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Südafrikas Automobilindustrie unter Druck

Südafrikas Kfz-Branche kämpft mit steigenden Importen, Reformstau und chinesischer Konkurrenz. Der Absatz wächst, Exporte bleiben das Rückgrat der Branche.

Jenny Tala

Von Jenny Tala | Johannesburg

Ausblick der Kfz-Branche in Südafrika

Bewertung:

 

  • Der Fahrzeugmarkt wächst, doch vor allem Importe aus China und Indien profitieren. Die lokale Produktion verliert Marktanteile.
  • Importe, Wettbewerbsdruck und Elektromobilität erhöhen den Anpassungsdruck. Die Branche fordert schnellere Reformen.
  • Exporte bleiben die wichtigste Stütze der Branche. Deutschland ist der wichtigste Absatzmarkt für südafrikanische Kfz.
  • Chancen bieten Elektromobilität, Batteriewertschöpfung und die stärkere regionale Integration im Rahmen der AfCFTA.

Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Juli 2026

  • Der südafrikanische Fahrzeugmarkt wächst weiter. Von der steigenden Nachfrage profitieren jedoch vor allem Importe aus China. Exporte bleiben die wichtigste Stütze der Branche.

    Der südafrikanische Fahrzeugmarkt hat sich 2025 deutlich erholt. Die Neuzulassungen von Pkw stiegen gegenüber dem Vorjahr um 20,2 Prozent auf 422.463 Fahrzeuge, während leichte Nutzfahrzeuge um 7,9 Prozent auf 143.964 Einheiten zulegten. SUV- und Crossover-Modelle blieben die wichtigsten Wachstumstreiber und standen für rund 40 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen. Gleichzeitig behaupteten Pick-ups ihre starke Marktposition: Toyota Hilux, Ford Ranger und Isuzu D-Max zählten erneut zu den meistverkauften Fahrzeugen des Landes. Damit übertraf der Markt erstmals wieder das Niveau vor der Coronapandemie. Treiber waren sinkende Zinsen, eine verbesserte Konsumentenstimmung sowie die hohe Nachfrage nach preisgünstigen Fahrzeugen.

    Die wachsende Fahrzeugnachfrage spiegelt sich auch im Bestand wider. Ende 2025 waren in Südafrika rund 13,68 Millionen Fahrzeuge registriert, knapp 60 Prozent davon Pkw. Gegenüber 2023 nahm der Fahrzeugbestand um rund 580.000 Einheiten zu. Gleichzeitig bleibt der Fuhrpark vergleichsweise alt: Pkw waren durchschnittlich 10 Jahre und 11 Monate, Nutzfahrzeuge 11 Jahre und 1 Monat alt. Der Motorisierungsgrad lag bei 183 Fahrzeugen je 1.000 Einwohner.

    Chinesische Marken gewinnen Marktanteile

    Von der Markterholung profitiert die lokale Fahrzeugproduktion jedoch nur begrenzt: Im Verhältnis zur Nachfrage steigt der Anteil importierter Fahrzeuge überproportional. Nach Angaben des Branchenverbands NAAMSA entfielen 2025 bereits fast zwei Drittel der in Südafrika verkauften Pkw und Pick-ups auf Importe. Besonders Hersteller aus China und Indien gewinnen Marktanteile und erhöhen den Wettbewerbsdruck auf die lokale Fertigung. Marken wie Chery, GWM, Omoda und Jaecoo haben ihre Präsenz in wenigen Jahren deutlich ausgebaut und gewinnen insbesondere in den volumenstarken SUV- und Crossover-Segmenten Marktanteile. Der Anteil chinesischer Pkw am Neuwagenmarkt stieg 2025 auf 16,8 Prozent, nach 11,2 Prozent im Vorjahr.

    16,8 %

    betrug der Anteil chinesischer Pkw am Neuwagenmarkt 2025.

    Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist die aggressive Preisstrategie. Chinesische Modelle kosten häufig 15 bis 30 Prozent weniger als vergleichbare lokal produzierte Fahrzeuge. Nach Angaben des Bureau for Economic Research (BER) können die Preisunterschiede bei SUV-Modellen mehr als 4.800 Euro betragen. Gleichzeitig überzeugen die chinesischen Hersteller mit einer umfangreichen Serienausstattung sowie modernen Konnektivitäts- und Fahrerassistenzsystemen.

