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Spanischer Chemiesektor blickt verhalten positiv in die Zukunft

Die Umsätze in der spanischen Chemiebranche sollen 2026 auf 89 Milliarden Euro steigen. Der Staat fördert Innovationen bei Wasserstoff und Kreislaufwirtschaft.

Von Friedrich Henle | Madrid

Ausblick der Chemieindustrie in Spanien

  • Konsumgüterchemie profitiert von gestiegener Binnennachfrage.
  • Export steigt schneller als Gesamtumsatz in der Chemieindustrie, auch durch Diversifizierung bei den Zielmärkten.
  • Basischemie leidet unter hohen Kosten und großem Wettbewerbsdruck.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: März 2026

  • Die chemische Industrie ist einer der größten Wirtschaftszweige Spaniens. Trotz Schwierigkeiten in der Basischemie soll der Branchenumsatz im Jahr 2026 weiter steigen.

    Der nationale Branchenverband Feique (Federación Empresarial de la Industría Química Española) traut dem spanischen Chemiesektor im Jahr 2026 ein Produktionswachstum von 2 Prozent und eine Umsatzsteigerung von 3 Prozent zu. Getragen wird es vor allem vom Export, dessen Wert um weitere 8 Prozent zulegen soll. Bereits 2025 hatten die spanischen Chemieunternehmen (inklusive Pharma) eine um 14,5 Prozent höhere Ausfuhr als im Vorjahr erzielt. Gleichzeitig profitiert die chemische Industrie von der weiterhin guten Lage der spanischen Gesamtwirtschaft. Im Jahr 2026 wird die Wirtschaftsleistung voraussichtlich um etwa 2,5 Prozent wachsen, deutlich mehr als im EU-Durchschnitt.

    Basischemie noch lange nicht über den Berg

    Nicht zu vernachlässigen sind jedoch die Herausforderungen in der Basischemie. Wie in anderen europäischen Ländern auch, leidet das Segment an hohen Energiekosten und einem zunehmenden Wettbewerb aus Fernost. Feique zufolge liegen die Stromkosten immer noch 40 Prozent über dem Niveau von 2019, Gas sei doppelt so teuer und CO2-Emissionszertifikate kosteten dreimal so viel. Zuletzt hat der belgische Konzern Solvay angekündigt, die Kapazität seines Sodaasche-Werks in der nordspanischen Region Kantabrien aus Kostengründen um 30 Prozent verringern zu müssen. 

    Dennoch sieht die Lage weniger düster aus, als in anderen europäischen Ländern: Im Zeitraum 2020 bis 2025 verzeichnete die spanische Basischemie zwar einen kumulierten Produktionsrückgang um 8,9 Prozent. In Frankreich war es jedoch ein Minus 19,9 Prozent und in Deutschland ein Minus von 20,4 Prozent. Feique setzt darauf, dass die angekündigten Maßnahmen des spanischen Gesetzgebers im Laufe des Jahres 2026 greifen, um Strom- und CO2-Zertifikatskosten zu reduzieren.

    Gemischte Signale aus den Abnehmerbranchen

    Für viele Zweige der spanischen Wirtschaft sind chemische Erzeugnisse unverzichtbar. Feique schätzt, dass für 96 Prozent der Fertigung im Land Produkte aus der Chemiebranche erforderlich sind. Spanien verfügt beispielsweise über einen großen Komplex aus Landwirtschaft und Nahrungsmittelherstellung. Die Baubranche fasste nach der Coronapandemie wieder Tritt und baute ihre Aktivitäten deutlich aus. Fast alle Branchen der spanischen Wirtschaft profitieren aktuell von einer gestiegenen Binnennachfrage durch die deutliche Zunahme der Bevölkerung. Laut nationalem Statistikamt INE lebten zu Beginn des Jahres 2026 insgesamt 49,6 Millionen Menschen im Land. Das waren 2,1 Millionen mehr als vor vier Jahren.

