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Branche kompakt | Ukraine | Windenergie

Wasserstoffwirtschaft könnte Windenergie neue Impulse geben

Die Ukraine verfügt über ein großes Windenergiepotenzial. Ungünstige Rahmenbedigungen sorgen aktuell aber für eine Flaute. Die Branche hofft auf Wasserstoff als neuem Treiber.

Von Fabian Nemitz | Kiew

  • Marktüberblick

    Die Ukraine verfügt über günstige naturräumliche Bedingungen für die Windkraft. Um das Potenzial zu nutzen, bedarf es aber besserer Rahmenbedingungen.

    Markttreiber und -hemmnisse

    Treiber

    Hemmnisse

    Großes bewiesenes Windenergiepotenzial

    Schwierige Rahmenbedingungen (Zahlungsrückstände bei der Vergütung von grünem Strom; instabile Gesetzgebung)

    Großflächiges Land mit niedriger Bevölkerungsdichte

    Hohe Finanzierungskosten

    Ausbau der Windenergie als Teil der Klima- und Energiepolitik der Regierung

    Beschränkte Netzkapazitäten für weiteren Ausbau der Erneuerbaren

    Geplante Rolle der Ukraine als Lieferant von grünem Wasserstoff für die EU

    Einführung von Auktionsmodell verzögert sich

    Quelle: Analyse von Germany Trade & Invest

    Von Fabian Nemitz | Kiew

  • Politische Ziele

    Ab 2035 will die Ukraine mehr als ein Viertel ihres Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen decken. Der Ausbau der Erneuerbaren hat sich zuletzt aber verlangsamt.

    Atom- und Kohlestrom dominieren den Energiemix

    Der größte Teil des Stroms in der Ukraine wird in Atom- und Kohlekraftwerken erzeugt, die noch aus der Sowjetzeit stammen. Die Erneuerbaren trugen 2020 insgesamt 12,3 Prozent zur Stromproduktion bei, schreibt die Regulierungsbehörde NREC in ihrem Jahresbericht 2020. Dabei entfielen auf die Windkraft 2020 rund 2,3 Prozent der gesamten Stromproduktion.

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    Energiestrategie sieht starken Ausbau der Erneuerbaren vor

    Die Ziele der ukrainischen Regierung zum Ausbau der erneuerbaren Energien (EE) sind in der 2017 verabschiedeten Energiestrategie bis 2035 festgelegt. Bis zum Zieljahr 2035 sollen mehr als 25 Prozent des Stroms aus regenerativen Quellen kommen. Dabei bestehen keine festen Zielvorgaben für die Windenergie.

    Dank hoher, in Euro fixierter Einspeisetarife konnte die Ukraine in den vergangenen Jahren gute Fortschritte beim EE-Ausbau erzielen. Seit 2020 kam der Ausbau aber ins Stocken. Gründe hierfür liegen an der nachträglichen Herabsetzung der gesetzlich garantierten Einspeisetarife, hohen Zahlungsrückständen gegenüber den Produzenten grünen Stroms und Verzögerungen bei der Einführung des neuen Auktionsmodells.

    Grüner Wasserstoff als Hoffnung für Windbranche

    Neue Impulse für den Ausbau der Erneuerbaren kommen vom Green Deal der Europäischen Union (EU) und den verstärkten Bemühungen um eine Dekarbonisierung der Weltwirtschaft. Das im Januar 2020 vorgestellte Konzept "Ukraine 2050 - Green Energy Transition Concept" sieht vor, dass bis zum Zieljahr 70 Prozent des Stroms in der Ukraine aus EE kommen sollen.

    Weiteren Auftrieb könnte der Sektor von den Plänen der EU zum Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft erhalten. Dabei soll die Ukraine zu einem wichtigen Lieferanten von grünem Wasserstoff werden.

    Hohe Schwankungsbreite bei Prognosen zum Ausbau der Windenergie

    Zum Ende des 1. Halbjahrs 2021 verfügte die Ukraine über eine installierte Leistung an Windkraftwerken in Höhe von knapp 1,6 Gigawatt, meldet die Staatliche Agentur für Energieeffizienz und Energieeinsparung (SAEE). Die Solarkraft kam auf 6,1 Gigawatt. Offshore-Windanlagen gibt es in der Ukraine bislang nicht.