    Preisbewusste Käufer verändern die Marktstruktur

    Hohe Lebenshaltungskosten, geringe Einkommenszuwächse und das anhaltend schwache Wirtschaftswachstum lenken die Nachfrage zunehmend auf Fahrzeuge im unteren und mittleren Preissegment. Branchenvertreter beobachten eine wachsende "Value-Buying"-Mentalität, bei der Kaufpreis, Betriebskosten und monatliche Finanzierungsraten stärker gewichtet werden als Markenloyalität. 

    Von diesem Trend profitieren vor allem preisgünstige Importmarken. Toyota verteidigte 2025 mit 22 Prozent Marktanteil zwar seine Spitzenposition, Suzuki festigte Rang zwei, während Volkswagen weitere Marktanteile verlor. Renault und Nissan fielen aus den Top-Ten-Verkaufsranglisten.                                                         

     

    Absatz von Pkw nach ausgewählten Herstellern in Südafrika (Stückzahl; Marktanteil und Veränderung in Prozent)

    Hersteller

    Absatz 2025

    Veränderung 2025/2024

    Marktanteil 2025

    Toyota

    92.997

    16,9

    22

    Suzuki

    67.824

    20,9

    16,1

    Volkswagen

    57.760

    -3,3

    13,7

    Hyundai

    32.434

    19,1

    7,7

    Chery

    25.222

    31,3

    6

    GWM

    20.813

    48,3

    4,9

    Kia

    17.195

    27,4

    4,1

    Renault

    16.305

    3,5

    3,9

    BMW

    14.894

    9,3

    3,5

    Omoda + Jaecoo

    12.597

    182

    3

    Quelle: Autolive 2026

    Exportmodell gerät unter Druck

    Südafrikas Automobilindustrie ist stark exportorientiert und eng in globale Wertschöpfungsketten eingebunden. Auch 2025 wurden mehr als zwei Drittel der produzierten Fahrzeuge exportiert. Deutschland bleibt dabei der wichtigste Einzelmarkt für südafrikanische Kfz-Ausfuhren (2025: 18,9 Prozent der Exporte) und zählt zugleich zu den wichtigsten Lieferanten von Fahrzeugteilen und Komponenten. 

    Während die Ausfuhr von Pkw 2025 insgesamt um 5,8 Prozent zurückging, erreichten die Exporte leichter Nutzfahrzeuge einen neuen Höchststand. Besonders dynamisch entwickelten sich die Ausfuhren von Lkw und Bussen, die sich gegenüber dem Vorjahr auf niedrigem Niveau mit 1.758 Einheiten nahezu verdoppelten. Gleichzeitig nahm die Einfuhr von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen deutlich zu: Mit 391.287 Fahrzeugen lag das Importvolumen um 28,6 Prozent über dem Vorjahreswert und damit so hoch wie nie zuvor.

    Die Branche will ihre starke Abhängigkeit von Europa verringern und neue Absatzmärkte in Afrika erschließen. Angesichts der wachsenden Konkurrenz aus China, Indien und Marokko gewinnt diese Diversifizierung an Bedeutung. Gleichzeitig erhöht die Elektrifizierung wichtiger Exportmärkte den Anpassungsdruck auf die überwiegend auf Verbrenner ausgerichteten Werke.

    E-Mobilität gewinnt an Dynamik

    Die Elektromobilität entwickelt sich zwar von einem niedrigen Niveau aus, gewinnt jedoch an Bedeutung. Besonders Hybridfahrzeuge verzeichneten in den vergangenen Jahren deutliche Wachstumsraten. Der Absatz von Hybriden stieg von 4.066 Fahrzeugen im Jahr 2022 auf 12.818 Fahrzeuge im Jahr 2025. Plug-in-Hybride erreichten 2.810 Einheiten. Reine batterieelektrische Fahrzeuge bleiben mit 1.088 Einheiten 2025 dagegen weiterhin ein Nischenmarkt.

