Bergbau wird im südlichen Afrika zum zentralen Hebel wirtschaftlicher Diversifizierung – bei stark variierenden Standortbedingungen. Zentrale Entwicklungen von Angola bis Simbabwe.
Angola: Bergbau als Hebel der wirtschaftlichen Diversifizierung
Angola positioniert den Bergbau zunehmend als zentrale Säule seiner post‑ölbasierten Diversifizierungsstrategie. Vor dem Hintergrund rückläufiger Ölproduktion und hoher Abhängigkeit von Energieexporten gewinnt der Sektor strategisch an Bedeutung. Die Regierung verfolgt dabei einen reformorientierten Ansatz, der auf mehr Transparenz, geringere Bürokratie und höhere Rechtssicherheit für Investoren abzielt.
Diamanten bilden weiterhin das Rückgrat des Bergbaus. Angola gehört zu den weltweit wichtigsten Diamantenproduzenten. Parallel dazu treibt die Regierung gezielt die Diversifizierung des Rohstoffportfolios voran. Im Fokus stehen Kupfer, Eisenerz, Mangan, seltene Erden, Lithium und weitere kritische Rohstoffe.
Insgesamt gilt Angola als Markt mit hohem geologischem Potenzial, dessen Attraktivität künftig maßgeblich von der konsequenten Umsetzung der Reformagenda abhängt. Zentrale Aspekte für Unternehmen sind insbesondere die Funktionsfähigkeit des digitalen Katasters und die Beschleunigung von Genehmigungen.
Botsuana: Stabiler Standort mit wachsendem regulatorischem Anspruch
Botsuana zählt zu den politisch stabilsten und institutionell stärksten Bergbaustandorten Afrikas. Im internationalen Vergleich gilt das Land als besonders investorenfreundlich und belegt im Fraser Institute Ranking regelmäßig Spitzenplätze in Afrika. Gleichzeitig ist die Wirtschaft stark von Diamanten abhängig, die weiterhin den Großteil der Exporterlöse sowie einen erheblichen Anteil der Staatseinnahmen generieren. Angesichts sinkender Diamantenerlöse treibt die Regierung jedoch gezielt die Diversifizierung des Bergbausektors voran. Neue und reaktivierte Projekte in Kupfer, Nickel, Kobalt, Mangan, seltene Erden und Uran bilden dabei das Rückgrat einer nationalen Strategie, die Rohstoffbasis zu verbreitern und die Resilienz der Wirtschaft zu stärken. Besonders der Kalahari‑Kupfergürtel hat sich als international beachteter Schwerpunkt etabliert, mit mehreren großvolumigen Projekten in Betrieb oder Entwicklung.
Flankiert wird diese Strategie durch regulatorische Reformen: Für neue Bergbaukonzessionen gilt seit 2025 eine verpflichtende lokale Eigentumsquote von 24 Prozent, mit dem Ziel, die inländische Wertschöpfung und Beteiligung lokaler Akteure zu erhöhen. Parallel verfolgt die Regierung ambitionierte Pläne zur lokalen Weiterverarbeitung und zur Entwicklung nachgelagerter Industrien, etwa im Bereich Batteriemetalle. Der Reformzeitpunkt ist jedoch anspruchsvoll: Die Kombination aus schwächerem Diamantensektor, hohen Investitionsbedarfen und steigenden Erwartungen an lokaler Teilhabe erhöht die Komplexität neuer Projekte.
Mosambik: Viel Potenzial bei kritischen Minieralien
Mosambik hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Bergbaustandort für kritische Rohstoffe entwickelt. Besonders Grafit sowie Schwermineralsande (Titan, Zirkon, Ilmenit), Kohle und Rubine prägen den Sektor. Große, international getragene Projekte, etwa im Grafit und Schwermineralsandbereich, unterstreichen das geologische Potenzial und die wachsende Einbindung in globale Lieferketten der Energiewende.
Die Attraktivität Mosambiks wird durch seine strategische Lage am Indischen Ozean mit Tiefseehäfen und Transitkorridoren für Nachbarländer zusätzlich gestärkt. Gleichzeitig bleibt das Investitionsumfeld anspruchsvoll: Sicherheitsrisiken im Norden des Landes, infrastrukturelle Engpässe sowie ein teils komplexer regulatorischer Rahmen erfordern ein sorgfältiges Risikomanagement.