    In seinem im Juni 2021 veröffentlichten Bericht zur Konformitätsbewertung der Erzeugungskapazitäten rechnet der staatliche Stromnetzbetreiber Ukrenergo bis 2050 im Basisszenario mit einem Ausbau der Windkraft bis 2050 auf 5,5 Gigawatt. Im optimistischen Szenario liegt der Zielwert dagegen bei 32 Gigawatt.

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    Von Fabian Nemitz | Kiew

  • Marktorganisation

    Die Ukraine ist offen für ausländische Investitionen in Erneuerbare. Auf dem Strommarkt bestehen aber viele strukturelle Probleme.

    Hohe Marktkonzentration

    Der Strommarkt in der Ukraine ist stark konzentriert. Die vier größten Erzeuger - die staatlichen Unternehmen Energoatom, Ukrhydroenergo und Centrenergo sowie die private Firma DTEK, die dem Oligarchen Rinat Achmetow gehört, stehen für rund 85 Prozent der Stromproduktion. Größter einzelner Anbieter ist Energoatom mit einem Anteil von rund 50 Prozent.

    Ausländische Stromerzeuger sind nur im Bereich der Erneuerbaren tätig. Der weitere Ausbau der Regenerativen bietet die Möglichkeit, die Angebotsstruktur des Strommarktes langfristig aufzubrechen.

    Zuständig für die landesweiten Stromnetze und Interkonnektoren ist der staatliche Betreiber Ukrenergo. Daneben gibt es in jedem Gebiet des Landes regionale Verteilergesellschaften (Oblenergo). Ein Großteil dieser Gesellschaften ist in Besitz von DTEK sowie von VS Energy, einer in den Niederlanden registrierten Firma mit russischen Eigentümern.

    Der Staat garantiert die Abnahme von grünem Strom. Unternehmen schließen hierzu einen Abnahmevertrag mit dem staatlichen Unternehmen "Garantierter Käufer" (ukrainisch: harantowannyj pokupez).

    Viele strukturelle Probleme

    Zum 1. Juli 2019 öffnete die Ukraine ihren Strommarkt. Statt einem regulierten Einzelkäufer-Modell, bei dem ein Abnehmer allen Strom kauft und an die Endabnehmer verteilt, erfolgte in Übereinstimmung mit dem dritten Energiepaket der EU ein Übergang zu einem wettbewerbsorientierten Modell.

    Allerdings bestehen weiter viele strukturelle Probleme, die den Erfolg der Reform erschweren, schreiben die Analysten des German Economic Team. Problematisch sind Regulierungslücken, mangelnder Wettbewerb und Preisobergrenzen. Hinzu kommen stark subventionierte Strompreise für Haushalte, die von den staatlichen Atom- und Wasserkraftwerken getragen werden.

    Bei vielen Marktakteuren sind hohe Schulden aufgelaufen, während gleichzeitig ein riesiger Nachhol- und Modernisierungsbedarf besteht. Der Hauptteil der Schulden ist auf die Förderung der Erneuerbaren und die subventionierten Preise für Haushalte zurückzuführen. Gegenüber den Erzeugern erneuerbarer Energien bestehen hohe Zahlungsrückstände. Das System für die Vergütung der Erneuerbaren hat sich bislang als nicht nachhaltig erwiesen.

    Mehr Informationen zum Strommarkt bietet die Publikation "Reforming Ukraine´s electricity market" von Low Carbon Ukraine.

    Anbindung an europäische Stromnetze

    Das ukrainische Stromnetz besteht aus zwei getrennten Zonen:

    • Integriertes Stromversorgungssystem; synchronisiert mit dem russischen UPS-System
    • "Burshtyn Energy Island"; synchronisiert mit dem ENTsO-E-System (deckt rund 5 Prozent des Gesamtverbrauchs der Ukraine)

    Die Ukraine arbeitet an der Anbindung des gesamten Stromnetzes an ENTSO-E. Bis 2023 soll der Anschluss hergestellt sein. Mehr Informationen hierzu bietet die Publikation "Synchronising Ukraine´s and Europe´s electricity grids" von Low Carbon Ukraine.

    Von Fabian Nemitz | Kiew

  • Marktchancen

    Der Ausbau der Windkraft bietet ausländischen Unternehmen Geschäftschancen - sei es als Lieferanten, Dienstleister oder Investoren.