    Gleichzeitig entstehen erste Geschäftsfelder entlang der Wertschöpfungskette für Elektromobilität. Besonders im öffentlichen Nahverkehr, in Lieferflotten und im Logistiksektor entstehen neue Geschäftsmöglichkeiten. Parallel dazu prüfen Unternehmen Investitionen in Ladeinfrastruktur, Batteriefertigung und die Verarbeitung batterierelevanter Rohstoffe.

    Mittelfristig erwarten Marktbeobachter eine deutliche Zunahme von E-Fahrzeugen auf den südafrikanischen Straßen. Die Green-Economy-Agentur GreenCape prognostiziert bis 2030 einen Bestand von mehr als 25.000 Elektro-Pkw in Südafrika. Die wichtigsten Wachstumsimpulse kommen von sinkenden Batteriekosten, neuen Fahrzeugmodellen, Dekarbonisierungsvorgaben wichtiger Exportmärkte sowie staatlichen Fördermaßnahmen für die lokale Produktion von Elektro- und Wasserstofffahrzeugen. 

    Veranstaltungshinweis: Messe Automechanika

    Die Automechanika Johannesburg zählt zu den wichtigsten Fachmessen für den Automotive Aftermarket in Afrika. Die nächste Ausgabe findet vom 27. bis 29. Oktober 2026 im Gallagher Convention Centre in Midrand (Johannesburg) statt. 

    Jenny Tala

    Von Jenny Tala | Johannesburg

  • Südafrikas Kfz- und Zulieferindustrie ist breit aufgestellt und trägt einen wichtigen Teil zur Wirtschaftsleistung bei. 

    Zu den vor Ort produzierenden OEMs gehören BMW, Ford, Isuzu, Mercedes-Benz, Toyota und Volkswagen. Toyota verfügt mit seinem Werk in Durban über eine der größten Fahrzeugfabriken des Kontinents. Volkswagen produziert in Kariega sowohl für den lokalen als auch für internationale Märkte, Mercedes-Benz in East London überwiegend für den Export und BMW fertigt in Rosslyn zunehmend elektrifizierte Modelle.

    Automobilindustrie bleibt zentrale Säule der Wirtschaft

    Mit international integrierten Lieferketten, global tätigen Herstellern und einer exportorientierten Komponentenindustrie nimmt die südafrikanische Automobilindustrie innerhalb Afrikas eine Sonderstellung ein. Der Sektor trägt 5,2 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, erwirtschaftet knapp ein Viertel der industriellen Wertschöpfung und beschäftigt direkt und indirekt rund 113.000 Menschen. Darüber hinaus bildet die Branche das Rückgrat wichtiger regionaler Wirtschaftszentren und schafft Nachfrage für Zulieferer, Logistikunternehmen, Werkstoffhersteller und Dienstleister.

    Fahrzeugproduktion in Südafrika: OEMs und Modelle
    UnternehmenGefertigte Modelle (2025)
    BMW X3
    FordRanger
    Isuzu Motors D-Max
    Mercedes-BenzC-Klasse 4-Türer
    Nissan Navara 
    ToyotaCorolla Cross, Fortuner, Hilux, HiAce und Quantum
    VolkswagenPolo, Polo Vivo und Amarok
    Quelle: Naamsa’s Automotive Trade Manual 2026

    Leichte Erholung der Produktion

    Die südafrikanische Fahrzeugproduktion erholte sich 2025 leicht, blieb aber unter dem Niveau von 2023. Insgesamt wurden 616.466 Fahrzeuge gefertigt, ein Plus von 2,7 Prozent gegenüber 2024. Wachstumstreiber waren vor allem leichte Nutzfahrzeuge, deren Produktion um 17,6 Prozent auf 255.807 Einheiten zulegte. Die Pkw-Produktion ging dagegen um 6,4 Prozent auf 327.990 Einheiten zurück. Die Entwicklung verdeutlicht die zunehmende Bedeutung von Pick-ups und leichten Nutzfahrzeugen für den Produktionsstandort, während Pkw-Hersteller stärker unter dem Druck veränderter Exportmärkte und wachsender Importkonkurrenz stehen.