    88,4 Milliarden Euro

    betrug der Absatzwert chemischer Produkte 2024 in Spanien.

    Eine wichtige Abnehmerbranche für spanische Chemieunternehmen stellt der Kfz-Sektor dar, insbesondere bei Farben und Lacken. Spanien ist nach Deutschland der zweitwichtigste Produktionsstandort für Fahrzeuge in Europa. Die Impulse aus diesem Sektor haben jedoch in den Jahren 2024 und 2025 nachgelassen, weil insgesamt weniger Fahrzeuge in Spanien produziert wurden. Für das laufende Jahr sind die Aussichten aber besser geworden. Im Januar 2026 liefen wieder 2,6 Prozent mehr Autos von den Bändern als im Januar 2025.

    Chemiebranche ist Exporteur Nummer eins in Spanien

    Die spanische Chemiebranche ist international sehr stark vernetzt. Knapp 70 Prozent der Verkäufe entfielen 2025 auf das Ausland. Dieser Anteil ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Zudem haben spanische Exporteure ihre Absatzmärkte weiter diversifiziert, um den seit Jahresbeginn 2025 bestehenden Zollspannungen entgegenzuwirken. Mit Ausfuhren von 73,2 Milliarden Euro (inklusive Medikamenten) lagen spanische Chemieunternehmen auf Platz 1 der wichtigsten Exportsektoren der spanischen Industrie - knapp vor der Automobilbranche.

    Deutschland ist sowohl als Lieferland als auch als Absatzmarkt nicht wegzudenken. Im Bereich chemischer Produkte (ohne Medikamente) war Deutschland 2025 mit einem Wert von 4,8 Milliarden Euro nach Frankreich das zweitwichtigste Lieferland. Bei den Absatzmärkten aus spanischer Sicht befand sich Deutschland auf dem fünften Rang hinter Frankreich, den Niederlanden, Italien und Portugal. Kunden in Deutschland kauften chemische Erzeugnisse aus Spanien im Wert von rund 2,9 Milliarden Euro.

    Durch die sehr starke Verflechtung mit anderen großen europäischen Chemiemärkten ist auch die dortige Konjunkturentwicklung sehr wichtig für den Chemiesektor in Spanien. Somit spielt neben der inländischen Wirtschaft auch die Lage wesentlicher Abnehmerzweige in Belgien, Frankreich, Deutschland und Italien eine zentrale Rolle.

    Forschung, Entwicklung und Investitionen legen zu

    Forschung und Entwicklung genießen in der spanischen Chemiebranche eine hohe Priorität. Sichtbar wird das in Forschungsausgaben von rund 2 Milliarden Euro im Jahr 2024. Die Chemieunternehmen mobilisieren nach Angaben von Feique mehr Geld für Innovationen als jeder andere Wirtschaftszweig des Landes. Als zentrale Forschungsfelder gelten eine nachhaltigere Produktion, die Senkung von Emissionen und die Wiederverwertung von Rohstoffen.

    Die Chemieindustrie in Spanien zählt auch zu den Branchen, die Jahr für Jahr erhebliche Investitionen umsetzen. Seit 2015 wurde jedes Jahr mehr Geld mobilisiert als im Vorjahr. Feique zufolge lagen die Investitionen 2023 bei knapp 4,1 Milliarden Euro. Das entsprach einer Zunahme um 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig gibt es Verzögerungen bei angekündigten Großprojekten. Wie in anderen Ländern auch, zeichnet sich bei der Produktion von grünem Wasserstoff ab, dass geplante Vorhaben kleiner werden oder finale Investitionsentscheidungen später fallen als gedacht. 

