Wirtschaftsausblick | Sri Lanka
Sri Lankas Wirtschaft erholt sich weiter
Die Wirtschaft der Inselnation wächst, doch geopolitische Risiken und eine nachlassende Dynamik belasten den Ausblick. Der Außenhandel könnte von Reformen profitieren.
17.04.2026
Von Florian Wenke | Mumbai
Wirtschaftsentwicklung: Wachstum in Zeiten der Unsicherheit
Sri Lanka arbeitet sich aus der Schuldenkrise heraus. Die Wirtschaft ist 2025 um 5,0 Prozent gewachsen, stärker als zuvor prognostiziert. Im Jahr 2026 soll das Bruttoinlandsprodukt um 3,6 Prozent zulegen. Ein Grund für die nachlassende Wachstumsdynamik ist das Abflauen des während der Krisenjahre aufgebauten Nachfragestaus. Zudem bleibt Sri Lanka von der Eskalation am Persischen Golf nicht verschont.
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Investitionen und Konsum wachsen weniger stark
Unternehmen haben das Jahr 2025 genutzt, um ihre Maschinen und Anlagen zu erneuern. Die Investitionen stiegen um fast 14 Prozent. Viele der notwendigen Ersatzanschaffungen sind mittlerweile getätigt. Das kräftige Wachstum wird sich 2026 zwar verringern, trotzdem werden die Bruttoanlageinvestitionen noch voraussichtlich um fast 7 Prozent zunehmen.
Schwächer wird sich der private Konsum entwickeln. Er soll 2026 um 3,9 Prozent zulegen, getragen von höheren Gehältern im öffentlichen Sektor und den Stützungsmaßnahmen im Rahmen des Wiederaufbaus nach den verheerenden Auswirkungen des Zyklon Ditwah im November 2025.
Risiken bleiben bestehen
Experten gehen davon aus, dass durch die Krise am Persischen Golf weniger Besucher nach Sri Lanka kommen werden. Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, der dem Land 2025 geschätzt 3,2 Milliarden US-Dollar (US$) einbrachte. Schätzungsweise ein Drittel der Anreisenden kommen über Luftfahrtdrehkreuze in der Golfregion. Bereits im März 2026 lagen die Ankunftszahlen um fast 20 Prozent unterhalb des Niveaus des Vergleichsmonats im Vorjahr.
Das wirkt sich nicht nur negativ auf die Konjunktur aus, sondern spült auch weniger Devisen in Sri Lankas Kasse. Nach der Währungskrise sind die Devisenreserven bis Ende März 2026 auf rund 7 Milliarden US$ gestiegen, was ungefähr 4 Monate an Importen abdeckt. Diese Rücklage ist zu gering, um auf Währungsschwankungen reagieren zu können. Volkswirte prognostizieren eine Abwertung der Sri-Lanka-Rupie (S.L.Re.). Entsprach 1 US$ Anfang 2026 noch rund 307 S.L.Re., könnten es Ende 2026 etwa 325 S.L.Re. sein.
Zudem wird die Inflation 2026 voraussichtlich auf über 5 Prozent steigen, unter anderem getrieben durch steigende Energiepreise.
Top-Thema: Reformen für den Außenhandel
Die Regierung von Präsident Anura Kumara Dissanayake hat ein klares Mandat und bereits mehrfach betont, dass sie Strukturreformen durchführen wird. Ein Schwerpunkt ist die Handelspolitik. Sri Lanka möchte seine Zollstruktur stark vereinfachen und Nebenabgaben abschaffen. Dazu zählt beispielsweise eine Abgabe für die Entwicklung von Flug- und Seehäfen. Gleichzeitig soll die Zollstruktur auf vier Stufen vereinfacht werden. Diese sollen bei 0, 10, 20 und 30 Prozent liegen.
Durch die Reformen sollen Unternehmen vor Ort günstiger an Vor- und Zwischenerzeugnisse kommen und dadurch konkurrenzfähiger produzieren können. Die Regierung möchte so das verarbeitende Gewerbe stärken. Die Handelsliberalisierung steht im Einklang mit Reformforderungen von internationalen Gebern wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF).
Im April 2026 bescheinigte der IWF Sri Lanka Fortschritte bei seinen Reformen. Dadurch wird eine weitere Auszahlung des IWF an die Inselnation im Umfang von 700 Millionen US$ wahrscheinlich. Dadurch würden die erhaltenen Mittel auf 2,4 Milliarden US$ steigen. Das Geld ist Teil einer 2023 geschlossenen Vereinbarung über ein Kreditprogramm (Extended Fund Facility) über insgesamt 3 Milliarden US$.
Importwachstum geht zurück
Durch die wirtschaftliche Erholung der vergangenen Jahre hat sich der Außenhandel gut entwickelt. Die Nachfrage nach Gütern aus dem Ausland soll 2026 aber geringer ausfallen. Nach einem Wachstum von 11,2 Prozent im Jahr 2025 soll der Außenhandel 2026 nur noch um 7,3 Prozent zulegen, so die Weltbank.
Deutsche Perspektive: Unternehmen glauben an den Standort
Die in Sri Lanka tätigen Unternehmen aus Deutschland sind vom Standort überzeugt. Sie blicken zuversichtlich in die Zukunft und erwarten eine weitere Erholung der wirtschaftlichen Lage.
Dass Sri Lanka wieder an Bedeutung für Deutschland gewinnt, zeigt der Blick auf die Entwicklung des bilateralen Handels. Deutschland exportierte 2025 etwa 14 Prozent mehr Waren als im Vorjahr. Die deutschen Importe aus Sri Lanka stiegen mit rund 21 Prozent noch deutlicher und erreichten einen neuen Höchststand. Das zeigt, dass Sri Lanka auch als Beschaffungsmarkt Potenzial hat.
Der Jahresstart 2026 deutet auf weiter zunehmende Dynamik in den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen hin. Die deutschen Exporte nach Sri Lanka für die ersten beiden Monate 2026 lagen etwa 10 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums. Das unterstreicht die robuste Nachfrage nach deutschen Waren in Sri Lanka. Die deutschen Importe für Januar und Februar 2026 nahmen rund 4 Prozent gegenüber dem Wert des Vorjahreszeitraum zu.
Unternehmensvertreter weisen im Gespräch regelmäßig darauf hin, dass es sich lohnt, die Lage vor Ort zu erkunden. Eine Möglichkeit dafür bietet das Ende Mai 2026 stattfindende Sri Lankan - German Business Forum. Es richtet sich primär an Unternehmen mit maritimen Bezug, wie Reeder, Hafenbetreiber, hafenbezogene Dienstleister und relevante Logistikunternehmen. Die Veranstaltung bietet aber auch Unternehmen aus anderen Branchen die Möglichkeit zum Netzwerken. Der Ostasiatische Verein OAV organisiert eine Delegationsreise im Rahmen des Forums.
Einen Überblick über die Standortbedingungen bietet unser Publikation Wirtschaftsstandort. Alle Informationen zu Sri Lanka finden Sie auf der GTAI-Länderseite.