    Drei Cluster prägen den Produktionsstandort

    Die Industrie konzentriert sich auf drei zentrale Standorte. Das Eastern Cape ist mit den Werken von Volkswagen, Isuzu und Mercedes-Benz das wichtigste Fahrzeugcluster des Landes. Unterstützt wird die Produktion durch die Sonderwirtschaftszonen Coega und East London Industrial Development Zone. Gauteng bildet mit den Werken von BMW und Ford sowie der Tshwane Automotive Special Economic Zone das Zentrum der Zulieferindustrie. In KwaZulu-Natal sind insbesondere Toyota und der Durban Automotive Cluster von Bedeutung.

    Hersteller stellen Investitionspläne auf den Prüfstand

    Steigende Importe und die Transformation zu neuen Antriebstechnologien erhöhen den Anpassungsdruck auf Hersteller, Zulieferer und Politik. VW-South-Africa-Chefin Martina Biene wandte sich Ende 2025 in einem offenen Brief an Südafrikas Präsident Ramaphosa und forderte schnellere Reformen des Automotive Production and Development Programme (APDP), Fortschritte beim Ausbau der Infrastruktur sowie wirksamere Maßnahmen gegen die zunehmende Verlagerung von Marktanteilen auf Importfahrzeuge. Das Unternehmen warnt, dass ohne politische Sicherheit Investitionsentscheidungen künftig verstärkt zugunsten anderer Produktionsstandorte ausfallen könnten.

    Erste Beispiele deuten auf die wachsenden Herausforderungen des Standorts hin: Stellantis hat den geplanten Aufbau einer Fahrzeugproduktion in der Coega Special Economic Zone vorerst auf Eis gelegt. Nachdem der Konzern 2023 Investitionen von bis zu 160 Millionen Euro für ein neues Werk angekündigt hatte, wird die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens nun angesichts verschärften Wettbewerbs und veränderter Marktbedingungen neu bewertet. Zugleich baut Stellantis seine Vertriebsaktivitäten aus und verfolgt eine stärkere Ausrichtung auf importierte Fahrzeuge.

    Auch Mercedes-Benz prüft verschiedene Optionen für die Zukunft seines Werks in East London. Das Unternehmen produziert dort überwiegend die CKlasse für Exportmärkte und sieht sich mit steigenden Kosten, einer schwächeren Nachfrage sowie den Auswirkungen der US-Zölle konfrontiert. Medienberichten zufolge reichen die diskutierten Optionen von einer Schließung bis hin zur stärkeren Auslastung des Standorts durch Kooperationen mit anderen Herstellern.

    Chinesische Hersteller bauen lokale Präsenz auf

    Während etablierte OEMs ihre Produktions- und Investitionsstrategien überprüfen, nutzen neue Wettbewerber die Gelegenheit zum Markteintritt. Jüngstes Beispiel hierfür ist die Übernahme des ehemaligen Nissan-Werks in Rosslyn durch Chery Mitte 2026. Nachdem Nissan die Fertigung an dem Standort zu Beginn des Jahres eingestellt hatte, steigt mit Chery nun erstmals ein chinesischer Hersteller direkt in die Fahrzeugfertigung in Südafrika ein.

    Wichtige Investitionsprojekte in der Kfz-Industrie in SüdafrikaInvestitionssumme in Millionen Euro

    Vorhaben (Provinz)

    Investitionssumme 

    Projektstand

    Anmerkungen

    Modernisierung des Toyota-Werks (KwaZulu-Natal)

    555 

    abgeschlossen 

    Produktion der neuesten Generation des Toyota Hilux sowie des Corolla Cross Hybrid im Werk Prospecton in Durban. 

    Tshwane Automotive Special Economic Zone, Phase 2 (Gauteng)

    325 

    im Bau 

    Die Regierung baut die Basisinfrastruktur aus. Phase 2 umfasst die Erweiterung des Industrieparks um neue Ansiedlungsflächen für Zulieferer und technologieorientierte Unternehmen, einen Ausbildungs- und Innovationscampus sowie zusätzliche Logistikflächen.

    Stellantis-Montagewerk (Eastern Cape)

    160 

    ausgesetzt

    Die Erdarbeiten am 34 Hektar großen Standort in Coega sind abgeschlossen; die weitere Entwicklung ist vor dem Hintergrund verschärften Wettbewerbs und veränderter Marktbedingungen unklar (Wirtschaftlichkeitsprüfung).

