spanien ist innerhalb Europas der fünftgrößte Arzneimittelmarkt. Und die Nachfrageaussichten bleiben positiv. Wie in anderen Industrieländern nimmt die Gruppe der älteren Menschen zu. Die Lebenserwartung ist eine der höchsten weltweit. Dadurch steigt der Bedarf, eine größere Anzahl an chronischen Krankheiten behandeln zu müssen. Die spanische Zulassungsbehörde für Medizinprodukte AEMPS prognostiziert, dass Medikamente gegen Demenz, Parkinson und Osteoporose den stärksten Nachfrageanstieg in dieser Personengruppe erfahren werden.
Pharmaka gegen Diabetes bilden mit rund 2,5 Milliarden Euro weiterhin den größten Ausgabenposten im staatlichen Erstattungssystem. Im Regionalvergleich liegt Spanien bei der Verbreitung von Diabetes zudem oberhalb des europäischen Durchschnitts.
Ausgaben für Medikamente werden steigen
Das gestiegene Volumen des spanischen Arzneimittelmarktes in den letzten Jahren ist auch auf Zuwanderung, insbesondere aus Lateinamerika, zurückzuführen. Laut der nationalen Statistikbehörde INE nahm die Anzahl der Einwohnerinnen und Einwohner innerhalb der letzten fünf Jahre um 2,2 Millionen zu und liegt Anfang 2026 bei nunmehr 49,6 Millionen. Als Absatzmarkt und Produktionsstandort für Medikamente gewinnt Spanien damit weiter an Bedeutung. Das Analyseunternehmen Fitch Solutions prognostiziert eine durchschnittliche Wachstumsrate des spanischen Pharmamarktes bis 2029 von jährlich 4 Prozent. Die Pro-Kopf-Ausgaben sollen bis dahin von 675 Euro im Jahr 2024 auf 827 Euro ansteigen.
In den kommenden Jahren soll der Anteil der Medikamente an den gesamten Gesundheitskosten weiter steigen. Fitch Solutions prognostiziert einen Anteil von 28,4 Prozent im Jahr 2029, nach 23,4 Prozent im Jahr 2024. Der Wert der verschriebenen Arzneimittel machte 2024 insgesamt 24,9 Milliarden Euro aus. Patientinnen und Patienten gaben für rezeptfreie Medikamente (OTC; Over-the-Counter) zusätzliche 7,1 Milliarden Euro aus.
Maßnahmen zur Kostensenkung gehen weiter
Der Mehrbedarf an Medikamenten bringt jedoch auch politische Maßnahmen zur Kostendämpfung mit sich. Diese spiegeln sich zum Beispiel im Zulassungs- und Erstattungssystem wider. Die geplante Überarbeitung des Königlichen Gesetzesdekrets 1/2015 in Spanien, das die Preisgestaltung und Erstattung von Arzneimitteln und Medizinprodukten regelt, zielt darauf ab, das Gesundheitssystem zu modernisieren und zu verbessern. Der Vorschlag enthält unter anderem Maßnahmen, um die Marktattraktivität von Generika und Biosimilars zu verbessern, ihre Verwendung zu fördern und somit die Gesundheitskosten zu senken.
Daneben sind Reformen des Dekrets über die Health Technology Assessments (HTA) und des übergeordneten Medizingesetzes (Ley 29/2006 de garantías y uso racional de los medicamentos y productos sanitarios) in Planung. Für Pharmaunternehmen bedeuten die Gesetzesänderungen eine gewisse Unsicherheit, da im März 2026 noch keine Details über den Zeitpunkt der Gesetzeseinführungen und die genauen Inhalte verfügbar waren. Die Regierung stellte die Reformen im März 2025 vor; den Gesetzgebungsprozess haben sie bislang jedoch nicht durchlaufen.
ca. 90Prozent
der nationalen Pharmaproduktion geht in den Export.
