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Taiwan baut sein Batterieökosystem weiter aus

Taiwans Batterieindustrie wächst und bietet Chancen für deutsche Anbieter von Produktionsanlagen und Materialien. Zudem eröffnen sich neue Bezugsquellen.

Von Jürgen Maurer | Taipei

Mit dem Ausbau seines Batterieökosystems will Taiwan das Nachfragepotenzial bei E-Fahrzeugen (Roller, Nutzfahrzeuge, Pkw) und Energiespeichern (Datenzentren, Back-up-Systeme, Netzausgleich) bedienen. Die Insel setzt auf lokale Produktion, internationale Kooperationen und Recycling. Auch Europa rückt dabei in den Fokus. Denn Taiwan will alternative Lieferketten zu China entwickeln. 

Der taiwanische Batteriemarkt wächst dynamisch. Er soll von rund 2 Milliarden US-Dollar (US$) im Jahr 2026 auf über 3 Milliarden US$ bis 2030 steigen, prognostiziert das Marktforschungsunternehmen Mordor Intelligence. Der Fokus liegt auf Sekundärbatterien. Die Abgrenzung zwischen Anwendungen in der Elektromobilität und stationären Batteriespeichersystemen ist dabei fließend.

  • Taiwans Batteriehersteller setzen auf steigende lokale und globale Produktion von Elektrofahrzeugen. Kapazitätsaufbau bietet Potenzial für deutsche Zulieferer und Abnehmer.

    Taiwans Elektromobilität ist noch in einer frühen Marktphase, wird jedoch durch staatliche Zielvorgaben und Fördermaßnahmen gezielt auf Wachstum ausgerichtet. Für den Batteriemarkt ergeben sich daraus drei zentrale Treiber: der Hochlauf der Elektromobilität sowie der gezielte Aufbau lokaler Wertschöpfung bei Zellen, Materialien und Systemen. Nicht zuletzt haben taiwanische Branchenhersteller auch internationale Märkte im Visier.

    Vollelektrische Fahrzeuge noch mit geringen Anteilen in Taiwan

    Ende 2025 waren in Taiwan rund 8,72 Millionen vierrädrige Fahrzeuge registriert. Der Elektrifizierungsgrad variiert je nach Segment deutlich: Bei Bussen ist er mit annähernd 10 Prozent bereits vergleichsweise hoch, bei Pkw weiterhin niedrig und bei Elektrorollern mit 5,5 Prozent im mittleren Bereich. Für den Batteriemarkt bedeutet dies kurzfristig vor allem Nachfrage im regulierten Teilsegment Busse und mittel- bis langfristig hohes Wachstumspotenzial auch im Pkw-Bereich.

    Bussegment elektrifiziert am schnellstenVollelektrisch angetriebene Automobile in Taiwan (Einheiten; Anteil in Prozent)

      

    2024 

    2025 

    Anteil 2025 

    Pkw, darunter:

    7.420.160  

    7.463.306  

     

       E-Pkw 

    95.796  

    127.842  

    1,7  

    Busse, darunter:

    30.009 

    29.677 

     

        E-Busse 

    1.994 

    2.793 

    9,4 

    Motorisierte Zweiräder, darunter:

     14.656.084 

    14.674.347 

     

        E-Scooter 

    774.651 

    803.574  

     5,5 

    Quelle: Ministry of Transportation and Communications, 2026

    Bei Elektrorollern dominiert die Marke Gogoro mit rund 90 Prozent Marktanteil und einem eigenen Akkutauschsystem. Die Lithium-Ionen-Batterien stammen aus lokaler Produktion. Bei Bussen und Pkw wollen die Branchenhersteller den Anteil der in Taiwan beschafften Sekundärbatterien ebenfalls ausbauen.  

    Lokale Batterieproduktion wird strategisch ausgebaut 

    In Taiwan hat der als Auftragshersteller bekannte Konzern Foxconn (Originalname: Hon Hai Precision Industry Co.) in die eigene Herstellung von Elektrofahrzeugen diversifiziert. Foxconn setzt dabei auf vertikale Integration und baut eigene Batteriekapazitäten auf, um den Wertschöpfungsanteil bei Batterien für Elektrofahrzeuge bei 30 bis 40 Prozent inhouse zu halten.

