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Südliches Afrika: Mehr Agrarexporte und Verarbeitung

Von Angola über Südafrika bis Mosambik: Die Nahrungsmittelwirtschaft im südlichen Afrika investiert in lokale Wertschöpfung, moderne Verarbeitung und neue Exportmärkte.

Jenny Tala

Von Jenny Tala | Johannesburg

Angola: Agrarwirtschaft wächst dynamisch

Angola treibt den Ausbau seiner Nahrungsmittelindustrie voran, um die Abhängigkeit von Ölimporten zu verringern und die Ernährungssicherheit zu stärken. Besonders bei Mais, Maniok, Bohnen, Bananen und Zuckerrohr konnten die Erträge zuletzt gesteigert werden. Ein wichtiger Schwerpunkt bleibt die Verringerung der hohen Lebensmittelimporte. Besonders deutlich zeigt sich dies im Geflügelsektor. Angola importierte 2025 noch Geflügel im Wert von mehr als 312 Millionen US-Dollar (US$), obwohl die heimische Produktion seit 2019 deutlich gewachsen ist. Die Regierung fördert daher Investitionen in Geflügelfarmen, Brütereien, Futtermittelwerke und Kühlketten. Langfristig soll die lokale Produktion nicht nur den Binnenmarkt versorgen, sondern auch Exportpotenzial in Nachbarländer schaffen.

Gleichzeitig gewinnt die exportorientierte Landwirtschaft an Bedeutung. Besonders der Kaffeesektor erlebt eine Wiederbelebung. Im April 2026 starteten Angola und Deutschland gemeinsam das Programm „KICK-OFF“, das den nachhaltigen Anbau von Robusta- und Arabica-Kaffee fördern soll. Partner ist das deutsche Beratungsunternehmen IAK Agrar Consulting. Das Programm setzt auf Schulungen, gute landwirtschaftliche Praxis und den Wissenstransfer an angolanische Fachkräfte. Ziel ist der Aufbau eines international wettbewerbsfähigen Kaffeesektors mit stärkerer lokaler Verarbeitung und besseren Exportchancen. Geplant sind zudem ein agrarindustrielles Entwicklungszentrum sowie eine landwirtschaftliche Ausbildungsstätte nach deutschem Vorbild.

Lokale Wertschöpfung und Handel wachsen

Deutsche Unternehmen sind auch in den Bereichen Verarbeitungs-, Verpackungs- und Abfülltechnik aktiv. Der Anlagenbauer Krones ist mit eigener Niederlassung vor Ort und verweist auf wachsenden Modernisierungsbedarf in der angolanischen Getränkeindustrie. Auch lokale Unternehmen wie Promasidor Angola investieren in neue Produkte und Produktionsanlagen. Der Hersteller von Milchpulver, Kaffee, Cerealien und Gewürzen setzt dabei zunehmend auf lokale Beschaffung und lässt inzwischen Verpackungen nahezu vollständig im Land produzieren.

Neben der Verarbeitung gewinnt der moderne Einzelhandel an Bedeutung. Supermarktketten wie Fresmart und Arreiou erweitern ihre Filialnetze kontinuierlich. Der formelle Lebensmitteleinzelhandel wächst von einer noch niedrigen Basis aus, profitiert aber von Urbanisierung, steigenden Einkommen und einer wachsenden Nachfrage nach verpackten Lebensmitteln. Prognosen gehen von einem jährlichen Marktwachstum von rund 7 Prozent bis 2030 aus.

Botsuana: Fleisch und Agribusiness im Fokus

Botsuana modernisiert seine Fleischwirtschaft. Die staatliche Botswana Meat Commission (BMC) baut ihre Verarbeitungskapazitäten aus. Ein neues Werk in Lobatse soll die Wertschöpfung erhöhen und den Zugang zu Exportmärkten in Asien, dem Nahen Osten und Afrika verbessern.

Darüber hinaus will sich Botsuana zunehmend als Standort für Agrarinvestitionen positionieren. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) richtet 2027 erstmals ein internationales Agrarinvestitionsforum in Gaborone aus.

Mosambik: Verarbeitung für Binnenmarkt und Export

Mosambik investiert verstärkt in die lokale Verarbeitung landwirtschaftlicher Rohstoffe. In der Provinz Manica wurde 2026 ein neuer Fleischverarbeitungskomplex eröffnet (Investitionssumme: 3,1 Millionen Euro). Die Anlage verarbeitet bis zu 100 Tiere täglich und produziert Wurstwaren für den heimischen Markt. Auch die lokale Produktion von Geflügelfleisch und Eiern steigt, während die Importe zurückgehen. Staatliche Förderprogramme und Investitionen in Futtermittelwerke, Brütereien und Schlachthöfe stärken die lokale Versorgung. 