    Günstige geografische Bedingungen für die Windkraft

    Dank ihrer weiten Flächen und vielen guten Standorten verfügt die Ukraine über ein großes Potenzial zur Produktion von Windenergie. Am besten sind die Bedingungen im Süden - an der Küste des Schwarzen und Asowschen Meeres - sowie in den Karpaten im Westen des Landes. Hinzu kommt ein großes Offshore-Potenzial. In ihrem Weißbuch 2021 schätzt das Institut für Windenergie der Nationalen Akademie der Wissenschaften das gesamte Windenergiepotenzial der Ukraine auf 688 Gigawatt, darunter 438 Gigawatt an Land und 250 Gigawatt Offshore.

    Diese Angaben liegen über den entsprechenden Schätzungen von IRENA (Onshore: 320 Gigawatt) und NREL (Offshore: 146 Gigawatt), schreibt das Institut für Windenergie. Bislang verfügt die Ukraine noch nicht über Offshore-Windanlagen. Gehemmt wird das Potenzial in dem Bereich durch den Konflikt mit Russland, die Annexion der Halbinsel Krim und noch fehlende gesetzliche Bestimmungen.

    Hohe Einspeisetarife locken Investoren an

    Grundlage für den Ausbau der erneuerbaren Energien in der Ukraine ist der 2008 eingeführte "grüne Tarif". Einen Aufschwung verzeichnet der Sektor besonders seit der 2015 erfolgten Einführung einer in Euro fixierten und bis 2030 gültigen Einspeisevergütung.

    Einem Bericht der Kiewer Kanzlei DLF Rechtsanwälte zufolge erhalten Windenergieproduzenten, die ihre Anlagen im Zeitraum von April bis Ende 2021 in Betrieb nehmen, bis Ende 2029 folgende Einspeisevergütung pro Kilowattstunde:

    • bis 0,6 Megawatt: 0,0494 Euro;
    • 0,6 bis 2 Megawatt: 0,0578 Euro;
    • mehr als 2 Megawatt: 0,0882 Euro.

    Weitere Zulagen erhalten Produzenten, wenn sie lokal gefertigte Ausrüstungen einsetzen. Gemäß Gesetz 810-IX beziffern sich die Zuschläge auf 5, 10 oder 20 Prozent, je nachdem, ob der "local content" einen Anteil von 30, 50 oder 70 Prozent erreicht.

    In den vergangenen Jahren zählten die Tarife für grünen Strom in der Ukraine zu den höchsten weltweit - auch, um Defizite beim Investitionsklima und hohe Finanzierungskosten wettzumachen. Gleichzeitig führte das Fördersystem zu hohen Umlagekosten. In der Folge forderten internationale Geberbanken bereits seit längerer Zeit eine Umstellung des Fördersystems auf Auktionen, um den Ausbau der Erneuerbaren besser steuerbar und kostengünstiger zu gestalten.

    Entwicklung der installierten Leistung von EE-Anlagen in der Ukraine (Angaben in Megawatt)

    2016

    2018

    2019

    2020

    1. Hj. 2021

    EE-Anlagen insgesamt, darunter

    1.135

    2.274

    6.943

    8.516

    9.225

      Solaranlagen

    531

    1.388

    4.925

    6.094

    6.351

      Solaranlagen privater Haushalte

    17

    157

    553

    779

    933

      Windkraft

    438

    533

    1.170

    1.314

    1.593

      kleine Wasserkraft

    90

    99

    114

    117

    118

      Biomasse

    39

    51

    95

    109

    119

      Biogas

    20

    46

    86

    103

    111

    Quelle: Staatliche Agentur für Energieeffizienz und Energieeinsparung (SAEE)

    Umsetzung von Auktionssystem verzögert sich

    Grundlage für die Einführung des Auktionsmodells ist das am 25. April 2019 verabschiedete Gesetz Nr. 2712-VIII, im Rahmen dessen eine Reform der EE-Förderung erfolgt ist. Statt garantierter Einspeisetarife entscheiden künftig Ausschreibungen über die Höhe der Vergütung von grünem Strom.

    Unter die Ausschreibungspflicht entfallen EE-Anlagen mit einer Leistung über bestimmten Schwellenwerten. Für die Windkraft liegt dieser bei 5 Megawatt. Der festgesetzte Tarif gilt für 20 Jahre. Ausschreibungen sollen zweimal pro Jahr stattfinden. Die Umsetzung der Auktionen verzögert sich aber. Ursprünglich sollten 2021 laut Plänen des Energieministeriums 150 Megawatt an Windkraftprojekten ausgeschrieben werden. Bis 2025 soll dieser Wert auf 230 Megawatt steigen.

