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Côte d'Ivoire möchte Nahrungsimporte graduell ablösen

Das westafrikanische Land ist stark von Agrarimporten abhängig, doch das soll sich nun ändern. Dazu werden Maschinen benötigt, unter anderem aus Deutschland.

Ullrich Umann

Von Ullrich Umann | Casablanca

Côte d'Ivoire ist die größte Volkswirtschaft der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (WAEMU). Das Land verzeichnet seit mehr als einem Jahrzehnt ein robustes Wachstum: Im Jahr 2025 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) um 6,5 Prozent. Für 2026 prognostiziert der IWF ein leicht abgeschwächtes Wachstum von 6,0 Prozent. Begründet wird diese Verlangsamung vor allem mit dem Golfkrieg: Da Côte d'Ivoire auf Importe von Energieträgern und Düngemitteln angewiesen ist, führen die gestiegenen Weltmarktpreise zu importierter Inflation und einem höheren Haushaltsdefizit.

Investition in Ertragssteigerungen notwendig

Die Weltbank warnt vor einer nachlassenden Produktivitätsdynamik in der Landwirtschaft, die sich in den vergangenen drei Jahre abgezeichnet hat. So reiche es laut dieser Quelle nicht mehr aus, die landwirtschaftliche Nutzfläche von Jahr zu Jahr zu erweitern, ohne in produktivitätssteigernde Maßnahmen zu investieren. Nur so lassen sich die Hektarerträge erhöhen.

Für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau ergeben sich aus den Ausbauplänen und Investitionen in Côte d'Ivoire konkrete Lieferchancen. Dazu zählen unter anderem Kakaomühlen und Anlagen für die Produktion von Schokolade, Linien zur Cashewverarbeitung, Brauerei- und Abfülltechnik, Anlagen zur Palmölverarbeitung, Mühlentechnik sowie Kühlanlagen.

Energieeffizienz und Rückverfolgbarkeit stellen Wettbewerbsvorteile dar

Als Wettbewerbsvorteil für den deutschen Anbieter gelten unter anderem energieeffiziente Anlagen sowie Technologien zur lückenlosen Rückverfolgbarkeit entlang der Wertschöpfungskette bis hin zum landwirtschaftlichen Erzeuger. Dies gewinnt insbesondere deshalb an Bedeutung, weil ivorische Exporteure bei Agrarlieferungen in die EU die Herkunft ihrer Produkte zunehmend nachvollziehbar dokumentieren müssen.

Deutsche Exporte ausgewählter Maschinen und Anlagen nach Côte d’Ivoire In Millionen Euro

 

2024

2025

8436 - für Landwirtschaft, Gartenbau, Forsten, Geflügelhaltung und Imkerei

0,03

1,7

8437 - zum Reinigen und Sortieren von Getreide

0,5

0,1

8438 - zur Herstellung/Verarbeitung von Lebensmitteln und Getränken

1,8

18,2

Quelle: Destatis 2026

Mit dem 2026 in Kraft getretenen Nationalen Entwicklungsplan, der bis 2030 gilt, verfolgt die Regierung eine stärkere Mobilisierung privater Investitionen. Bis 2030 soll sich das Verhältnis von öffentlichen zu privaten Investitionen auf 30 zu 70 verschieben. Zu diesem Zweck werden die Rahmenbedingungen für Investoren verbessert, unter anderem durch steuerliche Anreize und den Abbau bürokratischer Hürden. Der IWF unterstützt diesen Reformkurs und gewährte dem Land im Mai 2026 einen Kredit über 3,5 Milliarden US-Dollar (US$).

Die Investitionsförderagentur Centre de Promotion des Investissements en Côte d'Ivoire (CEPICI) lockt Investoren ins Land und stützt sich in ihrer Arbeit auf den Investitionskodex aus dem Jahr 2018. Das Staatsgebiet ist dabei in drei Förderzonen mit unterschiedliche Anreizsysteme unterteilt. Die wichtigste Region für die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie ist die Sonderwirtschaftszone Plateforme Économique Industrielle d'Abidjan (PEIA) in und um Abidjan. Dort werden Kakao, Kaffee, Cashew, Baumwolle und Palmöl verarbeitet. Von ihrer Bedeutung her folgen die Sonderwirtschaftszonen Bondoukou, Korhogo und Séguéla.

Agrarwirtschaft gehört zu den Lebensadern der Volkswirtschaft

Die Landwirtschaft sowie die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie spielen eine zentrale Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Gemeinsam erwirtschaften die Sektoren rund 25 Prozent des BIP, stellen 75 Prozent der Exporterlöse und beschäftigen etwa 45 Prozent der Bevölkerung. Produziert und ausgeführt werden unter anderem Kakao und Cashewnüsse - jeweils rohe und verarbeitete -, Palmöl, Kaffee, Zucker, Mehl, Reis, Milchprodukte, verarbeitete Früchte sowie alkoholische und alkoholfreie Getränke.

