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US-Nahrungsmittelmarkt tritt 2026 auf der Stelle

Steigende Preise infolge geopolitischer Unsicherheiten dämpfen den Nahrungsmittelkonsum. Für 2026 muss die Branche mit einer Stagnation oder leicht rückläufigen Nachfrage rechnen.

Von Heiko Stumpf | San Francisco

Ausblick der Nahrungsmittelindustrie in den Vereinigten Staaten

Bewertung:

  • Neben der Zollpolitik erweist sich auch der Iran-Konflikt als Kostentreiber: Durch das Weiterreichen an die Verbraucher könnte es 2026 ein Umsatzplus von 2 bis 4 Prozent geben.
  • Mengenmäßig dürfte die Nahrungsmittelproduktion 2026 dagegen stagnieren oder sich sogar leicht rückläufig entwickeln.
  • Proteinreiche Lebensmittel wie Molkereiprodukte bleiben stark gefragt.
  • Mittel zur Gewichtsreduktion verändern das Konsumverhalten und schaffen Herausforderungen, aber auch Chancen.
  • Zur Kostensenkung setzen Unternehmen auf Automatisierung und Effizienzsteigerung.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Mai 2026

  • Fleisch und Molkereiprodukte profitieren von boomender Nachfrage nach Protein. Für Hersteller von Süßwaren und Snacks wird das Marktumfeld hingegen schwieriger. 

    Wie in den Vorjahren dürfte die Nahrungsmittelindustrie in den USA ihre Umsätze erneut durch Preiserhöhungen steigern. Neben der Zollpolitik der US-Regierung trägt auch der Iran-Konflikt dazu bei, dass höhere Kosten für Energie, Transport und Verpackungen an die Verbraucher weitergegeben werden.

    Das eigentliche Ziel der Unternehmen ist es, Verkaufsvolumina und Marktanteile auch über eine spürbare Ausweitung der Produktionsmengen zu steigern. Doch die Aussichten dafür sind schlecht: Das Marktforschungsinstitut Circana rechnet für 2026 lediglich mit einer stagnierenden bis leicht rückläufigen Entwicklung – bei einer unsicheren Prognose zwischen minus  1 und plus 1 Prozent.

    Über 50 %

    der täglichen Kalorienzunahme in den USA kommen durch stark verarbeitete Nahrungsmittel.

    Die Lebensmittelpreise in den USA lagen laut Circana 2025 bereits um 34 Prozent über dem Vor‑Corona‑Niveau von 2019. Viele Verbraucher stoßen damit zunehmend an ihre finanzielle Belastungsgrenze. Das US‑Landwirtschaftsministerium (USDA) rechnet für 2026 mit einem weiteren Preisanstieg um durchschnittlich 2,9 Prozent.

    Die Folgen treffen vor allem große nationale Marken. Konsumenten kaufen weniger oder weichen verstärkt auf günstigere Handelsmarken aus. Hersteller wie PepsiCo oder General Mills reagierten zuletzt mit Preissenkungen, um Marktanteile zu verteidigen.

    Proteinboom – Fleisch und Milchprodukte profitieren

    Doch auch in dem schwierigen Marktumfeld eröffnen sich Wachstumsfelder. Dazu tragen Ernährungstrends bei; insbesondere proteinreiche Lebensmittel stoßen bei US-Verbrauchern auf hohe Nachfrage. Laut einer Studie des International Food Information Council aus dem Jahr 2025 wollen inzwischen 70 Prozent der Amerikaner mehr Protein konsumieren – fast 20 Prozentpunkte mehr als noch drei Jahre zuvor.

