Cape Town,South Africa, employee working at quarry wearing protective clothing Quarry worker standing beside pile of aggregate in quarry | © Koko Productions & Photography CC - gettyimages.com

Branchen | Südliches Afrika | Bergbau und Rohstoffe

Bergbau im südlichen Afrika: Strukturwandel eröffnet neue Chancen

Reformen, neue Bergbauprojekte und mehr lokale Wertschöpfung verändern den Sektor im südlichen Afrika. Deutsche Unternehmen positionieren sich vor allem als Technologiepartner.

Von Jenny Tala | Johannesburg

  • Reformen und steigende Anforderungen verändern den Bergbau im südlichen Afrika. Die Komplexität nimmt zu – zugleich eröffnen sich für deutsche Unternehmen neue Geschäftsfelder.

    Afrikanische Bergbaupolitik setzt auf lokale Wertschöpfung

    Im südlichen Afrika treffen umfangreiche Rohstoffvorkommen auf eine stark wachsende globale Nachfrage nach kritischen Mineralien. Zugleich richten viele Regierungen ihre Bergbaupolitik neu aus und fördern eine stärkere industrielle Einbettung des Sektors – unter anderem durch Vorgaben zu lokaler Wertschöpfung, staatlicher Beteiligung sowie Klima‑ und Sozialstandards.

    Vor diesem Hintergrund positionieren sich deutsche Unternehmen zunehmend als Technologie‑ und Lösungspartner entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Zwar gibt es kaum deutsche Explorationsvorhaben, doch die Bandbreite der Aktivitäten reicht von Förder‑ und Aufbereitungstechnik über Material‑Handling‑Lösungen bis hin zu Umwelt‑ und Effizienztechnologien.

    Neben großen deutschen Firmen wie Bauer, Herrenknecht und Bosch sind auch viele kleine und mittelständische Unternehmen wie Schauenburg, Steinert oder CS Instruments schon lange in der Region aktiv. Die Firma Rema Tip Top ist Afrikas größter Produzent von Förderbändern und beliefert von ihren drei Produktionsstätten in Südafrika aus die Bergbauindustrie weltweit. Die K‑UTEC AG Salt Technologies aus Thüringen begleitet Bergbauprojekte von der geophysikalischen Exploration und Ressourcenbewertung über Prozess‑ und Anlagenkonzeption, Pilotversuche bis hin zu Inbetriebnahme und Stilllegungsplanung. Der Schwerpunkt liegt auf Salz‑, Kali‑ und Lithiumprojekten, unter anderem in Botsuana.

    Reformen stärken Nachfrage nach deutscher Technik

    Der zunehmende Fokus vieler Länder auf lokale Weiterverarbeitung und weitergehende Wertschöpfung verändert die Nachfrage im Bergbausektor. Deutsche Technologieanbieter können davon profitieren. Ein Beispiel ist das niedersächsische Unternehmen AMF‑Bruns, das seit vielen Jahren im südlichen Afrika als Anbieter von Förder‑ und Schüttguttechnik für den Bergbau und angrenzende Industrien aktiv ist. "Der zunehmende Ausbau lokaler Weiterverarbeitung eröffnet neue Chancen für innovative Material‑Handling‑Lösungen", sagt Malte Wittje, Head of Business Unit "Green Technology" bei AMF‑Bruns. Der Bergbau im südlichen Afrika verändere damit globale Lieferketten grundlegend - "hin zu mehr Effizienz, höheren Nachhaltigkeitsstandards und wachsender Wertschöpfung vor Ort", so Wittje. Neben Südafrika ist AMF‑Bruns auch in Angola, Mosambik und Namibia präsent.

