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Ansturm auf Biomethanförderung in Tschechien

In Tschechien stehen Investoren Schlange, um neue Biogasanlagen bauen zu können. Grund ist ein Förderprogramm der EU-Kommission im Volumen von 3,7 Milliarden Euro.

Gerit Schulze

Von Gerit Schulze | Prag

Tschechien hat die erste Auktion zur Förderung von Biogasanlagen beendet. Die ausgeschriebene Gesamtmenge war dabei vierfach überzeichnet. Insgesamt gingen beim Wirtschaftsministerium 63 Projektanträge für eine Jahresproduktion von 176 Millionen Kubikmeter ein. Ausgeschrieben wurden lediglich 45 Millionen Kubikmeter. 

Anfang September 2026 wählte das Ministerium elf Gewinner aus. Die Projektentwickler hatten die niedrigsten Garantiepreise angeboten, um Biogasanlagen wirtschaftlich zu betreiben (zwischen 96 und 118 Euro je Megawattstunde). Die neuen Anlagen müssen bis Ende 2029 in Betrieb gehen.

Geplante neue Biogasanlagen in TschechienGewinner der ersten Auktionsrunde für staatliche Beihilfen
ProjektentwicklerStandort der AnlageAnlagentyp

Gebotspreis in CZK/MWh

Agropellets s.r.o.SmržiceNeue Gasaufbereitung in bestehender Anlage

2.346

Milujeme Biometan s.r.o.SmržiceNeue Anlage

2.588

ZD Bohuňovice s.r.o.Bohuňovice Umrüstung

2.745

Zemědělskoobchodní družstvo Žichlínek

Žichlínek

 

Umrüstung

2.782

EFG Vysoké Mýto BPS s.r.o.

Vysoké Mýto 

 

Neue Anlage

2.818

EFG BPS Acq 1 s.r.o.VyškovNeue Gasaufbereitung in bestehender Anlage

2.845

EFG BPS Acq 1 s.r.o.RapotínUmrüstung

2.845

Anaerobic Power Biogas Benešov a.s.NeveklovNeue Anlage

2.856

Dalu Biogas s.r.o.HlinskoNeue Anlage

2.870

AG Maiwald a.s.BenátkyNeue Anlage

2.874

Aladeron a.s.TáborUmrüstung

2.879

Wechselkurs der Tschechischen Nationalbank ČNB am 18. September 2026: 1 Euro = 24,34 CZKQuelle: Tschechisches Ministerium für Industrie und Handel (MPO) 2026

Die Europäische Kommission genehmigte Tschechien im Frühjahr 2026 nationale Beihilfen für Biogasanlagen im Umfang von 3,7 Milliarden Euro bis 2030. Ziel ist es, Erdgas durch Biomethan zu ersetzen und damit unabhängiger von fossilen Energieimporten zu werden. 

Kern des tschechischen Fördermodells ist ein Differenzvertrag (Contract for Difference, CfD). Betreiber erhalten pro erzeugter Megawattstunde Biomethan einen Zuschuss, der die Lücke zwischen Marktpreis und dem in der Auktion gebotenen Ausübungspreis schließt. Liegt der Marktpreis unter diesem Wert, stockt der Staat auf. Liegt er darüber, muss der Betreiber den Überschuss zurückzahlen. Der Garantiepreis ist 15 Jahre lang zugesichert, was langfristige Kalkulationssicherheit schafft.

Weitere Auktionen folgen noch 2026

Noch bis Jahrsende 2026 soll eine zweite Auktion stattfinden. Jeweils zwei weitere Runden folgen 2027 und 2028. Beteiligen können sich Unternehmen mit Gasproduktionslizenz in Tschechien – also auch Betreiber bestehender Biogasanlagen, die auf Biomethan umrüsten. 

