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Branche kompakt | Polen | Pharmaindustrie, Biotechnologie

Polens Gesundheitsausgaben auf neuem Allzeithoch

Höhere Erstattungsbudgets und der steigende Wohlstand schaffen neue Chancen für Pharmahersteller in Polen. Gleichzeitig suchen heimische Produzenten nach Entwicklungspartnern.

Von Christopher Fuß | Warschau

Ausblick der Pharmaindustrie in Polen

  • Trotz Fokus auf Generika erhalten mehr innovative Medikamente eine Erstattungszusage.
  • Die alternde Bevölkerung hat einen steigenden Behandlungsbedarf.
  • Polnische und deutsche Pharmaunternehmen arbeiten immer häufiger zusammen.
  • Die Finanzierungslücke im öffentlichen Gesundheitswesen wächst.
  • Politische Gegensätze zwischen Präsident und Regierung erschweren Reformen.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Januar 2026

  • Für Pharmaunternehmen ist Polen vor allem wegen seiner dynamischen Wachstumszahlen interessant. Doch trotz steigender Budgets droht der Krankenkasse auch 2026 ein Haushaltsloch.

    Die öffentlichen Gesundheitsausgaben in Polen erreichen 2026 ein Rekordniveau. Das Haushaltsgesetz sieht Mittel in Höhe von rund 59Milliarden Euro vor, ein Plus von 6Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Die Summe beinhaltet beitragsfinanzierte Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse NFZ (Narodowy Fundusz Zdrowia) sowie steigende Zuschüsse aus dem Staatshaushalt.

    31 Mai 2026
    03 Juni 2026

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    Die gute Nachricht für Pharmahersteller: Das NFZ-Budget für Erstattungen wächst um über 780Millionen Euro auf insgesamt rund 7,3Milliarden Euro. Damit steigt die Chance, dass weitere Präparate auf die Erstattungsliste kommen. Übernimmt die Krankenkasse die Kosten, lösen Patienten ein Rezept häufiger ein. Der Absatz von Pharmaprodukten erhält damit einen Wachstumsimpuls.

    Zwischen 2025 und 2026 hat das Gesundheitsministerium die Liste der erstattungsfähigen Medikamente erneut ausgebaut. Im Januar 2026 führt das Register insgesamt 4.146 verschreibungs- und apothekenpflichtige Präparate. Das sind 73 Arzneimittel mehr als ein Jahr zuvor. Auch deutsche Hersteller profitieren: Seit Juli 2025 wird der Wirkstoff Empagliflozin von Boehringer Ingelheim für weitere Therapien erstattet. Neue Zusagen erhielten zudem Medikamente von Bayer, Stada und Merck.

    28,7 %

    ihrer Umsätze erwirtschaftet Polens Pharmaindustrie im Export.

    Gleichzeitig steigen weitere Firmen in den Markt ein. InfectoPharm aus Heppenheim eröffnete im Januar 2026 ihre erste Vertriebsniederlassung in Polen. Das Land sei ein "strategischer Baustein", betont Markus Rudolph, Geschäftsführer von InfectoPharm in einer Pressemitteilung. "Der aufstrebende Wirtschaftsmarkt bietet durch seine Größe von rund 38 Millionen Einwohnern und steigende Gesundheitsausgaben enormes Potenzial", so Rudolph.

    Finanzlöcher bleiben bestehen

    Doch die positiven Signale können strukturelle Probleme nicht überdecken. Trotz Rekordeinnahmen und wachsender staatlicher Unterstützung steuert der NFZ im Jahr 2026 auf ein Defizit von 5,5Milliarden Euro zu. Das berichten polnische Medien. Schon 2025 geriet die Kasse in finanzielle Schieflage. 

    Die Regierung musste aushelfen und griff auf Gelder des Medizinfonds (Fundusz Medyczny) zurück. Anders als der NFZ finanziert sich dieses Instrument allein über Steuergelder. Es kommt normalerweise für hochmoderne Therapien außerhalb des Erstattungssystems auf. Jetzt hilft der Fundusz Medyczny dabei, Haushaltslöcher zu stopfen. Eine nachhaltige Lösung für den NFZ steht weiterhin aus.