    Die wachsende Präsenz deutscher Unternehmen zeigt sich auch in der starken Beteiligung an internationalen Branchentreffen wie dem Germany Day im Rahmen der Mining Indaba, Afrikas größter Bergbaumesse, die jährlich in Kapstadt stattfindet. Mit 23 ausstellenden Unternehmen stellte der deutsche Pavillon 2026 den größten nationalen Gemeinschaftsstand auf der Messe. Gespräche von Germany Trade & Invest mit Unternehmen verdeutlichen, dass deutsche Mittelständler neben etablierten Märkten wie Südafrika zunehmend auch Länder wie Angola und Simbabwe in den Blick nehmen. Bei der Markterschließung profitieren Unternehmen nach eigenen Aussagen auch von Unterstützungsangeboten wie dem Markterschließungsprogramm und den Beratungsgutscheinen Afrika.

    Beratungsgutscheine Afrika

    Mit den "Beratungsgutscheinen Afrika" fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen des Wirtschaftsnetzwerks Afrika externe Beratungsdienstleistungen für kleine und mittelständische Unternehmen. Ziel ist es, den Markteintritt in Afrika zu erleichtern.

    Unternehmen können eine individuelle und bedarfsorientierte Beratung zu ihren wirtschaftlichen Vorhaben erhalten. Das Angebot gilt branchenunabhängig für jedes Zielland auf dem afrikanischen Kontinent.

    Regionale Unterschiede bestimmen Investitionsentscheidungen

    Die Standortbedingungen innerhalb des südlichen Afrikas unterscheiden sich erheblich und sind ein zentraler Faktor für Investitionsentscheidungen. Regulatorische und politische Unsicherheiten zählen vielerorts zu den größten Investitionshemmnissen. Die Fraser‑Institute‑Umfrage unter Bergbauunternehmen von 2025 verdeutlicht diese Spannweite: Während Botsuana als afrikanische Ausnahme eine hohe Investorenattraktivität aufweist, rangieren Länder wie Südafrika, die DR Kongo und Angola im unteren Bereich – trotz erheblicher geologischer Potenziale.

    Platz 7

    belegt Botsuana im Ranking der attraktivsten Bergbaustandorte weltweit und ist damit Spitzenreiter in Afrika (Fraser Institute Survey of Mining Companies 2025).

    Zu den strukturellen Engpässen im südlichen Afrika zählen die vielerorts unzuverlässige und teure Energieversorgung sowie logistische Herausforderungen, insbesondere bei Schiene, Häfen und grenzüberschreitenden Transportkorridoren. Darüber hinaus sehen sich Unternehmen in vielen Ländern der Region mit intransparenten, teils langwierigen Genehmigungsverfahren konfrontiert, die Planungssicherheit und Projektumsetzung erschweren. Hinzu kommen Local‑Content‑ und Beteiligungsvorgaben, die zwar auf eine stärkere lokale Wertschöpfung und Einbindung abzielen, in der Praxis jedoch häufig für zusätzliche Komplexität bei Finanzierung, Projektstrukturierung und Lieferketten sorgen.

    Öffentliche Finanzierung als Hebel

    Staatlich flankierte Finanzierungsinstrumente gewinnen für Deutschland und Europa an Bedeutung, um strategische Rohstofflieferketten abzusichern und Investitionen in der Region zu ermöglichen. Der von der Bundesregierung initiierte KfW-Rohstofffonds unterstützt Projekte im In und Ausland entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dazu soll mit Unterstützung der EU im Rahmen des Global‑Gateway‑Investmentpakets noch im Jahr 2026 eine Finanzierungsfazilität für kritische Rohstoffe (Critical Raw Materials, CRM) eingerichtet werden. Ziel ist es, strategische Projekte entlang der CRM‑Wertschöpfungskette zu identifizieren und zu fördern, um nachhaltige und widerstandsfähige Lieferketten für kritische Rohstoffe in Südafrika aufzubauen. "Die EU‑Blending‑Mittel sind eine strategisch wichtige Zusage für die Entwicklung des CRM‑Sektors im südlichen Afrika", sagt Cornelia Tittmann, Landesdirektorin der KfW‑Entwicklungsbank in Südafrika. Ergänzend ist ein eigenständiges Förderprogramm geplant, das die kommerzielle Finanzierung aussichtsreicher CRM‑Projekte durch die KfW ermöglichen und gezielt hebeln soll.

