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Kfz-Branche in Thailand stabilisiert sich auf niedrigem Niveau

Auch 2026 besteht keine Aussicht, dass Produktion und Verkauf auf das Vorkrisenniveau von 2023 zurück finden. Nur E-Autos boomen, seit chinesische Hersteller vor Ort fertigen.

Von Frank Malerius | Bangkok

Ausblick der Kfz-Branche in Thailand

Bewertung:

  • Keine nennenswerten Wachstumsraten für 2026 erwartet.
  • Anteil der E-Autos steigt.
  • Chinas E-Auto-Hersteller eröffnen zahlreiche Produktionsstätten in Thailand.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: März: 2026

  • Seit 2024 ist die thailändische Automobilindustrie in der Krise. Solange die Wirtschaft schwächelt und die Verschuldung der Haushalte hoch bleibt, ist keine Erholung in Sicht.

    Die thailändische Automobilindustrie hat sich seit dem Markteinbruch von 2024 um 20 Prozent nicht wieder erholt. Zwar stiegen 2025 die Kfz-Verkäufe im Inland laut Federation of Thai Industries (FTI) um 8,5 Prozent auf 621.000 Stück. Doch ist das noch immer der zweitschwächste Wert seit 2003. Die Pkw-Verkäufe legten um 6,7 Prozent zu. Jedoch ist das, jenseits von 2024 und dem Corona-Jahr 2021, der niedrigste Wert seit 2009. Analysten erwarten, dass sich der Markt auch 2026 nicht nennenswert erholt, sondern weitgehend stagniert.

    30 %

    aller in Thailand produzierten Pkw sollen 2030 E-Autos sein.

    Ein wichtiger Grund für den geringen Absatz im Inland ist die zögerliche Vergabe von Automobilkrediten durch die Banken, von denen in den vergangenen Jahren viele faul geworden sind. Denn Thailand hat eine höchsten Haushaltsverschuldungen der Welt, mit etwa 85 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Gleichzeitig hat Thailand das mit Abstand schwächsten Wirtschaftswachstum in der ASEAN. Im Jahr 2026 wird es wahrscheinlich unter 2,0 Prozent bleiben. 

    Thailands Automobilindustrie ist exportorientiert, etwa zwei Drittel der Produktion werden in alle Welt geliefert. So kann die internationale Nachfrage auch bei schwachem heimischen Markt die Fabriken auslasten. Doch auch hier sieht es düster aus: Die Kfz-Ausfuhren sanken 2025 gegenüber dem bereits schwachen Vorjahr um weitere 8,2 Prozent auf 935.000 Stück. Das war, jenseits der Corona-Zeit, der schwächste Wert seit 2011. 

    Im Saldo aus Verkauf und Export sank die thailändische Kfz-Produktion 2025 um 0,9 Prozent auf 1,456 Millionen Einheiten. Das ist ein Rückgang von mehr als 20 Prozent gegenüber 2023 und ein Minus von mehr als 40 Prozent gegenüber der subventionsgetriebenen Blüte der Branche in den Jahren 2012 und 2013, als die thailändische Regierung Pkw-Erstkäufer großzügig unterstützte. 

    Deutsche Zulieferer bauen ihr Geschäft aus

    Trotz der trüben Marktaussichten bleibt Thailand für deutsche Automobilzulieferer ein attraktiver Standort, vor allem für die Exportproduktion. Bosch konsolidiert derzeit sein Südostasien-Geschäft und holt mehr Fertigung aus anderen ASEAN-Ländern in das Königreich. Das Unternehmen fertigt dort unter anderem Bremsen und Einspritztechnologie, vor allem für den Export, aber auch für Hersteller vor Ort.

    Auch ZF Friedrichshafen will den Standort Thailand stärken. Vor allem die Beschaffung soll dort ausgebaut werden, auch als Reaktion auf den Handelskrieg zwischen den USA und China. ZF hat fünf Werke in Thailand in den Provinzen Rayong und Chonburi und stellt unter anderem Getriebe, Fahrwerke und Sicherheitssysteme her. Bis 2030 will ZF das Auftragsvolumen seiner thailändischen Komponentenlieferanten auf 500 Millionen Euro verzehnfachen.