    Laut Angaben des Windenergieverbandes UWEA bestehen aktuell Stromabnahmegenehmigungen für den Bau von Windenergieanlagen im Umfang von fast 5 Gigawatt. Diese Anlagen können noch zu den Bedingungen des bislang gültigen Einspeisesystems umgesetzt werden, allerdings rückt das Ende der garantierten Einspeisetarife näher.

    Führende Position westlicher Anbieter

    Zum Ende des 1. Halbjahrs 2021 verfügte die Ukraine über eine installierte Windkraftleistung von knapp 1,6 Gigawatt. Dabei entfallen fast drei Viertel der Anlagen auf die südukrainischen Gebiete Saporishshja und Cherson. Im 1. Halbjahr 2021 wurden laut UWEA insgesamt 278,4 Megawatt Windkraft neu installiert. Dabei lag die durchschnittliche Leistung der neuinstallierten Turbinen bei 3,8 Megawatt. Das Gros der Windkraftanlagen stammte von den Herstellern Vestas (Marktanteil: 44,1 Prozent), General Electric (25,5 Prozent) und Nordex (16,7 Prozent). Die verbleibenden 13,7 Prozent entfielen laut UWEA auf den lokalen Produzenten WPU.

    Chancen für deutsche Firmen bieten sich in der gesamten Wertschöpfungskette, sei es als Projektierer, Berater, Generalauftragnehmer, Investor oder Zulieferer von Technik. Im Juli 2021 hat die Kasseler Firma enercast beispielsweise einen Vertrag über Leistungsprognose- und Planungsdienstleistungen mit dem staatlichen Unternehmen "Garantierter Käufer" geschlossen.

    Investitionen in Wasserstoffproduktion und weitere Speicherkapazitäten

    Die Produktion von grünem Wasserstoff könnte künftig zu einem neuen Treiber für den Ausbau der Windkraft werden. Bei der Versorgung der EU mit Wasserstoff verfügt die Ukraine über mehrere Trümpfe: ein großes Angebot an Flächen für die Produktion von EE, die bestehenden Gaspipelines, die für den Transport von Wasserstoff oder Wasserstoffbeimischungen genutzt werden können, und die geografische Nähe zur EU. Deutschland und die Ukraine verbindet bereits eine Energiepartnerschaft. Zudem hat sich Deutschland in einer Vereinbarung mit den USA in Zusammenhang mit der Gaspipeline Nord Stream 2 zur Einrichtung eines Grünen Fonds für die Ukraine verpflichtet.

    Mit dem Ausbau der Erneuerbaren und ihren Produktionsschwankungen steigt der Bedarf an Stromspeicherkapazitäten. DTEK hat im Mai 2021 eine erste Anlage mit einer Leistung von 1 Megawatt in Betrieb genommen. Große Projekte mit internationalen Partnern und Gebern verfolgen Ukrenergo (240 Megawatt) und Ukrhydroenerho (197 Megawatt). Auch das private Unternehmen Kness hat eine entsprechende Investition angekündigt.

    Interaktive Karte bietet Übersicht über EE-Projekte in der Ukraine

    Einen Überblick über abgeschlossene, im Aufbau befindliche und geplante Projekte aus den Bereichen Energieeffizienz und erneuerbare Energien bietet die interaktive Informationsplattform UA Map.

    Windprojekte in der Ukraine *)

    Projektbezeichnung

    Leistung (MW)

    Unternehmen

    Status

    Investitionsvolumen

    Windpark im Gebiet Donezk

    800

    Wind Farm LLC, Power China

    in Vorbereitung

    rund 1 Mrd. US$

    Windpark Zophia (Gebiet Saporishshja, Rajon Jakymiwka)

    788

    Emergy (Norwegen)

    geplanter Baubeginn im Sommer 2021

    506 Mio. Euro

    Windpark Tyligulska WPP (Gebiet Mykolajiw)

    500

    DTEK Renewables

    in Vorbereitung, geplante Inbetriebnahme: Ende 3. Quartal 2022

    k. A.

    Zaporizhia Windpark (Gebiet Saporishshja, Rajon Melitopol)

    500

    LLC Eurocape Ukraine

    Inbetriebnahme von 1. Stufe mit 80 MW im Juni 2021 erfolgt; weiterer Ausbau geplant

    k. A.