    Sailun-Reifenfabrik (Standort noch nicht konkretisiert; Investition laut Medienberichten über mehrere Provinzen geplant)

    107 

    Planungsphase

    Das chinesische Unternehmen kündigte die Investition auf der South Africa Investment Conference 2026 an. 

    Produktion von Batteriematerialien für Elektrofahrzeuge (Gauteng)

    1,6 

    Planungsphase

    Südafrikas staatliche Agentur für Entwicklungsfinanzierung IDC stellt dem kanadischen Unternehmen Giyani Metals zusätzliche Mittel für eine Demonstrationsanlage zur Produktion von hochreinem Mangansulfat-Monohydrat in Johannesburg bereit. 

    KANU-Fertigungsstätte für Nutzfahrzeugaufbauten (Eastern Cape)

    1,3 

    abgeschlossen 

    Die Isuzu-Tochter KANU hat ihren Standort in Gqeberha ausgebaut und in moderne Fertigungs- und Lackiertechnik zwecks effizienterer Produktion von Spezialaufbauten für Nutzfahrzeuge investiert.

    Chery-Montagewerk (Gauteng)

    k. A. 

    im Aufbau 

    Chery hat das Nissan-Werk in Rosslyn übernommen. Die Modernisierung von Infrastruktur und Produktionsanlagen läuft; der Produktionsstart ist für die zweite Jahreshälfte 2027 vorgesehen.

    Modernisierung des Mahindra-Werks (KwaZulu-Natal)

    k. A. 

    Planungsphase / Machbarkeitsstudie 

    Machbarkeitsstudie für den Ausbau des Werks in Durban zu einer umfassenderen lokalen Fahrzeugproduktion.

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Zulieferindustrie unter Druck

    Die lokale Zulieferindustrie bleibt ein entscheidender Wettbewerbsfaktor der Branche, entwickelt sich jedoch langsamer als von Regierung und Industrie erhofft. Der lokale Wertschöpfungsanteil stagniert seit Jahren bei maximal 40 Prozent und liegt damit deutlich unter den Zielen des Automobil-Masterplans. Vor allem Tier-2- und Tier-3-Zulieferer leiden unter geringen Produktionsvolumina, steigenden Energie- und Logistikkosten sowie dem Wettbewerb importierter Komponenten. 

    Zugleich verändern sich die Anforderungen an die Lieferketten. Während Katalysatoren, Kabelsätze, Sitze und Metallkomponenten weiterhin wichtige Produkte darstellen, gewinnen Batterien, Leistungselektronik, Sensorik und Softwarelösungen an Bedeutung. Viele Unternehmen stehen daher vor erheblichen Investitionen in neue Technologien und Qualifikationen.

    Zu den jüngsten Investitionen zählt das neue Werk von MANN+HUMMEL in Kempton Park bei Johannesburg 2025. Die Anlage beliefert den regionalen Automobilmarkt mit Filtersystemen und dient als Fertigungs- und Logistikdrehscheibe für das südliche Afrika.

    Einfuhr ausgewählter Kfz-Teile nach Südafrika In Millionen Euro, Veränderung in Prozent
     

    2025

    Veränderung 2025/2024

    Aus Deutschland 2025

    SITC 778.3 Kfz-Elektrik

    265

    11,3

    16,8

    SITC 784 Karosserien, Stoßstangen etc.

    1.882

    1,9

    355

    SITC 773.13 Zündkabelsätze

    141

    1,4

    1,3

    SITC 713.2 Motoren

    146

    -2,0

    24,9

    Quelle: UN Comtrade 2026

    Jenny Tala

    Von Jenny Tala | Johannesburg

  • Südafrika überarbeitet seine Automobilpolitik. Mehr Lokalisierung, neue Investitionsanreize und die Förderung der Elektromobilität sollen den Standort wettbewerbsfähiger machen.