    Continental hatte Ende 2024 Investitionen in Höhe von 300 Millionen Euro in die Erweiterung seiner Reifenproduktion um drei Millionen Stück jährlich angekündigt. Thailand ist als weltgrößter Kautschukproduzent ein wichtiger Standort für die Fertigung von Autoreifen. 

    Chinesische Hersteller brechen die japanische Dominanz

    Japanische Hersteller dominieren den thailändischen Pkw-Markt. Auf sie entfielen lange mehr als 90 Prozent des Verkaufsmarktes. Dieser Anteil sinkt nun durch die wachsende Rolle von E-Autos, die überwiegend von chinesischen Herstellern kommen. Noch etwa zwei Drittel der Pkw-Verkäufe entfallen heute auf japanische Marken. Toyota hält seine führende Marktposition mit einem Marktanteil von etwa einem Drittel. 

    Absatz von Pkw nach ausgewählten Herstellern in Thailand *)Stückzahl; Marktanteil und Veränderung in Prozent

    Hersteller

    Absatz 2025

    Veränderung 2025/2024

    Marktanteil 2025

    Toyota

    73.278

    +22,6

    34,5

    Honda

    36.321

    -11,8

    17,1

    BYD

    17.12

    -4,6

    8,1

    MG

    15.510

    34,9

    7,3

    Mitsubishi

    9.381

    -43,6

    4,4

    * ohne SUV und Pick-upsQuelle: www.autoinfo.co.th

    BMW und Mercedes-Benz sind mit jeweils 10.000 bis 15.000 verkauften Fahrzeugen pro Jahr die größten Anbieter im Premiumsegment. Sie montieren vor Ort vor allen CKD-Bausätze (Completely Knocked Down), importieren aber auch fertige Modelle. Fahrzeuge mit Hybridantrieb verkaufen sich aufgrund steuerlicher Vorteile weiterhin gut. Mercedes bietet unter der Submarke EQ auch vollelektrische Limousinen an und BMW die vollelektrische i-Reihe.

    Ambitionierte E-Auto-Ziele

    Auch Thailand propagiert die Wende zur Elektromobilität und fördert sie mit mehreren Programmen. Denn 2030 sollen im Königreich 30 Prozent der in Thailand hergestellten und 50 Prozent der im Inland verkauften Autos elektrisch fahren. Dabei soll Thailand auch zum führenden Produktionszentrum für E-Autos in der ASEAN werden. 

    Staatliche Anreize zur Ansiedlung wertschöpfungsstarker Produktion und zukunftsträchtiger Sektoren haben in Thailand eine lange Tradition. So wird die Einfuhr von Kfz-Bausätzen deutlich geringer belastet als Importe von kompletten Fahrzeugen. Auch die Steuern beim Kauf von Fahrzeugen variieren erheblich. Thailand förderte lange den Verkauf und die Produktion von Pick-up-Trucks, um Produktionsstandort für ausländische Märkte zu werden. Bis 2024 gab es das sogenannte Eco-Car-Programm, mit dem die Produktion von effizienten Kleinwagen ins Land geholt wurde. 

    Rücksicht auf japanische Verbrenner

    Bei der Förderung von E-Autos befindet sich die thailändische Regierung aber in einem Zielkonflikt. Zwar will sie Anreize für den Umstieg auf elektrische Fahrzeuge setzen. Gleichzeitig darf sie die japanischen Automobilfirmen nicht benachteiligen, die weiterhin überwiegend auf Verbrennungs- und Hybridtechnologie setzen. Denn sie haben mittlerweile einen Alternativstandort in der Region: Toyota & Co haben in den vergangenen Jahren auch in Indonesien eine große Exportproduktion aufgebaut. 

    Anreize für Hybridmodelle, die Verbrennungsmotoren und Elektroantrieb kombinieren, gelten als ein Kompromiss. Laut Medienberichten will das Finanzministerium deren CO2-Ausstoß weiterhin so berechnen, dass diese sich für Steuervorteile qualifizieren. Gedacht sei die Unterstützung von Hybridautos allerdings nur in einer Übergangsphase hin zur vollen Elektromobilität.