    Windpark in Bilopillja (Gebiet Sumy)

    500

    ESE Investment AG

    Planungsbeginn: Januar 2021

    k. A.

    Windparks im Gebiet Shytomyr

    370

    Wind Solar Energy LLC

    in Vorbereitung

    k. A.

    Windparks im Gebiet Odessa

    rund 300

    Notus Energy

    Abschluss von Memorandum mit Verwaltung des Gebiets Odessa im März 2020

    452 Mio. Euro

    Yuzhne Energy (Gebiet Odessa)

    76,5 (1. Phase)

    Yuzhne Energy LLC, China Longyuan Power Group

    Geplante Inbetriebnahme: 2021

    k. A.

    Volodymyrets WPP (Gebiet Riwne)

    72

    MCL Group

    in Vorbereitung

    87 Mio. Euro

    Windpark im Gebiet Lemberg (Lwiw; Rajon Skole)

    60

    Atlas Global Energy (Türkei)

    in Vorbereitung; geplante Inbetriebnahme im August 2022

    72 Mio. Euro

    Perehinska WPP (Gebiet Iwano-Frankiwsk)

    55

    Clear Energy

    Geplante Umsetzung: 2022 bis 2023

    k. A.

    Windpark im Gebiet Odessa

    50

    ESE Investment AG

    Baubeginn: Mai 2021

    k. A.

    Windpark Orivska (Gebiet Lemberg)

    50

    Eco-Optima

    Geplante Umsetzung: 2021 bis 2022

    k. A.

    *) alle Projekte sind Onshore-ProjekteQuelle: Pressemeldungen; UWEA Jahresbericht 2020

    Von Fabian Nemitz | Kiew

  • Markthemmnisse

    Den Erneuerbaren weht in der Ukraine in jüngster Zeit starker Gegenwind entgegen. Zahlungsrückstände und unklare Rahmenbedingungen verunsichern Investoren.

    Weiter Zahlungsrückstände trotz nachträglicher Absenkung des grünen Tarifs

    Der rasante Ausbau der Regenerativen im Jahr 2019, die hohen, gesetzlich garantierten Einspeisetarife und Veränderungen beim Strommarktmodell setzen die Finanzierung des Sektors unter starken Druck. Seit 2020 kommt es zu hohen Zahlungsrückständen gegenüber den Erzeugern grünen Stroms. Um die Finanzierbarkeit des Modells zu erhalten, hat die Regierung im Juni 2020 mit den Verbänden EUEA und UWEA ein Memorandum unterzeichnet, das unter anderem folgende Punkte vorsieht:

    • Absenkung des grünen Tarifs für Windstrom um 7,5 Prozent;
    • Absenkung des grünen Tarifs für Solarstrom um 15 Prozent;
    • Einführung einer Haftung für Ungleichgewichte für EE-Produzenten.

    Die Vereinbarungen des Memorandums wurden im Gesetz 810-IX verankert, das zum 1. August 2020 in Kraft getreten ist. Allerdings kommt es trotz der Reduzierung der grünen Tarife weiter zu hohen Zahlungsrückständen. Botschaften von elf Ländern drückten der ukrainischen Regierung im November 2020 in einem Brief ihre Besorgnis aus.

    Pläne zur Einführung von Verbrauchsteuer auf grünen Strom

    Für weitere Verunsicherung bei EE-Investoren sorgen die Pläne zur Einführung einer Verbrauchsteuer in Höhe von 3,2 Prozent auf die Produktion von Erneuerbaren. Der entsprechende Gesetzentwurf Nr. 5600 wurde am 1. Juli 2021 in erster Lesung angenommen. Die abschließende zweite Lesung steht noch aus. Investoren kritisieren das Vorhaben der Politik, mit dem sich die Bedingungen für EE-Investoren trotz gegenteiliger Vereinbarungen in dem Memorandum von Juni 2020 weiter verschlechtern würden.

    Windkraftverband rechnet mit längerer Flaute

    Angesichts des unklaren regulatorischen Umfelds und den Zahlungsrückständen sind viele EE-Projekte im Moment auf Eis gelegt. Auch lokale Banken und internationale Geberorganisationen halten sich aktuell zurück.