    Die Krankenkasse steht auch deshalb unter Druck, weil sie in den vergangenen Jahren neue Aufgaben übernehmen musste. So überführte das Gesundheitsministerium die Medikamentenprogramme (programy lekowe) aus dem Staatshaushalt in die Verantwortung des NFZ. Diese Programme finanzieren unter anderem stationäre Behandlungen mit modernen Arzneimitteln, darunter Biopharmaka. Auch Medikamente deutscher Hersteller sind vertreten, etwa das Produkt Elmiron der bene Arzneimittel GmbH.

    Seit 2023 erhalten zudem Personen unter 18 Jahren und über 65 Jahren eine ganze Reihe von Medikamenten kostenlos. Zuvor galt das Programm ausschließlich für Menschen über 75 Jahren.

    Zu den größten Kostentreibern zählen jedoch die steigenden Gehälter im Gesundheitswesen und der Finanzbedarf der Krankenhäuser. Das Gesundheitsministerium hat daher Einsparmöglichkeiten vorgestellt. Dazu gehören neue Obergrenzen für ausgewählte Behandlungen und ein Stopp der gesetzlich vorgeschriebenen Gehaltserhöhungen. Auch Einschnitte bei den kostenlosen Medikamenten-Programmen stehen zur Diskussion.

    Widerspruch kommt unter anderem vom Staatspräsidenten Karol Nawrocki, der Reformen per Veto blockieren kann. Angesichts der schwierigen politischen Lage erscheint ein grundlegender Umbau des Gesundheitswesens vorerst unwahrscheinlich.

    Kontroverse Paragrafen entfallen

    Veränderungen könnten sich jedoch beim Erstattungsrecht ergeben. Bereits im Mai 2025 hatte Polens Regierung ein entsprechendes Gesetzespaket vorgestellt. Es nimmt Teile einer umstrittenen Reform aus dem Jahr 2023 zurück. Zu den Streitthemen zählt etwa die Vorschrift, dass Hersteller bestimmte Medikamente an mindestens zehn Großhändler liefern müssen oder Liefermengen anhand eines starren Algorithmus einzuhalten haben.

    Mit der neuen Reform könnte das Gesundheitsministerium außerdem einen Hersteller dazu aufrufen, einen Erstattungsantrag zu stellen, beispielsweise wenn ein Medikament für eine Patientengruppe besonders wichtig ist. Im Gegenzug würde das Unternehmen von niedrigeren Registrierungsgebühren und schnelleren Genehmigungen profitieren. 

    Zudem soll die Erstattungsliste um eine Kategorie erweitert werden. Dank der neuen Gruppe würden Patienten mehr Arzneimittel in ambulanten Versorgungszentren erhalten. Dieser Schritt hilft den Biopharmaka, die bislang eher in Krankenhäusern verabreicht werden.

    Die großen Pharmaverbände Polens äußern sich insgesamt positiv zu den Plänen. Wann das Gesetz im Parlament eingeht, ist allerdings offen. Ursprünglich hatte das Gesundheitsministerium Ende 2025 anvisiert, diesen Termin jedoch verfehlt.

    Chancen für innovative Medikamente

    Die Aussichten für den Pharmamarkt bleiben trotz aller Unsicherheit positiv, wie die Marktberatungsagentur Fitch Solutions in ihrer Analyse vom Januar 2026 bestätigt. Demnach wächst der Umsatz mit pharmazeutischen Erzeugnissen bis 2029 jährlich um durchschnittlich 5,4 Prozent. 

    Die Gründe liegen in der alternden Bevölkerung, und einer Zunahme von Zivilisationskrankheiten darunter Diabetes und Bluthochdruck. Darüber hinaus schreibt ein Gesetz vor, dass die öffentlichen Gesundheitsausgaben in Polen bis 2027 auf 7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen müssen. Für 2026 liegt der Wert bei 6,8 Prozent. Das Aufholpotenzial zu Westeuropa bleibt aber bestehen. In Deutschland liegt der Wert bei rund 10,6 Prozent des BIP.

    Positiv für Hersteller patentgeschützter Arzneimittel ist laut Fitch Solutions, dass Polen zunehmend innovative Produkte erstattet. Ein Schwerpunkt liegt auf Onkologie- und Neurologiemedikamenten sowie auf Arzneimitteln für seltene Krankheiten.

