Wirtschaftsumfeld | Taiwan | Forschung und Entwicklung

Taiwan will noch mehr globale Innovationszentren anziehen

Taiwan stärkt durch steigende F&E-Ausgaben und staatliche Anreize seine Innovationskraft. Auch deutsche Unternehmen investieren verstärkt in neue Forschungszentren.

Von Jürgen Maurer | Taipei

Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sind ein zentraler Bestandteil in Taiwans Strategie, die industrielle Struktur zu diversifizieren, Innovationspotenziale zu fördern und die Wirtschaftskraft zu stärken. Dazu unterstützt die Regierung Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) mit Anreizen, von denen auch deutsche Firmen Gebrauch machen können. Als Schwerpunkte von F&E-Zentren stehen in den nächsten Jahren Bereiche wie Halbleiter, künstliche Intelligenz (KI), intelligente Maschinen, 6G-Kommunikation und fortschrittliche Medizintechnologien im Fokus.

Regierung fördert F&E-Aktivitäten 

Um F&E-Aktivitäten internationaler Firmen in Taiwan anzuregen, hat die Regierung verschiedene Programme initiiert und mit Finanzmitteln ausgestattet:

  • A+ Industrial Innovation R&D Program (AIIP): Fördert Unternehmen bei der Entwicklung innovativer, hochwertiger Technologien und übernimmt dabei bis zu 50 Prozent des Projektbudgets. 

  • Global Innovation Partnership Initiatives Program: Richtet sich speziell an internationale Unternehmen und fördert langfristige F&E-Kooperationen, um Taiwans globale Position im Technologiebereich zu stärken. 

  • Pioneers for Innovation Leadership On Technology (PILOT): Zielt darauf ab, multinationale Unternehmen für die Einrichtung fortschrittlicher F&E-Zentren in Taiwan zu gewinnen, um Innovationen im Ökosystem voranzutreiben.  

Internationale Zusammenarbeit wird groß geschrieben: So existiert zwischen Taiwan und Deutschland das seit vielen Jahren fortgeschriebene Programm zur gemeinsamen Forschung und Entwicklung von Unternehmen. Dieses wird vom AIIP (A+ Industrial Innovative R&D Program) auf taiwanischer Seite und dem ZIM (Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand) auf deutscher Seite finanziert.

Die F&E-Förderung müssen die Firmen beantragen. Auch wenn sie nicht für jedes innovative Unternehmen in Frage kommen, schätzen sie dennoch deutsche Wirtschaftsvertreter. Allerdings sind die Hürden teilweise hoch: Beispielsweise soll mittlerweile die Hälfte der F&E-Angestellten von außerhalb Taiwans kommen. Zudem sind die Antragsverfahren aufwendig.

Wie Taiwan Forschung und Entwicklung fördert: 

  • Steuergutschriften für Forschung und Entwicklung 

  • Abzug von gewinnorientierter Unternehmenssteuer für Ausgaben für hochinnovative Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten 

  • Steuerliche Anreize für Unternehmensinvestitionen in intelligente Maschinen, 5G/6G, Cybersicherheit, KI, Energiesparmaßnahmen

Über den Förderumfang informiert Invest in Taiwan detailliert: Anreize und Zuschüsse für F&E-Ausgaben in Taiwan

 

F&E-Ausgaben steigen kräftig

In Taiwan überstiegen die F&E-Ausgaben nach letztverfügbaren Zahlen von 2024 das erste Mal die Marke von 1 Billion Neue Taiwan-Dollar (NT$), umgerechnet 30,1 Milliarden US$. Das entspricht einem Zuwachs von 12 Prozent gegenüber 2023 und einem Anteil am Bruttoinlandsprodukt von 4,1 Prozent, so Angaben des National Science and Technology Council (NSTC).

Darunter kamen die F&E-Investitionen internationaler Unternehmen 2024 auf knapp 760 Millionen US$, ein neuer Rekord. Denn mittlerweile haben viele ausländische Unternehmen F&E-Zentren in Taiwan eröffnet, allen voran US-Firmen aus dem Halbleiter- und KI-Bereich. Die Zahl der Innovationszentren von Unternehmen aus Deutschland hat in den letzten Jahren ebenfalls zugenommen.