    In seinem Jahresbericht 2020 geht der Windenergieverband UWEA davon aus, dass der mangelnde Fortschritt bei der Überwindung der Zahlungsrückstände, die Marktunsicherheit und die niedrigen Quoten für die Windkraft bei den geplanten Auktionen die Entwicklung des Sektors noch lange Zeit bremsen werden. Für 2021 rechnet der Verband mit einem Zubau von 400 Megawatt.

    Ein weiteres Hindernis für den Ausbau der Erneuerbaren sind die beschränkten Netz- und Speicherkapazitäten. Schon heute müssen EE-Produktionsanlagen immer öfter abgeregelt werden, schreibt Ukrenergo.
     

    Von Fabian Nemitz | Kiew

  • Branchenstruktur

    Bei der Deckung ihrer Bedarfs an Ausrüstungen für Windenergie ist die Ukraine zum größten Teil auf Importe angewiesen.

    Einheimische Fertigung nur schwach entwickelt

    Trotz ihrer langen Traditionen in den Bereichen Metallurgie und Maschinenbau ist die Ukraine bei der Deckung ihres Bedarfs an Ausrüstungen für die Windenergie weit überwiegend auf Importe angewiesen. Einziger lokaler Produzent von Windkraftanlagen ist das Unternehmen Fuhrländer Windtechnology beziehungsweise WPU. Laut eigenen Angaben fertigt das Unternehmen Turbinen mit einer Leistung von 2 bis 4,5 Megawatt. Die Ursprünge des Herstellers gehen auf die Firma Fuhrländer AG aus dem Westerwald zurück, die 2012 nach Insolvenz aufgelöst wurde.

    Im Rahmen ihres Projekts zum Bau eines 800-Megawatt-Windparks bei Mariupol hat das Unternehmen Windfarm ein Memorandum mit den lokalen Firmen Yuzhmash und Elektrotyazhmash zum geplanten Aufbau einer Produktion von Komponenten geschlossen. Dabei soll Yuzhmash die Türme, Rotorblätter und Gondeln bauen, Elektrotyazhmash die Generatoren. Über konkrete Projektfortschritte ist aber nichts bekannt. Laut Aussage von Sergei Borodin, einem führenden Spezialisten von Yuzhmash im Bereich Erneuerbare Energien, habe das Unternehmen bereits früher Anstrengungen unternommen, um in den Bereich zu expandieren, allerdings ohne nachhaltigen Erfolg.

    Ausländische und lokale Investoren vertreten

    Größter Investor in erneuerbare Energien in der Ukraine ist DTEK Renewables, eine Tochter des Stromkonzerns DTEK. Aktuell verfügt das Unternehmen über Solar- und Windenergieanlagen im Umfang von 1 Gigawatt. Die Projektpipeline umfasst Vorhaben mit einem weiteren Gigawatt.

    Daneben gibt es auf dem Markt eine Vielzahl lokaler und ausländischer Investoren. Häufig gehen internationale Firmen bei der Umsetzung ihrer Projekte Partnerschaften mit lokalen Unternehmen ein. Im April 2021 hat die Firma Nebras Power (Katar) beispielsweise die Mehrheit an Solarkraftwerken des ukrainischen Entwicklers UDP übernommen. Gemeinsam wollen die Unternehmen in neue Solar- und Windprojekte investieren.

  • Kontaktadressen

    Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & Invest

    Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Ukraine

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Exportinitiative Energie

    Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen

    Factsheets der Exportinitiative Energie

    Factsheets und Analysen mit Energieinformationen zur Ukraine (teilweise mit Technologie- oder Anwendungsfokus)

    Low Carbon Ukraine

    Unterstützung der ukrainischen Regierung bei Fragen zum Energiesektor; Erstellung von Analysen; finanziert von der Bundesregierung

    Arbeitsgruppe Energie und Energiewende der AHK Ukraine

    Energieministerium der Ukraine

    State Agency on Energy Efficieny and Energy Saving of Ukraine

    Staatliche Agentur für Energieeffizienz und Energieeinsparung

    Ukrenergo

    Staatlicher Stromnetzbetreiber

    Ukrainian Association of Renewable Energy

    Branchenverband

    Ukrainian Wind Energy Association

    Branchenverband

    European-Ukrainian Energy Agency

    Branchenverband

    Elcom Ukraine

    Fachmesse in Kiew

    EcoEnergy Expo

    Fachmesse in Kiew; nächster Termin: 19.-21.10.2021

    Energo Reforma

    Internetportal zur Stromwirtschaft

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