    Ausgewählte Investitionsprojekte der pharmazeutischen Industrie in PolenInvestitionssumme in Millionen Euro
    Akteur/ProjektInvestitionssummeProjektstandAnmerkungen
    Polfa Tarchomin

    149

    Fertigstellung bis Ende 2027Bau eines Zentrums für die Entwicklung und Herstellung von hochwirksamen Arzneimitteln, insbesondere zur Krebsbehandlung, in Warschau
    Gedeon Richter

    48

    Fertigstellung bis Ende 2026Ausbau des Werks in Grodzisk Mazowiecki
    PCF Procefar (Grupa Hasco)

    19

    Fertigstellung bis Ende 2026Bau eines Vertriebszentrums in Stryków
    Anpharm (Servier)

    k.A.

    Fertigstellung bis Ende 2026Modernisierung und Ausbau der Kapazitäten im Werk in Warschau
    Polpharma

    k.A.

    Fertigstellung bis 2028Implementierung von MES-Systemen (Manufacturing Execution System) in den Werken in Sieradz, Starogard Gdański, Nowa Dęba und Duchnice
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Von Christopher Fuß | Warschau

  • Polnische Pharmahersteller suchen verstärkt die Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen. Internationales Know-how und EU‑Programme könnten der Branche neue Wachstumsschübe geben.

    Polens Pharmaindustrie gehört nicht zu den europäischen Schwergewichten. Laut der Statistikbehörde Eurostat kommt die polnische Branche, gemessen an der jährlichen Bruttowertschöpfung, nur auf ein Viertel des Niveaus von Ländern wie Spanien oder den Niederlanden. Deutschlands Pharmaindustrie ist sogar zehnmal größter als die polnische. 

    Diese Nischenrolle hängt mit dem Produktportfolio der Unternehmen zusammen. Polnische Hersteller konzentrieren sich auf Generika und OTC‑Medikamente (Over the Counter). Zu den größten Produzenten zählen Polpharma und Adamed. Im Bereich der rezeptfreien Arzneimittel führen USP Zdrowie und Aflofarm. Eine Sonderstellung nimmt das Unternehmen Bioton ein, das als einziger polnischer Hersteller Insulin entlang der gesamten Wertschöpfungskette produziert.

    Polnische und deutsche Firmen entwickeln gemeinsam Arzneimittel

    Mittelfristig streben die führenden Hersteller an, mehr forschungsintensive Produkte anzubieten. Ein Schwerpunkt liegt auf Biosimilars. Dabei handelt es sich um biotechnologisch hergestellte Arzneimittel, die einem bereits zugelassenen Medikament ähnlich sind und nach Ablauf von Patentfristen auf den Markt kommen. 

    Vor allem Polpharma baut dieses Geschäftsfeld aus. Die Tochtergesellschaft Polpharma Biologics entwickelt Biosimilars in der Schweiz, während Konzerntochter Rezon Bio in Polen als Auftragsentwickler und Auftragshersteller tätig ist.

    Der Fokus auf Biosimilars schafft die Grundlage für neue Partnerschaften mit deutschen Pharmaunternehmen. So unterzeichnete Fresenius Kabi im August 2025 eine Lizenzvereinbarung mit Polpharma Biologics. Das polnische Unternehmen übernimmt die Entwicklung eines Wirkstoffs gegen Darmerkrankungen, Fresenius Kabi leitet den Vertrieb.

    Ein weiteres Projekt verfolgt Polpharma Biologics seit Mai 2025 mit dem Berliner Unternehmen ProBioGen. Ziel ist die Entwicklung von Zelllinien. Sie sind ein Vorprodukt bei der Herstellung von Biosimilars. ProBioGen entwickelt Zelllinien für Polpharma Biologics.

    Auch das Unternehmen Sartorius aus Göttingen und Mabion aus Konstantynów Łódzki gingen 2025 eine neue Partnerschaft ein. Sartorius übernimmt ab sofort frühe Entwicklungsphasen, während Mabion unter anderem für die Produktion von Biosimilars zuständig ist.

    Fördergelder helfen der Krebsforschung

    Eine Hürde bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe sind die Kosten. Polnische Pharmaunternehmen greifen daher auf EU-Fördermaßnahmen zurück. Dazu zählt das STEP‑Programm (Strategic Technologies for Europe Platform). Es soll Europa unabhängiger von Importen machen. Das Budget für polnische Pharmaunternehmen umfasst insgesamt über 900 Millionen Euro. Mit den Mitteln können die Firmen neue Wirkstoffe entwickeln und Produktionskapazitäten für aktive pharmazeutische Wirkstoffe API (Active Pharmaceutical Ingredients) aufbauen.

