Taiwans Batteriehersteller setzen auf steigende lokale und globale Produktion von Elektrofahrzeugen. Kapazitätsaufbau bietet Potenzial für deutsche Zulieferer und Abnehmer.
Taiwans Elektromobilität ist noch in einer frühen Marktphase, wird jedoch durch staatliche Zielvorgaben und Fördermaßnahmen gezielt auf Wachstum ausgerichtet. Für den Batteriemarkt ergeben sich daraus drei zentrale Treiber: der Hochlauf der Elektromobilität sowie der gezielte Aufbau lokaler Wertschöpfung bei Zellen, Materialien und Systemen. Nicht zuletzt haben taiwanische Branchenhersteller auch internationale Märkte im Visier.
Vollelektrische Fahrzeuge noch mit geringen Anteilen in Taiwan
Ende 2025 waren in Taiwan rund 8,72 Millionen vierrädrige Fahrzeuge registriert. Der Elektrifizierungsgrad variiert je nach Segment deutlich: Bei Bussen ist er mit annähernd 10 Prozent bereits vergleichsweise hoch, bei Pkw weiterhin niedrig und bei Elektrorollern mit 5,5 Prozent im mittleren Bereich. Für den Batteriemarkt bedeutet dies kurzfristig vor allem Nachfrage im regulierten Teilsegment Busse und mittel- bis langfristig hohes Wachstumspotenzial auch im Pkw-Bereich.
Bussegment elektrifiziert am schnellstenVollelektrisch angetriebene Automobile in Taiwan (Einheiten; Anteil in Prozent) | 2024 | 2025 | Anteil 2025 |
|---|
Pkw, darunter: | 7.420.160 | 7.463.306 | |
E-Pkw | 95.796 | 127.842 | 1,7 |
Busse, darunter: | 30.009 | 29.677 | |
E-Busse | 1.994 | 2.793 | 9,4 |
Motorisierte Zweiräder, darunter: | 14.656.084 | 14.674.347 | |
E-Scooter | 774.651 | 803.574 | 5,5 |
Quelle: Ministry of Transportation and Communications, 2026
Bei Elektrorollern dominiert die Marke Gogoro mit rund 90 Prozent Marktanteil und einem eigenen Akkutauschsystem. Die Lithium-Ionen-Batterien stammen aus lokaler Produktion. Bei Bussen und Pkw wollen die Branchenhersteller den Anteil der in Taiwan beschafften Sekundärbatterien ebenfalls ausbauen.
Lokale Batterieproduktion wird strategisch ausgebaut
In Taiwan hat der als Auftragshersteller bekannte Konzern Foxconn (Originalname: Hon Hai Precision Industry Co.) in die eigene Herstellung von Elektrofahrzeugen diversifiziert. Foxconn setzt dabei auf vertikale Integration und baut eigene Batteriekapazitäten auf, um den Wertschöpfungsanteil bei Batterien für Elektrofahrzeuge bei 30 bis 40 Prozent inhouse zu halten.
In Kaohsiung produziert Foxconn Lithium-Eisenphosphat-Batterien in einem Werk, das 2025 in Betrieb ging. Die Kapazität soll 2026 von 0,6 Gigawattstunden auf 1,2 Gigawattstunden steigen. Das Werk soll vor allem den Eigenbedarf für Elektrobusse decken. Unter der Marke Foxtron produziert Foxconn Elektrobusse, die bereits in taiwanischen Städten im Einsatz sind.
Steigender Eigenbedarf erhöht den Druck zur Lokalisierung
Foxtron erweiterte sein Elektrofahrzeugportfolio mit dem Markteintritt des eigenen Pkw-Modells Bria Ende 2025. Zudem übernahm das Unternehmen Anfang 2026 den taiwanischen Hersteller Luxgen. Die Fahrzeuge werden derzeit mit Batteriezellen chinesischer Hersteller ausgestattet. Foxconn hat noch keine eigene Produktion zylindrischer Batteriezellen aufgebaut.
