Der südafrikanische Fahrzeugmarkt wächst weiter. Von der steigenden Nachfrage profitieren jedoch vor allem Importe aus China. Exporte bleiben die wichtigste Stütze der Branche.
Der südafrikanische Fahrzeugmarkt hat sich 2025 deutlich erholt. Die Neuzulassungen von Pkw stiegen gegenüber dem Vorjahr um 20,2 Prozent auf 422.463 Fahrzeuge, während leichte Nutzfahrzeuge um 7,9 Prozent auf 143.964 Einheiten zulegten. SUV- und Crossover-Modelle blieben die wichtigsten Wachstumstreiber und standen für rund 40 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen. Gleichzeitig behaupteten Pick-ups ihre starke Marktposition: Toyota Hilux, Ford Ranger und Isuzu D-Max zählten erneut zu den meistverkauften Fahrzeugen des Landes. Damit übertraf der Markt erstmals wieder das Niveau vor der Coronapandemie. Treiber waren sinkende Zinsen, eine verbesserte Konsumentenstimmung sowie die hohe Nachfrage nach preisgünstigen Fahrzeugen.
Die wachsende Fahrzeugnachfrage spiegelt sich auch im Bestand wider. Ende 2025 waren in Südafrika rund 13,68 Millionen Fahrzeuge registriert, knapp 60 Prozent davon Pkw. Gegenüber 2023 nahm der Fahrzeugbestand um rund 580.000 Einheiten zu. Gleichzeitig bleibt der Fuhrpark vergleichsweise alt: Pkw waren durchschnittlich 10 Jahre und 11 Monate, Nutzfahrzeuge 11 Jahre und 1 Monat alt. Der Motorisierungsgrad lag bei 183 Fahrzeugen je 1.000 Einwohner.
Chinesische Marken gewinnen Marktanteile
Von der Markterholung profitiert die lokale Fahrzeugproduktion jedoch nur begrenzt: Im Verhältnis zur Nachfrage steigt der Anteil importierter Fahrzeuge überproportional. Nach Angaben des Branchenverbands NAAMSA entfielen 2025 bereits fast zwei Drittel der in Südafrika verkauften Pkw und Pick-ups auf Importe. Besonders Hersteller aus China und Indien gewinnen Marktanteile und erhöhen den Wettbewerbsdruck auf die lokale Fertigung. Marken wie Chery, GWM, Omoda und Jaecoo haben ihre Präsenz in wenigen Jahren deutlich ausgebaut und gewinnen insbesondere in den volumenstarken SUV- und Crossover-Segmenten Marktanteile. Der Anteil chinesischer Pkw am Neuwagenmarkt stieg 2025 auf 16,8 Prozent, nach 11,2 Prozent im Vorjahr.
16,8
%
betrug der Anteil chinesischer Pkw am Neuwagenmarkt 2025.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist die aggressive Preisstrategie. Chinesische Modelle kosten häufig 15 bis 30 Prozent weniger als vergleichbare lokal produzierte Fahrzeuge. Nach Angaben des Bureau for Economic Research (BER) können die Preisunterschiede bei SUV-Modellen mehr als 4.800 Euro betragen. Gleichzeitig überzeugen die chinesischen Hersteller mit einer umfangreichen Serienausstattung sowie modernen Konnektivitäts- und Fahrerassistenzsystemen.
Preisbewusste Käufer verändern die Marktstruktur
Hohe Lebenshaltungskosten, geringe Einkommenszuwächse und das anhaltend schwache Wirtschaftswachstum lenken die Nachfrage zunehmend auf Fahrzeuge im unteren und mittleren Preissegment. Branchenvertreter beobachten eine wachsende "Value-Buying"-Mentalität, bei der Kaufpreis, Betriebskosten und monatliche Finanzierungsraten stärker gewichtet werden als Markenloyalität.
Von diesem Trend profitieren vor allem preisgünstige Importmarken. Toyota verteidigte 2025 mit 22 Prozent Marktanteil zwar seine Spitzenposition, Suzuki festigte Rang zwei, während Volkswagen weitere Marktanteile verlor. Renault und Nissan fielen aus den Top-Ten-Verkaufsranglisten.