    Die Fleisch- und Geflügelproduktion verzeichnet dadurch Zuwächse: Laut Prognosen von USDA wird für 2026 ein Anstieg um rund 1,1 Prozent auf 49,1 Millionen Tonnen erwartet. Die Entwicklung ist jedoch ungleich verteilt. Die Produktion von Rindfleisch setzt ihren Abwärtstrend fort und dürfte um 0,8 Prozent auf 11,7 Millionen Tonnen sinken. Der Rückgang liegt weniger an der Nachfrage als am Angebot. Die US-Rinderherde ist nach jahrelanger Dürre in wichtigen Viehzuchtstaaten wie Nebraska, Oklahoma und Texas mit 86 Millionen Tieren auf den niedrigsten Stand seit 75 Jahren geschrumpft. Deshalb mangelt es an Schlachtvieh.

    Die Produktion von Schweine- und Geflügelfleisch steigt hingegen auf 12,7 Millionen Tonnen (+1,4 Prozent) beziehungsweise 24,4 Millionen Tonnen (+1,9 Prozent) an. Der Appetit auf Fleisch und Geflügel bleibt anhaltend hoch. Nach USDA-Prognosen dürfte der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch bis 2035 auf rund 109 Kilogramm ansteigen – ein Plus von 6 Prozent gegenüber 2025.

    Auch die Molkereiwirtschaft setzt ihren Aufwärtstrend fort. Die Milchproduktion wird für 2026 auf 106,7 Millionen Tonnen geschätzt, sie soll laut USDA bis 2035 um durchschnittlich etwa 1,1 Prozent pro Jahr ansteigen. Zwar geht die Menge getrunkener Milch kontinuierlich zurück, dafür steigt die Nachfrage nach Erzeugnissen wie Käse, Butter und Joghurt. Die US-Käseherstellung dürfte 2026 mit rund 6,8 Millionen Tonnen (+3,0 Prozent) einen Rekordwert erreichen.

    Snack- und Backwarenhersteller müssen sich neuen Essgewohnheiten stellen

    Die Produzenten solcher Produkte stehen vor einer gemeinsamen Herausforderung: Die Anzahl der Nutzer von GLP-1-Abnehmmedikamenten wächst in den USA rasant und beschleunigt den Trend zur bewussteren Ernährung. Haushalte mit mindestens einem GLP-1-Nutzer reduzieren ihre Ausgaben für klassische Snackprodukte deutlich: Laut einer Studie der Cornell University gingen die Ausgaben für salzige Snacks sechs Monate nach Beginn der Medikation um 10,1  Prozent zurück. Auch süße Backwaren und Kekse verzeichneten Rückgänge von 8,8 beziehungsweise 6,5 Prozent. Gleichzeitig legen nährstoffreiche Alternativen wie Proteinriegel und Fleischsnacks spürbar zu.

    Die US‑Süßwarenindustrie bleibt auf lange Sicht dennoch zuversichtlich, wobei insbesondere auf Premiumisierung gesetzt wird. Laut dem State of Treating Report sollen die Umsätze von 2026 bis 2030 auf etwa 62 Milliarden US$ steigen – ausgehend von 55 Milliarden im Jahr 2025.

    Der Proteintrend stellt auch allgemeine Backwaren vor Herausforderungen. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Weizenmehl lag 2025 bei 57,4 Kilogramm – ein Rückgang von 6,1 Prozent innerhalb der vergangenen 15 Jahre. Wachstum entsteht dadurch nur noch durch den Bevölkerungsanstieg, nicht mehr durch höheren Einzelkonsum. Aufgrund veränderter Frühstücksgewohnheiten geht vor allem die Nachfrage nach Zerealien zurück.

    Appetitzügler auf dem Vormarsch: Wie Abnehmmedikamente den Markt für Nahrungsmittel verändern

    Rund 40 Prozent der US-Bevölkerung gelten als übergewichtig. Da verwundert es nicht, dass sich Medikamente zur Gewichtsreduktion wie Zepbound und Wegovy zum Verkaufsschlager entwickeln. Bis vor Kurzem waren diese Wirkstoffe ausschließlich als Injektionspräparate verfügbar. Mit Novo Nordisk und Eli Lilly erhielten jedoch bereits die ersten Hersteller die US-Zulassung für orale Präparate. Damit dürfte sich das Wachstum weiter beschleunigen.