In Sofala hat eine neue Sesamverarbeitungsanlage im Wert von mehr als 30 Millionen US$ den Betrieb aufgenommen. Die von der singapurischen Robust International finanzierte Fabrik verarbeitet bis zu 20.000 Tonnen Sesam pro Jahr und bindet mehr als 35.000 Kleinbauern in die Wertschöpfungskette ein.

Auch die industrielle Infrastruktur für die Lebensmittelverarbeitung wird ausgebaut. Der Industrieparkbetreiber MozParks positioniert ausgewählte Standorte zunehmend als Plattformen für Agroprocessing und landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten. Insbesondere im Topuito Industrial Park in der Provinz Nampula sollen lokale Produzenten stärker mit Verarbeitungs- und Exportaktivitäten verknüpft werden.

Namibia: Hightech für den Agrarsektor

Die namibische Regierung setzt bei der Industrialisierung verstärkt auf Agroprocessing. Der Anteil der Branche am Bruttoinlandsprodukt soll bis 2030 von 7,5 auf 10 Prozent steigen. Schon heute erwirtschaftet die Lebensmittelverarbeitung rund 70 Prozent der namibischen Industrieproduktion.

In Otavi (Provinz Otjozondjupa) entsteht ein Hydrokulturprojekt mit Investitionen von rund 120 Millionen US$. Die geplanten Gewächshausanlagen sollen langfristig bis zu 30.000 Tonnen Obst und Gemüse pro Jahr produzieren und damit die hohe Importabhängigkeit Namibias verringern. Die eingesetzte Technologie benötigt nach Angaben der Betreiber 98 Prozent weniger Wasser und 95 Prozent weniger Dünger als konventionelle Anbaumethoden.

Im Exportgeschäft bleibt Fleisch ein wichtiger Wachstumstreiber. China signalisiert eine deutlich höhere Nachfrage nach namibischem Rindfleisch, während Norwegen weiterhin zu den wichtigsten Premiumabsatzmärkten gehört. Im Gartenbau profitieren besonders Traubenexporteure von der starken Nachfrage aus Europa. Deutschland zählt dabei zu den wichtigsten Absatzmärkten.

Simbabwe: Lokale Beschaffung und neue Exportmärkte

Simbabwe verfolgt eine konsequente Politik zur Förderung lokaler Wertschöpfung. Neue Vorschriften verpflichten Verarbeiter dazu, einen wachsenden Anteil ihrer Rohstoffe im Inland zu beschaffen. Unternehmen wie Varun Beverages Zimbabwe investieren in neue Verarbeitungskapazitäten. Das Unternehmen will zudem 650 Millionen US$ in Landwirtschaft, Energie und Konsumgüterproduktion investieren.

Dynamisch entwickelt sich auch der Gartenbau. Allein Simbabwes Avocadoexporte sollen sich 2026 mehr als verdoppeln. Exporteure profitieren von verbesserten Marktzugängen nach China: Neue Zollpräferenzen erleichtern die Ausfuhr ausgewählter Agrarprodukte in die Volksrepublik.

Südafrika: Verarbeitung, Exporte und neue Konsumtrends

Südafrika bleibt der wichtigste Nahrungsmittel- und Verarbeitungsstandort im südlichen Afrika. Die Agrarexporte erreichten laut dem National Agricultural Marketing Council (NAMC) 2025 mit 15,1 Milliarden US$ einen Rekordwert. Wachstumstreiber sind vor allem Obst, Zitrusfrüchte und andere Gartenbauprodukte. Verbesserungen in der Hafenlogistik unterstützen die Exportwirtschaft zusätzlich.

Die Lebensmittelindustrie investiert massiv in moderne Produktionsanlagen. Tiger Brands investiert rund 50 Millionen Euro in eine hochautomatisierte Großbäckerei östlich von Johannesburg. Die Anlage soll bis Ende 2026 in Betrieb gehen, mehrere ältere Standorte ersetzen und rund 12.000 Brote pro Stunde produzieren. Im Getränkesektor gewinnen pflanzliche Alternativen Marktanteile. Unternehmen wie ButtaNutt investieren in neue Produktionsanlagen für Hafer- und Nussgetränke.

Exporteure setzen verstärkt auf neue Märkte. Ein neues phytosanitäres Abkommen erleichtert den Zugang südafrikanischer Zitrusfrüchte zum chinesischen Markt. Gleichzeitig investieren Logistikunternehmen wie DHL und Hapag-Lloyd in effizientere Lieferketten für frische Agrarprodukte.