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Die US-Kreislaufwirtschaft steckt noch in den Kinderschuhen

Die Abfallwirtschaft setzt vielfach veraltete Technologie ein, die Recyclingquoten sind niedrig. Entsprechend hoch fällt der Nachholbedarf aus. Der Markt ist aber unübersichtlich.

Von Roland Rohde | Washington, D.C.

Ausblick der Abfallwirtschaft in den Vereinigten Staaten 

 

  • Der Abfall- und Recyclingmarkt wächst langsam, aber stetig.
  • Die höchsten Wachstumsraten sind bei Sondermüll zu erwarten.
  • Technologisch besteht ein enormer Nachholbedarf.
  • Die regionalen Unterschiede fallen teils erheblich aus.
  • Deutsche Lieferanten wälzen die Zöll größtenteils auf ihre US-Kunden ab.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: März 2026

  • Der Nachholbedarf in Sachen Recycling ist riesig, doch es mangelt an Umweltbewusstsein und Investitionsbereitschaft. Zugleich fehlt der Druck von Seiten des Gesetzgebers.

    Im Vergleich zu Deutschland oder Japan hinken die USA in Sachen Recycling nach Einschätzung von Branchenkennern um einige Jahrzehnte hinterher. Laut dem Branchenverband National Waste & Recycling Association hatten 2024 über ein Viertel aller Haushalte keinerlei Zugang zu einem Recyclingsystem. Doch auch bei denen mit Zugang fallen die Möglichkeiten zur Mülltrennung oftmals beschränkt aus. Gemäß dem nationalen Umweltministerium EPA wird nur bei 9 Prozent aller Haushalte Biomüll getrennt gesammelt. Zwischen den Kommunen gibt es teils erhebliche Unterschiede. Besonders in den wohlhabenden Metropolen an der Ost- und Westküste wird fleißig Müll getrennt und recycelt. Im Mittleren Westen landet hingegen das Meiste in der Restmülltonne.

    Privatisierung senkt Kosten, stößt aber auf Widerstand

    Einige Städte und Kreise erheben Gebühren für die Müllabfuhr, andere finanzieren dies über Steuern. Von der Bundesregierung kommt kaum finanzielle Hilfe. Vielfach ist die Einsammlung und Mülltrennung in öffentlicher Hand. Es gibt aber einen Trend zur Privatisierung. So können private Unternehmen die Kosten um 20 bis 40 Prozent reduzieren, schätzt die National Solid Wastes Management Association (NSWMA). Zum Teil gibt es aber öffentlichen Widerstand gegen die Privatisierung.

    Großes Marktvolumen mit geringer Recyclingquote

    Laut dem Marktforschungsunternehmen IBIS World belief sich das Marktvolumen der US-Abfallwirtschaft 2025 auf 121 Milliarden US-Dollar (US$). Über 70 Prozent davon entfielen auf die Sparte der Mülleinsammlung. Das Geschäft mit Recycling kam nur auf eine Quote von 8 Prozent. Den Rest machten die Abfallbehandlung und -deponierung aus. 

    Moderates Marktwachstum, steigende Investitionen

    Während der Gesamtmarkt nur langsam wächst, geht es bei den Investitionen steiler aufwärts. So legten die erbrachten Bauleistungen im Bereich Abwasser- und Abfallentsorgung - die beiden Segmente werden zusammen erfasst - 2025 hochgerechnet um nominal 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu, berichtet das nationale Statistikamt. Der FMI North America Construction and Engineering Outlook erwartet bis 2029 eine Zunahme um 7 Prozent pro Jahr. 

    Der Markt ist uneinheitlich und unübersichtlich

    Der größte Nachteil, insbesondere für ausländische Unternehmen, ist die hohe Unübersichtlichkeit des Marktes. In jedem Bundesstaat gibt es unterschiedliche, teils stark voneinander abweichende Vorschriften. Zudem überwachen die Behörden die Gesetze kaum. Letztendlich organisiert jede Kommune das Aufsammeln und Wiederverwerten ihres Mülls auf unterschiedliche Weise. Einen Überblick über Materialien, für die ein Deponieverbot beziehungsweise eine Recyclingpflicht besteht, bietet getrennt nach Bundesstaaten der North East Recycling Council.