    Laut Studien von Circana lebte Ende 2025 bereits in rund 23 Prozent der US-Haushalte mindestens ein Nutzer von GLP-1-Medikamenten. Bis 2030 könnten diese Haushalte für etwa 35 Prozent des Lebensmittelumsatzes stehen. Morgan Stanley wiederum geht davon aus, dass die Zahl der Nutzer von aktuell rund 10 Millionen bis Ende des Jahrzehnts auf mehr als 30 Millionen ansteigt.

    Die konkreten Auswirkungen auf die Nahrungsmittelindustrie sind noch nicht abschließend absehbar, erste strukturelle Entwicklungen zeichnen sich jedoch bereits ab.

    Trend 1: Nutzer solcher Medikamente essen deutlich weniger. Studien der Cornell University zeigen, dass Haushalte mit mindestens einem Nutzer von GLP-1-Medikamenten ihre Lebensmittelausgaben innerhalb von 6 Monaten im Durchschnitt um rund 5,3 Prozent reduzieren. Analysen von PwC deuten daraufhin, dass die tägliche Kalorienaufnahme individueller Nutzer um bis zu 40 Prozent sinkt.

    Trend 2: Nutzer von Abnehmmedikamenten essen nicht nur weniger, sie essen auch anders. Der Appetit auf Süßes, salzige Snacks, Backwaren oder Softdrinks schwindet, während frisches Obst, Gemüse, Joghurt, Eier und proteinreiche Snacks wie Nüsse an Beliebtheit gewinnen.

    Wie reagieren die Unternehmen? 

    Die Lebensmittelbranche reagiert mit einer Kombination aus Produktanpassung und Innovation auf die veränderte Nachfrage. Beispielsweise indem sie bekannte Produkte proteinreich aufwertet – von Frühstückszerealien und Waffeln bis hin zu Snacks und Desserts. So brachte PepsiCo proteinangereicherte Varianten von bekannten Snacks wie Doritos heraus. Hersteller wie Conagra Brands bauen ihr Portfolio in Bereichen wie Fleischsnacks, Nüssen oder Samen aus. Nestle hat mit Vital Pursuit eine Tiefkühlmarke eingeführt, die gezielt auf Nutzer von GLP-1-Medikamenten ausgerichtet ist.

    Die langfristen Effekte für die Unternehmen bleiben jedoch unklar. Einige Studien sehen durch die GLP-1-Therapien eine deutlich steigende Lebenserwartung – teilweise um bis zu 14 Jahre. Ein kurzfristig geringerer Nahrungsmittelkonsum während der Therapie könnte dadurch mehr als ausgeglichen werden.

    Umwälzungen im Getränkemarkt

    Auch auf dem Markt für alkoholische Getränke sorgen veränderte Konsumgewohnheiten für Bewegung. Jüngere wie die Generation Z trinken weniger Alkohol und lassen sich vor allem nicht mehr als loyale Bier- oder Weintrinker kategorisieren.

    Der Bierverbrauch dürfte 2025 den niedrigsten Stand seit 40 Jahren erreicht haben. Laut Prognosen von S&D Insights soll es 2026 einen weiteren volumenmäßigen Rückgang um 4 Prozent geben. Der Weinkonsum dürfte mit 3,7 Prozent ebenfalls deutlich sinken. Während auch klassische Spirituosen rückläufig sind, sorgen junge Konsumenten mit ihrem Wunsch nach Vielfalt für Wachstum bei Ready-to-Drink-Cocktails und Hard Seltzers – das sorgt 2026 im Gesamtmarkt für Spirituosen für ein Wachstum von 1,8 Prozent.

