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Branchenstruktur

Der tschechische Maschinenbau konsolidiert sich. Mit innovativeren Produkten und neuen Absatzmärkten im Ausland will die Branche in Zukunft wieder wachsen.

Gerit Schulze

Von Gerit Schulze | Prag

Die Auftragsschwäche bei wichtigen Abnehmerländern wie Deutschland oder in Branchen wie der Automobilindustrie belastet den tschechischen Maschinenbau. Doch für die Zukunft sehen die Unternehmen neue Geschäftschancen in der Verteidigungsindustrie, der Energiewirtschaft, der Luftfahrt sowie bei Bahn- und Infrastrukturprojekten. In diesen Bereichen wachse die Nachfrage nach hochpräzisen, zuverlässigen und technologisch fortschrittlichen Lösungen, schreibt das Fachmagazin Svět strojírenské techniky (Welt der Maschinenbautechnik) in seiner Frühjahrsausgabe 2026. Genau hier könnten tschechische Unternehmen ihre Stärken ausspielen.

Trotzdem sinkt die Zahl der im Maschinenbau tätigen Unternehmen. Das Ministerium für Industrie und Handel (MPO) ermittelte für 2024 nur noch 4.573 Firmen und damit über 600 weniger als zehn Jahre zuvor. In der Statistik sind auch Dienstleister, Werkstätten, Händler und Einzelunternehmer erfasst. Die Umsätze der Branche (NACE-Code 28) lagen 2024 bei 15,8 Milliarden Euro. 

Das tschechische Statistikamt gibt den Wert der verkauften Produktion für 2024 mit knapp 10 Milliarden Euro an. Wichtigste Position ist Kühl, Klima und Lüftungstechnik vor Hebezeugen und Fördermitteln sowie Pumpen und Kompressoren.

Produktion in den wichtigsten Maschinenbausparten der Tschechischen Republik in Millionen Euro, Anteil in Prozent ¹⁾

Sparte (NACE)

Jahr 2024 2)

Veränderung 2024 / 2023 3)

Anteil 2024

Maschinenbau insgesamt (28), davon9.909-6,7100,0
Kälte- und lufttechnische Erzeugnisse (28.25)1.816-21,418,3
Hebezeuge und Fördermittel (28.22)1.0971,011,1
Pumpen und Kompressoren (28.13)1.065-3,310,7
Armaturen (28.14)72334,17,3
Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung (28.41)480-10,14,8
Land- und forstwirtschaftliche Maschinen (28.30)450-37,34,5
Bergwerks-, Bau- und Baustoffmaschinen (28.92)382-27,33,9
1 Wert der verkauften Produktion; 2 Umrechnung anhand des durchschnittlichen Wechselkurses 2024: 1 Euro = 25,119 Tschechische Kronen (Kč); 3 Veränderung auf Basis der Landeswährung.Quelle: Tschechisches Statistikamt; Tschechische Nationalbank; Berechnungen von Germany Trade & Invest 2026

Nach Beobachtung des SST-Verbandschefs Ivo Červenka setzt sich die Marktkonsolidierung fort, besonders durch Akquisitionen und Generationswechsel in der Eigentümerstruktur der Unternehmen. Gleichzeitig spezialisieren sich die Maschinenbauer auf Produkte mit höherer Wertschöpfung. "Viele tschechische Hersteller konzentrieren sich auf anspruchsvolle Anwendungen für die Luftfahrt-, Energie- und Verteidigungsindustrie", erklärt Červenka. Beispiele seien TOSHULIN und TOS Kuřim, die große Vertikaldrehmaschinen und Portalmaschinen für die Luftfahrt- und Energiewirtschaft liefern oder TOS Varnsdorf, das sich auf horizontale Bohrwerke für Maschinenbau- und Energieprojekte weltweit spezialisiert hat. 

Grundsätzlich hält der Maschinenbauexperte Červenka tschechische Unternehmen für sehr flexibel und anpassungsfähig an neue Marktbedingungen. Zu ihren Stärken zählt er ein hohes technisches Niveau, qualifizierte Arbeitskräfte und eine starke Exportorientierung. Allerdings verfügten die Maschinenbauer meist über weniger Kapitalausstattung als deutsche Unternehmen.

Deutschland ist wichtigster Handelspartner

Tschechien importierte 2025 Maschinenbauprodukte (SITC-Codes 71 bis 74) für 22,1 Milliarden Euro. Deutschland ist laut Eurostat-Zahlen der wichtigste Lieferant mit einem Anteil von 37 Prozent. Dahinter folgen China mit 8 Prozent, Italien mit 7 Prozent und Polen mit 6 Prozent. Deutsche Maschinenbauer liefern vor allem Antriebstechnik, Lufttechnik, Armaturen und Flüssigkeitspumpen nach Tschechien.

Das Exportvolumen erreichte 2025 einen Wert von 28,6 Milliarden Euro. Auch hier ist Deutschland der wichtigste Abnehmer mit einem Anteil von 31 Prozent vor den USA mit 6 Prozent sowie Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Polen und Slowakei (jeweils 5 Prozent).

Škoda-Kombinat als Wiege des tschechischen Maschinenbaus

Zur Spitzengruppe der tschechischen Maschinenbauer gehören Holdings, die bei der Privatisierung aus dem Škoda-Kombinat in Plzeň ausgegliedert wurden. Umsatzstärkster Nachfolger ist die Škoda Group, die Straßenbahnen, Elektro- und Oberleitungsbusse und Triebwagen produziert. Der Konzern gehört zur tschechischen Investmentgruppe PPF.