Der spanische Pharmasektor ist international stark vernetzt
Exporten im Wert von knapp 16 Milliarden Euro standen im Jahr 2024 Importe in Höhe von 20 Milliarden Euro gegenüber. Lieferungen aus Deutschland machten in den letzten Jahren etwa 15 Prozent an den gesamten Medikamentenimporten aus. Nur Pharmaunternehmen aus den USA sind noch erfolgreicher in Spanien.
Arzneimittelhersteller produzieren seit Jahren in Spanien, darunter große ausländische Unternehmen. Die Unternehmen beliefern von dort aus weltweite Absatzmärkte. Im Jahr 2024 waren die fünf wichtigsten Exportdestinationen Deutschland, die Schweiz, Frankreich, die USA und Italien. Unsicherheit entsteht durch die sich ändernden Zölle der US-Administration auf europäische Produkte. 2024 machten Ausfuhren in die USA 6,2 Prozent aller spanischen Medikamentenexporte aus.
Strategie für den Pharmasektor veröffentlicht
Im Dezember 2024 beschloss der spanische Ministerrat zum ersten Mal eine Strategie für den Pharmasektor. Im Zeitraum bis zum Jahr 2029 will die Regierung die Branche durch Maßnahmen in drei Schlüsselaspekten stärken:
Gerechter Zugang zu Arzneimitteln und Nachhaltigkeit des nationalen Gesundheitssystems
Förderung von Forschung und Entwicklung (F&E) sowie Innovationen
Wettbewerbsfähigkeit des Sektors durch starke und nachhaltige Lieferketten
Die Strategie ist Teil des spanischen Aufbau- und Resilienzplans, den die EU 2021 genehmigt hat und für dessen Umsetzung sie auch Finanzierung bereitstellt. Sie soll ihrerseits zum Erfolg der europäischen Strategie für die Arzneimittelindustrie beitragen.
Die Strategie umfasst die Wiederauflage des Förderprogramms PROFARMA (Fomento de la Competitividad en la Industria Farmacéutica). Das Programm soll die Wettbewerbsfähigkeit der pharmazeutischen Industrie in Spanien erhöhen, indem es die lokalen Leistungen von Unternehmen in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Produktion, Schaffung von Arbeitsplätzen bewertet und einstuft. Ein Ziel der Neuauflage ist es auch, die lokale Produktion von Medikamenten weiter zu stärken. Gut bewertete Unternehmen können ihre Beiträge für das nationale Gesundheitssystem reduzieren. Die letzte Einreichungsrunde endete im Oktober 2025. Im März 2026 waren noch keine Informationen über die ausgewählten Unternehmen sowie die nächste Einreichungsrunde verfügbar.
Unternehmen investieren in den Standort - vor allem in F&E
Laut spanischem Branchenverband Farmaindustria werden die Unternehmen des Sektors im Zeitraum 2023 bis 2025 insgesamt 9 Milliarden Euro am Standort investiert haben. Dies schließt Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) beziehungsweise klinische Studien mit ein. Im Produktionsbereich handelt es sich vor allem um die Erweiterung bestehender Werke.