    Das mengenmäßige Marktvolumen für alkoholfreie Getränke dürfte 2026 laut der Beverage Marketing Corporation leicht um bis zu 1 Prozent zulegen. Steigendes Gesundheitsbewusstsein sorgt jedoch auch hier für Veränderungen: Health- und Wellness-Getränke erreichen mittlerweile einen mengenmäßigen Marktanteil von knapp 50 Prozent. Produkte mit hohem Zucker- oder Süßstoffgehalt wie kohlensäurehaltige Softdrinks und Fruchtsäfte verlieren hingegen an Zuspruch. Das Wachstum wird vor allem durch eine höhere Nachfrage nach abgefülltem Trinkwasser getragen (+1 bis 2 Prozent). Mit einem erwarteten Zuwachs von 5 bis 6 Prozent floriert auch das Geschäft mit Energydrinks. Auch Proteindrinks und Probiotika bieten Potenzial.

    Von Heiko Stumpf | San Francisco

  • Bei den Investitionen agieren die Unternehmen vorsichtig, aber einzelne Produkte wie Käse können zulegen. Viele Hersteller reagieren mit Automatisierung auf steigende Kosten.

    Bevölkerungswachstum und steigende Einkommen führen in den USA zu einem langfristig höheren Nahrungsmittelverbrauch. Trotz rückläufiger Nettozuwanderung rechnet das Congressional Budget Office damit, dass die Bevölkerung bis 2035 auf rund 357 Millionen wächst – von etwa 342 Millionen im Jahr 2025.

    Investitionsklima stabilisiert sich 

    Lebensmittelhersteller investieren deshalb fortlaufend in ihre Anlagen, wenn auch mit verhaltener Dynamik. Laut dem 2026 Capital Spending Outlook des Fachmagazins Food Processing planen die 25 größten börsennotierten Nahrungsmittel- und Getränkehersteller der USA Investitionen in Höhe von insgesamt 21 Milliarden US-Dollar (US$). Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von 2,9 Prozent, nachdem die Investitionen 2025 noch um 8,8 Prozent zurückgegangen waren.

    Ein Wachstumsfeld, das Investitionen anzieht, ist die Käseherstellung. Über die vergangenen zehn Jahre ist der Käsekonsum in den USA um fast 20 Prozent gestiegen. Hersteller – insbesondere in Wisconsin, Kalifornien, Texas, Minnesota und Idaho – bauen ihre Anlagen aus, um die steigende Nachfrage nach Cheddar, Mozzarella und anderen Spezialitäten zu bedienen. So investiert etwa die Bel Group rund 200 Millionen US$ in ihren Standort in Brookings (South Dakota), um die Produktion von Babybel auf 20.000 Tonnen pro Jahr zu verdoppeln.

    Unternehmen berichten inzwischen von Schwierigkeiten, die stark steigende Nachfrage nach proteinreichem Joghurt zu bedienen. Danone baut deshalb die Kapazitäten an mehreren Standorten aus, so in Minister (Ohio). Auch Chobani investiert rund 1,7 Milliarden US$ in den USA.

    Auch in der Getränkeindustrie gibt es Großprojekte. Red Bull, Rauch und Ball Corp. investieren gemeinsam rund 1,5 Milliarden US$ in einen integrierten Produktionskomplex in Concord (North Carolina). Während Rauch mit rund 680 Millionen US$ die Abfüllung der Red‑Bull‑Getränke übernimmt, baut Ball eine Dosenproduktion. Red Bull investiert in Logistik und Distribution.

    Die Kapazitätsauslastung in der Ernährungswirtschaft ist weiterhin hoch. Sie lag im Jahr 2025 mit 79,9 Prozent leicht über dem Durchschnitt der vorherigen zehn Jahre (2014 bis 2024: 78,3 Prozent).

    Ausgewählte Investitionsprojekte der Ernährungswirtschaft in den USAIn Millionen US-Dollar
    AkteurInvestitionssumme ProjektstandAnmerkungen
    Red Bull/Rauch/Ball Corp.

