Wirtschaftsstandort | Sri Lanka

Der Dienstleistungsstandort Sri Lanka kann auch Industrie

Sri Lanka wird beim Blick auf Asien oft übersehen. Dabei ist das Land ist eine interessante Alternative zu den größeren Ländern der Region. 

Florian Wenke

Von Florian Wenke | Mumbai

Der Inselstaat mit rund 23 Millionen Einwohnern liegt strategisch günstig im Indischen Ozean, direkt an der wichtigen Seehandelsroute zwischen Asien und Europa. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Indien und in Reichweite von Chinas Einflusssphäre versucht das Land, seine Eigenständigkeit zu bewahren. Für Deutschland ist Sri Lanka als Lieferant von Kleidung von Bedeutung, denn der Textilsektor ist als tragende Säule der Wirtschaft weit entwickelt. Die Weltbank ordnet Sri Lanka der Gruppe der Länder mit niedrigem mittleren Einkommen zu.

  • Trotz Herausforderungen hat das Land eine effiziente Dienstleistungswirtschaft entwickelt. Auch die Industrie kommt nicht zu kurz. Dabei gibt es regionale Besonderheiten. 

    Nach der Zahlungsunfähigkeit im Jahr 2022 und einer anschließenden Wirtschaftskrise ist Sri Lanka wieder auf den Pfad politischer Stabilität und wirtschaftlichen Wachstums zurückgekehrt. Die Regierung versucht, die Auflagen internationaler Kreditgeber umzusetzen und das Land zu reformieren. Es gilt, die wirtschaftlichen Verluste wettzumachen und gleichzeitig soziale Härten so gering wie möglich zu halten. 

    Für deutsche Firmen bietet das Land dabei eine interessante Alternative zu den großen Ländern in der Region. Sri Lanka hofft wie viele andere Wirtschaftsstandorte – von Produktionsverlagerungen im Zuge von China-plus-1-Strategien zu profitieren. 

    Die Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland sind jedoch noch ausbaufähig. Als Ziel deutscher Exporte belegte Sri Lanka 2024 nur Rang 108 von 238 Handelspartnern. Besser sah es bei den Importen aus: Hier lag das Land auf dem 76. Platz. Insgesamt verzeichnet die Inselnation einen Handelsbilanzüberschuss mit Deutschland. Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

     

    23,0 Mio.

    Menschen lebten 2024 in Sri Lanka.

    Quelle: UN 2024

    84,4 Mrd.

    US-Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2024 laut Prognosen.

    Quelle: Weltbank 2024

    3.828

    US-Dollar machte das BIP pro Kopf damit 2024 aus.

    Quelle: Weltbank 2024

    Rang 108

    belegte Sri Lanka 2024 unter den deutschen Exportzielen.

    Quelle: Destatis 2025

    Rang 121

    nimmt das Land im Corruption Perceptions Index 2024 ein (unter 180 Ländern).

    Quelle: Transparency International 2025

    6,9 %

    betrug die Analphabetenquote im Jahr 2022.

    Quelle: Central Bank of Sri Lanka 2024

    Deutsche Unternehmen sind gekommen, um zu bleiben

    Immer wieder gab es in jüngster Vergangenheit Bemühungen, Sri Lanka attraktiver für Investitionen zu machen mit gemischten Ergebnissen. Während die Herausforderungen bekannt sind, mangelt es oft an einer effektiven Behebung der Probleme. Daher landet Sri Lanka in relevanten Rankings meist im Mittelfeld. Das 2019 letztmals in alter Form veröffentlichte Ranking "Ease of Doing Business" der Weltbank führte Sri Lanka auf Rang 99 von 190 untersuchten Ländern. Insbesondere bei der Durchsetzung von Verträgen, aber auch bei der Zahlung von Steuern bescheinigen die Experten Sri Lanka Defizite. 

    Vergleichsweise gut schneidet das Land hingegen beim Schutz von Minderheitsinvestoren und der Erteilung von Baugenehmigungen ab. Im ebenfalls von der Weltbank veröffentlichten "Logistics Performance Index" für 2023 belegt Sri Lanka Rang 73 von 138 Ländern. Damit liegt es zwar hinter dem großen Nachbarn Indien (Rang 38), aber vor Bangladesch (Rang 88). 