    Von Frank Malerius | Bangkok

  • Die thailändische Regierung fördert die Elektromobilität. Dadurch steigt der Verkauf von E-Autos deutlich. Chinesische Hersteller bauen im Land große Produktionskapazitäten auf.

    Thailand will eine Wende zur Elektromobilität. Bereits 2030 sollen die Hälfte aller in Thailand verkauften und 30 Prozent der dort produzierten Pkw E-Autos sein. Dafür wurden mehrere Förderprogramme aufgelegt, sowohl für Hersteller als auch für Händler und Käufer. Im Jahr 2022 hatte das staatliche National Electric Vehicle Policy Committee das Programm EV 3.0 verabschiedet, das für importierte Elektrofahrzeuge unter bestimmten Voraussetzungen Zollabgaben und Steuern reduzierte. Damals gab es noch keine E-Auto-Produktion in Thailand.

    Das 2024 aufgelegte Programm EV 3.5 soll Hersteller zu einer Produktion in Thailand bewegen. So konnte ein Hersteller 2024 für jedes in Thailand hergestellte E-Auto ein weiteres des gleiches Modells um bis zu 40 Prozent zollvergünstigt importieren. Dieses Verhältnis veränderte sich 2025 zu 1,5:1. Im Jahr 2026 ist es auf 2:1 gestiegen. Und 2027 steigt die Quote auf 3:1. 

    Das Programm erlässt Käufern von E-Pkw und E-Pick-ups teilweise die Mehrwertsteuer und gewährt ihnen eine Prämie von umgerechnet bis zu 100.000 Baht (3.200 US$). Deren genaue Höhe hängt vom Fahrzeugtyp, von der Batterieleistung sowie vom Listenpreis ab. Auch für Hybridmodelle gibt es Anreize. Sie sollen aber nur eine Brückentechnologie sein.

    Steigender Verkaufsanteil von E-Autos

    Als Folge der Förderprogramme ist die Anzahl verkaufter E-Autos in Thailand sprunghaft angestiegen. Wurden 2022 etwa 10.000 E-Autos neu zugelassen, so waren es 2023 und 2024 bereits jeweils etwa 70.000, die nahezu alle importiert wurden. Das entsprach einem Pkw-Verkaufsanteil (exklusive Pick-ups) von etwa 10 Prozent. 

    Im Jahr 2025 stiegen die Neuzulassungen von E-Autos dann auf etwa 120.000 Stück und einen Pkw-Marktanteil von rund 20 Prozent. Grund für diesen Schub war der Produktionsstart in mehreren chinesischen E-Auto-Fabriken in Thailand. Ihre Modelle sind preisgünstiger als die vorher importierten E-Autos. Und der intensive Wettbewerb unter den Herstellern senkt die Preise. Die neuen Fabriken produzieren aber auch für den Export. So hat BYD sein Modell Dolphin unter anderem nach Europa verschifft und in den deutschen Markt geliefert. Die Analysten von Krungsri Research rechnen von 2026 bis 2028 von jährlich 20.000 Export-E-Autos.

    Laut Presseberichten bauen chinesische E-Auto-Hersteller in Thailand Produktionskapazitäten von bis zu 800.000 Einheiten auf. Selbst wenn die Kapazitäten am Ende geringer ausfallen, dürfte Thailand mittelfristig ein E-Auto-Produktionshub nicht nur für die ASEAN, sondern für den gesamten Weltmarkt werden.

    Wachsende Modellauswahl

    Und die Zeichen stehen auf weiteres Wachstum: Laut der Federation auf Thai Industries (FTI) wurden alleine im Januar 2026 knapp 32.000 E-Autos verkauft. Das ist mehr als das vierfache gegenüber dem Vorjahresmonat und das dreifache der Verkaufszahlen von Verbrenner-Pkw. Allerdings sind die in Thailand beliebten Pick-up Trucks fast ausschließlich Verbrenner. Nun erwägt der chinesische Hersteller Geely, eine Produktion von entsprechenden Elektromodellen vor Ort aufzubauen.