Deutsche Firmen stärken Innovation in Taiwan

Im Jahr 2024 eröffneten drei deutsche Unternehmen F&E-Zentren in Taiwan: Zeiss, Infineon und SAP. Infineon betreibt ein F&E‑Zentrum für Wi‑Fi‑ und Bluetooth‑Chips in E‑Fahrzeugen. SAP gründete ein Forschungszentrum für Nachhaltigkeit und KI in Kaohsiung. Und Zeiss betreibt ein Innovationszentrum für die Halbleiterindustrie in Hsinchu. Laut dem Chef von Zeiss Taiwan, Henry Cai, waren staatliche Investitionsanreize ausschlaggebend für die Ausweitung der F&E-Aktivitäten auf der Insel. Weitere Gründe waren die Nähe zu Kunden sowie die Verfügbarkeit von Fachkräften. Über einen Zeitraum von 10 Jahren will Zeiss circa 300 Millionen US$ in Taiwan investieren, insbesondere im Halbleiterbereich.

Halbleiter dominieren Patentanmeldungen 

Gemessen an den Patentanmeldungen zählen Halbleiter und KI‑Hardware zu den innovativsten Industrien Taiwans. Es folgen Photonik und Konsumelektronik. Unternehmen tragen etwa 85 Prozent der F&E-Ausgaben. Der Auftragsfertiger TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing) ist seit 2016 der größte Patentanmelder in Taiwan. 

Die Entwicklung angewandter KI‑Lösungen steht in Taiwan weit oben auf der Prioritätenliste. Die Regierung will zudem mehr Forschungs‑ und Entwicklungsgelder für Halbleiterentwicklung und ‑produktion, Robotik, Biotechnologie sowie KI‑Softwarewerkzeuge für nachhaltige Transformation anziehen. Daraus sollen Patentanmeldungen sowie konkrete Anwendungsfelder und Geschäftschancen entstehen.

Enges F&E-Kooperationsnetzwerk 

Auf der einen Seite hat Taiwan ein offenes Wirtschafts- und Wissenschaftssystem, auf der anderen Seite ist die Wissenschaft der Insel jedoch nicht so stark international integriert, da fehlende offizielle Beziehungen mit anderen Ländern dies behindern. Dagegen ist der Austausch innerhalb und zwischen Innovationssystemen in Taiwan wie auch die Umsetzung und gesellschaftliche Akzeptanz von neuen Technologien hoch.

Das sichtbarste Beispiel für diese enge Verzahnung sind die Science Parks. Dort sind viele Hightechunternehmen sowie öffentliche und private F&E-Institute angesiedelt. Auf die drei Science Parks konzentrierten sich 2024 rund 47,5 Prozent der F&E-Ausgaben von Unternehmen in Taiwan. Ein großer Teil davon entfällt auf Hersteller aus dem Halbleiterökosystem.

Laut vorläufiger Zahlen des NSTC sollen die Umsätze der Science Parks im Jahr 2025 auf 5,5 Billionen NT$ (umgerechnet circa 175 Milliarden US$) zugenommen haben, über 15 Prozent mehr als 2024. Als Umsatztreiber sind die Halbleiterunternehmen für circa 83 Prozent des Gesamtumsatzes verantwortlich. Daher dürfte der Umsatzanteil der Science Parks am Bruttoinlandsprodukt Taiwans, der 2024 bei 18,5 Prozent lag, im Jahr 2025 auf deutlich über 19 Prozent gestiegen sein. 

 

Die drei Science Parks erwirtschaften bald ein Fünftel der Wirtschaftsleistung TaiwansUmsatz in Milliarden US-Dollar, 2024

  

Gesamt 

darunter Chipfirmen 

Hsinchu 

47,2 

33,8 

Central  

32,2 

26,3 

Southern 

68,9 

58,5 

Umrechnung zum Wechselkurs 1 US-Dollar (US$) = 32,11 Neue Taiwan-Dollar (NT$) Quelle: National Science and Technology Council 2025

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