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Taiwans Robotiksektor gewinnt durch Physical AI an Dynamik

Taiwan will sich mit Physical AI in neuen Wertschöpfungsketten positionieren. Deutsche Anbieter können bei Komponenten, Systemintegration und skalierbaren Anwendungen punkten.

Jürgen Maurer

Von Jürgen Maurer | Taipei

Taiwan baut ein Physical-AI-Ökosystem mit Schwerpunkt Robotik auf. Der Begriff bezeichnet KI-Systeme (künstliche Intelligenz), die nicht nur Daten verarbeiten, sondern in physischen Umgebungen handeln. Dazu zählen Roboter, autonome Fahrzeuge, Drohnen und Anwendungen der industriellen Automatisierung. Alleine der Weltmarkt für humanoide Roboter könnte von derzeit 5 Milliarden US-Dollar bis 2035 auf rund 50 Milliarden US-Dollar zulegen, so die Prognosen der Marktforscher von MarketsandMarkets. 

In dem jungen Segment findet derzeit eine rasche Entwicklung statt und in Taiwan bieten sich für deutsche Unternehmen eine Reihe von Anknüpfungspunkten: so punktet die Hightechinsel nicht nur mit technischer Kompetenz in Elektronik, Komponenten und Maschinenbau. Auch taiwanische Produktionsunternehmen, insbesondere große Auftragsfertiger, sind interessante Kunden für deutsche Ausrüstung. Kooperationschancen entstehen darüber hinaus durch die Suche nach von China unabhängigen Lieferketten.

Deutsche Lieferungen von Industrierobotern legen 2026 zuTaiwans Import von Industrierobotern *) in Millionen US$; Veränderung gegenüber Vorjahreszeitraum in Prozent

Land 

2024 

 2025 

2026 
(1. Halbjahr) 

Veränderung 2026/2025 
(1. Halbjahr) 

Gesamt, darunter 

121,7 

139,2 

98,8 

33,6 

 China (inkl. Hongkong) 

26,2 

26,7 

31,5 

131,2 

 Japan 

37,0   

33,9 

19,8 

4,2 

 USA 

22,5 

33,5 

18,0 

41,6 

 Dänemark 

3,5 

5,6 

9,3 

511,8 

 Vietnam 

11,8 

18,6 

9,3 

-25,3 

 Deutschland 

5,3 

6,8 

4,5 

37,1 

 Singapur 

7,3 

9,8 

3,2 

-65,5 

* HS 8479.50 - Industrieroboter, anderweitig weder genannt noch inbegriffenQuelle: Customs Statistics, Ministry of Finance 2026

 

Markt mit hoher Dynamik 

Taiwan zählt nicht zu den führenden Anbietern kompletter humanoider Roboter, Robotaxis oder anderer autonomer Systeme. Für deren Bau ist die Insel aber ein zentraler Zulieferstandort. Unternehmen aus Taiwan liefern unter anderem leistungsfähige Halbleiter, Leiterplatten, Sensoren und Präzisionskomponenten. Zudem verfügen sie über Erfahrung in der Systemintegration. 

Diese Bausteine sind entscheidend, damit humanoide Roboter, autonome Systeme und serviceorientierte Robotik den Schritt zur skalierbaren Anwendung schaffen, zum breiten Praxiseinsatz also. Taiwan behandelt Physical AI deshalb als strategische Schlüsseltechnologie. Die Regierung will taiwanische Unternehmen dabei unterstützen, ihre Stärken in relevanten Lieferketten auszubauen und sich frühzeitig in neuen Wertschöpfungsnetzwerken zu positionieren. 

Vielfältige Kooperationschancen für deutsche Firmen 

Dabei braucht Taiwan Partner, um seine Hardwarekompetenz in marktfähige Anwendungen zu überführen. Für deutsche Technologieanbieter ergeben sich somit Chancen bei Komponenten, Plattformen, Systemintegration und Standardisierung. 