    30 Jahre

    und älter ist ein großer Anteil der eingesetzten Technologie in der Abfallwirtschaft

    Nach Auffassung von David Vitale von der Umweltbehörde New York setzen die meisten Kommunen 30 Jahre alte Technik ein. In Bethesda etwa, einer wohlhabenden Stadt nahe Washington D.C., trennen die Bürger für US-amerikanische Verhältnisse vorbildlich den Abfall in Restmüll, Gartenabfälle, Papier und Plastikflaschen. Die Müllabfuhr holt alles an einem einzigen Tag ab. Doch die Tonnen entleeren die Mitarbeiter der Entsorger mit reiner Muskelkraft in den Abfuhrwagen. 

    Daher bestehe, so Vitale, praktisch in allen Bereichen der Abfall- und Versorgungswirtschaft ein - zumindest theoretisch  - hoher Bedarf an moderner Technik. Der Markt werde aber vor allem von den Gesetzen und Vorgaben der Behörden getrieben. Unternehmen und Entsorgungsbetriebe investierten zumeist nur das, was absolut notwendig sei. Grundsätzlich wachse der Bereich Sondermüll schneller als der Gesamtmarkt, da hier die meisten neuen Gesetze eingeführt werden.

    Schwierige Lage beim Recycling für Solarmodule, Batterien und Windturbinen 

    Langfristig betrachtet bietet vor allem das Recycling von Batterien für Elektroautos, Solarmodulen und Windturbinen ein großes Geschäftspotenzial. Auf mittlere Sicht sind die Aussichten weniger positiv. Der Umsatz der Autobatterie-Recycling-Sparte etwa belief sich 2025 auf 1,5 Milliarden US$, so IBIS World. Bis 2030 soll der Branchenumsatz lediglich um knapp 3 Prozent pro Jahr auf 1,7 Milliarden US$ zulegen. Das kommt unter Berücksichtigung der Inflation nahezu einem Nullwachstum gleich. 

    Der Grund: Die im Rahmen des Inflation Reduction Act (IRA) eingeführte staatliche Kaufprämie von 7.500 US$ pro Fahrzeug wurde zum 1. September 2025 ersatzlos gestrichen. Der Absatz an Elektrofahrzeugen brach im 4. Quartal 2025 um 36 Prozent zum Vorjahr ein, berichtet Cox Automotive. Ihr Anteil an den Gesamtzulassungen lag nur noch bei 6 Prozent. Insbesondere Mittelständler legten Pläne zum Bau von Batterierecycling-Werken auf Eis. Ähnlich sieht die Lage bei Windturbinen aus. Die Trump-Administration wirft vor allem der Offshore-Sparte Knüppel zwischen die Beine. Die Pipeline an neuen Projekten ist praktisch leer. 

    Bei der Solarenergie wurde die Förderung im Rahmen des Inflation Reduction Act (IRA) ebenfalls vorzeitig beendet. Doch es gibt lange Karenzzeiten. Allerdings beträgt die Lebensdauer von Photovoltaikanlagen im Durchschnitt drei bis vier Jahrzehnte. Entsprechend lange wird es dauern, bis eine kostengünstige Massenverwertung möglich sein wird. Auch der Gesetzgeber scheint keine große Eile bezüglich Vorgaben zur Wiederverwertung zu haben. Entsprechend landen mehr als 90 Prozent aller ausgedienten Solarmodule auf Deponien. Ähnlich hoch ist die Quote bei Windturbinen. Dabei lassen sich laut einer Studie des Energieministeriums 90 Prozent der Materialen wiederverwerten und zwar wirtschaftlich tragbar.  

    Ausgewählte Investitionsprojekte in den USAin Millionen US-Dollar
    Projekt

    Investitionssumme 

    Stand

    Projektträger
    Batterie-Recycling-Anlagen in Nevada

    2.000 

    in PlanungRedwood Materials
    Recycling-Anlagen für Textilabfälle im Bundesstaat New York

    390

    in PlanungReju
    Recyclinganlage in Florida

    88

    Baubeginn Frühjahr 2026Waste Management
    Recyclinganlage für Seltene Erden in South Carolina

    82

    in Planung, Inbetriebnahme 2028Cyclic Materials
    Umstellung von 50% der Müllwagenflotte auf Elektroantrieb

    k.A.

    bis 2028Republic Services
    Recyclinganlage für Batterie

    k.A.

    in Planung, Standortbewertungen abgeschlossenClarios
    Quelle: Unternehmensangaben, Pressemeldungen 2026

    Von Roland Rohde | Washington, D.C.

  • Die Recyclingquoten sind niedrig. In einigen Bereichen - etwa beim Bioabfall - steht das Land erst am Anfang. Große, börsennotierte Dienstleister dominieren das Geschehen. 

