Special | Ukraine | Südkoreas Unterstützung

Südkoreanische Firmen sehen Geschäftschancen beim Wiederaufbau

Südkorea setzt den Fokus auf wirtschaftliche Hilfe und den Wiederaufbau der Ukraine. Deutsche Firmen können sich als Zulieferer an südkoreanischen Projekten beteiligen.

Von Katharina Viklenko | Seoul

Südkorea unterstützt die Ukraine vor allem mit finanziellen und humanitären Mitteln. Delegationen und Vertreter des Landes haben mehrfach an der jährlich stattfindenden Ukraine Recovery Conference teilgenommen. Zusätzlich reiste der damalige Präsident Yoon Suk-yeol im Juli 2023 in die Ukraine und setzte damit ein diplomatisches Zeichen der Solidarität.

Südkorea unterstützt die Ukraine direkt und indirekt

Im Verhältnis zur globalen wirtschaftlichen Relevanz gehört Südkorea zu den kleineren Geldgebern. Die Datenlage zur gesamten Hilfeleistung ist dabei intransparent. Laut dem Ukraine Support Tracker des IfW Kiel Instituts für Weltwirtschaft liegt der Beitrag bei rund 900 Millionen Euro. Mit weniger als 0,05 Prozent des Bruttoinlandsprodukts belegt Südkorea damit Platz 32 von 41 untersuchten Volkswirtschaften. Daneben beteiligt sich das Land an unterschiedlichen internationalen Formaten zur Unterstützung der Ukraine.

Bei direkten Waffenlieferungen an die Ukraine bleibt Südkorea zurückhaltend und stellt stattdessen militärische Ausstattung wie Schutzwesten, Helme, Minenräumgeräte und medizinische Ausrüstung. Gleichzeitig schloss das Land milliardenschwere Rüstungsverträge mit ukrainischen Nachbarstaaten wie Polen. So rüstete Polen mit südkoreanischer Ausrüstung auf und konnte darüber die Ukraine militärisch stärker unterstützen.

Kredite über 2,1 Milliarden US-Dollar für Wiederaufbau

Mit der Ukraine Peace and Solidarity Initiative legte Südkorea 2023 ein umfangreiches Unterstützungsprogramm für die Ukraine auf. Die größte Finanzzusage erfolgt über den südkoreanischen Economic Development Cooperation Fund, der die Ukraine seit 2023 als Schwerpunktland führt. Darüber stellt Südkorea 2,1 Milliarden US-Dollar (US$) an zinsgünstigen Krediten zur Verfügung, vor allem für Infrastruktur, Energie, Digitalisierung und Bildung. Die operative Umsetzung übernimmt die Export-Import Bank of Korea (Korea Eximbank).

Deutsche Beteiligung als Zulieferer aussichtsreich

Südkoreanische Firmen schrecken auch nicht vor Vorhaben in risikoreichen Entwicklungs- und Schwellenländern zurück. Deutsche Firmen können durch Zulieferungen an südkoreanische Partner am Wiederaufbau der Ukraine teilhaben. Eine Präsenz deutscher Anbieter in Südkorea ist dabei vorteilhaft: Südkoreanische Firmen arbeiten bevorzugt mit bewährten Zulieferern zusammen. Wenn in Südkorea bereits erfolgreich zusammengearbeitet wird, greifen südkoreanische Firmen auch bei Vorhaben im Ausland auf erprobte Zulieferer zurück.

Interview mit Dräger Korea 

Der deutsche Hersteller von Medizin- und Sicherheitstechnik Dräger schätzt die Zusammenarbeit mit koreanischen Partnern auf Auslandsmärkten. Im Interview erklärt Christian Bozsak, Managing Director bei Dräger Korea, welche Besonderheiten bei der Kooperation mit südkoreanischen Firmen bei Bauprojekten im Ausland zu beachten sind.

Öffentlich-private Partnerschaften als Vorzeigeprojekte

Am Wiederaufbau der Ukraine beteiligt sich Südkorea durch öffentlich-private Kooperationen bei Infrastruktur- und Energieprojekten. Sechs Vorzeigevorhaben wurden 2023 mit Regierungsinstitutionen beider Seiten vereinbart. Hinzu kommen Vorhaben bei Digitalisierung und Smart-City. Auch die militärische Aufrüstung Europas bildet einen Schwerpunkt.

Sechs Vorzeigeprojekte für das Engagement Südkoreas beim Wiederaufbau der Ukraine
ProjektBeteiligungProjektinhalt
Kyjiw Transport Master Plan Korea Overseas Infrastructure & Urban Development Corporation (KIND)Ausarbeitung eines Verkehrsmasterplans und Aufbau intelligenter Verkehrsinfrastruktur für die Region Kyjiw
Uman Smart City Master PlanKorea Overseas Infrastructure & Urban Development Corporation (KIND), K-WaterEntwicklung eines Smart-City-Masterplans für die Stadt Uman, u.a. Mobilität, Katastrophenschutz und grüne Energie
Modernisierung des Flughafens BoryspilKorea Airports Corporation (KAC)Modernisierung von Systemen und Sicherheitseinrichtungen, Erweiterung von Start- und Landebahnen
Anlage zur Abwasseraufbereitung in ButschaKorea Environmental Industry & Technology Institute (KEITI) Unterstützung bei Wiederherstellung der Kläranlagen in Butscha
Unterstützung bei Kachowka-DammsanierungK-WaterTechnische Hilfe beim Wiederaufbau des Staudamms
Modernisierung BahninfrastrukturKorea National RailwayNeben Modernisierung auch Inbetriebnahme der Hochgeschwindigkeitsverbindung von Kyjiw nach Polen
Quelle: Ministry of Land, Infrastructure and Transport (MOLIT) 2025; PwC Korea 2025