    Die Verteilung der STEP‑Mittel erfolgt über mehrere Institutionen und Ausschreibungen. Bis Ende Februar 2026 vergibt beispielsweise die staatliche Forschungsagentur NCBR (Narodowe Centrum Badań i Rozwoju) rund 28,5 Millionen Euro. Teilnahmebedingung ist eine Beteiligung an der EU‑Initiative IPCEI Med4Cure. In Polen erfüllt derzeit nur Ryvu Therapeutics diese Voraussetzung. Das Unternehmen entwickelt Therapien gegen Krebserkrankungen.

    Die Förderprogramme könnten dazu beitragen, die Innovationskraft der Pharmabranche zu stärken. Bislang liegt Polen im europäischen Vergleich deutlich zurück. Im Jahr 2024 meldeten polnische Pharmaunternehmen lediglich 29 Patente bei der europäische Patentbehörde EPO an. Zum Vergleich: Schweden kam im selben Jahr auf 125 Registrierungen, Frankreich auf 493 und Deutschland auf 612.

    Polen beliebt als Vertriebsstandort

    Neben den einheimischen Arzneimittelherstellern sind fast alle großen Pharmakonzerne in Polen aktiv. Doch nur die wenigsten unterhalten eine Produktionsniederlassung. Zu den wichtigsten Ausnahmen von dieser Regel zählen der Schweizer Konzern Novartis mit seiner Generika‑Tochter Sandoz, der französische Pharmakonzern Sanofi sowie das japanische Unternehmen Takeda. Darüber hinaus ist Polen ein bedeutender Produktionsstandort für den israelischen Generikahersteller Teva.

    Das deutsche Unternehmen Fresenius Kabi produziert in Polen Infusionslösungen. Weitere deutsche Pharmakonzerne wie Bayer, Boehringer Ingelheim und Merck sind im Land vor allem mit Vertriebs-, Marketing‑ und Verwaltungseinheiten präsent.

    Die meisten internationalen Pharmaunternehmen haben sich in Polen in einem von zwei Verbänden zusammengeschlossen. Dazu zählen der Arbeitgeberverband Infarma sowie die Wirtschaftskammer Farmacja Polska. Die einheimischen Hersteller sind im Arbeitgeberverband PZPPF/KLP organisiert.

    Ein Zentrum der polnischen Pharmaindustrie liegt im Süden rund um das Life‑Science‑Cluster Kraków. Das Netzwerk gehört zu den nationalen Schlüsselclustern (Krajowe Klastry Kluczowe, KKK). Diese vom Wirtschaftsministerium vergebene Auszeichnung ermöglicht dem Cluster die Teilnahme an verschiedenen Förderprogrammen und Wettbewerben.

    Ungarn ist zweitwichtigster Lieferant

    Polen ist bei der Arzneimittelversorgung auf Importe angewiesen. Das Land führt mehr Pharmaprodukte ein, als es exportiert. Mit einem Anteil von 18,8 Prozent an den gesamten Pharmaimporten ist Deutschland der wichtigste Lieferant.

    Gleichzeitig gewinnt Ungarn an Bedeutung. Im Jahr 2024 war das Land erstmals der zweitgrößte Importpartner Polens für pharmazeutische Erzeugnisse. Der Marktanteil Ungarns stieg zwischen 2020 und 2024 von 3,4 Prozent auf 13,2 Prozent der gesamten Pharmaimporte.

    Die Hintergründe dieser Entwicklung erläutert die GTAI‑Ungarn‑Korrespondentin Kirsten Grieß: "Ungarische Hersteller wie Egis und Gedeon Richter haben ihre Produktionskapazitäten gezielt mit Blick auf neue Exportmärkte ausgebaut. Zudem nutzen internationale Pharmaunternehmen Ungarn zunehmend als Produktionsstandort für den europäischen Markt." Beispiele hierfür seien Ceva‑Phylaxia und Sanofi aus Frankreich sowie Hongene Biotech aus Singapur.

    Wichtige Branchenunternehmen in PolenUmsatz in Millionen Euro
    Unternehmen

    Umsatz 2023

    Polpharma S.A.

    802,2

    Lek S.A. (Sandoz)760,5
    Roche Polska Sp. z o. o.

    645,4

    Bayer Sp. z o.o.

    604,9

    GSK Services Sp. z o. o.

    480,0

    Teva Operations Poland Sp. z o. o.

    477,7

    Adamed Pharma S.A.

