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Milliardeninvestitionen treiben Chemiesektor Usbekistans

Usbekistan will bis 2030 seine Chemieproduktion verdoppeln und die Umweltstandards verbessern. Allein 2026 sollen neue Projekte für etwa 4,5 Milliarden US-Dollar starten. 

Von Uwe Strohbach | Taschkent

Ausblick der chemischen Industrie in Usbekistan

Bewertung:

 

  • Usbekistans Importbedarf an chemischen Erzeugnissen wächst deutlich.
  • Investitionsprojekte zielen auf eine Verdoppelung von Produktion und Export bis 2030 gegenüber 2025 ab.
  • Großes Interesse an digitalen Lösungen, ökologischen Technologien und energieeffizienten Ausrüstungen.
  • Zügige Anpassung an international übliche Standards und Regelwerke für die Produktion und den Vertrieb erleichtert Markterschließung.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: März 2026

Markttrends

Usbekistan ist neben Kasachstan der wichtigste Chemiestandort in Zentralasien. Das Land investiert kräftig in die Erneuerung der Basischemie und den Aufbau effizienter Wertschöpfungsketten. 

Der Industriezweig befindet sich seit dem Start der wirtschaftlichen Liberalisierung des Landes 2017/2018 in einem tiefgreifenden Wandel. Er soll profitabel und klimaschonend wachsen, sich breiter aufstellen und zur Stärkung der Exportwirtschaft beitragen.

Die Investitionen folgen einem Maßnahmenkatalog aus dem Jahr 2019, den die Regierung seitdem fortlaufend aktualisiert. Ziel ist es, die chemische Industrie bis 2030 zu erneuern und auszubauen. Kernelemente sind der Auf- und Ausbau von Chemieclustern an den Standorten Navoiy, Farg´ona und Qo´ngirot auf Basis bestehender und neuer Betriebe. Hinzu kommt die Errichtung von Chemie-Technologieparks mit Fokus auf die Herstellung innovativer Produkte.

Die Branche setzt auf die Digitalisierung von Produktion und Vertrieb. Zudem stehen die ökologische Nachrüstung von Produktionsanlagen sowie die Einführung effizienter Logistiksysteme für den innerbetrieblichen Transport und das Exportgeschäft im Fokus.

Insgesamt sind in der chemischen Industrie 120 Projekte vorgesehen, die die Umweltbelastung und die Selbstkosten in der Produktion senken sollen. Dazu zählen die Beschaffung und Installation von Staub- und Gasreinigungsanlagen sowie der Einsatz effizienter Motoren und Pumpen. Darüber hinaus ist der Einsatz wassersparender Technologien geplant.

Neue Projekte für etwa 4,5 Milliarden US-Dollar in der Pipeline

Nach Angaben der Regierung realisieren Chemiebetriebe derzeit 21 größere Ausbau- und Modernisierungsprojekte mit einem Volumen von 1 Milliarde US-Dollar (US$). Weitere Initiativen sollen ab 2026 starten und schrittweise umgesetzt werden. Ihr Gesamtwert beläuft sich auf 4,5 Milliarden US-Dollar. Allein 2026 fließen etwa 1,3 Milliarden US$ in 24 strategische Vorhaben. Schwerpunktsektor ist die Düngemittelsparte.