    In Kaohsiung produziert Foxconn Lithium-Eisenphosphat-Batterien in einem Werk, das 2025 in Betrieb ging. Die Kapazität soll 2026 von 0,6 Gigawattstunden auf 1,2 Gigawattstunden steigen. Das Werk soll vor allem den Eigenbedarf für Elektrobusse decken. Unter der Marke Foxtron produziert Foxconn Elektrobusse, die bereits in taiwanischen Städten im Einsatz sind. 

    Steigender Eigenbedarf erhöht den Druck zur Lokalisierung 

    Foxtron erweiterte sein Elektrofahrzeugportfolio mit dem Markteintritt des eigenen Pkw-Modells Bria Ende 2025. Zudem übernahm das Unternehmen Anfang 2026 den taiwanischen Hersteller Luxgen. Die Fahrzeuge werden derzeit mit Batteriezellen chinesischer Hersteller ausgestattet. Foxconn hat noch keine eigene Produktion zylindrischer Batteriezellen aufgebaut. 

    Der Batteriebedarf von Foxtron steigt mit dem Ausbau eigener Modelle und der Lohnfertigung. Vereinbarungen für Auftragsfertigung bestehen unter anderem mit Mitsubishi Fuso für Elektrobusse sowie mit Mitsubishi Motors in Japan für Elektroautos. Zugleich richtet Foxconn den Blick auf weitere Auslandsmärkte, darunter auch in Europa. Im Mai 2026 vereinbarte das Unternehmen eine Partnerschaft mit ElectroMobility Poland (EMP). Diese sieht eine Produktion in Polen sowie gemeinsame Forschung und Entwicklung vor. 

    Große Investition in Batterienfertigung in Europa 

    Auch ProLogium baut in Europa Produktionskapazitäten für Batterien auf. In Dunkerque an der französischen Atlantikküste entsteht eine Gigafactory für Festkörperbatterien. Der Spatenstich erfolgte im Februar 2026. Der Produktionsstart ist für 2028 geplant. Die Kapazität beträgt 4 Gigawattstunden. In Taiwan betreibt das Unternehmen bereits eine Gigafactory in Taoyuan. 

    ProLogium sieht sich als Vorreiter bei Festkörperbatterien auf Lithium-Keramik-Basis. Sicherheit und Leistungsfähigkeit der Technologie wurden 2024 durch den TÜV Rheinland zertifiziert. Das Unternehmen kooperiert mit deutschen Partnern wie dem Entwicklungsdienstleister FEV. Anfang 2026 stellten beide gemeinsam ein neues Batteriemodul vor. Weitere Kooperationen bestehen mit Mercedes-Benz und Mahle.

    Batteriematerial ist gefragt  

    Zu den neueren Akteuren auf dem taiwanischen Batteriemarkt zählt Largan Energy Material, ein Joint Venture von Largan Precision und dem staatlichen Industrial Technology Research Institute (ITRI). Im Mittelpunkt steht die Kommerzialisierung von Titan-Niobium-Oxid-Batteriematerial, das am ITRI entwickelt wurde und sich durch kurze Ladezeiten sowie hohe Lebensdauer auszeichnen soll. Nach der Gründung des Joint Ventures im Jahr 2024 soll die Produktion 2026 rund 600 Tonnen erreichen. Anschließend ist ein weiterer Ausbau geplant. 

    Ebenfalls aus der Forschung des ITRI stammt das Batteriematerial LMFP (Lithium-Mangan-Eisenphosphat). Die Produktionstechnologie übernahm das taiwanische Unternehmen HCM (Hung-Chen Material), das daraus Kathodenwerkstoffe für Elektromobilität und stationäre Speicher herstellt. Auch Aleees (Advanced Lithium Electrochemistry) ist in der Produktion von LMFP und LFP aktiv und positioniert sich als einer der wenigen Anbieter im Batteriebereich, die ohne chinesische Zulieferungen auskommen. 

    Etablierte Anbieter im Batteriebereich in Taiwan

    E-One Moli Energy Corporation gehört zu den etablierten Batterieanbietern in Taiwan und bietet sich als alternative Bezugsquelle zu den Gigafactories chinesischer und japanischer Branchenriesen an. Das Unternehmen gehört zur TCC (Taiwan Cement Corp.) Group. Unter der Marke Molicel wird ein breites Produktportfolio an Batterien produziert, wie unter anderem auch für die Luft- und Raumfahrt. Nach einem Feuer am Erzeugungsstandort in Kaohsiung im Sommer 2025 ist geplant, diesen Standort wieder aufzubauen. 