Bis zu 40 Prozent des weltweit konsumierten Kakaos stammen aus Côte d'Ivoire. In der Saison 2024/2025 belief sich die Ernte auf rund 1,8 Millionen Tonnen. Etwas weniger als die Hälfte davon wird bereits im Land verarbeitet, der Rest als Rohkakao exportiert. Nach den Zielen des Nationalen Entwicklungsplans sollen bis 2030 rund 80 Prozent der Kakaoernte durch private Akteure im Inland verarbeitet werden. Dies erfordert zusätzliche Kapazitäten zum Mahlen, Rösten und zur Schokoladenherstellung.

Auch stammen bis zu 40 Prozent der Cashewnüsse auf dem Weltmarkt aus Côte d'Ivoire. Mit einer Jahresernte von rund 1,3 Millionen Tonnen pro Jahr stammen bis zu 40 Prozent des Weltmarktangebots aus dem Land. Die lokale Verarbeitung dieses Agrarproduktes wurde in den vergangenen Jahren bereits deutlich ausgeweitet: von 68.500 Tonnen im Jahr 2018 auf 600.000 Tonnen im Jahr 2025. Wesentlichen Anteil daran hatte der Ausbau der Agrarindustrie-Cluster in Bondoukou, Korhogo und Séguéla.

Staat und private Investoren kooperieren

In den Ausbau der Palmölverarbeitung investiert die Regierung 300 Millionen US$. Die Mittel fließen vor allem in Public-Private-Partnerships zum Betrieb von Ölmühlen, Raffinerien und Biodieselanlagen. Mittelfristig soll die heimische Verarbeitungsquote von derzeit 30 auf 45 Prozent steigen.

Reis stellt das wichtigste Grundnahrungsmittel dar. Die Regierung forciert entsprechend den Ausbau von Reismühlen, die Einführung klimaresistenter Sorten sowie die Digitalisierung der Wertschöpfungskette in der Reiserzeugung. Langfristiges Ziel ist die weitgehende Unabhängigkeit von Reisimporten.

Auch die Bereiche Milch- und Fleischwirtschaft zählen zu den priorisierten Investitionsfeldern des Nationalen Entwicklungsplans. Hier soll privates Kapital den Aufbau moderner Produktionsstrukturen unterstützen. Ziel ist es, die Importabhängigkeit bei Milch- und Fleischprodukten schrittweise zu reduzieren.

Ablösung von Lebensmittelimporten im Fokus

Aktuell ist das Land hochgradig auf Importe von Agrargütern, Nahrungsmitteln und Getränken angewiesen. Nach Angaben des US Department of Agriculture (USDA) setzte der Handel mit Nahrungsmitteln und Getränken in Côte d'Ivoire 2024 insgesamt 48,8 Milliarden US$ um. Gleichzeitig wurden Vorprodukte und Zutaten für die Lebensmittelherstellung im Wert von 852 Millionen US$ eingeführt.

Zu den größten der insgesamt 343 Nahrungsmittelverarbeiter zählen Nestle Côte d'Ivoire, die SIFCA Group (Palmöl), Olam Cocoa, Olam Cashew, Barry Callebaut, Cargill Cocoa, PALMCI Carre d’Or und Sucrivoire Grands Moulins d’Abidjan. In der Getränkeindustrie sind 68 Unternehmen aktiv. Marktführende Akteure sind SOLIBRA Heineken Group, Brassivoire Heineken & CFAO, Coca-Cola Côte d'Ivoire, Manufacture Ivoirienne de Boissons, Nestle Côte d'Ivoire sowie Unilever Côte d'Ivoire.

Struktur der Getränkeindustrie Côte d'Ivoires gemäß ProduktionsvolumenAnteile in Prozent
Getränkeart

Anteile

Bier

38

Erfrischungsgetränke

25

Mineralwasser

18

Fruchtsäfte

8

Milchgetränke

6

Spirituosen

5

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

In der Getränkeindustrie wurden in den vergangenen Jahren mehrere Großinvestitionen verzeichnet. Besonders hervorzuheben sind die Brauereikonzerne Heineken und AB InBev, die in der Industriezone von Abidjan Millionenbeträge in neue Brauereilinien und Abfüllanlagen investierten. Coca-Cola investierte in Hochgeschwindigkeits-Abfülllinien. Der Markt für Erfrischungsgetränke weist dabei erhebliches Potenzial auf: Der jährliche Umsatz beläuft sich inzwischen auf 2,8 Milliarden US$.