Chancen warten im Auslandsbau

Südkoreas Baufirmen verfügen im Auslandsbau über umfassende Expertise: Neben Kraftwerken und Industrieanlagen bauen sie Straßen, Brücken und Gebäude. Aufgrund der Flaute im heimischen Bausektor gewinnen Auslandsvorhaben an Bedeutung. Dabei stoßen südkoreanische Firmen auch auf europäische Märkte vor. Nach dem Ende des Kriegs in der Ukraine erwarten sie dort lukrative Geschäfte.

Die staatliche Korea Overseas Infrastructure & Urban Development Corporation (KIND) flankiert erste Verträge und Absichtserklärungen für Investitionen bei Energie und Infrastruktur in der Ukraine. KIND fördert die Beteiligung südkoreanischer Anbieter an Public-Private-Partnership-Projekten im Ausland und eröffnete 2023 das Ukraine Reconstruction Cooperation Center in Polen. Über den Plant Infrastructure Smart City Fund (PIS Fund) und den Global Infrastructure Fund (GIF) ermöglicht KIND zudem die Finanzierung von Machbarkeitsstudien und Auslandsprojekten.

Vorhaben für Smart Cities im Ausland können auf Anfrage ausländischer staatlicher Gebietskörperschaften auch im Rahmen des K-City-Network-Programms gefördert werden. Kredite, Garantien, Fonds und Versicherungen für den Auslandsbau vergeben neben der Korea Eximbank auch die Korea Trade Insurance Corporation (K-Sure) und die Korea Development Bank (KDB Bank).

Bedeutung der Ukraine im Handel marginal

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind ausbaufähig. Über Direktinvestitionen ist Südkorea mit dem Land nur marginal verbunden. Auch für den Außenhandel spielt die Ukraine praktisch keine Rolle. Vor dem russischen Angriffskrieg importierte Südkorea allerdings teils signifikante Mengen an Rohstoffen. Laut einer Analyse der Korea International Trade Association bestanden Abhängigkeiten bei seltenen Gasen für die Halbleiterindustrie, etwa Neon, Krypton und Xenon.

Kurswechsel in der Ukrainepolitik?

Die südkoreanische Bevölkerung sieht die Unterstützung der Ukraine ambivalent. Es herrscht eine Mischung aus humanitärer Solidarität und geostrategischen Abwägungen. Vor allem bestehen Bedenken, in einen geopolitischen Konflikt hineingezogen zu werden, besonders mit Blick auf Russland und Nordkorea. Trotz des Einsatzes nordkoreanischer Soldaten in ukrainischen Kriegsgebieten reagierte Südkorea bisher zurückhaltend. Unter dem vorherigen Präsidenten Yoon Suk-yeol beteiligte sich Südkorea an Finanzsanktionen gegen Russland und konzentrierte sich auf humanitäre Hilfe.

Ein Kurswechsel in der Ukrainepolitik könnte mit dem neuen Präsidenten Lee Jae-myung erfolgen. In der Vergangenheit kritisierte er die Möglichkeit von militärischer Unterstützung der Ukraine. Gleichzeitig sieht er wirtschaftliche Chancen im Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur. Lee strebt stabile Beziehungen zu allen Großmächten an, einschließlich Russland. Daher dürfte er einen pragmatischen Kurs gegenüber Russland einschlagen. Südkorea muss sorgfältig abwägen, wie es wirtschaftliche Vorteile aus der Zusammenarbeit mit Russland nutzt, ohne dabei seine Beziehungen zu westlichen Partnern zu gefährden.

Wer verwaltet die südkoreanischen Förderprogramme?
InstitutionAnmerkung
Ministry of Land, Infrastructure and Transport (MOLIT)Abteilung Overseas Construction Policy Division des Ministeriums zuständig für Projekte beim Wiederaufbau der Ukraine
Korea Overseas Infrastructure & Urban Development Corporation (KIND)Staatliche Institution zur Förderung öffentlich-privater Partnerschaften (PPP) für Infrastrukturprojekte im Ausland; verfügt über Ukraine Reconstruction Cooperation Center in Polen
Export-Import Bank of Korea (Korea Eximbank)Exportkreditagentur des Landes
Korea International Cooperation Agency (KOICA)Staatliche Organisation unter Leitung des Ministry of Foreign Affairs (MOFA); zuständig für Entwicklungshilfe
International Contractors Association of Korea (ICAK)Verband unterstützt südkoreanische Baufirmen bei Expansion in Auslandsmärkte
K-Water Regierungsinstitution für Wassermanagement; unterstützt bei Sanierung von Anlagen in der Ukraine
Korea Rail Network AuthorityStaatliche Organisation mit Verantwortung für das Eisenbahnnetz; an Projekten in Ukraine beteiligt
Quelle: Recherchen von Germany Trade and Invest 2025

Dieser Inhalt gehört zu