    Vor Ort ergänzt die AHK Südliches Afrika dieses Angebot durch ihr Rohstoffkompetenzzentrum, das Unternehmen mit Delegationsreisen, Kontaktvermittlung und praktischer Unterstützung begleitet. Vertiefende Analysen bieten unter anderem die Factsheets des EU-AfricaMaValProjekts sowie die Bergbaupublikation der AHK Südliches Afrika.

    Von Jenny Tala | Johannesburg

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  • Neue Projekte, Reformen und Investitionen in mehr Wertschöpfung vor Ort setzen wichtige Impulse im südafrikanischen Bergbau.

    Zu den wichtigsten aktuellen Bergbauprojekten in Südafrika zählen das PrieskaKupferZinkProjekt in der Provinz Nordkap, das neue UntertageGoldprojekt Qala Shallows im WitwatersrandBecken sowie das Tharisa Underground PGM Project auf dem BushveldKomplex. Prieska steht für die Rückkehr großer Basismetallprojekte und die stärkere Ausrichtung auf Kupfer und Zink im Kontext von Energiewende und Elektrifizierung. Qala Shallows markiert als erste neue UntertageGoldmine seit rund 15 Jahren einen seltenen Neustart im südafrikanischen Goldsektor und gilt als Signalprojekt für modernere, mechanisierte Förderkonzepte. Mit dem TharisaUntertageprojekt wiederum wird die langfristige Produktion von Platingruppenmetallen (PGMs) und Chrom gesichert und die Lebensdauer eines bestehenden Assets deutlich verlängert - ein Hinweis auf die anhaltende strategische Bedeutung von PGMs für Abgasnachbehandlung sowie Wasserstoff und EnergiewendeAnwendungen.

    Ergänzend zu den genannten Vorhaben gewinnt auch das Platreef‑Projekt in der Limpopo‑Provinz an Bedeutung. Das großskalige PGM‑Projekt steht für eine neue Generation mechanisierter Untertagebetriebe und unterstreicht die langfristige Rolle Südafrikas als globaler Anbieter von Platingruppenmetallen.

    Reformagenda und Investitionssignale

    Die Projekte senden positive Signale. Denn in der Vergangenheit waren die Bergbauaktivitäten in Südafrika rückläufig - aufgrund von Energieunsicherheit, Infrastrukturdefiziten sowie regulatorischen und politischen Unsicherheiten. Investoren warten weiterhin auf die überfällige Novelle der "Mineral Resources Development Amendment Bill", die von der Branche als wichtiger Schritt zur Klärung langjähriger regulatorischer Graubereiche und zur Verbesserung der Planungssicherheit gesehen wird.

    Positiv zu bewerten ist die Einführung eines digitalen Bergbaukatasters, das Transparenz, Effizienz und Nachvollziehbarkeit im Genehmigungsprozess verbessern soll. Die Umsetzung verläuft allerdings langsamer als ursprünglich geplant, insbesondere aufgrund der komplexen Migration und Validierung von Altdaten. Eine vollständige Implementierung gilt als zentraler Hebel, um Exploration und neue Investitionen - etwa im rohstoffreichen Nordkap - wieder zu beleben.

    Flankiert werden diese Maßnahmen durch die 2025 veröffentlichte "Critical Minerals and Metals Strategy" sowie eine vertiefte Zusammenarbeit mit der EU, unter anderem im Rahmen der "Clean Trade and Investment Partnership" (CTIP) und der strategischen Partnerschaft zu kritischen Rohstoffen.