Der Batteriebedarf von Foxtron steigt mit dem Ausbau eigener Modelle und der Lohnfertigung. Vereinbarungen für Auftragsfertigung bestehen unter anderem mit Mitsubishi Fuso für Elektrobusse sowie mit Mitsubishi Motors in Japan für Elektroautos. Zugleich richtet Foxconn den Blick auf weitere Auslandsmärkte, darunter auch in Europa. Im Mai 2026 vereinbarte das Unternehmen eine Partnerschaft mit ElectroMobility Poland (EMP). Diese sieht eine Produktion in Polen sowie gemeinsame Forschung und Entwicklung vor.
Große Investition in Batterienfertigung in Europa
Auch ProLogium baut in Europa Produktionskapazitäten für Batterien auf. In Dunkerque an der französischen Atlantikküste entsteht eine Gigafactory für Festkörperbatterien. Der Spatenstich erfolgte im Februar 2026. Der Produktionsstart ist für 2028 geplant. Die Kapazität beträgt 4 Gigawattstunden. In Taiwan betreibt das Unternehmen bereits eine Gigafactory in Taoyuan.
ProLogium sieht sich als Vorreiter bei Festkörperbatterien auf Lithium-Keramik-Basis. Sicherheit und Leistungsfähigkeit der Technologie wurden 2024 durch den TÜV Rheinland zertifiziert. Das Unternehmen kooperiert mit deutschen Partnern wie dem Entwicklungsdienstleister FEV. Anfang 2026 stellten beide gemeinsam ein neues Batteriemodul vor. Weitere Kooperationen bestehen mit Mercedes-Benz und Mahle.
Batteriematerial ist gefragt
Zu den neueren Akteuren auf dem taiwanischen Batteriemarkt zählt Largan Energy Material, ein Joint Venture von Largan Precision und dem staatlichen Industrial Technology Research Institute (ITRI). Im Mittelpunkt steht die Kommerzialisierung von Titan-Niobium-Oxid-Batteriematerial, das am ITRI entwickelt wurde und sich durch kurze Ladezeiten sowie hohe Lebensdauer auszeichnen soll. Nach der Gründung des Joint Ventures im Jahr 2024 soll die Produktion 2026 rund 600 Tonnen erreichen. Anschließend ist ein weiterer Ausbau geplant.
Ebenfalls aus der Forschung des ITRI stammt das Batteriematerial LMFP (Lithium-Mangan-Eisenphosphat). Die Produktionstechnologie übernahm das taiwanische Unternehmen HCM (Hung-Chen Material), das daraus Kathodenwerkstoffe für Elektromobilität und stationäre Speicher herstellt. Auch Aleees (Advanced Lithium Electrochemistry) ist in der Produktion von LMFP und LFP aktiv und positioniert sich als einer der wenigen Anbieter im Batteriebereich, die ohne chinesische Zulieferungen auskommen.
Etablierte Anbieter im Batteriebereich in Taiwan
E-One Moli Energy Corporation gehört zu den etablierten Batterieanbietern in Taiwan und bietet sich als alternative Bezugsquelle zu den Gigafactories chinesischer und japanischer Branchenriesen an. Das Unternehmen gehört zur TCC (Taiwan Cement Corp.) Group. Unter der Marke Molicel wird ein breites Produktportfolio an Batterien produziert, wie unter anderem auch für die Luft- und Raumfahrt. Nach einem Feuer am Erzeugungsstandort in Kaohsiung im Sommer 2025 ist geplant, diesen Standort wieder aufzubauen.
In Taiwan existiert also bereits ein umfangreiches Ökosystem von Batterien- und -Materialherstellern für unterschiedliche Anwendungen – von Zweirädern über Land- und Luftfahrzeuge bis zu maritimen Anwendungen. Ein weiteres Wachstumsfeld mit viel Dynamik sind stationäre Energiespeicher.
Von Jürgen Maurer
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