Ausgewählte Investitionsprojekte der pharmazeutischen Industrie in SpanienInvestitionssummen in Millionen Euro
Akteur/ Projekt (Region)
Investitionssumme
Projektstand
Anmerkungen
AstraZeneca/ Global Hub in Barcelona (Katalonien)
1.300
Im Bau; Fertigstellung geplant: 2027
Ausbau des "AstraZeneca Global Hub", ein internationales Zentrum für Innovation und klinische Forschung des Pharmakonzerns
Eli Lilly/ Werkserweiterungen in Alcobendas (Madrid)
370
Im Bau/ in Planung
Verschiedene Investitionen: 50 Mio. Euro für zwei zusätzliche Verpackungslinien bis Ende 2026 (im Bau); 167 Mio. Euro für F&E-Zentrum bis 2029 (im Bau); weitere Investition über 153 Mio. Euro im Februar 2026 angekündigt, um Produktionskapazität zu vervierfachen (in Planung; Fertigstellung geplant: 2030)
Normon/ Werkserweiterungen in Tres Cantos (Madrid)
345
In Planung; Fertigstellung geplant: 2030
Werkserweiterung in verschiedenen Phasen, unter anderem um Medikamenten-Portfolio zu erweitern und neue Darreichungsformen produzieren zu können
Esteve/ Werkserweiterung in Girona (Katalonien)
100
Im Bau; Fertigstellung geplant: Ende 2026
Werkserweiterung zur Erhöhung der Produktionskapazität um 45 Prozent
Laboratorios Farmacéuticos Rovi/ Werkserweiterung in San Sebastián de los Reyes (Madrid)
63
Im Bau; Fertigstellung geplant: 2027
Werkserweiterung zur Erhöhung der Produktionskapazität für Fertigspritzen, neues Qualitätslabor, Nebengebäude
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Von Friedrich Henle
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Madrid
Spaniens Pharmaindustrie produziert eine breite Palette an Medikamenten. Die Branche baut ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Land aus.
Spaniens Pharmabranche steht für etwa 5 Prozent der Bruttowertschöpfung in der verarbeitenden Industrie. Etwa 270.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze hängen von ihr ab. Die Branche ist der drittwichtigste Exportzweig Spaniens, nach dem Nahrungsmittel- und dem Kfz-Sektor.
Nach Angaben des Branchenverbandes Farmaindustria bestanden 2024 insgesamt 181 Produktionsstätten für pharmazeutische Produkte im Land, darunter 111 für Medikamente im Bereich Humanmedizin. In der Region Katalonien befinden sich mit Abstand die meisten Produktionsstätten, gefolgt von der Region Madrid.
Das spanische Statistikamt INE weist für die Branchenunternehmen im Jahr 2023 einen Umsatz in Höhe von 19,9 Milliarden Euro aus, 15,2 Prozent weniger als noch 2022. Das starke Minus liegt auch daran, dass im Jahr 2022 die Herstellung von Coronaimpfstoffen für ein kräftiges Plus von 10,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesorgt hatte. Neuere Daten standen im März 2025 nicht zur Verfügung.
Die spanische Pharmabranche forscht und entwickelt intensiv
Laut Farmaindustria hat der Sektor im Jahr 2024 insgesamt 1,5 Milliarden Euro für Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten ausgegeben, davon 60 Prozent im Bereich der klinischen Forschung. Dieser Wert stellt 20 Prozent der gesamten F&E-Ausgaben der spanischen Industrie dar.
Die spanische Zulassungsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte AEMPS autorisierte im Jahr 2024 insgesamt 930 Teilnahmen an klinischen Studien (Phase III). Damit steht das Land an erster Stelle unter den Mitgliedsländern der EU und weltweit an dritter Stelle hinter den USA und China.
In Katalonien gewinnt die Biotechnologie an Dynamik
Spanien hat stark in die F&E-Infrastruktur investiert und verfügt über zahlreiche Forschungszentren und Universitäten, die international kooperieren und Innovationen vorantreiben. Dies hat eine solide Grundlage für die Entwicklung von Biotechunternehmen geschaffen. Im europäischen Vergleich sind in absoluten Zahlen gemessen nur im Vereinigten Königreich und Frankreich mehr Biotechnologieunternehmen aktiv.
Spanische Start-ups im Biotechnologiebereich (alle Felder, nicht nur im medizinischen Bereich) haben im Jahr 2024 insgesamt 181 Millionen an privaten Mitteln eingeworben. Hinzu kamen 6 Millionen Euro, die über Crowdfunding-Maßnahmen eingespielt wurden. Laut spanischem Biotechnologie-Verband ASEBIO sind 58 Prozent aller spanischen Biotechunternehmen im Gesundheitsbereich aktiv.