    Unternehmen investieren in Weiterverarbeitung

    Auch die südafrikanische Regierung legt einen großen Fokus auf lokale Weiterverarbeitung (Beneficiation). Das südafrikanische Verarbeitungs‑ und Fertigungsunternehmen Isondo Precious Metals fokussiert sich auf die lokale Wertschöpfung von Platingruppenmetallen (PGMs) und produziert PGM‑basierte Schlüsselkomponenten für Elektrolyseure (Wasserstofferzeugung) und Brennstoffzellen (Umwandlung von Wasserstoff in Strom). In der OR Tambo Special Economic Zone (Gauteng) wurde eine hochmoderne Fertigungsanlage aufgebaut, die zu den ersten Anlagen dieser Art in Afrika zählt. Die eingesetzten Metalle stammen aus südafrikanischen PGM‑Lieferketten, was den lokalen Beneficiation‑Ansatz unterstreicht. Gleichzeitig bleibt das Geschäftsmodell eng an den Hochlauf der Wasserstoffmärkte gebunden.

    Ein Akteur mit deutschen Wurzeln ist MBE Minerals South Africa, das Aufbereitungs‑, Veredelungs‑ und Anlagentechnologien für den Bergbau anbietet. Pieter Bezuidenhout, Managing Director von MBE Minerals South Africa, sieht bei seinen Kunden eine hohe Akzeptanz für Lösungen "Made in Germany". Gleichzeitig stießen deutsche Produkte jedoch häufig an Preisgrenzen. Besonders erfolgreich sei daher das Modell "Designed in Germany - manufactured locally", das hohe Qualitätsstandards mit wettbewerbsfähigen Kosten verbinde. Entscheidend sei zudem ein serviceorientierter Ansatz: "Regelmäßige persönliche Treffen und eine enge Kundenbetreuung sind zentrale Erfolgsfaktoren", sagt Bezuidenhout. Wer aus Südafrika heraus in die Region expandiere, sollte sich Bezuidenhout zufolge im Vorfeld intensiv mit den lokalen Gegebenheiten auseinandersetzen. Von regulatorischen Vorgaben über lokale Eigentumsstrukturen bis hin zu logistischen Rahmenbedingungen unterschieden sich die Märkte innerhalb der SADC‑Region teils erheblich. Neben einer sorgfältigen Vorbereitung empfiehlt er deutschen Unternehmen daher, Partnerschaften mit lokalen Firmen einzugehen.

    Auch Rema Tip Top fertigt ausschließlich vor Ort in Südafrika. Produziert werden unter anderem Förderbänder, Gummiauskleidungen, Trommelbeläge sowie weitere Verschleiß‑ und Fördersysteme für die Bergbauindustrie. Dabei profitiert das Unternehmen von der gut entwickelten industriellen Basis und der Verfügbarkeit von Vorprodukten in Südafrika. Ergänzt wird die lokale Fertigung durch Service‑ und Vertriebsstandorte in mehreren afrikanischen Ländern. Für das deutsche Unternehmen ist Südafrika der wichtigste Auslandsstandort weltweit.

    Von Jenny Tala | Johannesburg

  • Bergbau wird im südlichen Afrika zum zentralen Hebel wirtschaftlicher Diversifizierung – bei stark variierenden Standortbedingungen. Zentrale Entwicklungen von Angola bis Simbabwe.

    Angola: Bergbau als Hebel der wirtschaftlichen Diversifizierung

    Angola positioniert den Bergbau zunehmend als zentrale Säule seiner post‑ölbasierten Diversifizierungsstrategie. Vor dem Hintergrund rückläufiger Ölproduktion und hoher Abhängigkeit von Energieexporten gewinnt der Sektor strategisch an Bedeutung. Die Regierung verfolgt dabei einen reformorientierten Ansatz, der auf mehr Transparenz, geringere Bürokratie und höhere Rechtssicherheit für Investoren abzielt.

    Diamanten bilden weiterhin das Rückgrat des Bergbaus. Angola gehört zu den weltweit wichtigsten Diamantenproduzenten. Parallel dazu treibt die Regierung gezielt die Diversifizierung des Rohstoffportfolios voran. Im Fokus stehen Kupfer, Eisenerz, Mangan, seltene Erden, Lithium und weitere kritische Rohstoffe.