    Ausgewählte Investitionsprojekte der chemischen Industrie in SpanienInvestitionssummen in Millionen Euro
    Akteur/ Projekt (Region)

    Investitionssumme

    ProjektstandAnmerkungen
    Moeve/ Produktion grünen Wasserstoffs in Huelva und Cádiz (Andalusien)

    4.000

    Im Bau (Huelva); Fertigstellung Phase 1 geplant: 2026; in Planung (Cádiz)Teil des größeren Vorhabens "Valle Hidrógeno Andaluz"; Phase 1 des Projekts in Huelva: 400 MW Elektrolyseleistung; stufenweiser Ausbau bis 2028; Teil der europäischen Förderinitiative IPCEI; Projekt in Cádiz: Anlage für grünes Ammoniak
    Ignis/ Produktion grünen Ammoniaks in Castellón (Valencia)

    1.400

    In Planung (Umweltverträglichkeitsprüfung beantragt); Genehmigung für 2026 erwartet; Fertigstellung geplant: 2031Produktion von 800.000 Tonnen grünen Ammoniaks pro Jahr; Anwendungsgebiete: primär für Schiffskraftstoff, soll auch für die Düngemittelindustrie exportiert werden
    Moeve, Bio-Oils/ Produktion von Biokraftstoffen in Huelva (Andalusien)

    1.200

    Im Bau; Fertigstellung geplant: Ende 2026Jährliche Produktion von bis zu 500.000 Tonnen nachhaltigen Flugkraftstoffs (SAF), erneuerbaren Diesels (HVO 100) und Biogas
    Repsol/ Produktion grünen Wasserstoffs in Muskiz (Baskenland)

    292

    In Planung (im Januar 2026 angekündigt); Fertigstellung geplant: 2029100 MW Elektrolyseleistung; Teil der europäischen Förderinitiative IPCEI
    Kemira/ Produktion von Aktivkohle in Tarragona (Andalusien)

    20

    In Planung (im Februar 2026 angekündigt); Fertigstellung 2029 geplantAktivkohle für den Wassersektor; Ausbau eines bestehenden Standorts
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Von Friedrich Henle | Madrid

  • Grüner Wasserstoff, alternative Kraftstoffe und Recycling sind die wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen in der spanischen Chemiebranche. Fördergelder unterstützen die Entwicklung.

    Nachhaltigkeit in der spanischen Chemiebranche ist sowohl ein politisches Ziel als auch Gegenstand unternehmerischer Innovationen. Dekarbonisierung und Kreislaufwirtschaft stehen im Fokus dieser forschungsintensiven Branche. Erneuerbare Energien und grüner Wasserstoff sind die großen aktuellen Themen. Zudem wird durch den Trend zur Kreislaufwirtschaft die Wiederverwendung von Materialien künftig eine größere Rolle spielen.

    Regierung setzt auf grünen Wasserstoff 

    Im spanischen Aufbau- und Resilienzplan zur Überwindung der Coronakrise sind Industriezweige genannt, in denen sich die Regierung besondere Dekarbonisierungserfolge durch den Einsatz von Wasserstoff verspricht. Namentlich erwähnt sind Raffinerien, die Düngemittelproduktion und die Herstellung chemischer Erzeugnisse. In sämtlichen Industriezweigen, die Wasserstoff als Rohstoff oder Energiequelle einsetzen, soll bis 2030 mindestens ein Viertel der Produktion aus erneuerbaren Energien stammen. Zudem wird angestrebt, grünen Wasserstoff in räumlicher Nähe zu dessen Produktionsstandorten zu verwenden.

    Als Paradebeispiel gilt in Spanien ein Projekt des Düngemittelherstellers Fertiberia. Dieser will bis 2035 klimaneutral produzieren. Nach Unternehmensangaben konnte die Produktion von Dünger in Puertollano (Region Kastilien-La Mancha) bereits zu 10 Prozent dekarbonisiert werden. In Kooperation mit dem Energieversorger Iberdrola entstand in der Nähe ein Solarpark mit 100 Megawatt Kapazität. Dieser versorgt die Fabrik mit grünem Strom. Weitere Komponenten des Vorhabens sind ein Elektrolyseur mit 20 Megawatt Leistung und ein Speichersystem mit Lithium-Ionen-Batterien mit einer Kapazität von 20 Megawattstunden.