    In Taiwan existiert also bereits ein umfangreiches Ökosystem von Batterien- und -Materialherstellern für unterschiedliche Anwendungen von Zweirädern über Land- und Luftfahrzeuge bis zu maritimen Anwendungen. Ein weiteres Wachstumsfeld mit viel Dynamik sind stationäre Energiespeicher.

    Von Jürgen Maurer | Taipei

  • Taiwans Energiespeichermarkt wächst dynamisch: Erneuerbare Energien, Rechenzentren und Industrie treiben die Nachfrage nach stationären Batteriesystemen.

    Neben der Elektromobilität gewinnt in Taiwan auch die stationäre Energiespeicherung deutlich an Bedeutung. Laut dem taiwanischen Branchenportal DIGITIMES soll Taiwans Markt für stationäre Energiespeicher zwischen 2025 und 2030 von 1,7 Gigawatt auf 7 bis 8 Gigawatt wachsen. Haupttreiber sind der Ausbau von Solar- und Windenergie sowie der steigende Bedarf an Flexibilität und Netzstabilität. 

    Zusätzliche Wachstumsfelder entstehen bei Back-up-Batterien für die Halbleiterindustrie und für Rechenzentren. Vor allem der Ausbau KI-getriebener Datenzentren erhöht die Nachfrage nach Systemen, die Stromausfälle überbrücken und kritische Infrastrukturen wie Kühlsysteme absichern. Vor diesem Hintergrund sehen taiwanische Hersteller ein großes Exportpotenzial. Unterstützt durch staatliche Förderprogramme dürfte der Markt in den kommenden Jahren spürbar wachsen. 

    Energiespeicher aus lokaler Fertigung erhalten Subventionen 

    Der staatliche Energieversorger Taipower zählt in Taiwan zu den wichtigsten Abnehmern von Batteriespeichersystemen. Diese Systeme dienen unter anderem zur automatischen Frequenzregelung, um Schwankungen zwischen Stromerzeugung und Verbrauch auszugleichen. Aktuell bereitet Taipower eine größere Ausschreibung für ein Batteriespeichersystem mit 300 Megawattstunden am früheren Kraftwerksstandort Shennao in Keelung vor. 

    Auch Industrieunternehmen investieren verstärkt in Energiespeicher. Ausschlaggebend sind der Renewable Energy Development Act sowie Vorgaben für große Stromkunden. Das Ministry of Economic Affairs kündigte im März 2026 an, Batteriespeichersysteminstallationen von Industriekunden bis zu 50 Prozent zu fördern, wenn die eingesetzten Lithium-Batteriezellen lokal produziert wurden. Auch stationäre Brennstoffzellen sind förderfähig. Damit verstärkt die Regierung den Anreiz zur Lokalisierung. 

    Zahl der Anbieter steigt 

    In Taiwan ist in den vergangenen Jahren eine wachsende Zahl von Anbietern für stationäre Energiespeicher entstanden. Zu den frühen Akteuren zählt NHOA TCC, eine Tochter der TCC Group. Sie lieferte nach eigenen Angaben 2020 das erste AFC-Speichersystem (Automatic Frequency Control) in Taiwan. Durch die Mehrheitsübernahme des europäischen Energiespeicherunternehmens Engie EPS entwickelte sich die NHOA Group zugleich zu einem international tätigen Speicherspezialisten. 

    Formosa Smart Energy Tech (FSET), 2022 gegründet und Teil der Formosa Plastics Group, zählt zu den am schnellsten wachsenden Batteriezellherstellern in Taiwan. Anfang 2025 nahm das Unternehmen in Changhua eine Produktion für Lithium-Eisenphosphat-Zellen mit einer Kapazität von 2,1 Gigawattstunden in Betrieb. In einer zweiten Ausbaustufe soll die Kapazität auf mehr als 5 Gigawattstunden steigen. 

    Cold Electric, im lokalen Markt auch als Chang Gung International Energy bekannt, begann 2019 mit der Produktion von Batteriespeicherzellen in einem Pilotwerk. Die erste Anlage für Microgrid-Energiespeicherung in Taiwan ging 2024 in Betrieb. Derzeit baut das Unternehmen eine Massenproduktion auf. Diese soll 2027 eine Kapazität von rund 1,8 Gigawattstunden und 2028 etwa 3,5 Gigawattstunden erreichen. Nach Unternehmensangaben stammt die Ausrüstung unter anderem von japanischen und deutschen Herstellern. 

