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Branchenstruktur

Südafrikas Kfz- und Zulieferindustrie ist breit aufgestellt und trägt einen wichtigen Teil zur Wirtschaftsleistung bei. 

Jenny Tala

Von Jenny Tala | Johannesburg

Zu den vor Ort produzierenden OEMs gehören BMW, Ford, Isuzu, Mercedes-Benz, Toyota und Volkswagen. Toyota verfügt mit seinem Werk in Durban über eine der größten Fahrzeugfabriken des Kontinents. Volkswagen produziert in Kariega sowohl für den lokalen als auch für internationale Märkte, Mercedes-Benz in East London überwiegend für den Export und BMW fertigt in Rosslyn zunehmend elektrifizierte Modelle.

Automobilindustrie bleibt zentrale Säule der Wirtschaft

Mit international integrierten Lieferketten, global tätigen Herstellern und einer exportorientierten Komponentenindustrie nimmt die südafrikanische Automobilindustrie innerhalb Afrikas eine Sonderstellung ein. Der Sektor trägt 5,2 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, erwirtschaftet knapp ein Viertel der industriellen Wertschöpfung und beschäftigt direkt und indirekt rund 113.000 Menschen. Darüber hinaus bildet die Branche das Rückgrat wichtiger regionaler Wirtschaftszentren und schafft Nachfrage für Zulieferer, Logistikunternehmen, Werkstoffhersteller und Dienstleister.

Fahrzeugproduktion in Südafrika: OEMs und Modelle
UnternehmenGefertigte Modelle (2025)
BMW X3
FordRanger
Isuzu Motors D-Max
Mercedes-BenzC-Klasse 4-Türer
Nissan Navara 
ToyotaCorolla Cross, Fortuner, Hilux, HiAce und Quantum
VolkswagenPolo, Polo Vivo und Amarok
Quelle: Naamsa’s Automotive Trade Manual 2026

Leichte Erholung der Produktion

Die südafrikanische Fahrzeugproduktion erholte sich 2025 leicht, blieb aber unter dem Niveau von 2023. Insgesamt wurden 616.466 Fahrzeuge gefertigt, ein Plus von 2,7 Prozent gegenüber 2024. Wachstumstreiber waren vor allem leichte Nutzfahrzeuge, deren Produktion um 17,6 Prozent auf 255.807 Einheiten zulegte. Die Pkw-Produktion ging dagegen um 6,4 Prozent auf 327.990 Einheiten zurück. Die Entwicklung verdeutlicht die zunehmende Bedeutung von Pick-ups und leichten Nutzfahrzeugen für den Produktionsstandort, während Pkw-Hersteller stärker unter dem Druck veränderter Exportmärkte und wachsender Importkonkurrenz stehen.

Drei Cluster prägen den Produktionsstandort

Die Industrie konzentriert sich auf drei zentrale Standorte. Das Eastern Cape ist mit den Werken von Volkswagen, Isuzu und Mercedes-Benz das wichtigste Fahrzeugcluster des Landes. Unterstützt wird die Produktion durch die Sonderwirtschaftszonen Coega und East London Industrial Development Zone. Gauteng bildet mit den Werken von BMW und Ford sowie der Tshwane Automotive Special Economic Zone das Zentrum der Zulieferindustrie. In KwaZulu-Natal sind insbesondere Toyota und der Durban Automotive Cluster von Bedeutung.

Hersteller stellen Investitionspläne auf den Prüfstand

Steigende Importe und die Transformation zu neuen Antriebstechnologien erhöhen den Anpassungsdruck auf Hersteller, Zulieferer und Politik. VW-South-Africa-Chefin Martina Biene wandte sich Ende 2025 in einem offenen Brief an Südafrikas Präsident Ramaphosa und forderte schnellere Reformen des Automotive Production and Development Programme (APDP), Fortschritte beim Ausbau der Infrastruktur sowie wirksamere Maßnahmen gegen die zunehmende Verlagerung von Marktanteilen auf Importfahrzeuge. Das Unternehmen warnt, dass ohne politische Sicherheit Investitionsentscheidungen künftig verstärkt zugunsten anderer Produktionsstandorte ausfallen könnten.

Erste Beispiele deuten auf die wachsenden Herausforderungen des Standorts hin: Stellantis hat den geplanten Aufbau einer Fahrzeugproduktion in der Coega Special Economic Zone vorerst auf Eis gelegt. Nachdem der Konzern 2023 Investitionen von bis zu 160 Millionen Euro für ein neues Werk angekündigt hatte, wird die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens nun angesichts verschärften Wettbewerbs und veränderter Marktbedingungen neu bewertet. Zugleich baut Stellantis seine Vertriebsaktivitäten aus und verfolgt eine stärkere Ausrichtung auf importierte Fahrzeuge.

Auch Mercedes-Benz prüft verschiedene Optionen für die Zukunft seines Werks in East London. Das Unternehmen produziert dort überwiegend die C‑Klasse für Exportmärkte und sieht sich mit steigenden Kosten, einer schwächeren Nachfrage sowie den Auswirkungen der US-Zölle konfrontiert. Medienberichten zufolge reichen die diskutierten Optionen von einer Schließung bis hin zur stärkeren Auslastung des Standorts durch Kooperationen mit anderen Herstellern.