    Alternative Kraftstoffe rücken ins Rampenlicht

    Die großen spanischen Petrochemiekonzerne Repsol und Moeve (ehemals Cepsa) reduzieren ihr klassisches Erdölgeschäft und investieren in die Fertigung alternativer Kraftstoffe. Beide Unternehmen wirken beispielsweise bei der Produktion von Biokerosin für Flugzeuge mit. Dafür haben Repsol mit Iberia und Moeve mit Etihad Partnerschaften vereinbart. So haben die Hersteller Planungssicherheit für ihre Investitionen und die Fluggesellschaften können ihre Emissionen reduzieren. 

    Pläne sorgen auch dafür, dass Biomasse in Spanien stärker verwertet wird. Mit seinen großen Wirtschaftszweigen Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie befindet sich Spanien in einer günstigen Position, um mehr von diesem Potenzial zu heben. Im Fokus steht die Verwertung von Resten aus der Landwirtschaft und die Nutzung organischer Industrieabfälle. Medienberichte der letzten Monate zeigen, dass der Sektor auch verstärkt von Finanzinvestoren ins Auge genommen wird.

    Recyclinganteil bei chemischen Erzeugnissen wird steigen

    Die Wiederverwertung chemischer Erzeugnisse ist bislang in Spanien wenig verbreitet. Der nationale Branchenverband Feique prognostiziert jedoch, dass der Anteil künftig steigen wird. Bislang prägen vor allem Pyrolyseanlagen und eine große Verwertungsanlage das Bild. Plastic Energy betreibt zwei Pyrolyseanlagen an den andalusischen Standorten Almería und Sevilla. Die Kapazität liegt bei jeweils 5.500 Tonnen Pyrolyseöl pro Jahr. Reciclalia verfügt über eine wesentlich kleinere Anlage mit einer Kapazität von 500 Tonnen pro Jahr. Hinzu kommt eine Produktionsstätte von Sulayr zur Verwertung durch Auflösung. Diese kann 38.000 Tonnen Material jährlich verarbeiten.

    Dem Bestreben der EU in Richtung Kreislaufwirtschaft folgend ist in diesem Bereich mit hohen Investitionen in den kommenden Jahren zu rechnen. Die Erwartung liegt für das Jahr 2030 bei 500 Millionen bis 650 Millionen Euro.

    Nachhaltigkeit im Fokus europäischer Fördermittel

    Im Rahmen des Aufbau- und Resilienzplans hat Spanien sogenannte Strategieprojekte auf den Weg gebracht. Drei davon haben Bezüge zur Chemieindustrie. Ein Strategieplan dreht sich um die Kreislaufwirtschaft. In diesem sind 492 Millionen Euro Fördermittel vorgesehen. Diese sollen private Investitionen anstoßen und insgesamt eine Wirkung von rund 1,2 Milliarden Euro bis 2026 entfalten. Darin sind sektorspezifische Schwerpunkte wie Kunststoff gesetzt. Ein Teil der Mittel kann aber auch von anderen Unternehmen beantragt werden, wenn sie Vorhaben im Sinne des Strategieplans avisieren.

    Ein weiterer Strategieplan umfasst erneuerbare Energien und grünen Wasserstoff. Der Förderbereich Wasserstoff enthält öffentliche Mittel im Wert von 3,2 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2030 will Spanien 4 Gigawatt Produktionskapazität für grünen Wasserstoff aufbauen. Dieser Energieträger soll den Wandel in Industriezweigen voranbringen, in denen nur schwer nachhaltige Lösungen implementiert werden können. Darunter fällt auch explizit die Chemieindustrie.