Ausgewählte Investitionsprojekte der chemischen Industrie in Usbekistan
ProjektAkteur/InvestorAnmerkungen
Produktion von PVC (2. Projektphase) und Aufnahme der Produktion von EssigsäureNavoiyazot AJ Ausbau/Neubau
Produktion von Cyanid-Salzen (Natriumcyanid und Cyanwasserstoffsäure) und AmmoniumsulfatNavoiyazot AJ Ausbau
Luftzerlegungsanlage für die Gewinnung von Sauerstoff und StickstoffNavoiyazot AJ, Linde Group (Vereinigtes Königreich/Deutschland)Neubau
Produktion von Harnstoff und MehrkomponentendüngerIndorama Kokand Fertilizers and Chemicals AJAusbau
Produktion von linearem AlkylbenzolO´zbekneftgaz AJ, KMG PetroChem (Kasachstan)Neubau
Produktion von Pyroxylin und KolloxylinFarg´ona Nitrotsellyuloza zavodi, Bowas-Induplan Chemie (Österreich)Neubau
Produktion von Formaldehyd, Harnstoff-Formaldehyd-Vorkondensat (UFC 85), Desinfektionslösungen und TitandioxidSparco Engineering (Malaysia)Neubau
Produktion von NatriumchloratChemie-Technologiepark Qoraqalpog'istonNeubau
Produktion von Poyesteralkydharz und AcrylcopolymerAngren Flex Chemicals MChJNeubau
Produktion  von chemischen Reagenzien für die WasseraufbereitungYuksak Parvoz Quirilis MChJNeubau
* zumeist geplante oder erörterte Vorhaben in einem frühen Projektstadium.Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Branchenstruktur und Rahmenbedingungen

Das Geschehen in der Chemieindustrie prägen knapp 50 Unternehmen und Organisationen, die sich direkt oder indirekt im Rahmen der staatlichen Branchenvereinigung O'zkimyosanoat AG im Industriezweig engagieren. Sie stellten 2025 Produkte für 1,7 Milliarden US$ her und exportierten Erzeugnisse für 660 Millionen US$. Der Zufluss ausländischen Kapitals in Projekte der Betriebe belief sich 2025 auf rund 650 Millionen US-Dollar.

Betriebe der Vereinigung O´zkimyosanoat dominieren den Markt 

Für 2026 erwartet das Management von O´zkimyosanoat eine Ausweitung der Produktion und Ausfuhr um jeweils 10 Prozent. Bis 2030 soll der jährliche Export auf 1 Milliarde US$ steigen. Geplant ist vor allem eine stärkere Ausfuhr von Düngemitteln nach Europa, darunter nach Frankreich, Spanien und in die Benelux-Staaten.
Zudem sollen Lieferungen in arabische Länder sowie nach Asien ausgeweitet werden.

Dreh- und Angelpunkt der landesweiten Chemieaktivitäten 

O´zkimiosanoat nimmt als Industriezweigvereinigung für die Chemieindustrie einige Aufgaben eines Branchenministeriums wahr. Sie erstellt Entwicklungs- und Investitionsprogramme, koordiniert und begleitet Initiativen für den Ausbau der Branche und dient somit als wichtiger Ansprechpartner für ausländische Investoren und Ausrüstungslieferanten. Eine Anfang 2026 eingerichtete Arbeitsgruppe der Vereinigung unterstützt neue regionale Projekte und Projektvorschläge.

Agrochemikalien machen zwei Drittel des Ausstoßes von O´zkimyosanoat aus. Hauptprodukte sind Harnstoff, Ammonsalpeter, -sulfat und -phosphat, Stickstoff-, Super- und Nitrokalziumphosphat, Phosphor-, Kali- und Mehrkomponentendünger sowie Pflanzenschutzmittel. Im Jahr 2026 sollen 1,1 Millionen Tonnen Stickstoff-, 222.000 Kali- und 135.000 Tonnen Phosphordünger produziert werden (bemessen in 100 Prozent Nährstoffgehalt). Das Unternehmen Navoiyazot in Nawoi, das nationale Flaggschiff der chemischen und Düngemittelindustrie, steht für gut ein Drittel des Ausstoßes von O´zkimyosanoat. Es investiert 2026 bis 2028 allein bis zu 400 Millionen in seine Projekte. 

Das übrige Drittel der Produktion von O´zkimyosanaot entfällt auf anorganische Grundstoffe und Chemikalien, organische Grundstoffe und Chemikalien, chemische Reagenzien und sonstige chemische Erzeugnisse wie Katalysatoren, Harze, Natriumnitrat und Trinatriumphosphat.  