    Mittlerweile ist das Angebot an E-Autos in Thailand vielfältig. EVAT listet 85 vollelektrische Modelle nach Herkunft auf: Insgesamt 48 kommen aus China und immerhin 18 aus Deutschland. Auch bei den Verkaufszahlen haben aber die chinesischen Modelle deutlich die Nase vorn. Auf sie dürften mehr als 90 Prozent aller E-Auto-Verkäufe in Thailand entfallen. 

    Chinas verlängerte WerkbankInvestitionsprojekte chinesischer Automobilkonzerne in Thailand; in Millionen US-Dollar
    Marke

    Investitionssumme 

    OrtProduktionskapazität

    Produktionsstart

    GWM

    670

    Rayong80.000 E-Autos

    2024

    BYD

    550

    Rayong150.000 E-Autos, Plugin-Hybride und Batteriemontage

    2024

    MG

    910

    Chonburi100.000 E-Autos, Plugin-Hybride und Verbrenner 

    2024

    Changan

    300

    Rayong100.000 E-Autos (erweiterbar auf 200.000)

    2025

    GAIC AION

    70

    Rayong50.000 E-Autos (erweiterbar auf 100.000)

    2025

    Quelle: Medienberichte

    Importautos aus China mit Zollvorteil

    Der große Vorsprung chinesischer E-Auto-Hersteller gegenüber der internationalen Konkurrenz verdankt sich auch einem besseren Marktzugang. Denn zwischen China und die ASEAN trat im Juli 2005 das Freihandelsabkommen Agreement on Trade in Goods of the China-ASEAN in Kraft. Thailand hatte sich darin verpflichtet, die Zölle auf E-Autos aus China ab 2018 auf Null zu senken. 

    Theoretisch könnten die chinesischen Hersteller ihre E-Autos - zu Thailands Nachteil - weiterhin in China bauen und nach Thailand exportieren. Schließlich ist die Produktivität im Automobilbau in China, trotz höherer chinesischer Löhne, deutlich höher als in Thailand. Doch ihnen dient eine Produktion im Königreich angesichts weltweiter Zollentwicklungen der Risikostreuung.

    Für E-Autos aus der EU gilt in Thailand ein Importzollsatz von 80 Prozent. Entsprechende Modelle mit Ursprung Südkorea unterliegen einem Präferenzzollsatz von 40 Prozent, für solche mit Ursprung Japan gilt ein Vorzugszollsatz von 20 Prozent. Beide Länder haben ebenfalls Freihandelsabkommen mit den Ländern der ASEAN abgeschlossen. 

    Thailand und die EU haben im September 2023 die 2014 unterbrochenen Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen wieder aufgenommen. Das Abkommen könnte die Wettbewerbssituation europäischer Hersteller in Thailand deutlich verbessern. Doch aus Verhandlungskreisen verlautet, dass es 2026 wohl noch nicht zu einem Abschluss kommt.

    Zögerlicher Aufbau der Ladeinfrastruktur 

    Die Ladeinfrastruktur hängt der geplanten Mobilitätswende noch hinterher. EVAT zählte bis Ende Dezember 2025 landesweit erst 4.400 öffentliche Ladestandorte mit knapp 13.000 Ladestationen. Hinzukommen anbieterbezogene Ladepunkte, wie etwa der Tesla Supercharger. Die Organisation listet insgesamt 23 verschiedene Anbieter von öffentlichen Ladestationen auf. Auch der öffentliche Stromversorger PEA ist in dem Sektor aktiv. Der Händler von BYD-Fahrzeugen, REVER Automotive, installiert ebenfalls ein Netz an Ladesäulen. 

    Die Anzahl der öffentlichen Ladestandorte ist damit innerhalb eines Jahres zwar um knapp 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Dennoch dürfte der noch zu langsame Ausbau ein Markthindernis sein, insbesondere für Kunden ohne eigenes Haus, die auf eine engmaschige öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen sind.  