    Schließlich erwähnt der Strategieplan zur Dekarbonisierung in der Industrie verschiedene Maßnahmen, die auch der Chemiebranche zugute kommen. Zuschüsse und Kredite im Rahmen der Strategiepläne vergibt die spanische Regierung projektspezifisch über öffentliche Bekanntmachungen, auf die sich Unternehmen bewerben müssen. Diese Bekanntmachungen finden sich unter anderem auf der Internetseite des spanischen Wiederaufbauplans und der nationalen Ausschreibungsplattform

    Von Friedrich Henle | Madrid

  • Der Fachverband Feique rechnet knapp 3.100 vorwiegend kleine Unternehmen der Chemiebranche zu. Basischemikalien und Arzneimittel erzielen die höchsten Verkaufszahlen.

    Spaniens Chemiebranche steht für etwa 6 bis 7 Prozent der Bruttowertschöpfung in der verarbeitenden Industrie und zählt etwa 105.000 Beschäftigte (ohne Pharma). Rechnet man die Arzneimittelhersteller hinzu, so sind laut nationalem Chemieverband Feique etwa 3.100 Unternehmen in der Branche aktiv. Diese erzielten 2024 einen Umsatz von 85,5 Milliarden Euro.

    Chemische Grundstoffe bilden den Schwerpunkt der Produktion

    Die höchsten Umsätze generieren weiterhin chemische Grundstoffe und Kunststoffe in Primärformen sowie Arzneimittel. Diese spielen sowohl bei den Verkäufen im Inland als auch bei den Exporten die Hauptrolle.

    Der Fachverband Feique hat aus eigenen Daten, Angaben des Statistikamtes INE sowie Unternehmensbefragungen Zahlen zur sektoriellen Umsatzverteilung im Jahr 2024 zusammengestellt. Innerhalb der vierstelligen Untersegmente der spanischen Industrieklassifikation CNAE erzielen zwei Zweige besonders hohe Umsatzzahlen. Dabei handelt es sich um organische Chemie (CNAE 2014) mit 13,8 Milliarden Euro und Kunststoffe in Primärformen (CNAE 2016) mit 10,9 Milliarden Euro. Aufsummiert bilden auch Reinigungsmittel, Parfüm und Kosmetika (CNAE 204) mit 13,4 Milliarden Euro Umsatz einen Branchenschwerpunkt.

     

    Umsatz chemischer Erzeugnisse nach Sparten in SpanienUmsatz 2024 in Milliarden Euro; Veränderung und Marktanteil in Prozent

    Sparte (CNAE)

    Umsatz

    Veränderung 2024/2023

    Marktanteil *)

    Chemische Erzeugnisse (20)

    58,61

    3,6

    100

    Grundstoffe, Kunststoffe in Primärform (201)

    32,30

    2,7

    55,1

    Schädlingsbekämpfungs- und Pflanzenschutzmittel, Desinfektionsmittel (202)

    1,28

    -5,9

    2,2

    Anstrichmittel, Druckfarben, Kitte (203)

    5,99

    4,1

    10,2

    Reinigungs- und Körperpflegemittel (204)

    13,41

    3,5

    22,9

    sonstige chemische Erzeugnisse (205)

    5,38

    -7,8

    9,2

    Chemiefasern (206)

    0,24

    -6,5

    0,4

    Arzneimittel (21)

    26,87

    5,7

    100

    * Marktanteil chemische Produkte berechnet in Bezug auf die gesamte CNAE-Gruppe 20.Quelle: Feique 2025

     

    Katalonien ist das Zentrum der spanischen Chemiebranche 

    Bei einer regionalen Betrachtung zeigen sich klare Schwerpunkte. Die Region Katalonien ist mit einem Umsatzanteil von 40 Prozent mit deutlichem Abstand führend. Katalonien profitiert davon, Standort des Clusters ChemMed in Tarragona zu sein und auch in der Provinz Barcelona viele Branchenunternehmen zu beherbergen.