Akteure der chemischen Industrie, die nicht zu O'zkimyosanoat gehören, engagieren sich vorrangig in den Produktgruppen Kunststoff- und Gummiwaren, Farben/Lacke, Kosmetika, Waschmittel und Pflanzenschutzmittel. Die Verarbeitung und Veredelung von Öl und Gas (Produktion von synthetischen Kraftstoffen und Polymeren) fallen in den Kompetenzbereich der staatlichen Öl- und Gasgesellschaft O´zbekneftgaz.

Wichtige Branchenunternehmen in Usbekistan
Unternehmen (Standort)Sparte (Hauptprodukt) 
Navoiyazot (Navoiy)Stickstoffdünger, Ammoniak, Harnstoff, Methanol, kaustische Soda, PVC
Maxam-Chirchiq (Chirchiq)Stickstoffdünger (Ammoniumcarbonat, -nitrat und -sulfat), Salpetersäure, Harnstoff, Katalysatoren
Farg´onaazot (Farg´ona)Mineraldünger (Stickstoff-, Stickstoff-Phosphor- und Stickstoff-Kalium-Dünger), Celluloseester und Acetatfäden, Natriumchlorat- und Magnesiumchlorat-Entlaubungsmittel 
Ammofos-Maxam (Olmalyk)Phosphate, Phosphat- und Stickstoff-Phosphat-Dünger
Samarqand Kimyo (Samarqand)Phosphor- und Mehrkomponentendünger (Stickstoff, Phosphor, Kalium)
Dehqonobod Kaliy Zavody (Dehqonobod)Kalidünger (Kaliumchlorid und -sulfat)
Qo´ngirot Soda Zavody (Qo´ngirot)Kalzinierte Soda
Joint Venture Ifoda Agro Kimyo Himoya (Namangan)Chemische Pflanzenschutzmittel
Jizzax Polimer Plast (Jizzax)Polyethylen-Rohrsysteme und -Folien
Birinchi Rezinotexnika Zavody (Angren)Reifen, Förderbänder
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Anpassung an internationale Regelwerke schreitet voran 

Sowohl für den Absatz von Chemieerzeugnissen als auch von Investitionsgütern für den Ausbau der Branche haben sich die Marktbedingungen in Usbekistan seit dem Start der Liberalisierungs- und Reformwelle 2017 spürbar verbessert. Mehrere große Chemiebetriebe erhielten in den letzten Jahren verbesserte ESG-Ratings. Diese Bewertungen basieren auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien

Konformitätsbescheinigungen aus Ländern der OECD und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) werden heute anerkannt. Neue international konforme Standards für die Chemiebranche sind beim Wissenschaftlichen Forschungsinstitut für Standardisierung, Zertifizierung und technische Regulierung erhältlich. 

Seit 2025 gilt ein international konformes System für die verpflichtende Kennzeichnung von Mineraldüngern und Pflanzenschutzmitteln, das die Rückverfolgung von Produkten sicherstellt. Das Zollkomitee bietet über sein Single-Window-Portal Informationen über den Zolltarif, die Zollgesetzgebung und Zertifizierungsverfahren für die Wareneinfuhr.

Usbekistan hat 2025 zwei jährlich veranstaltete Fachmessen im Programm: UzChemPlastExpo (Taschkent; jährlich April) und Plastex Uzbekistan (Taschkent, jährlich September).

Kontakte
Bezeichnung Anmerkung 
Delegation der Deutschen Wirtschaft für ZentralasienAnlaufstelle für deutsche Unternehmen für die  Region Zentralasien 
Ministerium für Investitionen, Industrie und  HandelOberste Behörde für Industrie- und Investitionspolitik, Ansprechpartner für ausländische Investoren     
O´zbekkimyosanoatStaatliche Gesellschaft von Betrieben der chemischen Industrie 
O´zbekneftgazStaatliche Gesellschaft für Öl- und Gas (inklusive Raffinerien und Gasverarbeitung)
O´zkimyosanoatloyihaProjektierungsinstitut für die chemische Industrie 
Xarid.Uzex.uzOnlineportal für öffentliche Beschaffung, Ausschreibungen und Auktionen  
O´zstandartHauptanlaufstelle für Standards und Zertifizierungen

Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.