    Die südafrikanische Kfz-Industrie wird maßgeblich durch den South African Automotive Masterplan (SAAM 2035) und das Automotive Production and Development Programme (APDP2) geprägt. Beide Instrumente sollen den Standort wettbewerbsfähiger machen, Produktionsvolumina steigern, lokale Wertschöpfung erhöhen und zusätzliche Beschäftigung schaffen. Bis 2035 soll die Fahrzeugproduktion auf 1,4 Millionen Fahrzeuge pro Jahr und die lokale Wertschöpfung auf 60 Prozent steigen. Von beiden Zielen ist die Branche bislang noch deutlich entfernt: Die Lokalisierungsquote verharrt seit Jahren bei höchstens 40 Prozent, während die Produktion weit unter dem angestrebten Niveau liegt.

    Industriepolitik steht vor Neujustierung

    Vor diesem Hintergrund sowie der stark gestiegenen Importkonkurrenz überarbeiten Regierung und Industrie derzeit sowohl den Masterplan als auch das Förderprogramm APDP. Nach Angaben des Department of Trade, Industry and Competition (dtic) soll die Überarbeitung bis September 2026 abgeschlossen werden; die Umsetzung genehmigter Änderungen könnte im 4. Quartal des laufenden Haushaltsjahres beginnen. Im Mittelpunkt stehen Anpassungen des APDP, der Produktionsgutschriften, der Ad-valorem-Steuer und bei Local-Content-Anreizen, etwa bei der Komponentenproduktion. Diskutiert werden zudem höhere Importzölle auf fertig importierte Fahrzeuge. 

    Branchenvertreter kritisieren, dass die aktuelle Struktur der Production Rebate Credit Certificates lokale Hersteller teilweise dazu zwingt, ungenutzte Importgutschriften an Wettbewerber zu verkaufen, die vor allem eingeführte Fahrzeuge vertreiben. Zudem gelten die bisherigen Regelungen für die Montage weitgehend vormontierter Fahrzeugbausätze (SKD) als zu großzügig. Nach Ansicht der Industrie ermöglichen sie den Markteintritt mit geringen lokalen Wertschöpfungsanteilen, ohne ausreichend Anreize für eine tiefergehende lokale Fertigung (CKD) zu schaffen.

    Die Regierung prüft zudem eine Reform der Ad-valorem-Steuer. Die ursprünglich als Luxussteuer eingeführte Abgabe belastet nach Ansicht der Industrie inzwischen auch günstigere Fahrzeugsegmente und soll stärker zugunsten lokaler Produktion ausgerichtet werden.

    Elektromobilität wird stärker gefördert

    Ein weiterer Schwerpunkt ist die Förderung alternativer Antriebe. Seit März 2026 gilt eine steuerliche Sonderabschreibung von 150 Prozent für Investitionen in Anlagen zur Produktion von batterieelektrischen und wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen. Die Maßnahme soll den Standort Südafrika für internationale Hersteller attraktiver machen und gleichzeitig neue Wertschöpfungsketten in den Bereichen Batterien, Komponenten und Ladeinfrastruktur fördern. Weitere Förderinstrumente für die Elektromobilität befinden sich in Vorbereitung.

    Hersteller und Zulieferer bemängeln, dass die bisherigen Fördermaßnahmen zu spät greifen und die Transformation nicht ausreichend unterstützen. Zudem fehlt bislang ein umfassender Förderrahmen für die Nachfrageseite. Hohe Fahrzeugpreise, eine begrenzte Modellauswahl sowie Defizite bei Ladeinfrastruktur und Stromversorgung bremsen den Markthochlauf der Elektromobilität.

    Punktesystem fördert Beteiligung 

    Neben wirtschaftlichen Fragen prägt weiterhin die Transformation der Eigentums- und Lieferantenstrukturen die Branchenentwicklung. Eine Besonderheit in Südafrika ist das Broad Based Black Economic Empowerment (BBBEE), das mit einem ausgefeilten Punktesystem die Beteiligung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit am Wirtschaftsleben steigern soll. Öffentliche Investitionsförderungen und die Beteiligung an Ausschreibungen sind an das erreichte BBBEE-Niveau gebunden. Da es für ausländische Investoren in der Regel nicht in Frage kommt, Unternehmensanteile abzugeben, haben die großen Automobilproduzenten den Automotive Industry Transformation Fund (AITF) eingerichtet, der unter anderem lokale Zulieferunternehmen und Ausbildungsprogramme unterstützt. Durch ihre Beteiligung erhalten die Anteilseigner Punkte im BBBEE-System.