Katalonien ist eine der aktivsten Regionen in Spanien für Biotechnologie: Ein Viertel aller spanischen Biotechunternehmen haben dort ihren Sitz. Sie stellen mehr als 35 Prozent des Gesamtumsatzes auf nationaler Ebene dar. Weitere regionale Schwerpunkte sind die Hauptstadtregion Madrid sowie Andalusien.
Der Generikaanteil ist niedriger als in anderen Ländern
Generika haben ihren wertmäßigen Marktanteil in Spanien in den letzten Jahren nicht wesentlich erhöht. Ein Grund liegt darin, dass die staatliche Regulierung für ein Preisniveau auch in diesem Segment gesorgt hat, das deutlich unter anderen europäischen Ländern liegt. Branchenvertreter verweisen zudem darauf, dass das Markenbewusstsein bei der spanischen Kundschaft und der Ärzteschaft recht hoch ausgeprägt sei.
Die Produktionsaktivitäten im Generikasektor haben trotzdem zugenommen. Pharmaunternehmen antizipieren, dass die zunehmende Bedeutung von Generika auch aus Kostengründen politisch unterstützt wird. Das lokale Pharmaunternehmen Cinfa gibt an, etwa ein Viertel des spanischen Generikamarktes abzudecken. Im Oktober 2024 eröffnete Cinfa ein neues Werk für 40 Millionen Euro in der Region Navarra und verdoppelte damit seine Produktionskapazitäten. Im spanischen Generika-Verband AESEG sind 31 Unternehmen vereint, die 20 Produktionsstätten im Land unterhalten.
Verschreibungspflichtige Arzneimittel hatten 2024 einen Anteil von 78 Prozent am gesamten Pharmamarkt in Spanien, rezeptfreie Medikamente (Over-the-Counter-Produkte, OTC) einen Anteil von 22 Prozent. Die Zulassungsbehörde AEMPS stellt eine spezielle Internetseite bereit, auf der alle in Spanien erhältlichen Medikamente mit detaillierten Informationen recherchiert werden können. Dies umfasst auch die Frage, ob ein Medikament verschreibungspflichtig ist oder nicht.
Alle großen, internationalen Pharmakonzerne verfügen über eine lokale Präsenz in Spanien. So produziert beispielsweise der deutsche Konzern Bayer den Wirkstoff für Aspirin ausschließlich in seinem Werk La Felguera in der nördlichen Region Asturien. Bayer, Boehringer Ingelheim, Dr. Falk, Grünenthal und Merck haben sich zu einem deutschen Cluster innerhalb des Verbands Farmaindustria zusammengeschlossen. Die fünf Unternehmen geben an, gemeinsam für etwa 10 Prozent der Umsätze und der Beschäftigtenzahlen in Spaniens Pharmaindustrie zu stehen.
Spanische Pharmaunternehmen sind für etwa ein Viertel der nationalen Medikamentenproduktion verantwortlich. Die meisten lokalen Hersteller sind eher klein und international weniger präsent. Eine Ausnahme davon stellt Almirall dar, das auf Produkte der medizinischen Dermatologie spezialisiert ist. Das in Barcelona beheimatete Unternehmen ist in 21 Ländern direkt und in über 70 weiteren Ländern über Tochtergesellschaften vertreten. Im Jahr 2025 stieg der Umsatz weltweit um 12,4 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro.
Der lokale Branchenprimus Grifols wiederum, der aus Plasma gewonnene Medikamente herstellt, baut seine Präsenz in den USA aus. Für 135 Millionen Euro hat das Unternehmen im Jahr 2025 dort 14 Plasmaspendezentren von der amerikanischen Firma Inmunotek erworben.