    1.500

    geplante Inbetriebnahme 2028Bau eines Getränkeproduktions-, Abfüll- und Distributionszentrums in Concord, North Carolina
    Ferrara (Ferrero Group)

    675

    geplante Inbetriebnahme 2029Bau einer Süßwaren-Produktionsstätte (Fokus auf Nerds-Produkte) in Orangeburg, South Carolina
    Coca-Cola (Fairlife)

    650

    geplante Inbetriebnahme 2028Erweiterung der Milchverarbeitungsanlage (zwei neue Produktionslinien) in Coopersville, Michigan
    Chobani (La Colombe)

    567

    geplante Inbetriebnahme offenErweiterung der Kaffeeproduktionsstätte (Fokus auf RTD‑Latte‑Produktion) in Norton Shores, Michigan
    Swire Coca-Cola

    475

    geplante Inbetriebnahme 2028Bau einer Getränkeproduktionsanlage in Colorado Springs, Colorado. Ersatz des bestehenden Werks in Denver; Produktion von über 230 Getränken aus 60+ Marken
    Bridor

    410

    geplante Inbetriebnahme ca. 2030Bau einer industriellen Bäckerei in Lancaster, Texas (dreiphasiges Projekt; Phase 1 ab ca. 2030, weitere Ausbaustufen bis 2039; Produktion von tiefgekühlten Backwaren)
    Pilgrim's

    400

    geplante Inbetriebnahme 2027Bau einer Produktionsstätte für verarbeitete Geflügelprodukte in LaFayette, Georgia (mehrphasiges Projekt; Phase 1 ab 2027; Produktion von verzehrfertigen Hähnchenprodukten für Retail und Foodservice)
    Ninth Avenue Foods

    200

    geplante Inbetriebnahme 2027Bau einer Molkereiproduktionsanlage in Longview, Texas (ESL‑Verarbeitung für Milch- und pflanzenbasierte Getränke; dritte US-Produktionsstätte)
    Dainty Foods

    150

    geplante Inbetriebnahme 2027Bau einer Lebensmittelproduktionsanlage (Produktion von Mikrowellenreis und Fertiggerichten) in Batavia Township, Ohio
    JBS

    150

    geplante Inbetriebnahme 2027Erweiterung der Rindfleischverarbeitungsanlage in Cactus, Texas (neue Zerlegehalle und Ausbau der Hackfleischproduktion)
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Automatisierung steht im Fokus

    Steigende Inputkosten und Arbeitskräftemangel rücken Effizienzsteigerungen sowie Automatisierung in den Fokus der Branche. Laut dem Manufacturing Outlook 2026 des Fachmagazins Food Processing steht wie im Vorjahr die Kostenkontrolle an erster Stelle der Prioritäten. Zuvor dominierte über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg Lebensmittelsicherheit die Agenda. Automatisierung belegt aktuell Rang 3.

    Veraltete, kostenintensive Anlagen werden zunehmend stillgelegt und durch neue, spezialisierte und automatisierte Produktionsstandorte ersetzt. So investiert etwa Smithfield Foods 1,3 Milliarden US$ in eine hochautomatisierte Verarbeitung von Schweinefleisch in Sioux Falls (South Dakota), die eine über 100 Jahre alte Anlage ersetzt.

    Auch Bäckereien automatisieren. Rund 44 Prozent der Unternehmen wollen nach einer Umfrage von Backing & Snacks die Investitionsausgaben im Jahr 2026 erhöhen. Etwa 73 Prozent aller Befragten nennen dabei Systemverbesserungen wie Automatisierung als Schwerpunkt. Die weltgrößte Bäckereigruppe Grupo Bimbo – in den USA unter anderem Eigentümer der Marke Sara Lee – plant, zwischen 2026 und 2028 rund 1 Milliarde US$ in den Ausbau und die Modernisierung ihres Inlandsgeschäfts zu investieren.

