Thailand sucht nach Investoren für die Herstellung von Medikamenten. Denn für das vergleichsweise gut ausgebaute Gesundheitssystem ist die heimische Pharmaproduktion zu schwach.
Branchenexperten prognostizieren für die kommenden Jahre hohe Wachstumsraten für den thailändischen Pharmamarkt. Die Analysten von Krungsri Research prognostizieren für 2026 und 2027 jeweils ein Plus von 6 bis 7 Prozent. Das liegt deutlich über Thailands allgemeinem Wirtschaftswachstum von rund 2 Prozent, das das mit Abstand schwächste der großen sechs Volkswirtschaften der ASEAN ist.
Gründe für die steigende Nachfrage nach Arzneimitteln sind die Zunahme von Krankheiten einer alternden Gesellschaft (das Medianalter liegt bei 41 Jahren und damit auf europäischem Niveau) sowie der erleichterte Zugang zu Gesundheitsleistungen durch das Universal Coverage Scheme (UCS), den nach und nach immer breitere Bevölkerungsschichten in Anspruch nehmen. Auch die zunehmende Urbanisierung setzt immer mehr Menschen Umweltverschmutzung aus und fördert ungesündere Lebensstile.
Über die Größe des thailändischen Arzneimittelmarktes gibt es nur vage Angaben. Laut dem Marktforschungsunternehmen BMI werden die Verkäufe von 2022 bis 2032 von 3,8 Milliarden auf 9,4 Milliarden US-Dollar (US$) steigen. Die Arzneimittelausgaben der etwa 70 Millionen Einwohner liegen bei umgerechnet 53 US$ pro Kopf. Das heißt, das Marktpotenzial für teure Arzneimittel ist noch relativ klein.
90
%
der lokalen Produktion sind für den thailändischen Markt bestimmt.
Thailand hat, gemessen am Entwicklungsstand des Landes, ein gut ausgebautes Gesundheitssystem. Doch bei Arzneimitteln hat das Königreich Nachholbedarf. Die heimische Produktion beschränkt sich überwiegend auf einfache Generika. Die Grundstoffe dafür müssen zu 90 Prozent eingeführt werden, vor allem aus China und Indien. Die thailändischen Generika bedienen den heimischen Markt und werden in kleinem Umfang in die ASEAN-Nachbarländer exportiert. Höherwertige Medikamente müssen jährlich im Wert von mehr als 3 Milliarden US-Dollar (US$) importiert werden. Wichtigste Lieferanten sind Deutschland und die USA.
Originalpräparate für Beamte und Wohlhabende
Zu den importierten teuren Originalpräparaten haben vor allem staatlich Bedienstete und ihre Familienangehörigen Zugang. Das sind etwa 4,7 Millionen Personen. Denn die staatlichen Krankenhäuser können über das Erstattungssystem Civil Servant Medical Benefit Scheme (CSMBS) moderne Medikamente abrechnen und an Staatsdiener ausgeben. Für die gesetzlich krankenversicherten 13 Millionen privaten Angestellten hingegen sind die Erstattungen von Medikamenten und insbesondere von Originalpräparaten gedeckelt. Sie werden hauptsächlich mit Generika versorgt.
Die etwa 52 Millionen Thais ohne Krankenversicherung werden über das steuerfinanzierte Gesundheitswesen UCS ebenfalls überwiegend mit Generika versorgt. Das UCS verabreicht Medikamente gemäß der National List of Essential Medicines. Diese Liste legen das Gesundheitsministerium und das National Health Security Office (NHSO) nach Beratungen mit Fachärzten und Pharmaunternehmen fest. Dieses Komitee setzt auch mittlere Preise fest. Diese gelten effektiv als Obergrenzen, die öffentliche Gesundheitseinrichtungen bei Beschaffungen von Medikamenten beachten müssen. Das NHSO darf nur in Ausnahmefällen direkt mit Pharmaanbietern verhandeln und patentierte Arzneien kaufen.
Anreize für Forschung und Produktion vor Ort
Die hohe Importabhängigkeit ist der Politik ein Dorn im Auge. Thailändischen Pharmaunternehmen fehlen sowohl die Expertise als auch die großen Budgets für langfristige Forschungsvorhaben. Lediglich bei der Entwicklung von Impfstoffen gibt es mehr Forschung und Entwicklung. Daher bedarf es ausländischer Investoren für die Produktion höherwertiger Medikamente in Thailand.
Der Board of Investment (BOI) fördert diese unter anderem mit Steuervorteilen für bis zu zehn Jahre, der Möglichkeit zu 100-prozentiger Eigentümerschaft, Erleichterungen beim Landerwerb und bei Visa für Manager und Fachexperten. Laut BOI-Statistiken gab es in den vergangenen Jahren einige Dutzend erfolgreiche ausländische Projekte in Arzneimittelforschung und -produktion im Gesamtwert von mehreren Milliarden US-Dollar. Die Importabhängigkeit ist aber weiterhin hoch.
Die Dringlichkeit für Veränderung schlägt sich auch im Aktionsplan für die Entwicklung des thailändischen Arzneimittelsystems 2023–2027 nieder, der unter der Leitung des damaligen Vize-Premierministers aufgelegt wurde. Er umfasst unter anderem die Förderung der pharmazeutischen Industrie für mehr Forschung und Entwicklung.
Neue Medikamente können in Thailand auch klinisch geprüft werden. Kompetente medizinische Fakultäten, Schulen und gut ausgebildete Ärzte stehen dafür bereit. Die Arbeitsgruppe Gesundheit und Pharma der Europäischen Handelskammer in Bangkok (EABC) bemängelt allerdings den zu geringen Patentschutz von neu entwickelten Arzneien. Bei besseren rechtlichen Rahmenbedingungen würden Hersteller auch mehr klinische Studien durchführen.
Ausgewählte Investitionsprojekte der pharmazeutischen Industrie in ThailandInvestitionssumme in Millionen US-Dollar| Akteur/Projekt | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
|---|
| Bau einer Forschungseinrichtung zur Krebsbehandlung durch die Mahidol University und Siam Bioscience Company | 37 | In Planung | Produktion von Arzneimitteln für neuartige Therapien (ATMPs) |
| Bau einer Produktionsstätte für Krebswirkstoffe durch Innobic (Asia) und der Government Pharmaceutical Organization (GPO) | 37 | In Planung | Produktion zur Importsubstitution |
| Bau einer Produktionsstätte für Generika durch BLC | 23 | In Planung | Ausbau der bestehenden Produktionskapazitäten auf 960 Millionen Tabellen pro Jahr |
| Aufau einer Pharmazie-Logistik durch ein Joint Venture von DPAINT, Government Pharmaceutical Orginazation (GPO), Paramee Logistics und Flybridge Ventures | 10 | In Planung | Aufbau eines modernen Lagerhauses mit Vertrieb |
| Erweiterung des Pharmazie-Vertriebszentrums durch Zuellig Pharma | 4 | In Planung | Lagerkapazität von 1.800 Paletten inklusive Kühlanlage |
Quelle: Medienberichte, Unternehmensangaben
Von Frank Malerius
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Bangkok