    Von Frank Malerius | Bangkok

  • Die Kfz-Industrie in Thailand ist breit aufgestellt. Das Exportgeschäft von Fahrzeugen und Teilen ist ein wichtiges Standbein.

    Der Automobilsektor ist eine der wichtigsten Branchen Thailands und beschäftigt etwa 400.000 Menschen. In Blütezeiten waren es jedoch mehr als 700.000. Sie gilt als das Juwel der thailändischen Industrie, denn sie ist etwa gegenüber der Nahrungsmittelverarbeitung oder der ebenfalls exportorientierten Elektronikbranche besonders wertschöpfungsstark. Viele in Thailand produzierten Fahrzeugmodelle haben einen Local-Content-Anteil von über 80 Prozent. Zudem erwirtschaftet die Automobilindustrie einen großen Außenhandelsüberschuss.

    Thailand war nach letztverfügbaren Zahlen des Automobilweltverbandes OICA von 2024 der weltweit zehntgrößte Kfz-Hersteller. Bei leichten Nutzfahrzeugen, zu denen unter anderem Pick-up Trucks gehören, rangiert Thailand weltweit sogar auf Rang fünf, übertroffen nur von den USA, Mexiko, China und Kanada. In der ASEAN ist das Königreich der größte Kfz-Produzent. Grund für die starke Position ist Thailands Funktion als Export-Hub. Etwa zwei Drittel der Fahrzeugproduktion gehen in alle Welt. Doch auch die Ausfuhr von Kfz ist konjunkturabhängig: So exportierte Thailand 2025 erstmals seit 2011 (die Corona-Jahre 2020 und 2021 ausgenommen) weniger als eine Million Einheiten.

    Wichtigste Kfz-Kategorie in Thailand sind Pick-up Trucks, die überwiegend für den Export produziert werden. Sie zählen statistisch in die Gruppe der Nutzfahrzeuge, obwohl sie vielfach privat genutzt werden. Auf sie entfallen etwa 50 Prozent der gesamten Kfz-Produktion.

    Traditionell ist Thailand der zweitgrößte Kfz-Absatzmarkt der ASEAN, hinter Indonesien mit seiner viermal größeren Bevölkerungszahl. In schwachen Jahren wie 2025 fällt das Königreich aber auch hinter das vergleichsweise wohlhabende Malaysia zurück, dessen Bevölkerungszahl nur halb so groß wie die Thailands ist.    

    Abhängig von ausländischer Technologie

    Die thailändische Automobilindustrie ist breit aufgestellt. Laut Thai Automotive Institute Association (TAIA) gibt es 42 Hersteller von Pkw und Nutzfahrzeugen sowie 30 Produzenten von Motorrädern. Über 90 Prozent sind in ausländischer Hand. Hinzu kommen 2.400 Automobilzulieferer. Die 720 Tier-1-Zulieferer sind nach letztverfügbaren Angaben etwa zur Hälfte ausländische Unternehmen und zu weiteren 30 Prozent ausländisch-thailändische Joint Ventures. Sie sind zumeist größere Unternehmen.

    Die etwa 1.500 Tier-2- und Tier-3-Betriebe befinden sich überwiegend in thailändischer Eigentümerschaft und sind zumeist kleine und mittlerweile Unternehmen. Sie liefern vielfach einfachere Komponenten an Tier-1-Unternehmen. In Krisen oder bei einem Technologiewandel wie der Elektromobilität sind sie besonders anfällig.

    Investitionsprojekte in der Kfz-Industrie in Thailand, Auswahlin Millionen US-Dollar

    Unternehmen

    Investitionssumme 

    Projektstand

    Anmerkungen

    Sunwoda (China)

    1.500

    im BauBatteriezellenfabrik in Chonburi
    Continental Tyres

    400

    Im BauAusbau der Reifenproduktion in Rayong
    Mazda

    150

    In PlanungFertigung von E-SUVs
    Hyundai

    30

    Produktionsbeginn 2026 geplantMontage von E-Autos und Batterien
    Mahle Services

    k.A.