    Sri Lanka ist zurück auf dem Wachstumspfad – mit strategischer Lage an den wichtigsten Schifffahrtsrouten, gut entwickelter Infrastruktur, Sonderwirtschaftszonen und qualifizierten Fachkräften bietet das Land Investoren attraktive Perspektiven.

    Marie Antonia von Schönburg Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Sri Lanka

    Im "Global Innovation Index 2024" der Weltorganisation für geistiges Eigentum erreichte Sri Lanka Platz 89 unter 133 untersuchten Ländern. Die Autoren der Studie bescheinigen dem Land eine Innovationsfähigkeit, die seinem Einkommensstand entspricht. Zu den Stärken zählen die Experten die Infrastruktur des Landes. Eher schwach bewerten sie die Bereiche Bildung sowie die Verwaltung und Regulierung, die unter dem Schlagwort "Institutionen" bewertet werden.

    Für die meisten ansässigen Unternehmen überwiegen die positiven Erfahrungen vor Ort. Wer in Sri Lanka investiert, tut dies bewusst. Diese Entschlossenheit ist einer der Gründe, warum sich deutsche Unternehmen auch während der Wirtschaftskrise 2022 nicht aus dem Land zurückgezogen haben. Viele produzieren hier nicht nur für den eher kleinen Binnenmarkt, sondern auch für den Export.

    SWOT-Analyse Sri Lanka

    S

    Stärken Strengths

    • Gut entwickelte soziale Indikatoren (im Vergleich zu Ländern der Region und zu Ländern mit ähnlichem Wohlstandsniveau)
    • Strategisch günstige geografische Lage
    • Gute Infrastruktur (im Vergleich zu Ländern der Region und zu Ländern mit ähnlichem Wohlstandsniveau)
       
    W

    Schwächen Weaknesses

    • Kleiner Binnenmarkt
    • Importabhängigkeit aufgrund mangelnder Rohstoffvorkommen
    • Komplexe Bürokratie
    O

    Chancen Opportunities

    • Offen für Investitionen aus dem Ausland und Investitionsbedarf nach Jahren wirtschaftlicher Krise
    • Guter Ruf von Deutschland und "Made in Germany"
    • Regierung mit klarem Mandat und Rückendeckung für Reformen durch internationale Geldgeber
       
    T

    Risiken Threats

    • Staatsschulden bleiben hoch, Schuldenabbau und Rückkehr an internationale Finanzmärkte brauchen Zeit
    • Fiskalische Konsolidierung dämpft staatlichen und privaten Konsum
    • Einfluss von Welt- und Regionalmächten

     

    Dienstleistungsökonomie mit industrieller Kompetenz 

    Insbesondere seit der wirtschaftlichen Liberalisierung Ende der 1970er-Jahre hat sich die Wirtschaftsstruktur tiefgreifend gewandelt. So stieg der Anteil des Dienstleistungssektors am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 40 Prozent im Jahr 1977 auf über 60 Prozent im Jahr 2024. Somit ist die Dienstleistungsbranche der wichtigste Sektor, darunter insbesondere der Tourismus sowie Logistik und der Groß- und Einzelhandel. 

    Zwischen 1977 und 2024 ging der Anteil der Landwirtschaft am BIP deutlich zurück. Er sank von 31 auf 9 Prozent. Dennoch bleibt die Landwirtschaft wichtig, denn sie beschäftigt etwa 26 Prozent der Erwerbstätigen. Zudem ist Tee nach wie vor ein wichtiges Exportgut. 

    Nahezu konstant blieb während dieser Zeit der Anteil der Industrie. Allerdings hat sich die Wertschöpfung innerhalb der Industrie geändert. Waren früher oftmals ganze Wertschöpfungsketten im Land anzutreffen, sind heute Spezialisierungen festzustellen. So verfügt Sri Lanka etwa über eine leistungsfähige Textilbranche. Auch Kfz-Teile wie Kabel und Reifen werden im Land gefertigt.