Das produzierte Gas muss die Nachhaltigkeitskriterien der EU erfüllen. Für kleinere Agrarbetriebe bietet das Programm neue Einnahmequellen, indem sie Gülle und Ernterückstände vergären und zu Biomethan veredeln. Wie das zuständige Ministerium für Industrie und Handel (MPO) mitteilte, sollen die Auktionen offen sein für alle Biogasarten, also auch für Klär- und Deponiegas. 

Auktionsvolumen steigt jedes JahrGeplante Ausschreibungen für Biomethan-Anlagen in Tschechien
Jahr

Fördervolumen

2026

90 Mio. m³

2027

110 Mio. m³

2028

150 Mio. m³

Gesamt

350 Mio. m³

Quelle: Tschechisches Industrieministerium (Ministerstvo průmyslu a obchodu, MPO) 2026

Erst 13 Biomethananlagen im Land

Bislang gibt es in Tschechien zwar über 500 Biogasanlagen, aber erst 13 Standorte, die Biomethan erzeugen (2025 rund 17 Millionen Kubikmeter). Meist handelt es sich dabei um Pilotprojekte der letzten fünf Jahre, die von innovativen Mittelständlern oder kommunalen Betrieben umgesetzt wurden.

Im Juli 2025 verabschiedete Tschechiens Regierung deshalb einen Aktionsplan zur Förderung von Biomethan und definierte konkrete Maßnahmen, um die nationale Erzeugung drastisch zu steigern. 

Ziel bis 2030 sind demnach mindestens 100 Anlagen. Die jährliche Gesamtproduktion soll dann rund 490 Millionen Kubikmeter Biomethan erreichen. Das wäre ein Anteil von knapp sieben Prozent am aktuellen Erdgasverbrauch Tschechiens (2025: 7,2 Milliarden Kubikmeter). 

Weitere Förderprogramme für Biomethan

  • Modernisierungsfonds (Programm GREENGAS): zielt auf neue Biogasanlagen, Biomethan-Aufbereitungen und Gasinfrastruktur
  • Operationelles Programm OP TAK (Technologie und Wettbewerbsfähigkeit): hier liefen zuletzt Ausschreibungen zur Biomethan-Einspeisung
  • Operationelles Programm Umwelt (OPŽP): fördert Pilotprojekte für Biogasanlagen auf Abfallbasis

Bisher fehlt ein Inlandsmarkt für Biomethan. Deshalb legt die Novelle zum Gesetz über erneuerbare Energiequellen (LEX OZE 3, Gesetz 87/2025 Sb.) fest, dass Kraftstoffanbieter für den Verkehrssektor ab 2026 zunächst 1,25 Prozent ihres Gasabsatzes als fortschrittliches Biomethan oder grünen Wasserstoff bereitstellen müssen. Bis 2030 steigt der Wert auf 5,5 Prozent, wodurch sich die Nachfrage erhöht. Das betrifft zum Beispiel komprimiertes Erdgas (CNG) und Flüssiggas (LNG).

Weitere Absatzimpulse könnten Kaufprämien für Nutzfahrzeuge und Busse mit Bio-CNG oder Bio-LNG-Antrieb bringen. Im Gespräch ist außerdem, eigene Bio-LNG-Verflüssiger zu bauen. Sie könnten den Schwerlastverkehr und die Industrie direkt mit flüssigem Biomethan versorgen. Laut Biomethan-Aktionsplan soll 2027 eine Machbarkeitsstudie für ein solches Verflüssigungsprojekt vorliegen. 

Lange Genehmigungsverfahren bremsen den Markt aus

Ein Problem für die Entwicklung des Biomethanmarktes sind die langen Genehmigungsverfahren. Investoren müssen mit drei bis vier Jahren bis zur Inbetriebnahme rechnen. Das Umwelt- und das Industrieministerium sollen die Zulassungsprozesse nun vereinfachen, Antragsunterlagen standardisieren und die technischen Anschlussbedingungen ans Gasnetz optimieren. 