    Die Hauptstadtregion Madrid kommt auf einen Anteil von 16 Prozent am gesamten Chemieumsatz Spaniens. Die andalusische Hafenstadt Huelva ist ebenfalls ein Schwerpunkt der Chemieproduktion. Damit trägt sie erheblich dazu bei, dass Andalusien gemessen am Umsatz mit 11 Prozent die drittbedeutendste Region des Landes ist.

    Deutsche Unternehmen sind ebenfalls mit Standorten präsent 

    Laut Feique verfügen 83 Prozent der Branchenunternehmen über weniger als 50 Beschäftigte. Am anderen Ende der Größenskala stehen lediglich 17 Unternehmen, die mehr als 1.000 Mitarbeiter haben. Mit dieser Verteilung ist die Chemieindustrie ein ungefähres Abbild der spanischen Gesamtwirtschaft. Diese ist ebenfalls von vielen Kleinunternehmen geprägt, während nur wenige sehr große Hersteller existieren.

    Diese Schwergewichte der Branche haben die Mittel, um größere Projekte umzusetzen. Beispielsweise erfinden sich die Petrochemiekonzerne Repsol und Moeve (ehemals Cepsa) neu und setzen verstärkt auf die Produktion von Biokraftstoffen. Repsol erhofft sich von der veränderten Situation in Venezuela eine deutliche Umsatzsteigerung. Nach Unternehmensangaben befinden sich 15 Prozent der eigenen Öl- und Gasreserven in dem südamerikanischen Land.

     

    Wichtige Branchenunternehmen in SpanienUmsatz in Millionen Euro

    Unternehmen

    Sparte

    Umsatz 2024

    Moeve ChemicalsPetrochemie

    2.949

    Puig *)Sonstige chemische Erzeugnisse, Kosmetika und Parfum

    2.620

    Repsol Química Petrochemie

    1.756

    BASF EspañolaChemische Erzeugnisse

    1.923

    Dow Chemical IbéricaKunststoffe

    1.424

    InteralcoOrganische chemische Erzeugnisse

    903

    Bayer HispaniaChemische und pharmazeutische Erzeugnisse

    800

    FertiberiaDüngemittel

    738

    ErcrosAnorganische Grundstoffe

    666

    PersanSonstige chemische Erzeugnisse, Reinigungs-und Körperpflegemittel

    604

    * Umsatz in der Region EMEA. Das Unternehmen veröffentlicht keine nach Ländern aufgeschlüsselten Umsatzzahlen.Quelle: Wirtschaftszeitung Actualidad Económica (Las mayores empresas de España, Dezember 2025)

    Unter den umsatzstärksten Chemieunternehmen in Spanien befinden sich auch drei deutsche DAX-Konzerne. Bayer, BASF und Henkel gehören mit ihren lokalen Niederlassungen und Produktionsstätten zu den zentralen Branchenunternehmen.

    Kurzinterview: Drei Fragen an Zschimmer & Schwarz España

    "Hauptargument ist bei uns nicht der Preis"

    Daniel Sardina, Director General, Zschimmer & Schwarz España, Chemie Daniel Sardina, Director General, Zschimmer & Schwarz España, Chemie | © Daniel Sardina /Zschimmer & Schwarz 2026

    Daniel Sardina leitet die spanische Niederlassung von Zschimmer & Schwarz in Castellón in der Region Valencia. Das deutsche Familienunternehmen aus der Spezialchemie ist seit 1998 in Spanien präsent - zuerst mit einem Vertriebsbüro, seit 2004 mit einer eigenen Produktion und seit 2016 mit Laboren. Am Standort arbeiten aktuell 58 Beschäftigte.

    Herr Sardina, wie wichtig ist der Standort Spanien für Zschimmer & Schwarz?