    379,4

    Bausch Health Poland Sp. z o. o.

    373,9

    AstraZeneca Pharma Poland Sp. z o.o.

    281,7

    USP Zdrowie Sp. z o. o.279,9
    Boehringer Ingelheim Sp. z o. o.

    270,8

    Quelle: Dun&Bradstreet 2025, Wprost 2025, Recherchen von Germany Trade & Invest

    Von Christopher Fuß | Warschau

  • Polens Arzneimittelzulassung orientiert sich an europäischen Vorgaben. Zu den Besonderheiten zählen Erleichterungen für Generika und Vorteile für heimisch produzierte Medikamente.

    Die meisten Einwohner Polens sind gesetzlich bei der staatlichen Krankenkasse NFZ (Narodowy Fundusz Zdrowia) versichert. Private Zusatzversicherungen sind möglich, ein vollständiger Wechsel zu einer privaten Versicherung hingegen nicht.

    Zentrale Anlaufstelle für Unternehmen, die Arzneimittel in Polen vertreiben wollen, ist die Zulassungsstelle für Arzneimittel, Medizinprodukte und Biozide URPL (Urząd Rejestracji Produktów Leczniczych, Wyrobów Medycznych i Produktów Biobójczych).

    Zulassung von Arzneimitteln

    Für die Marktzulassung stehen Pharmaunternehmen mehrere Verfahren zur Verfügung. Eine Möglichkeit ist die nationale Zulassung nach dem polnischen Pharmagesetz. Zuständig hierfür ist das URPL.

    Darüber hinaus existieren drei weitere Verfahren auf EU‑Ebene: die gegenseitige Anerkennung, das dezentrale Verfahren sowie das zentrale Zulassungsverfahren über die Europäische Arzneimittelagentur (EMA). Diese kommen zum Einsatz, wenn ein Arzneimittel bereits in anderen EU‑Staaten zugelassen ist oder parallel in mehreren Ländern eingeführt werden soll.

    Erstattungssystem hält Kosten niedrig

    Zugelassene Arzneimittel können auf der Erstattungsliste des NFZ landen. Den Antrag stellen Pharmaunternehmen über das elektronische Erstattungssystem SOLR (System Obsługi List Refundacyjnych).

    In der Praxis erhalten vor allem preisgünstige Generika eine Erstattung. Innovative und kostenintensive Medikamente haben es deutlich schwerer. Internationale Hersteller arbeiten beim Markteintritt häufig mit lokalen Beratern zusammen oder gründen eine Niederlassung.

    Die Höhe der Zuzahlung für Patienten hängt von der jeweiligen Erstattungsstufe ab. Maßgeblich sind unter anderem der Preis, die Indikation, die Behandlungsdauer, die Verbreitung der Krankheit sowie der therapeutische Nutzen.

    In vielen Fällen verlangt das Gesundheitsministerium zusätzlich sogenannte Risk‑Sharing‑Vereinbarungen. Dabei legt der NFZ ein Erstattungsbudget fest. Wird dieses überschritten, beteiligt sich der Hersteller an den Mehrkosten.

    Bonus für in Polen produzierte Arzneimittel

    Das polnische Erstattungssystem begünstigt lokal hergestellte Medikamente. Erstattungsfähige, apothekenpflichtige Arzneimittel aus polnischer Produktion erhalten einen Abschlag von 10Prozent auf die gesetzliche Zuzahlung der Patienten. Stammt auch der Wirkstoff API (Active Pharmaceutical Ingredient) aus Polen, erhöht sich der Nachlass auf 15Prozent.

    Das Gesundheitsministerium veröffentlicht eine Liste der begünstigten Produkte. Ziel der Regelung ist es, die Versorgungssicherheit zu verbessern und Investitionen in den Pharmastandort Polen zu fördern.

    Erleichterte Zulassungsvorbereitung für Generika

    Die polnische Bolar‑Regelung erlaubt es Herstellern, bereits während der Patentlaufzeit alle für eine spätere Zulassung erforderlichen Schritte vorzunehmen. Dazu zählen ausdrücklich auch Herstellung, Lagerung, Nutzung sowie Import und Export.

    Voraussetzung ist, dass diese Tätigkeiten ausschließlich der Erlangung einer Zulassung im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in Drittstaaten dienen. Polens Bolar-Regelung gilt auch für Dritte wie Wirkstoffhersteller oder Lohnfertiger. Generika und Biosimilars können dadurch unmittelbar nach Patentablauf auf den Markt kommen. Die polnische Bolar‑Regelung ist damit weiter gefasst als in manchen anderen europäischen Ländern.