Für deutsche Unternehmen eröffnet die Entwicklung gute Geschäftschancen entlang der Wertschöpfungskette. Die Auktionen bringen neue Dynamik in den Markt. Einer der aktivsten Akteure ist die Prager Energy Financial Group (EFG), die bei der ersten Runde mit drei Projekten zum Zuge kam. Sie betreibt Biomethananlagen in Tschechien und plant bis 2030 zwölf Biomethanstandorte, die bis zu 50 Millionen Normkubikmeter produzieren könnten.

Gute Chancen für deutsche Technologieanbieter

Deutsche Anbieter von Anlagen und Komponenten können mit Aufbereitungstechnologien punkten, darunter Membran-, Druckwäsche- oder Aminwäsche-Anlagen sowie mit Einspeisetechnik (Kompressoren, Gasodorierung, Messtechnik für Gasqualität). 

Da viele tschechische Biomethanprojekte auf Abfall und Reststoffen basieren, besteht außerdem Bedarf an Vorbehandlungs- und Pumpensystemen sowie Separatoren.

Kleinere Landwirte werden schlüsselfertige Containerlösungen bevorzugen, große Industrieprojekte eher maßgeschneiderte Technik. Alle Projekte müssen kosteneffizient sein, um im Auktionswettbewerb zu bestehen. Deutsche Technologien haben Vorteile, wenn sie Betriebskosten senken, zum Beispiel durch Wärmerückgewinnung und digitale Optimierung. 

Der Wettbewerb ist allerdings intensiv. Neben einheimischen Engineering-Firmen wie Hutira Green Gas aus Südmähren sind ausländische Player bereits aktiv. Partnerschaften mit lokalen Projektierern erleichtern den Markteintritt.

Wartung und Service werden ebenfalls ein Thema: Agrarbetriebe verfügen oft nicht über Fachpersonal für komplexe Gasaufbereitungsanlagen. Deutsche Serviceanbieter könnten hier langfristige Betriebs- und Wartungsverträge abschließen. Zudem verlangt die neue Förderregel eine kontinuierliche Nachhaltigkeitszertifizierung des eingespeisten Biomethans. Das bietet Chancen für Dienstleister, Software- und Beratungsfirmen.

Bedingungen der Biomethan-Auktion

  • Kaution für die Teilnahme: 4.000 Kč (rund 165 Euro) pro Kubikmeter je Stunde Produktionskapazität
  • Vertrag über den Anschluss an das Gasnetz
  • Absicherung der Endlagerung von Gärresten
  • Anlagen müssen innerhalb von drei Jahren ab der Förderentscheidung in Betrieb gehen
  • mindestens 40 Prozent "fortschrittliches Biomethan" (nicht‑nahrungsmittelbasierte Einsatzstoffe), nach 2040 mehr als 60 Prozent
  • Emission von weniger als 17 Gramm CO₂‑Äquivalent je Megajoule; nach 2040 weniger als 12 Gramm

Quellen: Regulierungsbehörde für den Energiemarkt ERÚ 2025, Industrieministerium MPO 2026

Wichtige Akteure
Ministerium für Industrie und HandelNimmt die Gebote während der Auktion über die elektronische Kommunikationsplattform "Datová schránka" entgegen
OTEOperator für den Energiemarkt, Biomethan-Erzeuger müssen sich bei OTE registrieren, um am Fördersystem teilzunehmen. OTE berechnet jeden Monat den durchschnittlichen Gasmarkt-Referenzpreis. 
CZ BiomBranchenverband für Biomasse und Biogas
Svaz moderní energetiky ČRVerband für moderne Energieerzeugung
Česká bioplynová asociace (CzBA)Tschechischer Biogasverband mit mehr als 100 Mitgliedern, darunter Forschungsinstitute, Produzenten und Lieferanten
Smart Energy ForumFachkonferenz für grüne Energieerzeugung (14. bis 15. Oktober 2026 in Prag)
Energy Financial Group (EFG)Großer Privatinvestor für Biomethananlagen