Namibia: Kupfer im Fokus
Namibia profitiert von einem vergleichsweise stabilen politischen und regulatorischen Umfeld und positioniert den Bergbau gezielt als Bestandteil seiner Diversifizierungs‑ und Industrialisierungsstrategie. Neben Uran und Diamanten rücken zunehmend Basismetalle und kritische Rohstoffe in den Fokus. Ein zentrales Projekt ist das Haib‑Kupferprojekt im Süden des Landes, eines der größten unerschlossenen Kupfervorkommen Afrikas, das langfristig das Profil Namibias als Kupferstandort stärken könnte.
Die deutsche Firma Steinert ist in Namibia vor allem im Goldbergbau aktiv. Am Standort der Navachab Gold Mine werden sensorbasierte Sortiersysteme zur Vorkonzentrierung niedriggradiger Erze eingesetzt, um Goldgehalte zu erhöhen, Betriebskosten zu senken und den Wasserverbrauch zu minimieren. Ergänzend hat Steinert eine regionale Testanlage eingerichtet, in der Bergbauunternehmen die Sortiertechnologie unter realen Bedingungen erproben können.
Sambia: Dynamischer Wachstumspfad im Kupfergürtel
Sambia steht für eine wachstums‑ und produktionsorientierte Bergbaustrategie, die fest im Kupfergürtel des Landes verankert ist. Kupfer bleibt das klare Rückgrat des Sektors und positioniert Sambia als wichtigen langfristigen Lieferanten für Stromnetze, erneuerbare Energien und Elektromobilität. Mit der "Three Million Tonnes Copper Production Strategy" verfolgt die Regierung das ambitionierte Ziel, die jährliche Kupferförderung bis 2031 auf rund 3 Millionen Tonnen zu steigern - getragen von Erweiterungen bestehender Minen, der Wiederbelebung problembehafteter Assets sowie neuen Greenfield‑Projekten.
Diese Ambitionen werden durch eine Nationale Strategie für kritische Mineralien untermauert, die Bergbau als zentralen Wachstumsmotor definiert und Kupfer neben Batterie‑ und Energiewenderohstoffen priorisiert. Ergänzend fördert Sambia aktiv Investitionen in Kobalt, Nickel, Mangan, Lithium, Uran und seltene Erden, um die Abhängigkeit von Kupfer zu reduzieren und sich stärker in internationale Wertschöpfungsketten für kritische Mineralien zu integrieren. Ein Schwerpunkt liegt auf lokaler Weiterverarbeitung: Mit dem geplanten Start von Afrikas erster Kobaltsulfat‑Raffinerie positioniert sich Sambia als einer der wenigen Standorte außerhalb Chinas mit Kapazitäten für batteriegeeignete Raffinadeprodukte.
Parallel dazu bemüht sich die Regierung um ein verbessertes Investitionsumfeld. Zu den Erfolgen zählen die Beilegung langjähriger Rechtsstreitigkeiten bei Großprojekten wie Konkola und Mopani, Anpassungen im Steuer‑ und Lizenzregime sowie der Aufbau einer zentralen Bergbauregulierungsbehörde.
Simbabwe: Weltklasse‑Ressourcen, anspruchsvolles Investitionsumfeld
Simbabwe hält die siebtgrößten Lithiumreserven weltweit, wobei Schätzungen zufolge ein Großteil der Vorkommen bislang noch nicht erschlossen ist. In den vergangenen Jahren hat sich das Land - getragen vor allem von chinesischen Investitionen - zu einem der führenden Lithiumproduzenten Afrikas entwickelt, inklusive erster Schritte in Richtung lokaler Weiterverarbeitung. Um die inländische Wertschöpfung zu erhöhen, hat die Regierung Exportbeschränkungen für Roh‑Lithium und Konzentrate eingeführt. Parallel wird der regulatorische Rahmen durch den "Mines and Minerals Bill" grundlegend reformiert.
Neben Lithium bleibt Gold der finanzielle Anker des Sektors: Die Produktion liegt auf Rekordniveau - gleichzeitig generiert Gold den Großteil der Exporterlöse und Devisenzuflüsse. Trotz dieser Stärken bleibt das Investitionsklima herausfordernd. Politische Unberechenbarkeit, Energieengpässe und Governance‑Risiken dämpfen weiterhin die Investorenstimmung. Eine der wenigen Firmen mit deutscher Präsenz vor Ort ist Rema Tip Top, die Fördertechnik‑, Verschleiß‑ und Schutzlösungen für die Bergbauindustrie liefert.
Von Jenny Tala
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Johannesburg