    Wie in den meisten Ländern Südasiens spielt der informelle Sektor eine große Rolle für das Wirtschaftsgeschehen. Schätzungen von Ökonomen gehen davon aus, dass zwischen 60 und 70 Prozent der Erwerbstätigen im informellen Sektor beschäftigt sind.

    Bedeutung der Wirtschaftszweige in Sri LankaAnteile in Prozent

    Sektoren

    Anteil an der Bruttowertschöpfung 2024 1)

    Anteil an den Beschäftigten 2023

    Industrie

    29

    25 2)

      Verarbeitendes Gewerbe

    20

    17

      Baugewerbe; Energie-, Wasser-, Abfallwirtschaft

    7 3)

    8

      Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung)

    2

    1

    Dienstleistungen

    62

    50 2)

      Groß- und Einzelhandel

    15

    14

      Logistik

    13

    6

      Finanzdienstleistungen

    7

    2

      Immobilienwirtschaft

    4

    k. A.

      Öffentliche Verwaltung

    4

    6

      Sonstige (beispielsweise Kranken- und Altenpflege, Bildung, IT-Dienstleistungen)

    19

    k. A.

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

    9

    26 2)

    1 Angaben für 1.-3. Quartal 2024; 2 Angabe für das 1. Quartal 2024; 3 Anteil Baugewerbe 6 Prozent; Anteil Energie-, Wasser-, Abfallwirtschaft 1 Prozent; Abweichungen durch Rundungen. Quelle: Central Bank of Sri Lanka 2025; Ministry of Finance, Economic Stabilization and National Policies 2024

    Die Wirtschaftskraft kommt aus der Westprovinz

    Die Wirtschaftskraft Sri Lankas konzentriert sich stark um die in der Westprovinz gelegene Stadt Colombo, die de facto auch Hauptstadt ist. Große Firmen haben hier ihren Sitz, genau wie nationale und internationale Organisationen sowie Botschaften. Zudem verfügt Colombo über einen Hafen. Damit übertrifft der Westen die anderen Provinzen des Landes deutlich an wirtschaftlicher Bedeutung.

    In der Industrie, aber auch im Dienstleistungssektor, erwirtschaftet die Westprovinz über 40 Prozent der landesweiten Wertschöpfung. Die angrenzenden Provinzen profitieren von ihrer Lage im Speckgürtel. Während der Westen und Süden des Landes als gut entwickelt gelten, hinken der Osten und Norden wirtschaftlich und infrastrukturell hinterher.  

    Florian Wenke

    Von Florian Wenke | Mumbai

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  • Seit einigen Jahren legen die Direktinvestitionen zu, auch aus Deutschland kommen Gelder. Investoren können auf gut entwickelte Beratungsangebote zurückgreifen. 

    Infolge von Zahlungsunfähigkeit im Jahr 2022 und der anschließenden tiefen Rezession hat der Standort bei vielen Investoren an Attraktivität verloren. Die seit 2024 amtierende Regierung bemüht sich, das Vertrauen zurückzugewinnen. Sie hat signalisiert, das Land durch Reformen zu stärken. Zudem zeigt sie Offenheit für Investitionen aus dem Ausland. 

    Bei einer Reise nach China im Januar 2025 warb der sri-lankische Präsident Anura Kumara Dissanayake um Investitionen und unterzeichnete eine Investitionsvereinbarung mit dem chinesischen Staatskonzern Sinopec. Das Unternehmen soll 3,7 Milliarden US-Dollar (US$) in eine Ölraffinerie mit einer Kapazität von 200.000 Barrel Öl pro Tag investieren. 

    Die ausländischen Direktinvestitionen steigen

    Laut dem "World Investment Report 2024" der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) konnte Sri Lanka seit einem Tief während der Coronapandemie im Jahr 2020 wachsende Mittel aus dem Ausland einwerben. Im Jahr 2023 wurde ein Wert von 712 Millionen US$ erreicht, etwas weniger als im Vorjahr und weit entfernt von dem 2018 erreichten Rekordwert von 1,6 Milliarden US$. 