    Back-up-Systeme sind gefragt 

    Delta Electronics hat sich zu einem wichtigen Anbieter von Back-up-Systemen entwickelt. Das Unternehmen produziert Batteriespeichercontainer auf Basis von Lithium-Eisenphosphat-Batterien in Standard-10-Fuß-Containern. Die Systeme sind vor allem für Fotovoltaikanlagen und Mikrogrid-Projekte ausgelegt. 

    Ende 2026 will Delta Electronics in Taiwan zudem mit der Produktion von Festoxid-Brennstoffzellen im industriellen Maßstab beginnen. Die Fertigung erfolgt in Lizenz des britischen Entwicklers Ceres. Damit erweitert das Unternehmen sein Angebot für Rechenzentren und andere energieintensive Anwendungen im In- und Ausland. Einen ersten größeren Auftrag für Festoxid-Brennstoffzellen erhielt Delta Electronics im April 2026 vom britischen Energieversorger Centrica. 

    Entwicklung und Tests werden gestärkt

    Neben den großen Anbietern sind in Taiwan weitere Unternehmen in den Bereichen Komponenten und Systeme für Energiespeicher aktiv, darunter Billion Watts und Tun Green Power. Um Hersteller bei Entwicklung und Tests zu unterstützen, richtete das staatliche Bureau of Standards, Metrology and Inspection 2025 das National Center for Energy Storage System Technology (NEST) im Tongluo Science Park in Miaoli ein. Seit 2026 bietet das Zentrum dort Dienstleistungen an. Dazu gehören vor allem Sicherheitstests für Energiespeichersysteme und Batterien für E-Busse.

    Taiwan verfügt aus der Elektronikindustrie über umfangreiches Know-how in der Herstellung von Batteriezellen, Modulen und Systemintegration. Zudem baut die Insel seine Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten weiter aus. Seit 2016 besteht eine Kooperation zwischen Taiwans National Science and Technology Council und dem deutschen Forschungsministerium zu Batterietechnologien. Im Mai 2026 vereinbarten beide Seiten, diese Zusammenarbeit zu verlängern. 

    Branchenmessen 

    •  Energy Taiwan & Net-Zero Taiwan: jährliche Messe in Taipei nächster Termin: 14. bis 16. Oktober 2026 

    • TASS Sustainable Taiwan Expo: jährliche Messe in Kaohsiung nächster Termin: 11. bis 13. November 2026 

    Von Jürgen Maurer | Taipei

  • Taiwan investiert in Batterierecycling, um resilientere Lieferketten aufzubauen. Daraus ergeben sich Chancen für deutsche Unternehmen.

    Taiwan ist bei Batterien, Rohstoffen und Komponenten weiterhin stark von Importen aus China abhängig. Genau deshalb gewinnt Batterierecycling strategisch an Bedeutung. Es soll die Versorgung mit kritischen Materialien sichern, die Abhängigkeit von China verringern und den Aufbau alternativer Lieferketten unterstützen. Im Jahr 2025 entfielen wertmäßig etwas mehr als 68 Prozent der taiwanischen Importe von Lithium-Ionen-Akkumulatoren auf China. Bei Separatoren lag der Anteil sogar bei 91 Prozent. 

    Bei Batterien ist China Taiwans wichtigster LieferantLieferländer von Batterien nach Volumen in Millionen US$; Veränderung in Prozent

    Land 

    2024 

    2025 

    Veränderung 2025/24  

    China, inkl. Hong Kong 

    955,9 

    882,3 

    -7,7 

    USA 

    152,0 

    143,5 

    -5,6 

    Südkorea 

    168,3 

    109,6 

    -34,9 

    Japan 

    116,9 

    105,8 

    -9,4 

    Malaysia 

    14,8 

    31,1 

    116,2 

    Vietnam 

    22,2 

    28,2 

    27,2 

    Deutschland 

    24,0 

    27,0 

    12,5 

    Singapur 

    24,1 

    23,4 

    -2,7 

    Indien 

    10,9 

    11,9 

    9,7 

    Polen 

    6,1 

    10,1 

    65,0 

    HS-Pos. 8507 - Elektrische AkkumulatorenQuelle: Customs Statistics, Ministry of Finance, 2026

    Batterierecycling soll Rohstoffsicherung unterstützen

    Die strategische Bedeutung des Recyclings zeigt sich auch bei Rohstoffen. Taiwan verfügt über keine eigenen Vorkommen und ist bei seltenen Erden und anderen kritischen Metallen weitgehend auf Importe angewiesen, darunter in erheblichem Umfang aus China. Der Gesamtbedarf an seltenen Erden liegt derzeit bei rund 1.500 Tonnen pro Jahr und könnte bis 2030 auf etwa 2.000 Tonnen steigen. 