    Infrastrukturdefizite bremsen Investitionen 

    Infrastrukturdefizite sowie hohe Logistik- und Energiekosten stellen Unternehmen branchenübergreifend vor Herausforderungen. Aus Sicht der Automobilindustrie entwickeln sich diese Faktoren zunehmend zu einem Wettbewerbsnachteil gegenüber Standorten wie Marokko oder Indien. Die Verbesserung der Infrastruktur gilt daher als zentrale Voraussetzung für zukünftige Investitionen.

    Regionale Integration schafft Chancen

    Langfristig eröffnen regionale Integrationsinitiativen wie die Afrikanische Freihandelszone (AfCFTA) zusätzliche Chancen. Neue Ursprungsregeln für Automobilprodukte, die Anfang 2026 verabschiedet wurden, sollen dabei regionale Wertschöpfungsketten stärken und den zollfreien Handel mit Fahrzeugen und Komponenten innerhalb Afrikas erleichtern. Fahrzeuge und Komponenten müssen künftig einen lokalen Wertschöpfungsanteil von mindestens 40 Prozent aufweisen, um als "Made in Africa" zu gelten und von den AfCFTA-Präferenzen zu profitieren. Gleichzeitig dürfen bis zu 60 Prozent der Vorleistungen außerhalb Afrikas bezogen werden. Die Afrikanische Vereinigung der Automobilhersteller (AAAM) bezeichnet die Regelung als Meilenstein auf dem Weg zu einem integrierten und global wettbewerbsfähigen afrikanischen Automobilmarkt. Langfristig sollen dadurch neue Absatzmärkte erschlossen, regionale Lieferketten ausgebaut und zusätzliche Investitionen in die Fahrzeug- und Komponentenproduktion angestoßen werden. Die südafrikanische Regierung sieht in der AfCFTA einen wichtigen Hebel, um das Land als Produktions- und Exporthub für den Kontinent zu etablieren.

    Einfuhr und Zulassung von Kraftfahrzeugen

    Die Zoll- und Einfuhrabwicklung von Kfz erfolgt über den South African Revenue Service South Africa Revenue Service (SARS). Für technische Standards und Normen ist das South Africa Bureau of Standards (SABS) verantwortlich. Fahrzeuge und sicherheitsrelevante Ausstattungen unterliegen den Vorschriften des National Regulator for Compulsory Specifications (NRCS).

    Im Rahmen des bestehenden Freihandelsabkommens zwischen Südafrika und der Europäischen Union gilt für importierte Pkw (HS-Code 87033290) ein Präferenzzollsatz von 18 Prozent. Zollnachlässe gibt es auch für bestimmte Ersatzteile. Die Einfuhr von Gebrauchtwagen ist in Südafrika streng reguliert. 

    Weitere Informationen zu den Einfuhrbestimmungen in Südafrika und Antragsformulare finden sich unter www.itac.org.za   

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Jenny Tala

    Von Jenny Tala | Johannesburg

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Südliches Afrika

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Department of Transport (DoT)

    Südafrikanisches Verkehrsministerium
    NAAMSA | The Automotive Business CouncilVerband der Automobilproduzenten und -importeure in Südafrika
    National Association of Automotive Component and Allied Manufacturers (NAACAM)Verband der Kfz-Zulieferindustrie in Südafrika
    Retail Motor Industry Organisation (RMI)Dachverband der Vertriebsunternehmen im Kfz-Bereich in Südafrika
    AAAM AfricaAfrikanische Vereinigung der Automobilhersteller
    Automotive Supply Chain Competitiveness Initiative (ASCCI)Förderinstrument zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit in der Kfz-Zulieferer-Industrie des Department of Trade, Industry and Competition (dtic) in Zusammenarbeit mit den Fachverbänden

    Car Magazine

    Fachzeitschrift
    AutoliveIndustrienewsletter

    Automechanika

    Fachmesse, nächster Termin 27.-29.10.2026 in Johannesburg
    SA Festival of MotoringAutoshow, nächster Termin 28.-30.8.2026 in Johannesburg