    Im BauErweiterung von F&E in Samut Prakan
    Umgerechnet mit 1 US$ = 33 Baht.Quelle: Unternehmensangaben; Pressemeldungen

    Anreize für Know-how-Transfer

    Thailand hat, anders als etwa Malaysia, Vietnam oder Indien, nie ein eigenes nationales Auto entwickelt. Die technologische Rückständigkeit der thailändischen Zulieferindustrie hat den Board of Investment (BOI) dazu veranlasst, Förderprogramme zum Technologietransfer aufzulegen. Jüngste Anreize vom August 2024 umfassen Steuerbefreiungen für Joint Ventures von ausländischen und thailändischen Unternehmen. Ziel ist der Know-how-Transfer von ausländischen an thailändische Automobilzulieferer. Denn insbesondere von den Investitionen in die Fertigung von Elektrofahrzeugen sollen auch thailändische Zulieferer profitieren. 

    Auch wenn die thailändischen Zulieferer bisher technologisch nicht substanziell aufgeholt haben, so ist mit der Automobilindustrie in Thailand auch eine starke Metallverarbeitungsbranche entstanden. Ihre Werkzeugmaschinen kommen vor allem von japanischen und deutschen Anbietern. Mittlerweile gibt es auch viele große thailändische Metallverarbeiter. Die Automobilindustrie in Deutschland ist ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für Metallteile aus Thailand.

    Großer Außenhandelsüberschuss

    Der Außenhandel spielt für den thailändischen Kfz-Sektor eine große Rolle, insbesondere der Export. Wichtigster Absatzmarkt ist Australien, das 2017 seine Automobilproduktion eingestellt hat. Weitere Zielmärkte die ASEAN-Nachbarländer Philippinen, Vietnam, Malaysia und Indonesien. Dort werden vor allem japanische Hersteller mit Kfz-Teilen beliefert. Etwa zwei Drittel der thailändischen Kfz-Ausfuhren von insgesamt etwa 30 Milliarden US-Dollar (US$) per annum entfallen auf Pkw und Pick-up Trucks. Ein weiteres Viertel sind Teile.

    Den Exporten stehen Einfuhren von jährlich circa 10 Milliarden US$ entgegen. Davon sind mehr als die Hälfte Kfz-Teile und nur ein Viertel Personenfahrzeuge. Mit Abstand wichtigste Lieferanten sind China und Japan. Aus der Volksrepublik kommen überwiegend E-Autos, aus Japan Teile für die Hersteller vor Ort. Nächstgrößte Lieferanten sind die USA, die mit Ford einen großen Hersteller im Land haben, sowie Deutschland.

    Deutschland importiert jährlich Kfz-Waren im Wert von circa 500 Millionen US$ aus Thailand. Dabei handelt es sich zur einen Hälfte um Pkw und Kfz-Teile sowie zur anderen Hälfte um Motorräder. Die jährlichen deutschen Lieferungen ins Königreich betragen etwa 300 Millionen US$ und bestehen zu zwei Dritteln aus Kfz-Teilen und zu einem Drittel aus Pkw und Nutzfahrzeugen. 

    Einfuhr ausgewählter Kfz-Teile nach Thailand in Millionen US-Dollar, Veränderung in Prozent
    Zolltarifnummer

    2024

    Veränderung 2024/2023

    2024 aus Deutschland

    HS 8511, 8512 Kfz-Elektrik

    952

    5,3

    9

    HS 8706, 8707, 8708 Karosserien, Stoßstangen, Schaltgetriebe
    etc.

    6.504

    7,0

    228

    HS 8544.30 Zündkabelsätze

    368

    8,5

    2

    HS 8407.31-34, 8408.20 Motoren

    1249

    14,5

    3

    Summe

    9.074

    7,8

    243

    Rundungsfehler möglichQuelle: UN Comtrade 2025

    Von Frank Malerius | Bangkok

  • Zölle und Normen schützen die heimische Produktion vor der Importkonkurrenz. Die Rahmenbedingungen werden häufig angepasst. 