Wichtige Pharmaunternehmen in Spanien Umsatz in Millionen Euro
Unternehmen
Umsatz 2024
Bayer Hispania
800
Boehringer Ingelheim España
744
Eli Lilly
651
Instituto Grifols
650
Rovi Pharma Industrial Services
600
Laboratorios Cinfa
596
Teva Pharma
550
Ferrer Internacional
516
Wyeth Farma (Pfizer)
432
Quelle: Wirtschaftszeitung Actualidad Económica (Las mayores empresas de España, Dezember 2025)
Kurzinterview: Drei Fragen an Medinsa – Laboratorios Medicamentos
"Der internationale Wettbewerb ist bei Generika sehr hart"
Joachim Teubner leitet den Generikahersteller Medinsa in Torrejón de Ardoz in der Region Madrid. Das Unternehmen ist seit 2011 Teil der deutschen Aristo Pharma Group. Am Standort arbeiten aktuell 270 Beschäftigte.
Herr Teubner, welche Rolle spielt die Produktion in Torrejón für Aristo?
Der Standort ist der einzige von Aristo außerhalb Deutschlands. Er trägt etwa 30 Prozent zum Umsatz der Gruppe bei, darunter die strategisch wichtigsten Produkte aus dem Indikationsgebiet Schmerz. Wir fertigen hier Medikamente in verschiedenen Formen, vor allem Tabletten und Kapseln. Daneben produzieren wir im Auftrag anderer Pharmaunternehmen. Die sitzen vor allem in Europa, wir haben aber auch einen Kunden in Südafrika. Kurzfristig werden noch einige Medikamente hinzukommen, deren Produktion Aristo in Deutschland einstellt.
Lohnt es sich in Spanien zu produzieren?
Anders als bei den neu zugelassenen Medikamenten sind die Margen im Generikabereich natürlich deutlich niedriger. Der internationale Wettbewerb ist in diesem Bereich sehr hart, vor allem bei Medikamenten mit großem Produktionsvolumen und durch Hersteller in Indien und China. Wir müssen kontinuierlich schauen, ob sich die Produktion eines bestimmten Medikaments bei uns lohnt oder nicht. Deshalb konzentrieren wir uns auf Nischen-Generika, die nicht so hart umkämpft sind. Manchmal sind es auch neuartige Darreichungsformen oder Größen, die den Unterschied machen. Für Spanien sprechen immer noch niedrigere Kosten bei Personal und Energie im europäischen Vergleich.
Wie schätzen Sie den spanischen Pharmamarkt insgesamt ein?
Der Markt wird leicht weiterwachsen, wie in anderen Industrieländern auch. Ein weiterer Treiber ist die Zuwanderung, vor allem aus Lateinamerika. Davon profitiert auch der Produktionsstandort Spanien. In den letzten Jahren hat es hier mehrere Neu- oder Erweiterungsinvestitionen von Pharmafirmen gegeben. Zudem werden gerade viele Biotechunternehmen gegründet, die sich die gute Forschungs- und Entwicklungslandschaft zu Nutze machen. Auch die Auftragsfertigung wird in Spanien wichtig bleiben. So lässt zum Beispiel das US-Unternehmen Moderna Impfstoffe beim spanischen Unternehmen Rovi herstellen.
Von Friedrich Henle
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Madrid
Bei der Zulassung und Vermarktung von Medikamenten in Spanien müssen Unternehmen mit Änderungen sowie mit regionalen Besonderheiten rechnen.
Rund 99 Prozent der Bevölkerung sind über das nationale Gesundheitssystem SNS (Sistema Nacional de Salud) versichert, das eine breite Palette an Gesundheitsdienstleistungen abdeckt. Die Zuzahlungen bei verschreibungspflichtigen Medikamenten variieren je nach Einkommen, Erwerbsstatus und Bedürftigkeit.
Die gesamten nationalen Gesundheitsausgaben finanziert zu etwa 72 Prozent der öffentliche Sektor. 28 Prozent sind privat finanziert, davon etwa 20 Prozent durch die Patientinnen und Patienten selber (Out-of-Pocket-Expenditure). Private Zusatzversicherungen sind weit verbreitet.