    Insgesamt gilt Angola als Markt mit hohem geologischem Potenzial, dessen Attraktivität künftig maßgeblich von der konsequenten Umsetzung der Reformagenda abhängt. Zentrale Aspekte für Unternehmen sind insbesondere die Funktionsfähigkeit des digitalen Katasters und die Beschleunigung von Genehmigungen.

    Botsuana: Stabiler Standort mit wachsendem regulatorischem Anspruch

    Botsuana zählt zu den politisch stabilsten und institutionell stärksten Bergbaustandorten Afrikas. Im internationalen Vergleich gilt das Land als besonders investorenfreundlich und belegt im Fraser Institute Ranking regelmäßig Spitzenplätze in Afrika. Gleichzeitig ist die Wirtschaft stark von Diamanten abhängig, die weiterhin den Großteil der Exporterlöse sowie einen erheblichen Anteil der Staatseinnahmen generieren. Angesichts sinkender Diamantenerlöse treibt die Regierung jedoch gezielt die Diversifizierung des Bergbausektors voran. Neue und reaktivierte Projekte in Kupfer, Nickel, Kobalt, Mangan, seltene Erden und Uran bilden dabei das Rückgrat einer nationalen Strategie, die Rohstoffbasis zu verbreitern und die Resilienz der Wirtschaft zu stärken. Besonders der Kalahari‑Kupfergürtel hat sich als international beachteter Schwerpunkt etabliert, mit mehreren großvolumigen Projekten in Betrieb oder Entwicklung.

    Flankiert wird diese Strategie durch regulatorische Reformen: Für neue Bergbaukonzessionen gilt seit 2025 eine verpflichtende lokale Eigentumsquote von 24 Prozent, mit dem Ziel, die inländische Wertschöpfung und Beteiligung lokaler Akteure zu erhöhen. Parallel verfolgt die Regierung ambitionierte Pläne zur lokalen Weiterverarbeitung und zur Entwicklung nachgelagerter Industrien, etwa im Bereich Batteriemetalle. Der Reformzeitpunkt ist jedoch anspruchsvoll: Die Kombination aus schwächerem Diamantensektor, hohen Investitionsbedarfen und steigenden Erwartungen an lokaler Teilhabe erhöht die Komplexität neuer Projekte.

    Mosambik: Viel Potenzial bei kritischen Minieralien

    Mosambik hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Bergbaustandort für kritische Rohstoffe entwickelt. Besonders Grafit sowie Schwermineralsande (Titan, Zirkon, Ilmenit), Kohle und Rubine prägen den Sektor. Große, international getragene Projekte, etwa im Grafit und Schwermineralsandbereich, unterstreichen das geologische Potenzial und die wachsende Einbindung in globale Lieferketten der Energiewende.

    Die Attraktivität Mosambiks wird durch seine strategische Lage am Indischen Ozean mit Tiefseehäfen und Transitkorridoren für Nachbarländer zusätzlich gestärkt. Gleichzeitig bleibt das Investitionsumfeld anspruchsvoll: Sicherheitsrisiken im Norden des Landes, infrastrukturelle Engpässe sowie ein teils komplexer regulatorischer Rahmen erfordern ein sorgfältiges Risikomanagement.

    Namibia: Kupfer im Fokus

    Namibia profitiert von einem vergleichsweise stabilen politischen und regulatorischen Umfeld und positioniert den Bergbau gezielt als Bestandteil seiner Diversifizierungs‑ und Industrialisierungsstrategie. Neben Uran und Diamanten rücken zunehmend Basismetalle und kritische Rohstoffe in den Fokus. Ein zentrales Projekt ist das Haib‑Kupferprojekt im Süden des Landes, eines der größten unerschlossenen Kupfervorkommen Afrikas, das langfristig das Profil Namibias als Kupferstandort stärken könnte.