Ein bedeutender Maschinenbauer ist außerdem der Turbinenproduzent Doosan Škoda Power. Die beiden Kraftwerksausrüster Škoda JS (vor allem Kernkraftwerke) und Engineering Praha (bis 1. Januar 2026 Škoda Praha) gehören dem größten tschechischen Energiekonzern ČEZ. Die ehemalige Getriebesparte des Škoda-Kombinats ist Teil der tschechischen Wikov-Gruppe.

Daneben haben ausländische Unternehmen wie Siemens (Dampfturbinen, Generatoren, Motoren), Alstom (Kraftwerksausrüstungen) oder Daikin und Denso (Heiz- und Klimatechnik) Produktionsstätten im Land. Außerdem sind bekannte Unternehmen wie Honeywell, Eaton, Edwards, Bosch Rexroth, Mazak, Caterpillar und Ingersoll Rand vor Ort. ABB produziert in Brno elektrische Ausrüstungen wie Schaltanlagen und Transformatoren. In Ostrava und Plzeň betreibt das Unternehmen sein Global Operations Center Europe (EUOPC) und entwickelt Automatisierungslösungen. Außerdem hat ABB in Ostrava ein großes Reparatur und Wiederaufbereitungszentrum für Industrieroboter.

Neben dem Großraum Prag sind Südmähren rund um Brno sowie Plzeň, České Budějovice, Ústí nad Labem und Liberec regionale Schwerpunkte des Maschinenbaus.

Wichtige Maschinenbauer in Tschechien Umsatz in Millionen Euro, umgerechnet zum jeweiligen durchschnittlichen Jahreswechselkurs
UnternehmenSparte

Umsatz 2024

Škoda Transportation (Teil der Škoda Group)Schienenfahrzeuge, Busse, Antriebe, Motoren769
Daikin Industries Czech Republic 1)Klimaanlagen und Wärmepumpen562
AŽD Praha 2)Signal-, Telekommunikations-, Steuerungs- und Kommunikationstechnik für Verkehrsinfrastruktur458
Denso Manufacturing Czech 1)Klimaanlagen, Heizungseinheiten, Kondensatoren377
Bonatrans GroupStahlräder für Schienenfahrzeuge341
Agrostroj PelhřimovLandwirtschaftsmaschinen und -nutzfahrzeuge212
Doosan Škoda PowerTurbinen, Antriebe, Energiespeicher, Kondensatoren172
Škoda JSKomponenten und Anlagen für Kernkraftwerke156
John Crane 3)Gleitringdichtungen, Dichtungsunterstützungs- und Filtersysteme120
ŽďasSysteme für Automatisierung, Robotik, Schmiedeanlagen, hydraulische und Pressmaschinen, Werkzeuge94
1 Geschäftsjahr April 2024 bis März 2025; 2 Geschäftsjahr Oktober 2022 bis September 2023 - letzte Angaben aufgrund der Umstrukturierung der Gruppe; 3 Geschäftsjahr August 2024 bis Juli 2025.Quelle: CzechInvest - Zulieferdatenbank; Handelsregister - Jahresberichte der einzelnen Firmen; Ranking "Czech Top 100"; Fachpresse; Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

 

Auch in schwierigen Zeiten investieren tschechische Maschinenbauer. Für 2024 ermittelte das Wirtschaftsministerium Ausgaben für langlebige Anlagegüter in Höhe von 850 Millionen Euro. Nach Einschätzung des Fachverbands SST integrieren Hersteller von Werkzeugmaschinen zunehmend automatisierte Fertigungszellen, robotische Handhabung, digitale Maschinenüberwachung und Ferndiagnostik in ihre Lösungen. 

Eine wichtige Rolle spiele dabei auch die Nutzung von Daten für vorausschauende Wartung und die Optimierung von Produktionsprozessen. "Künstliche Intelligenz setzt sich besonders bei Produktionsplanung, Serviceleistungen und Analyse von Betriebsdaten durch", sagt SST-Geschäftsführer Ivo Červenka.

Einsatz von 3D-Druck und Industriedesign immer wichtiger

Zunehmend gefragt sind außerdem Maschinen für 3D-Drucklösungen. Škoda Auto eröffnete Ende 2025 ein neues 3DDruckzentrum mit 14 Industriedruckern. Jährlich werden dort rund 15.000 Komponenten für Prototypen hergestellt.

Ein weiterer Trend ist der Fokus tschechischer Maschinenbauer auf Industriedesign. Aspekte wie intuitive Bedienung, Visualisierung und reduzierte Komplexität sind immer wichtiger. Die Exportförderagentur CzechTrade hat ein Design Centre eingerichtet, das Design als Wettbewerbsfaktor für die einheimische Industrie fördern soll. Es vermittelt zwischen Herstellern und Designstudios, berät und betreibt eine eigene Designerdatenbank. Bei der Maschinenbaumesse MSV in Brno ging der Industriedesign-Preis 2025 unter anderem an einen tschechischen Breitband-Metallschleifer von Houfek und an einen CNC-Fräsmaschinenaufsatz von Wakemaster.

Interesse an ausländischen Aktiva steigt

Da sich die Standortbedingungen in Tschechien zuletzt wegen der hohen Energiepreise und fehlender Fachkräfte verschlechterten, verstärken einige Maschinenbauer ihre Auslandsaktivitäten. Neben Nordamerika steht dabei Europa im Fokus. Auch in Deutschland übernehmen tschechische Maschinenbauer inzwischen lokale Wettbewerber. 

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