Dem spanischen Gesundheitsministerium untersteht die Agentur für Medikamente und Gesundheitsprodukte (AEMPS). Sie ist für die Registrierung und die Qualitätskontrolle von pharmazeutischen Produkten zuständig.
Änderungen beim Erstattungssystem in Planung
Das Königliche Gesetzesdekret 1/2015 regelt die Preisgestaltung und Erstattung von Arzneimitteln in Spanien. Gemäß dem Dekret wird der Preis von erstattungsfähigen Arzneimitteln zwischen dem Hersteller und dem interministeriellen Ausschuss für Arzneimittelpreise des Gesundheitsministeriums (Comisión Interministerial de Precios de los Medicamentos, CIPM) ausgehandelt. Die CIPM stützt ihre Entscheidungen über die Preisgestaltung von Arzneimitteln auf die Ergebnisse eines HTA-Prozesses (Health Technology Assessment), der sich aus einer klinischen Bewertung durch die AEMPS und einer wirtschaftlichen Bewertung durch das Gesundheitsministerium zusammensetzt.
Weiterführende Informationen zum Zulassungs- und Erstattungssystem von Medikamenten in Spanien sowie allgemein zum Gesundheitssystem gibt es im Leitfaden der Exportinitiative Gesundheitswirtschaft.
Erfolgreicher Marktzugang in Europa beginnt mit der richtigen Erstattung. Erfahren Sie im Webinar, wie die Erstattungsverfahren für Arzneimittel in Europas wichtigsten Märkten funktionieren – kompakt, praxisnah und mit direktem Austausch mit den IGES‑Experten.
Spanien plant eine Revision des Dekrets 1/2015. Daneben sind Reformen des Dekrets über die HTA sowie des übergeordneten Medizingesetzes (Ley 29/2006 de garantías y uso racional de los medicamentos y productos sanitarios) in Planung. Da sich die aktuelle Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez unter anderem auf mehrere kleine Regionalparteien im Kongress stützt, ist das Ergebnis von Verhandlungen über Gesetzesvorhaben und deren Timing schwierig vorherzusagen, so auch in diesem Fall. Im März 2026 war der betreffende Gesetzgebungsprozess noch nicht abgeschlossen. Für Marktteilnehmer besteht somit weiterhin eine gewisse Planungsunsicherheit.
Regionale Besonderheiten beim Markteintritt
In Spanien sind die 17 Autonomen Regionen die Budgetverantwortlichen für die öffentlichen Gesundheitsausgaben. Marktteilnehmer müssen sich deshalb darauf einstellen, auch auf regionaler Ebene teils unterschiedliche Verfahren zu durchlaufen, um ein Produkt schlussendlich in Verkehr zu bringen. So gibt es Regionen, die im Krankenhausbereich einen zentralisierten Ansatz fahren. In anderen Regionen wiederum entscheidet jedes Krankenhaus selber darüber, welche Medikamente es in sein Portfolio mit aufnimmt.
Laut dem "WAIT-Indikator" 2023 des europäischen Pharmaverbands EFPIA warten Patientinnen und Patienten in Spanien durchschnittlich 629 Tage auf den Zugang zu neuen, in Europa zugelassenen Arzneimitteln, während in Deutschland das Verfahren weniger als 100 Tage dauert.
Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der Europäischen Union (EU) sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa die Website des Deutschen Instituts für Normung e.V.).
Die Nachfrage nach Arzneimitteln aus Deutschland ist sehr hoch, etwa 65 Prozent der Produkte deutscher Pharmaunternehmen gehen ins Ausland. Die internationale Aufmerksamkeit für Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von Biotech-Unternehmen steigt. Wir recherchieren für Sie weltweit zu den neuesten Marktentwicklungen und Kooperationsmöglichkeiten.
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