    Patentrechte zivilrechtlich durchsetzen

    Die Zulassung und Erstattung von Arzneimitteln sind in Polen nicht an den Patentstatus gekoppelt. Generika können daher auch während der Laufzeit bestehender Patente in die Erstattungsliste aufgenommen werden. Patentinhaber müssen mögliche Rechtsverletzungen zivilrechtlich verfolgen. 

    Eine geplante Änderung der polnischen Zivilprozessordnung soll die Regeln für einstweilige Verfügungen in Patentsachen anpassen. Sie würde die derzeit geltende Sechs‑Monats‑Frist für Anträge auf einstweilige Verfügungen nach Kenntnis eines möglichen Verstoßes aufheben und den Ermessensspielraum der Zivilgerichte erweitern. Das Justizministerium hatte die Reform Ende Januar 2026 noch nicht ins Parlament eingebracht.

    Vertrieb über Apotheken bleibt zentral

    Apotheken sind der wichtigste Vertriebskanal für Arzneimittel in Polen. Anders als in Deutschland dürfen viele rezeptfreie Medikamente auch in Supermärkten und Drogerien verkauft werden. Dazu zählen etwa Schmerz‑ und Erkältungsmittel. Der Onlinehandel spielt bislang nur eine Nebenrolle.

    Apotheken werden über Pharmagroßhändler beliefert. Mehrere der führenden Großhändler haben sich 2025 im Verband Polska Dystrybucja Farmaceutyczna (PLDF) zusammengeschlossen.

    Der Apothekenmarkt ist stark reguliert. Zwar existieren Franchise‑Systeme wie DOZ.pl, Apteka Gemini, Ziko Apteka oder Super‑Pharm. Eigentümer von Apotheken dürfen jedoch grundsätzlich nur approbierte Apotheker oder Apothekergesellschaften sein. In der Regel ist der Betrieb auf eine Apotheke begrenzt. Übernahmen durch Investoren oder internationale Ketten sind damit ausgeschlossen.

    Weitere regulatorische Aspekte

    Bei Versorgungsengpässen kann das Gesundheitsministerium die Ausfuhr bestimmter Arzneimittel beschränken. Die betroffenen Produkte werden öffentlich gelistet.

    Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der Europäischen Union (EU) sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa die Website des Deutschen Instituts für Normung e.V.).

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Christopher Fuß | Warschau

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    Exportinitiative Gesundheitswirtschaft

    Die Exportinitiative bündelt Unterstützungsangebote für die Internationalisierung der Gesundheitswirtschaft

    AHK Polen 

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Gesundheitsministerium PolensÜbernimmt die Gesamtverantwortung für die öffentliche Gesundheitsversorgung in Polen
    Nationaler GesundheitsfondsPolens gesetzliche Krankenkasse
    Amt für Registrierung von Arzneimitteln, Medizinprodukten und BiozidproduktenStaatliche Registrierungsstelle für Pharmaprodukte und Medizintechnik
    Generalinspektion für PharmazeutikaÜberprüft die Einhaltung von Arzneimittelschutzregeln
    Agentur für medizinische UntersuchungenStaatliches medizinisches Testlabor, das auch Forschungsprogramme ausschreibt
    Staatliches Zentrum für Forschung und EntwicklungStaatliche Förderagentur, die Forschungsprogramme unterstützt
    Agentur für Industrie-EntwicklungStaatliche Industrieagentur, die Unternehmen bei Investitionsprojekten unterstützt
    Agentur für die Bewertung von Medizintechnologien und ErstattungsfestlegungStaatliche Beratungsagentur des Gesundheitsministeriums
    Polnischer Arbeitgeberverband der PharmaindustrieInteressenverband der polnischen Pharmaindustrie
    Arbeitgeberverband innovativer Pharmaunternehmen InfarmaInteressenverband internationaler Pharmaunternehmen
    Wirtschaftskammer Farmacja PolskaInteressenverband internationaler Pharmaunternehmen und Händler
    Cluster Life Science KrakowCluster für Pharma und Medizintechnik
    Pharmacy ExpoPharma-Messe in Polen
    Rynek ZdrowiaFachzeitschrift über den Gesundheitsmarkt in Polen
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