    Im Jahr 2025 entfielen 3,5 Prozent des Umsatzes der gesamten Unternehmensgruppe auf die spanische Niederlassung. Wir produzieren hier unter anderem Drucktinten und Additive für diverse Anwendungsgebiete. Die Keramikindustrie, die in Spanien eine gewisse Bedeutung hat, ist eine unserer wichtigsten Kundinnen. Wir wollen uns in Zukunft aber diversifizieren und mehr Aufträge auch aus anderen Branchen gewinnen. Für das Jahr 2026 erwarten wir insgesamt eine leichte Umsatzsteigerung.

    Sind hohe Energiekosten und asiatische Wettbewerber für Sie ein Problem - wie bei anderen Chemieunternehmen auch?

    Als Spezialchemiehersteller mit kleineren Chargen hat der Faktor Energie für uns ein geringeres Gewicht als bei Unternehmen der Basischemie. Die Stromkosten konnten wir signifikant senken, indem wir 2021 das Dach unserer Fabrikhalle mit einer Photovoltaikanlage bestückt haben. Diese deckt etwa ein Drittel unseres Stromverbrauchs ab. 

    Die Wettbewerber kommen bei uns nicht aus China, sondern eher aus Spanien oder anderen europäischen Ländern. Zum Teil konkurrieren wir bei Aufträgen auch innerhalb der Unternehmensgruppe. Das Hauptargument ist bei uns aber nicht der Preis. Es zählen mehr die Qualität und die Erfüllung spezieller Kundenanforderungen. Damit sind wir bisher gut gefahren.

    Also läuft zurzeit alles rund?

    Natürlich haben wir auch Herausforderungen. Als Belastung würde ich den bürokratischen Aufwand in Spanien nennen. Zusätzliche Kosten verursacht die seit 2023 geltende Plastiksteuer, die auf nicht recycelte Kunststoffverpackungen erhoben wird. Unsicherheit entsteht auch durch die Preisentwicklung bei Rohstoffen, die wir einkaufen müssen. Wenn zum Beispiel Kobalt teurer wird, das wir für unsere blauen Drucktinten benötigen, schlägt sich das direkt auf die Marge nieder. Und die hat in den letzten Jahren tendenziell abgenommen.

    Von Friedrich Henle | Madrid

  • Im EU-Partnerland Spanien gelten grundsätzlich vertraute Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen. Je nach Fachzweig sind unterschiedliche Behörden zuständig.

    Insgesamt vier Stellen in Spanien befassen sich mit der Regulierung des Chemiesektors. Für die Anwendung der Gesetzgebung ist das Gesundheitsministerium zuständig, soweit die menschliche Gesundheit berührt ist.

    Umweltaspekte sind zum Teil beim Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung angesiedelt. Das Umweltressort wurde nach der Parlamentswahl im November 2019 aus dem Landwirtschaftsministerium herausgelöst und im neuen Ministerium für den ökologischen und demografischen Wandel untergebracht. 

    Die Registrierung und Qualitätskontrolle von Arzneimitteln ist Sache der zum Gesundheitsministerium gehörenden Agentur für Medikamente und Sanitärprodukte AEMPS.

    Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der Europäischen Union (EU) sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa die Website des Deutschen Instituts für Normung e.V.).

    Die GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Friedrich Henle | Madrid

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Spanien

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministerio de Industria, Comercio y Turismo (MINCOTUR)Ministerium für Industrie, Handel und Tourismus 
    ChemSpainInternetportal zur spanischen Chemiebranche
    Federación Empresarial de la Industria Química Española (FEIQUE)Dachverband der chemischen Industrie Spaniens
    Asociación Nacional de Perfumería y Cosmética (Stanpa)Parfüm- und Kosmetikverband
    Associació Empresarial Química de Tarragona (AEQT)Chemieindustrieverband Tarragonas
    Cluster ChemMedChemiecluster Tarragona
    Indústria QuímicaWebportal und monatliche Fachzeitschrift 
    ExpoquímiaFachmesse für die Chemiebranche (alle drei Jahre); nächster Termin: 02. bis 05.06.2026 in Barcelona
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