Chinesische Hersteller bauen lokale Präsenz auf

Während etablierte OEMs ihre Produktions- und Investitionsstrategien überprüfen, nutzen neue Wettbewerber die Gelegenheit zum Markteintritt. Jüngstes Beispiel hierfür ist die Übernahme des ehemaligen Nissan-Werks in Rosslyn durch Chery Mitte 2026. Nachdem Nissan die Fertigung an dem Standort zu Beginn des Jahres eingestellt hatte, steigt mit Chery nun erstmals ein chinesischer Hersteller direkt in die Fahrzeugfertigung in Südafrika ein.

Wichtige Investitionsprojekte in der Kfz-Industrie in SüdafrikaInvestitionssumme in Millionen Euro

Vorhaben (Provinz)

Investitionssumme 

Projektstand

Anmerkungen

Modernisierung des Toyota-Werks (KwaZulu-Natal)

555 

abgeschlossen 

Produktion der neuesten Generation des Toyota Hilux sowie des Corolla Cross Hybrid im Werk Prospecton in Durban. 

Tshwane Automotive Special Economic Zone, Phase 2 (Gauteng)

325 

im Bau 

Die Regierung baut die Basisinfrastruktur aus. Phase 2 umfasst die Erweiterung des Industrieparks um neue Ansiedlungsflächen für Zulieferer und technologieorientierte Unternehmen, einen Ausbildungs- und Innovationscampus sowie zusätzliche Logistikflächen.

Stellantis-Montagewerk (Eastern Cape)

160 

ausgesetzt

Die Erdarbeiten am 34 Hektar großen Standort in Coega sind abgeschlossen; die weitere Entwicklung ist vor dem Hintergrund verschärften Wettbewerbs und veränderter Marktbedingungen unklar (Wirtschaftlichkeitsprüfung).

Sailun-Reifenfabrik (Standort noch nicht konkretisiert; Investition laut Medienberichten über mehrere Provinzen geplant)

107 

Planungsphase

Das chinesische Unternehmen kündigte die Investition auf der South Africa Investment Conference 2026 an. 

Produktion von Batteriematerialien für Elektrofahrzeuge (Gauteng)

1,6 

Planungsphase

Südafrikas staatliche Agentur für Entwicklungsfinanzierung IDC stellt dem kanadischen Unternehmen Giyani Metals zusätzliche Mittel für eine Demonstrationsanlage zur Produktion von hochreinem Mangansulfat-Monohydrat in Johannesburg bereit. 

KANU-Fertigungsstätte für Nutzfahrzeugaufbauten (Eastern Cape)

1,3 

abgeschlossen 

Die Isuzu-Tochter KANU hat ihren Standort in Gqeberha ausgebaut und in moderne Fertigungs- und Lackiertechnik zwecks effizienterer Produktion von Spezialaufbauten für Nutzfahrzeuge investiert.

Chery-Montagewerk (Gauteng)

k. A. 

im Aufbau 

Chery hat das Nissan-Werk in Rosslyn übernommen. Die Modernisierung von Infrastruktur und Produktionsanlagen läuft; der Produktionsstart ist für die zweite Jahreshälfte 2027 vorgesehen.

Modernisierung des Mahindra-Werks (KwaZulu-Natal)

k. A. 

Planungsphase / Machbarkeitsstudie 

Machbarkeitsstudie für den Ausbau des Werks in Durban zu einer umfassenderen lokalen Fahrzeugproduktion.

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Zulieferindustrie unter Druck

Die lokale Zulieferindustrie bleibt ein entscheidender Wettbewerbsfaktor der Branche, entwickelt sich jedoch langsamer als von Regierung und Industrie erhofft. Der lokale Wertschöpfungsanteil stagniert seit Jahren bei maximal 40 Prozent und liegt damit deutlich unter den Zielen des Automobil-Masterplans. Vor allem Tier-2- und Tier-3-Zulieferer leiden unter geringen Produktionsvolumina, steigenden Energie- und Logistikkosten sowie dem Wettbewerb importierter Komponenten. 

Zugleich verändern sich die Anforderungen an die Lieferketten. Während Katalysatoren, Kabelsätze, Sitze und Metallkomponenten weiterhin wichtige Produkte darstellen, gewinnen Batterien, Leistungselektronik, Sensorik und Softwarelösungen an Bedeutung. Viele Unternehmen stehen daher vor erheblichen Investitionen in neue Technologien und Qualifikationen.

Zu den jüngsten Investitionen zählt das neue Werk von MANN+HUMMEL in Kempton Park bei Johannesburg 2025. Die Anlage beliefert den regionalen Automobilmarkt mit Filtersystemen und dient als Fertigungs- und Logistikdrehscheibe für das südliche Afrika.

Einfuhr ausgewählter Kfz-Teile nach Südafrika In Millionen Euro, Veränderung in Prozent
 

2025

Veränderung 2025/2024

Aus Deutschland 2025

SITC 778.3 Kfz-Elektrik

265

11,3

16,8

SITC 784 Karosserien, Stoßstangen etc.

1.882

1,9

355

SITC 773.13 Zündkabelsätze

141

1,4

1,3

SITC 713.2 Motoren

146

-2,0

24,9

Quelle: UN Comtrade 2026

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