Seit 2024 ist die thailändische Automobilindustrie in der Krise. Solange die Wirtschaft schwächelt und die Verschuldung der Haushalte hoch bleibt, ist keine Erholung in Sicht.
Die thailändische Automobilindustrie hat sich seit dem Markteinbruch von 2024 um 20 Prozent nicht wieder erholt. Zwar stiegen 2025 die Kfz-Verkäufe im Inland laut Federation of Thai Industries (FTI) um 8,5 Prozent auf 621.000 Stück. Doch ist das noch immer der zweitschwächste Wert seit 2003. Die Pkw-Verkäufe legten um 6,7 Prozent zu. Jedoch ist das, jenseits von 2024 und dem Corona-Jahr 2021, der niedrigste Wert seit 2009. Analysten erwarten, dass sich der Markt auch 2026 nicht nennenswert erholt, sondern weitgehend stagniert.
30
%
aller in Thailand produzierten Pkw sollen 2030 E-Autos sein.
Ein wichtiger Grund für den geringen Absatz im Inland ist die zögerliche Vergabe von Automobilkrediten durch die Banken, von denen in den vergangenen Jahren viele faul geworden sind. Denn Thailand hat eine höchsten Haushaltsverschuldungen der Welt, mit etwa 85 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Gleichzeitig hat Thailand das mit Abstand schwächsten Wirtschaftswachstum in der ASEAN. Im Jahr 2026 wird es wahrscheinlich unter 2,0 Prozent bleiben.
Thailands Automobilindustrie ist exportorientiert, etwa zwei Drittel der Produktion werden in alle Welt geliefert. So kann die internationale Nachfrage auch bei schwachem heimischen Markt die Fabriken auslasten. Doch auch hier sieht es düster aus: Die Kfz-Ausfuhren sanken 2025 gegenüber dem bereits schwachen Vorjahr um weitere 8,2 Prozent auf 935.000 Stück. Das war, jenseits der Corona-Zeit, der schwächste Wert seit 2011.
Im Saldo aus Verkauf und Export sank die thailändische Kfz-Produktion 2025 um 0,9 Prozent auf 1,456 Millionen Einheiten. Das ist ein Rückgang von mehr als 20 Prozent gegenüber 2023 und ein Minus von mehr als 40 Prozent gegenüber der subventionsgetriebenen Blüte der Branche in den Jahren 2012 und 2013, als die thailändische Regierung Pkw-Erstkäufer großzügig unterstützte.
Deutsche Zulieferer bauen ihr Geschäft aus
Trotz der trüben Marktaussichten bleibt Thailand für deutsche Automobilzulieferer ein attraktiver Standort, vor allem für die Exportproduktion. Bosch konsolidiert derzeit sein Südostasien-Geschäft und holt mehr Fertigung aus anderen ASEAN-Ländern in das Königreich. Das Unternehmen fertigt dort unter anderem Bremsen und Einspritztechnologie, vor allem für den Export, aber auch für Hersteller vor Ort.
Auch ZF Friedrichshafen will den Standort Thailand stärken. Vor allem die Beschaffung soll dort ausgebaut werden, auch als Reaktion auf den Handelskrieg zwischen den USA und China. ZF hat fünf Werke in Thailand in den Provinzen Rayong und Chonburi und stellt unter anderem Getriebe, Fahrwerke und Sicherheitssysteme her. Bis 2030 will ZF das Auftragsvolumen seiner thailändischen Komponentenlieferanten auf 500 Millionen Euro verzehnfachen.
Continental hatte Ende 2024 Investitionen in Höhe von 300 Millionen Euro in die Erweiterung seiner Reifenproduktion um drei Millionen Stück jährlich angekündigt. Thailand ist als weltgrößter Kautschukproduzent ein wichtiger Standort für die Fertigung von Autoreifen.
Chinesische Hersteller brechen die japanische Dominanz
Japanische Hersteller dominieren den thailändischen Pkw-Markt. Auf sie entfielen lange mehr als 90 Prozent des Verkaufsmarktes. Dieser Anteil sinkt nun durch die wachsende Rolle von E-Autos, die überwiegend von chinesischen Herstellern kommen. Noch etwa zwei Drittel der Pkw-Verkäufe entfallen heute auf japanische Marken. Toyota hält seine führende Marktposition mit einem Marktanteil von etwa einem Drittel.
Absatz von Pkw nach ausgewählten Herstellern in Thailand *)Stückzahl; Marktanteil und Veränderung in ProzentHersteller | Absatz 2025 | Veränderung 2025/2024 | Marktanteil 2025 |
|---|
| Toyota | 73.278 | +22,6 | 34,5 |
| Honda | 36.321 | -11,8 | 17,1 |
| BYD | 17.12 | -4,6 | 8,1 |
| MG | 15.510 | 34,9 | 7,3 |
| Mitsubishi | 9.381 | -43,6 | 4,4 |
* ohne SUV und Pick-upsQuelle: www.autoinfo.co.th
BMW und Mercedes-Benz sind mit jeweils 10.000 bis 15.000 verkauften Fahrzeugen pro Jahr die größten Anbieter im Premiumsegment. Sie montieren vor Ort vor allen CKD-Bausätze (Completely Knocked Down), importieren aber auch fertige Modelle. Fahrzeuge mit Hybridantrieb verkaufen sich aufgrund steuerlicher Vorteile weiterhin gut. Mercedes bietet unter der Submarke EQ auch vollelektrische Limousinen an und BMW die vollelektrische i-Reihe.
Ambitionierte E-Auto-Ziele
Auch Thailand propagiert die Wende zur Elektromobilität und fördert sie mit mehreren Programmen. Denn 2030 sollen im Königreich 30 Prozent der in Thailand hergestellten und 50 Prozent der im Inland verkauften Autos elektrisch fahren. Dabei soll Thailand auch zum führenden Produktionszentrum für E-Autos in der ASEAN werden.
Staatliche Anreize zur Ansiedlung wertschöpfungsstarker Produktion und zukunftsträchtiger Sektoren haben in Thailand eine lange Tradition. So wird die Einfuhr von Kfz-Bausätzen deutlich geringer belastet als Importe von kompletten Fahrzeugen. Auch die Steuern beim Kauf von Fahrzeugen variieren erheblich. Thailand förderte lange den Verkauf und die Produktion von Pick-up-Trucks, um Produktionsstandort für ausländische Märkte zu werden. Bis 2024 gab es das sogenannte Eco-Car-Programm, mit dem die Produktion von effizienten Kleinwagen ins Land geholt wurde.
Rücksicht auf japanische Verbrenner
Bei der Förderung von E-Autos befindet sich die thailändische Regierung aber in einem Zielkonflikt. Zwar will sie Anreize für den Umstieg auf elektrische Fahrzeuge setzen. Gleichzeitig darf sie die japanischen Automobilfirmen nicht benachteiligen, die weiterhin überwiegend auf Verbrennungs- und Hybridtechnologie setzen. Denn sie haben mittlerweile einen Alternativstandort in der Region: Toyota & Co haben in den vergangenen Jahren auch in Indonesien eine große Exportproduktion aufgebaut.
Anreize für Hybridmodelle, die Verbrennungsmotoren und Elektroantrieb kombinieren, gelten als ein Kompromiss. Laut Medienberichten will das Finanzministerium deren CO2-Ausstoß weiterhin so berechnen, dass diese sich für Steuervorteile qualifizieren. Gedacht sei die Unterstützung von Hybridautos allerdings nur in einer Übergangsphase hin zur vollen Elektromobilität.
Von Frank Malerius
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Bangkok