Absatz von Pkw nach ausgewählten Herstellern in Südafrika (Stückzahl; Marktanteil und Veränderung in Prozent)Hersteller | Absatz 2025 | Veränderung 2025/2024 | Marktanteil 2025 |
|---|
| Toyota | 92.997 | 16,9 | 22 |
| Suzuki | 67.824 | 20,9 | 16,1 |
| Volkswagen | 57.760 | -3,3 | 13,7 |
| Hyundai | 32.434 | 19,1 | 7,7 |
| Chery | 25.222 | 31,3 | 6 |
| GWM | 20.813 | 48,3 | 4,9 |
| Kia | 17.195 | 27,4 | 4,1 |
| Renault | 16.305 | 3,5 | 3,9 |
| BMW | 14.894 | 9,3 | 3,5 |
| Omoda + Jaecoo | 12.597 | 182 | 3 |
Quelle: Autolive 2026
Exportmodell gerät unter Druck
Südafrikas Automobilindustrie ist stark exportorientiert und eng in globale Wertschöpfungsketten eingebunden. Auch 2025 wurden mehr als zwei Drittel der produzierten Fahrzeuge exportiert. Deutschland bleibt dabei der wichtigste Einzelmarkt für südafrikanische Kfz-Ausfuhren (2025: 18,9 Prozent der Exporte) und zählt zugleich zu den wichtigsten Lieferanten von Fahrzeugteilen und Komponenten.
Während die Ausfuhr von Pkw 2025 insgesamt um 5,8 Prozent zurückging, erreichten die Exporte leichter Nutzfahrzeuge einen neuen Höchststand. Besonders dynamisch entwickelten sich die Ausfuhren von Lkw und Bussen, die sich gegenüber dem Vorjahr auf niedrigem Niveau mit 1.758 Einheiten nahezu verdoppelten. Gleichzeitig nahm die Einfuhr von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen deutlich zu: Mit 391.287 Fahrzeugen lag das Importvolumen um 28,6 Prozent über dem Vorjahreswert und damit so hoch wie nie zuvor.
Die Branche will ihre starke Abhängigkeit von Europa verringern und neue Absatzmärkte in Afrika erschließen. Angesichts der wachsenden Konkurrenz aus China, Indien und Marokko gewinnt diese Diversifizierung an Bedeutung. Gleichzeitig erhöht die Elektrifizierung wichtiger Exportmärkte den Anpassungsdruck auf die überwiegend auf Verbrenner ausgerichteten Werke.
E-Mobilität gewinnt an Dynamik
Die Elektromobilität entwickelt sich zwar von einem niedrigen Niveau aus, gewinnt jedoch an Bedeutung. Besonders Hybridfahrzeuge verzeichneten in den vergangenen Jahren deutliche Wachstumsraten. Der Absatz von Hybriden stieg von 4.066 Fahrzeugen im Jahr 2022 auf 12.818 Fahrzeuge im Jahr 2025. Plug-in-Hybride erreichten 2.810 Einheiten. Reine batterieelektrische Fahrzeuge bleiben mit 1.088 Einheiten 2025 dagegen weiterhin ein Nischenmarkt.
Gleichzeitig entstehen erste Geschäftsfelder entlang der Wertschöpfungskette für Elektromobilität. Besonders im öffentlichen Nahverkehr, in Lieferflotten und im Logistiksektor entstehen neue Geschäftsmöglichkeiten. Parallel dazu prüfen Unternehmen Investitionen in Ladeinfrastruktur, Batteriefertigung und die Verarbeitung batterierelevanter Rohstoffe.
Mittelfristig erwarten Marktbeobachter eine deutliche Zunahme von E-Fahrzeugen auf den südafrikanischen Straßen. Die Green-Economy-Agentur GreenCape prognostiziert bis 2030 einen Bestand von mehr als 25.000 Elektro-Pkw in Südafrika. Die wichtigsten Wachstumsimpulse kommen von sinkenden Batteriekosten, neuen Fahrzeugmodellen, Dekarbonisierungsvorgaben wichtiger Exportmärkte sowie staatlichen Fördermaßnahmen für die lokale Produktion von Elektro- und Wasserstofffahrzeugen.
Veranstaltungshinweis: Messe Automechanika
Die Automechanika Johannesburg zählt zu den wichtigsten Fachmessen für den Automotive Aftermarket in Afrika. Die nächste Ausgabe findet vom 27. bis 29. Oktober 2026 im Gallagher Convention Centre in Midrand (Johannesburg) statt.
Von
Jenny Tala
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Johannesburg