    Fleischindustrie ist stark konzentriert

    Bei Rindfleisch halten die vier größten Anbieter Tyson Food, JBS USA, Cargill und National Beef einen Anteil von ungefähr 85 Prozent. Die hohe Marktkonzentration  gerät zunehmend unter politischen Druck: Das US‑Justizministerium leitete im Mai 2026 eine Kartelluntersuchung gegen die vier großen Verarbeiter ein. Bei Schweinefleisch dominieren die vier größten Hersteller, angeführt von Smithfield Foods, etwa zwei Drittel des Marktes.

    Parallel wird der Ausbau alternativer Strukturen vorangetrieben. Das US Department of Agriculture (USDA) startete  im Mai 2026 die vierte Phase des Meat and Poultry Processing Expansion Program (MPPEP), über das bereits 325 Millionen US$ an 74 Projekte von kleineren und mittleren Fleischproduzenten vergeben wurden.

    Einige der geförderten Projekte werden erst im Lauf der nächsten Jahre umgesetzt. Dazu zählen unter anderem eine neue Anlage von Producer Owned Beef in Texas (670 Millionen US$; bis zu 3.000 Rinder pro Tag), die bis 2028 entsteht, sowie ein Projekt der Cattlemen’s Heritage Beef Company in Iowa (520 Millionen US$; rund 2.000 Rinder pro Tag).

    Breit aufgestellte Nahrungsmittelindustrie

    Die USA sind nach China und Indien der weltweit drittgrößte Lebensmittelproduzent und können sich weitgehend selbst versorgen. Trotz starker Exportsektoren wie Fleisch und Molkereiprodukte wiesen die USA 2025 zum vierten Mal in Folge ein Handelsdefizit im Nahrungsmittelsektor auf – hauptsächlich wegen gestiegener Obst- und Gemüseimporte.

    Mit mehr als 21.000 Unternehmen weist die heimische Nahrungsmittelindustrie einen hohen Diversifizierungsgrad auf. Gemessen an der Wertschöpfung ist die Fleischverarbeitung mit einem Anteil von 26 Prozent das größte Segment, gefolgt von der Milchwirtschaft (13 Prozent), der Getränkeindustrie (11 Prozent) und der Getreide-/Ölsaatenindustrie (10 Prozent).

    Produktion ausgewählter Nahrungsmittel und Getränke in den USA Produktionsindizes *)
    Sparte 

    2022

    2023

    2024

    2025

    Fleisch und Fleischwaren

    108,9

    107,6

    107,7

    106,6

    Milch- und Molkereiprodukte

    109,2

    108,1

    106,3

    107,7

    Backwaren

    100,8

    101,2

    104,7

    104,8

    verarbeitete Früchte und Gemüse

    103.0

    98,2

    99,2

    103,9

    Zucker- und Süßwaren

    102,3

    97,5

    99,5

    97,8

    Getränke

    108,0

    110,5

    108,4

    99,9

     Bier

    91,3

    86,7

    82,3

    77,1

     Softdrinks

    95,0

    102,7

    103,4

    94,6

    * saisonbereinigt, Jahresdurchschnitt, 2017 = 100.Quelle: Federal Reserve 2026

    Auch geografisch ist die Branche breit aufgestellt. Laut dem U.S. Census Bureau gab es im Jahr 2023 (zuletzt verfügbare Angabe zu Redaktionsschluss) insgesamt 43.582 Produktionsstätten, in denen Nahrungsmittel und Getränke hergestellt werden. Das mit Abstand wichtigste Cluster befindet sich mit rund 6.615 Anlagen in Kalifornien. Der Bundesstaat produziert mehr als 60 Prozent des in den USA angebauten Obstes und Gemüses. Gleichzeitig hält Kalifornien auch die Spitzenposition in der Milchwirtschaft. Weitere Hochburgen befinden sich in Texas (2.956 Betriebe), New York (2.814 Betriebe), Pennsylvania (1.933 Betriebe) und Illinois (1.735 Betriebe). 