    Seit 2004 ist ein Investitionsschutzabkommen zwischen Deutschland und Sri Lanka in Kraft. Die Zuflüsse an Direktinvestitionen aus Deutschland bewegten sich in den zurückliegenden Jahren im niedrigen zweistelligen Bereich. Deutsche Unternehmen sind teils seit Jahren in Sri Lanka investiert. Sie engagieren sich beispielsweise in der Textilbranche, im Maschinenbau oder in der Kfz-Zulieferindustrie. 

    Zu den Investoren zählt beispielsweise Eskimo Fashion Knitwear, ein Unternehmen für Strickwaren, das bereits seit 1980 im Land aktiv ist und mittlerweile drei Produktionsstandorte betreibt. Der Stand- und Spritzgießteileproduzent Kramski zählt ebenfalls zu den bekannten deutschen Investoren in Sri Lanka. Das Unternehmen fertigt seit Anfang der 1990er-Jahre vor Ort Werkzeuge, Hybridteile und Baugruppen. Zumeist haben die Unternehmen zweistellige Millionensummen in ihre Projekte investiert. So auch der Automobilzulieferer Continental, der im Jahr 2024 Investitionen von rund 13 Millionen US$ in die bereits bestehende Reifenfertigung in Kalatura ankündigte.

    Investitionsförderung: Es gibt zentrale Anlaufstellen

    Firmen, die sich für Investitionen in Sri Lanka interessieren, finden beim Board of Investment (BOI) eine zentrale Anlaufstelle. Das BOI ist sowohl Erstkontakt als auch Ansprechpartner und Begleiter von Unternehmen für die konkrete Betreuung von kompletten Investitionsvorhaben. Die Institution verfügt über eigens eingerichtete "Country Desks", die auch Deutschland umfassen. 

    Zudem ist in Sri Lanka eine Delegation der Deutschen Wirtschaft (AHK Sri Lanka) ansässig, die deutsche Firmen mit geschäftlichem Interesse an dem Eiland unterstützt. Des Weiteren gibt es private Unternehmen, die Investitionsberatung anbieten.   

    Für Interessenten, die Indien als Standort für die Exportproduktion nutzen wollen, ist ein Blick auf die Sonderwirtschaftszonen (SEZ) interessant. Für zahlreiche davon ist auch das BOI verantwortlich. Die SEZ sind überwiegend auf im Export tätige Unternehmen ausgerichtet und bieten beispielsweise vereinfachte Verwaltungsverfahren bei Investitionen oder vergünstigte Importe. Die Sonderwirtschaftszonen sind im ganzen Land verteilt und werden von der Regierung auch als Mittel der Regionalentwicklung genutzt.

    Eine aktuell im Aufbau befindliche SEZ ist "Port City". Dabei handelt es sich um neu gewonnenes Land in der Nähe des Hafens von Colombo. Port City richtet sich insbesondere an Unternehmen im Bereich Informationstechnologie, aber auch im Bankenwesen und im Versicherungsgeschäft tätige Firmen. Die Regierung versucht auch, Investoren zu locken, mit Steuervergünstigungen für Unternehmen und Einkommensteuervergünstigungen für die in Port City arbeitenden Ausländer.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Florian Wenke

    Von Florian Wenke | Mumbai

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  • In Sri Lanka ist es wichtig, die richtigen Ansprechpartner zu kennen. Netzwerke sind essenziell. 

    BezeichnungAnmerkung
    Germany Trade and Invest (GTAI)Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft 
    Delegation der Deutschen Wirtschaft (AHK Sri Lanka) Anlaufstelle für deutsche Unternehmen mit Büro in Colombo
    Sri Lanka-German Business CouncilLokale Wirtschaftsvereinigung zur Förderung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Sri Lanka
    Ceylon Chamber of CommerceLokale Industrie- und Handelskammer
    Ministry of Investment PromotionFür Investitionsangelegenheiten zuständiges Ministerium
    Board of Investment of Sri LankaInvestitionsbehörde und Betreiber von Sonderwirtschaftszonen mit Sitz in Colombo