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Chipboom treibt Taiwans Bedarf an Halbleiterausrüstung
Taiwans Bestellungen von Halbleiterfertigungs- und Testausrüstung legen stark zu, stimuliert von der weltweiten Chipnachfrage. Deutsche Anbieter profitieren von dieser Entwicklung.
25.02.2026
Von Jürgen Maurer | Taipei
Die Halbleiterproduktion boomt in Taiwan, was die Nachfrage nach dafür benötigter Ausrüstung antreibt. Nach einer Verdopplung der Ausrüstungsbestellungen 2025 gegenüber 2024 prognostiziert der Branchenverband Semi, dass der Bedarf in Taiwan auch in den nächsten zwei Jahren hoch bleiben wird.
Der taiwanesische Markt allein absorbierte 2025 Halbleiterfertigungs-, Verpackungs- und Testausrüstung von 28 Milliarden US-Dollar (US$), im Vergleich zu 24 Milliarden US$ in China und 19 Milliarden US$ in Südkorea. Weltweit soll der Ausrüstungsmarkt zwischen den Jahren 2026 und 2031 von circa 115 Milliarden US$ auf rund 163 Milliarden US$ zunehmen, prognostiziert die Marktforschungsfirma Mordor Intelligence.
Taiwan wird dabei einer der größten Abnehmer von Ausrüstung bleiben. Denn gerade bei Hochleistungschips ist Taiwan der führende Hersteller und der Bedarf an hochpreisigen Anlagen wie auch an vielfältigen neuen Maschinen für Verpackungs- und Testzwecke bleibt damit sehr hoch. Die International Technology Roadmap for Semiconductor Projects geht davon aus, dass 2028 die Hälfte der Hochleistungschips auf Chiplet-Architektur aufbauen wird. Dabei handelt es sich um einen modularen Ansatz für den Bau von Prozessoren, deren einzelne Funktionen auf separaten Chiplets untergebracht sind.
Segment | Ausbauintensität *) | Anwendung |
|---|---|---|
Reife Technologieknoten (>12 nm) | Mittel | Automotive, Industrie |
Fortgeschrittene Technologieknoten (10 nm bis 3 nm) | Hoch | Alle Anwendungen, aber gegenwärtig Fokus KI |
Modernste Logik-Chips (<2 nm) | Sehr hoch | KI, Hochleistungschips (HPC) |
Modernste Verpackung | Sehr hoch | Chiplets, wie CoWoS, etc. |
Nicht nur Branchenriese TSMC treibt Nachfrage nach Ausrüstungen an
Daher nimmt der Bedarf an Ausrüstungen sowohl aus dem Frontend- und zunehmend aus dem Backend- und Packaging-Segment zu. Im Rampenlicht steht der größte Auftragshersteller für Halbleiter, TSMC, der weiter massiv in Taiwan investiert. Auch andere Unternehmen aus dem Halbleiter-Ökosystem der Insel bauen ihre Produktion aus. Darunter finden sich auch einige auf Fertigung, Verpackung und Tests spezialisierte Firmen, sogenannte OSAT (Outsource Semiconductor Assembly and Test).
Solche Ausbaupläne sind gute Nachrichten für die Zulieferer von Produktions-, Kontroll- und Testausrüstung für Halbeiter sowie erforderliche Komponenten für Firmen in Taiwan wie auch für deren Überseeableger. Auch deutsche Unternehmen zählen zu den wichtigen Lieferanten von Ausrüstung und Komponenten in den Bereichen Lithografie, Metrologie, Bonding und Testing.
Deutscher Branchenlieferant erhöht lokale Präsenz
Dazu gehört beispielsweise das deutsche Unternehmen SUSS MicroTec (SUSS), das 2025 in Hsinchu eine neue, erweiterte Fertigungsstätte in Betrieb genommen hat.
"Taiwan bietet einen großen Pool an gut ausgebildeten Arbeitskräften, kompetenten Lieferanten sowie die Nähe zu taiwanischen Kunden und anderen asiatischen Märkten",
begründet Andy Kao, General Manager Operations von SUSS MicroTec (Taiwan), die Entscheidung für eine Produktion vor Ort.