    Wichtige Branchenunternehmen in NordamerikaUmsatz in Milliarden US-Dollar

    Unternehmen

    Sparte

    Umsatz 2024 *)

    PepsiCoGetränke, Snacks

    55,2

    Tyson FoodsFleischwaren, Snacks

    51,0

    JBS USAFleischwaren

    32,4

    NestléBackzutaten, Tiefkühlkost, Fertiggerichte, Getränke

    28,0

    Kraft HeinzFleischwaren, Fertiggerichte, Käse, Kartoffelprodukte, Snacks, Soßen, Tiefkühlkost etc.

    19,5

    The Coca-Cola Companyalkoholische und alkoholfreie Getränke

    18,6

    General MillsBackwaren, Desserts, Fertiggerichte, Zerealien

    16,7

    MarsSüßwaren- und Kaugummiprodukte

    16,0

    CargillFleischwaren, Lebensmittelzutaten

    15,0

    Anheuser-Busch InBevBier, alkoholische Getränke

    14,7

    Smithfield FoodsSchweinefleischprodukte

    13,7

    * USA und zum Teil Kanada.Quelle: Food Processing 2026

    Von Heiko Stumpf | San Francisco

  • Die meisten Lebensmittelprodukte, Getränke und Nahrungsergänzungsmittel werden von der Food and Drug Administration (FDA) reguliert. Das ACE-System vereinfacht den Einfuhrprozess.

    Unabhängig von der aktuellen Zollpolitik der Trump‑Regierung unterliegen bestimmte Lebensmittelgruppen wie Milchprodukte, Säuglingsnahrung und Schokolade tarifären Einfuhrabgaben. So können etwa für ausgewählte Käsesorten – insbesondere im Rahmen von Zollkontingenten oder handelspolitischen Schutzmaßnahmen – Zollsätze von bis zu 25 Prozent anfallen.

    Darüber hinaus bestehen für einige Agrarprodukte mengenmäßige Beschränkungen in Form von Zollkontingenten (Tariff Rate Quotas, TRQs). Diese betreffen unter anderem Butter, Käse, Milchpulver, Zucker, Erdnüsse und bestimmte Fleischsorten.

    Neben tarifären Maßnahmen existieren auch nichttarifäre Handelshemmnisse, wie beispielsweise die fehlende gegenseitige Anerkennung von Veterinärzertifikaten oder unterschiedliche Methoden der Risikoanalyse, die den Marktzugang für ausländische Produkte erschweren.

    Streng geregelte Nahrungsmitteleinfuhr in die USA

    Die Kontrolle der meisten Lebensmittelimporte in die USA obliegt der Food and Drug Administration (FDA). Vor dem Export müssen ausländische Hersteller und Verarbeiter ihre Betriebe bei der Behörde registrieren. Zudem ist eine Voranmeldung (Prior Notice) jeder Warensendung erforderlich. Die Etikettierung muss den US‑Vorgaben entsprechen, einschließlich Angaben wie Produktbezeichnung, Zutatenliste, Nährwertinformationen, Allergenhinweise und Ursprungsland.

    Für die Kommunikation mit der FDA ist die Benennung eines US‑ansässigen Agenten (US Agent) erforderlich, der als Ansprechpartner für die FDA fungiert.

    Die Einfuhrabwicklung erfolgt über das Automated Commercial Environment (ACE)‑System der US‑Zollbehörde. Viele Importeure beauftragen hierfür einen Zollagenten (Customs Broker), der die erforderlichen Dokumente einreicht und die vorläufige Freigabe durch die FDA koordiniert.

    Besondere Regelungen für bestimmte Produkte

    Eier, Milchprodukte sowie Fleisch und Geflügel (mit Ausnahme von Wild) unterliegen der Aufsicht des US‑Landwirtschaftsministeriums (USDA). Die Zulassung europäischer fleischverarbeitender Betriebe für den Export in die USA ist komplex und kostenintensiv.