    Die deutsche Firma Steinert ist in Namibia vor allem im Goldbergbau aktiv. Am Standort der Navachab Gold Mine werden sensorbasierte Sortiersysteme zur Vorkonzentrierung niedriggradiger Erze eingesetzt, um Goldgehalte zu erhöhen, Betriebskosten zu senken und den Wasserverbrauch zu minimieren. Ergänzend hat Steinert eine regionale Testanlage eingerichtet, in der Bergbauunternehmen die Sortiertechnologie unter realen Bedingungen erproben können.

    Sambia: Dynamischer Wachstumspfad im Kupfergürtel

    Sambia steht für eine wachstums und produktionsorientierte Bergbaustrategie, die fest im Kupfergürtel des Landes verankert ist. Kupfer bleibt das klare Rückgrat des Sektors und positioniert Sambia als wichtigen langfristigen Lieferanten für Stromnetze, erneuerbare Energien und Elektromobilität. Mit der "Three Million Tonnes Copper Production Strategy" verfolgt die Regierung das ambitionierte Ziel, die jährliche Kupferförderung bis 2031 auf rund 3 Millionen Tonnen zu steigern - getragen von Erweiterungen bestehender Minen, der Wiederbelebung problembehafteter Assets sowie neuen Greenfield‑Projekten.

    Diese Ambitionen werden durch eine Nationale Strategie für kritische Mineralien untermauert, die Bergbau als zentralen Wachstumsmotor definiert und Kupfer neben Batterie und Energiewenderohstoffen priorisiert. Ergänzend fördert Sambia aktiv Investitionen in Kobalt, Nickel, Mangan, Lithium, Uran und seltene Erden, um die Abhängigkeit von Kupfer zu reduzieren und sich stärker in internationale Wertschöpfungsketten für kritische Mineralien zu integrieren. Ein Schwerpunkt liegt auf lokaler Weiterverarbeitung: Mit dem geplanten Start von Afrikas erster Kobaltsulfat‑Raffinerie positioniert sich Sambia als einer der wenigen Standorte außerhalb Chinas mit Kapazitäten für batteriegeeignete Raffinadeprodukte.

    Parallel dazu bemüht sich die Regierung um ein verbessertes Investitionsumfeld. Zu den Erfolgen zählen die Beilegung langjähriger Rechtsstreitigkeiten bei Großprojekten wie Konkola und Mopani, Anpassungen im Steuer‑ und Lizenzregime sowie der Aufbau einer zentralen Bergbauregulierungsbehörde.

    Simbabwe: WeltklasseRessourcen, anspruchsvolles Investitionsumfeld

    Simbabwe hält die siebtgrößten Lithiumreserven weltweit, wobei Schätzungen zufolge ein Großteil der Vorkommen bislang noch nicht erschlossen ist. In den vergangenen Jahren hat sich das Land - getragen vor allem von chinesischen Investitionen - zu einem der führenden Lithiumproduzenten Afrikas entwickelt, inklusive erster Schritte in Richtung lokaler Weiterverarbeitung. Um die inländische Wertschöpfung zu erhöhen, hat die Regierung Exportbeschränkungen für RohLithium und Konzentrate eingeführt. Parallel wird der regulatorische Rahmen durch den "Mines and Minerals Bill" grundlegend reformiert.

    Neben Lithium bleibt Gold der finanzielle Anker des Sektors: Die Produktion liegt auf Rekordniveau - gleichzeitig generiert Gold den Großteil der Exporterlöse und Devisenzuflüsse. Trotz dieser Stärken bleibt das Investitionsklima herausfordernd. Politische Unberechenbarkeit, Energieengpässe und GovernanceRisiken dämpfen weiterhin die Investorenstimmung. Eine der wenigen Firmen mit deutscher Präsenz vor Ort ist Rema Tip Top, die Fördertechnik‑, Verschleiß‑ und Schutzlösungen für die Bergbauindustrie liefert. 

    Von Jenny Tala | Johannesburg