In Zhubei, in der Nähe des großen Chipproduktionsclusters Hsinchu, unterhält SUSS den einzigen Fabrikationsstandort außerhalb Deutschlands und dieser entwickelt sich erfolgreich. Andy Kao unterstreicht, "dass die Produktion in Taiwan jüngst ungefähr einen Anteil von 40 Prozent an der Gesamtproduktion des Unternehmens erreicht hat nach einem konstanten Aufwärtstrend in den vergangenen Jahren".
Künstliche Intelligenz (KI) steigert die Nachfrage nach weiteren Produktkategorien. So sind gegenwärtig zwei von drei Produktgruppen von SUSS (Taiwan) für die Herstellung von KI-Halbleitermodulen stark gefragt, führt Andy Kao aus. Das, was in Taiwan produziert wird, geht an Kunden weltweit, hauptsächlich in Asien, wie auch in Europa und in den USA.
Viele deutsche Zulieferer mit Servicezentren vor Ort
Auch andere deutsche Branchenanbieter sind präsent, überwiegend mit Servicezentren, so beispielsweise Aixtron, PVA Tepla oder Trumpf. Die Kooperation vor Ort ist wichtig, da die Kunden Problemlösungen und lokale Unterstützung brauchen. Dies gilt sowohl für fortgeschrittene Technologie, für die Taiwan einer der wichtigsten Einzelmärkte weltweit ist, als auch für die kontinuierliche Optimierung von Produktionsprozessen.
Mit dem Fokus auf Kunden aus der Halbleiterindustrie hat Zeiss 2024 in Taiwan ein Innovationszentrum in Hsinchu eröffnet. Unter anderem geht es um gemeinsame Forschung und Entwicklung von Ausrüstung für fortgeschrittene Verpackungslösungen, ein für die nächsten Jahre sehr gefragtes und entwicklungsintensives Segment. Hier sind taiwanische Firmen äußerst innovativ.
Ende 2025 hat Trumpf ein Technikzentrum für Plasmageneratoren (Technical Center for Plasma Generators), in Taiwan in Betrieb genommen. Trumpf liefert eine Reihe von Komponenten für die Halbleiterherstellung, wobei das neue Servicezentrum speziell auf Plasma-Erzeugungsausrüstung ausgerichtet ist. Es dient als Regionalhub auch für Japan, Südkorea und Südostasien, um die Servicezeiten zu verkürzen. Die Ausrüstung für die Halbleiterherstellung kommt aus Deutschland, wie auch bei den meisten anderen deutschen Branchenanbietern in Taiwan.
Taiwan muss einiges an Ausrüstung importieren
Die Insel importierte 2025 Produktions-, Kontroll- und Testausrüstung für Halbeiter und dazugehörige Komponenten für 1,6 Milliarden US$ aus Deutschland. Zum Teil finden sich Teile deutscher Branchenerzeuger auch in den Lieferungen von EUV (Extreme Ultraviolet Lithography)-Maschinen von ASML aus den Niederlanden. So hat ASML eine Minderheitsbeteiligung bei der ZEISS-Halbleitertochter.
Um insgesamt rund 69 Prozent stiegen 2025 Taiwans wertmäßige Importe von Produktions-, Kontroll- und Testausrüstung für Halbeiter und Displays gegenüber 2024, so die Statistik des Ministry of Finance. Davon profitierten insbesondere Branchenlieferanten aus Japan, den USA und den Niederlanden. Auch aus Malaysia und Singapur führt Taiwan umfangreich Ausrüstung ein.
Taiwans Ausfuhren von Produktions-, Kontroll- und Testausrüstung für Halbeiter und Displays kamen 2025 auf knapp 7,4 Milliarden US$. Sie lagen damit 0,8 Milliarden US$ höher als 2024, so die Statistik des Ministry of Finance. Größte Abnehmer waren mit großem Vorsprung Unternehmen aus China (2,3 Milliarden US$), gefolgt von Singapur (1 Milliarde US$) und den USA (0,9 Milliarden US$).