Bei Industrierobotern, auf einem weltweit bereits seit Langem etablierten Feld also, hat Taiwan eine wachsende Nachfrage. Das zeigt, dass der Bedarf an Automatisierungslösungen zunimmt. Deutsche Anbieter liefern hierfür unter anderem Sensoren, Antriebs- und Vakuumtechnik, industrielle Steuerungen, Spezialmaterialien sowie Anlagen und Verfahren für deren Herstellung. Besonders aussichtsreich sind Partnerschaften mit Robotik-Start-ups, Halbleiter- und Elektronikfertigern sowie industriellen Anwendern in Taiwan.

Wichtigste Messen für Robotik in Taiwan 

Bestehende Kooperationen zeigen das Interesse auf beiden Seiten. Der taiwanische Elektrokonzern Delta Electronics hat sich mit einer strategischen Investition am deutschen Start-up Neura Robotics beteiligt. Ebenfalls mit Neura Robotics vereinbarte der Maschinenbauer Kenmec ein strategisches Kooperationsabkommen. Der Auftragsfertiger Foxconn investierte in das Münchner Start-up Agile Robots. Nicht zuletzt arbeitet Siemens mit mehreren taiwanischen Firmen bei AI-Robotiklösungen zusammen, unter anderem mit Techman Robot.

Taiwan will das Robotik-Ökosystem ausbauen 

Bereits etwa 180 taiwanische Akteure sind im Robotikumfeld aktiv; deutlich mehr Unternehmen liefern Komponenten und Vorprodukte. Es gibt auch mehrere etablierte Unternehmen, darunter Delta Electronics, Foxconn, Techman Robot, Hiwin und Solomon. Bislang produzieren sie überwiegend klassische Industrieroboter, die an feste Standorte gebunden sind und vorgegebenen Abläufen folgen. Zugleich arbeiten die Firmen an humanoiden Robotern, die sich frei bewegen und Aufgaben flexibler erledigen können. Viele technische Schnittstellen bleiben allerdings komplex. 

Um die Entwicklung von KI und Robotik besser zu koordinieren, gründeten mehrere Branchenverbände 2025 die "Taiwan AI Robotics Industry Alliance". Im August 2026 öffnete zudem das "Tainan Robotics Industry Development and Innovation Center". Rund um das Zentrum soll ein industrielles Ökosystem für Robotik entstehen. 

Auch Start-ups sollen die Entwicklung beschleunigen. Der staatliche Beteiligungsfonds National Development Fund will 10 Milliarden NT-Dollar (rund 310 Millionen US-Dollar) bereitstellen, um gemeinsam mit privaten Investmentgesellschaften in junge Unternehmen zu investieren. Das Programm soll noch 2026 starten, wobei nach sieben Jahren der schrittweise Ausstieg aus Beteiligungen vorgesehen ist. 

Die Initiativen sollen den Transfer von Robotertechnologien aus der Forschung in die Anwendung beschleunigen. Einsatzfelder sind unter anderem smarte Fabriken, Logistik, medizinische Versorgung und Pflege, Einzelhandel, Landwirtschaft sowie Sicherheitsaufgaben. Damit will Taiwan seiner industriepolitischen Vision einer "AI Island" näherkommen. 

Lieferketten bleiben strategische Herausforderung 

Mit der stärkeren politischen Fokussierung auf Physical AI rücken zugleich Lieferkettenrisiken stärker ins Blickfeld. Die USA wollen Abhängigkeiten von bestimmten Lieferquellen verringern. Sie beschränkten im Juli 2026 den Import fortschrittlicher Roboter – darunter humanoide und vierbeinige Modelle – vor allem aus China wegen Sicherheitsbedenken. China ist derzeit größter Produzent von humanoiden Robotern. Laut der Beratungsfirma Omdia kamen 2025 rund 85 Prozent der weltweit eingesetzten menschenähnlichen Maschinen aus chinesischer Herstellung. 

Vor diesem Hintergrund entwickelt sich Physical AI zu einem weiteren technologischen Wettbewerbsfeld. Taiwans Regierung will die Insel als alternativen Lieferketten-Standort zu China positionieren. Deutsche Unternehmen, die in Taiwans Physical-AI-Ökosystem aktiv werden wollen, sollten früh prüfen, wo genau ihre Komponenten, Fertigungstechnologien und Systemkompetenzen passen. Von der Entwicklung des Marktes können solche Player profitieren, die sich als verlässliche Partner für sichere, skalierbare und nichtchinesische Wertschöpfungsketten positionieren.