    Fachleute erwarten, dass sich die Rahmenbedingungen für Produktion und Import von Kfz und -teilen in den kommenden Jahren noch einige Male ändern werden. Die Regierung verändert häufig die Förderungen von Investitionen in Fahrzeugtechnik. Sie passt auch die Abgaben auf Importe und die Vorschriften für Zulassungen regelmäßig an.

    Das Customs Department of Thailand unterrichtet über die genauen Einfuhrabgaben und -verfahren. Importe von kompletten Pkw unterliegen einem Zollsatz von 80 Prozent, für Lkw gilt ein Zollsatz von 40 Prozent.

    Die Hersteller importieren hauptsächlich vollständig zerlegte Fahrzeugbausätze (Completely Knocked Down - CKD). Diese unterliegen Zollsätzen von 10 bis 30 Prozent. Für Einfuhren aus dem ASEAN-Raum oder im Rahmen von Freihandelsabkommen gelten niedrigere Präferenzzollsätze.

    Für Personenkraftwagen fallen neben dem Importzoll bei der Einfuhr die Verbrauchsteuer (Excise Tax, je nach Fahrzeugtyp zwischen 10 und 40 Prozent) an. Darüber hinaus unterliegen Importe grundsätzlich der thailändischen Mehrwertsteuer mit einem einheitlichen Steuersatz von zurzeit 7 Prozent.

    Käufer von Kfz, die in Thailand produziert wurden, bezahlen ebenfalls die von der jeweiligen Fahrzeugklasse abhängige Verbrauchssteuer. Dazu kommen die einheitliche Mehrwertsteuer und/oder lokale Steuern.

    Mit der Vorschrift des Excise Department mit der Nummer 23 vom 8. Juni 2022 gilt eine neue Tabelle an Verbrauchssteuersätzen für Kfz, die in den Folgejahren bis 2030 schrittweise angepasst werden. Sie hängen vom CO₂-Ausstoß, bei Hybridfahrzeugen von der Größe der Batterie und des Kraftstofftanks sowie vom Hubraum ab. Für sogenannte emissionsfreie Fahrzeuge gelten Sätze von 2 oder 0 Prozent.

    Normen und Zertifizierungen sind komplex

    Das Thai Industrial Standard Institute (TISI) veröffentlicht und prüft die technischen Normen für Kfz. Fahrzeugtypen und -teile sollen in Südostasien eigentlich nicht mehr doppelt zugelassen werden. Thailand und andere ASEAN-Staaten haben ein Abkommen zum Abbau von technischen Hürden im Kfz-Markt (Mutual Recognition Arrangement on Type Approval for Automotive Products) unterzeichnet.

    Die Arbeitsgruppe Automotive der European Association for Business and Commerce sowie die Thai-European Business Association haben Positionspapiere erstellt. Sie geben auch regulatorische Empfehlungen ab.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

     

    Von Frank Malerius | Bangkok

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Thailand

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Board of Investment of ThailandInvestitionsförderstelle

    Automotive Industry Club der Federation of Thai Industries

    Autoindustriefachverband
    Thai Automotive Industry AssociationVerband der Hersteller von Kfz, Motorrädern und Bauteilen
    Thai-European Business Association (TEBA)Europäische Vereinigung mit einer Automotive Arbeitsgruppe
    Electric Vehicle Association of ThailandInteressenverband Elektrofahrzeuge

    Thai Auto-Parts Manufacturers Association

    Verband der Zulieferer
    Thailand Automotive InstituteInstitut für Forschung und Entwicklung, Prüfungen, Zertifizierung, Ausbildung
    Thai Industrial Standards InstituteInstitut für Normung
    AUTO INFOOnline-Magazin
    Bangkok International Motor ShowAutomesse
    Motor ExpoMesse für Autos, Motorräder und Zubehör in Nonthaburi

    Automotive Manufacturing

    Messe für Kfz-Teile in Bangkok
    Electric Vehicle AsiaMesse und Konferenz für Elektromobilität in Bangkok
    Future Mobility AsiaMesse und Konferenz für Elektromobilität in Bangkok

     

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