    Bioprodukte müssen den Anforderungen des National Organic Program (NOP) des USDA entsprechen. Seit 2012 besteht ein Äquivalenzabkommen zwischen der EU und den USA, das den gegenseitigen Handel mit biologisch zertifizierten Produkten erleichtert.

    Die Einfuhr alkoholischer Getränke erfordert eine spezielle Genehmigung des Alcohol and Tobacco Tax and Trade Bureau (TTB) in Form einer Federal Basic Importer's Permit sowie eine Registrierung als Alcohol Dealer.

    Die FDA verschärft im Rahmen des Food Safety Modernization Act (FSMA) die Rückverfolgbarkeitspflichten für risikobehaftete Lebensmittel wie Käse, Obst und Meeresfrüchte. Im Januar 2026 sollte ursprünglich die sogenannte "Food Traceability Rule" in Kraft treten; Unternehmen müssen zentrale Datenpunkte dokumentieren und bei Bedarf kurzfristig bereitstellen. Die FDA hat die Frist 2025 jedoch um 30 Monate auf Mitte 2028 verschoben, um Unternehmen mehr Zeit zur Umsetzung zu geben.

    Politikwende in der Lebensmittelsicherheit 

    Nach dem Regierungswechsel 2025 ist Robert F. Kennedy Jr. Gesundheitsminister (Secretary of Health and Human Services) und damit auch für die FDA zuständig.

    Mit seiner "Make America Healthy Again"‑Strategie zielt Kennedy Jr. darauf ab, die öffentliche Gesundheit durch strengere Lebensmittelregulierungen zu verbessern. 2025 kündigte er an, den Einsatz bestimmter synthetischer Lebensmittelfarbstoffe deutlich zu reduzieren und die Industrie zu freiwilligen Reformulierungen zu bewegen. Parallel prüft die FDA strengere Zulassungsverfahren für Zusatzstoffe und will die Genehmigung natürlicher Alternativen beschleunigen.

    Zahlreiche Lebensmittelhersteller haben angekündigt, den Einsatz synthetischer Farbstoffe freiwillig schrittweise zu beenden. So planen unter anderem Unternehmen wie Nestlé, PepsiCo, General Mills, Kraft Heinz, Hershey Company oder Conagra, künstliche Farbstoffe bis spätestens 2026/2027 weitgehend aus ihren US‑Produktportfolios zu entfernen oder durch natürliche Alternativen zu ersetzen.

    Diese Entwicklung löst entlang der Lieferkette zusätzliche Investitionen aus. So kündigte der Zutatenhersteller Sensient Technologies im Frühjahr 2026 an, bis zu 250 Millionen US‑Dollar in den Ausbau seiner Produktion natürlicher Farbstoffe zu investieren. Herzstück ist die Erweiterung des größten Produktionsstandorts in St. Louis (Missouri).

    Für detaillierte Informationen und aktuelle Vorschriften empfiehlt es sich, die offiziellen Websites der FDA und des USDA zu besuchen.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Heiko Stumpf | San Francisco

  • BezeichnungAnmerkungen
    AHK USAAnlaufstelle für deutsche Unternehmen
    U.S. Department of Agriculture (USDA)Landwirtschaftsministerium
    U.S. Food and Drug Administration (FDA)Bundesbehörde zur Überwachung von Nahrungs- und Arzneimitteln
    The Food InstituteFachverband
    Food Marketing Institute (FMI)Fachverband
    American Beverage Association (ABA)Fachverband
    Food ProcessingFachzeitschrift
    Beverage IndustryFachzeitschrift
    Fancy Food ShowFachmesse in New York City 28. bis 30. Juni 2026
    Americas Food & Beverage ShowFachmesse in Miami vom 14. bis 16. September 2026
    Pack Expo International 2026Fachmesse in Chicago vom 18. bis 21. Oktober 2026
    Natural Products Expo WestFachmesse in Anaheim vom 2. bis 5. März 2027

    Von Heiko Stumpf | San Francisco