    Daher setzt die Regierung auf Urban Mining, also die Rückgewinnung von Rohstoffen aus bestehenden Produkten, Gebäuden oder Abfällen in Städten. Außerdem bietet sie gezielt Förderanreize. Innerhalb von drei Jahren soll so etwa ein Drittel des inländischen Bedarfs an seltenen Erden gedeckt werden. Recycling soll Lithium, Wolfram, Nickel und Kobalt zurückgewinnen und damit die Rohstoffversorgung sichern. 

    Anreize für lokales Recycling

    Das Umweltministerium hat Anreize eingeführt, um das Batterierecycling für Unternehmen wirtschaftlich attraktiver zu machen und die Kreislaufwirtschaft zu stärken. Seit dem 1. Juli 2025 zahlen Firmen, die sich zum Batterierecycling verpflichten, für die Entsorgung wiederaufladbarer Lithiumbatterien im Inland nur noch 5,1 New Taiwan-Dollar (NT$) pro Kilogramm statt zuvor 39 NT$. 

    Noch ist die inländische Verarbeitung jedoch begrenzt. Im Jahr 2025 wurden etwa 13 Prozent der gesammelten Lithium-Batterien exportiert und im Ausland weiterverarbeitet. Aus dem überwiegenden Teil entstand im Inland zunächst Black Mass. Diese ging anschließend meist ebenfalls zur weiteren Veredelung ins Ausland. 

    Recycling-Kapazitäten werden ausgebaut

    Aufbereitungskapazitäten für Batterien sind in Taiwan bereits in Ansätzen vorhanden und werden weiter ausgebaut. Etabliert ist das Recyclingunternehmen Lianyou Resources, das Wolfram und Kobalt zurückgewinnt und teilweise weiterverarbeitet. So produziert das Unternehmen beispielsweise Kobaltsulfat für die Batterieherstellung. Für Wolframkarbid plant Lianyou Resources in der 2. Jahreshälfte 2027 die Inbetriebnahme einer neuen Produktionsanlage im Pingtung Technology Industrial Park. 

    Auch UWin Nanotech baut die Wiederverwertung aus. Das Technologieunternehmen will mit einem selbst entwickelten Verfahren unter anderem Kobalt, Nickel und Lithium aus Batterien und Elektroschrott extrahieren. UWin Nanotech will das Verfahren 2027 mit einer neuen Fabrik in den industriellen Maßstab überführen. Auch der Batteriezellhersteller Formosa Smart Energy Technology (FSET) plant den Einstieg in das Batterierecycling, um kritische Rohstoffe zurückzugewinnen.

    Aufkommen an Altbatterien steigt

    Mit steigenden Mengen an Altbatterien wird das Recycling weiter an Bedeutung gewinnen. Das Volumen recycelbarer Sekundärbatterien lag 2024 laut Umweltministerium erst bei rund 1.100 Tonnen. Bis 2030 soll es auf 8.500 Tonnen und bis 2033 auf mehr als 21.000 Tonnen steigen. 

    Wachsende Altbatteriemengen, strengere Umweltauflagen und neue Verfahren dürften daher zusätzliche Investitionen in Recycling- und Verarbeitungsanlagen auslösen. Nach Angaben des Industrial Economics Knowledge Center lassen sich aus einer Tonne Lithium-Batterien etwa 150 Kilogramm Lithium, 100 Kilogramm Nickel, 20 Kilogramm Kobalt sowie weitere kritische Metalle zurückgewinnen. 

    Alternative Bezugsquellen im Fokus

    Politik und Industrie in Taiwan wollen die Abhängigkeit von Rohstoffen, Komponenten und Systemen aus China verringern oder möglichst vermeiden. Deshalb arbeiten Unternehmen daran, unter anderem seltene Erden und andere kritische Metalle aus Indonesien, Australien und Chile zu importieren und wollen diese Bezugsquellen weiter ausbauen. 

    Taiwan will sich damit nicht nur resilienter aufstellen, sondern sich gezielt als Teil sogenannter „Non-Red Supply Chains“ (ohne China) positionieren. Für deutsche Unternehmen und Forschungsinstitutionen entstehen daraus konkrete Ansatzpunkte in Recyclingtechnik, Materialrückgewinnung und beim Aufbau alternativer Lieferketten.

    Von Jürgen Maurer | Taipei