    Die hohe Unübersichtlichkeit des Marktes spiegelt sich auch in der Datenlage wider. So verfügt die nationale Umweltbehörde EPA Anfang 2026 zum Thema Abfall und Recycling lediglich über Statistiken, die bis 2018 (teilweise 2019) reichen. In dem Jahr belief sich das Aufkommen an Siedlungsmüll ("Solid Municipal Waste") auf knapp 300 Millionen Tonnen. Das war nahezu eine Tonne pro Kopf. Doch bis Anfang 2026 ist die US-Bevölkerung laut offiziellen Schätzungen um 20 Millionen angestiegen. Im selben Zeitraum hat der Internethandel (und der damit verbundene zusätzliche Verpackungsmüll) stark zugelegt. Entsprechend dürfte das Abfallaufkommen inzwischen bei deutlich über 300 Millionen Tonnen liegen. Global gesehen sind die USA der größte Erzeuger von kommunalen Abfällen. Sie produziert fast 12 Prozent des weltweiten Abfalls bei einem Anteil von 4 Prozent an der Weltbevölkerung. 

    Geringe Recyclingquote und Wissenslücken

    Bei den kompostierten Stoffen handelt es sich größtenteils um Gartenabfälle. Klassischer Biomüll, wie Küchenabfälle, wird in den Vereinigten Staaten nur selten eingesammelt und verwertet. Das entspricht laut älteren Daten der Umweltbehörde EPA einer landesweiten Recyclingquote von knapp einem Viertel. Die Recycling Partnership kommt für 2024 sogar nur auf einen Wert von einem Fünftel. 

    Das Problem ist nicht nur struktureller Art, sondern resultiert auch aus einem relativ geringen Umweltbewusstsein. Von den Haushalten, die die Möglichkeit zum Recycling haben, betreiben nur 59 Prozent auch tatsächlich Mülltrennung, konstatiert die Recycling Partnership. Oft fehlt schlichtweg das Wissen, was in welche Tonne gehört. Auch viele Hersteller zeigen ein geringes Engagement. Nur 36 Prozent aller Plastikverpackungen sind wiederverwert- oder kompostierbar. 

    Zugang zum Recycling-System ist teilweise im einstelligen Prozentbereich

    Grundsätzlich ist der Zugang zu einem Recycling-System laut Recycling Partnership bei Einfamilienhäusern mit 85 Prozent besonders hoch, wobei sich eine regionale Streuung von 47 bis 100 Prozent ergab. Bei Mehrfamilienhäusern betrug der durchschnittliche Wert nur 37 Prozent. Hier war die Spannbreite mit 6 bis 89 Prozent nochmals größer. In elf Bundesstaaten lag die Quote im einstelligen Bereich.

    Den größten Posten des recycelten Haushaltsmülls machen Papier und Pappe aus. Bei Plastik werden meist nur Flaschen, nicht aber Kunststoffverpackungen wiederverwertet. Ein Pfandsystem gibt es nur in neun Bundesstaaten, so unter anderem in Kalifornien und an der Ostküste (Maine, Connecticut, Massachusetts, Vermont und New York). Ein nationales Ziel, die Deponierung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu beenden, existiert nicht. 

    Ziel einer 50-Prozent-Recycling-Quote bis 2030 wird verfehlt

    Zwar verabschiedete das US-Umweltamt 2020 ein mittelfristiges Ziel: Bis 2030 soll die Recyclingquote auf 50 Prozent steigen, was ungefähr einer Verdoppelung gegenüber 2018 entspricht. Zur Erreichung dieses Wertes sind nach Einschätzung der Behörde Investitionen im Umfang von 36 Milliarden bis 43 Milliarden US$ notwendig. Es handelt sich um ein unverbindliches Ziel und die Behörde hat weder Werkzeuge noch die finanziellen Mittel zur Hand, um diese Vorgaben durchzudrücken. 

    Die nationalen Gesetzgebungen zur Abfallwirtschaft stammen noch aus den 60er oder 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Unter der Trump-Administration hat das Ministerium zudem stark an Einfluss und Personal eingebüßt. Das Ziel dürfte damit mit hoher Wahrscheinlichkeit verfehlt werden. Immerhin verfolgen die Bundesstaaten oftmals eigene Ziele. Vorreiter ist Kalifornien, das für etwa ein Viertel des landesweiten Abfallaufkommens verantwortlich ist. Die dortige Recyclingrate lag laut offiziellen Angaben 2024 bei 42 Prozent. Sie soll auf 75 Prozent steigen. Ein Datum wird allerdings nicht genannt.

    Vier Aktiengesellschaften geben den Ton an

    Große, börsennotierte Gesellschaften mit mehreren 10.000 Angestellten dominieren in den USA den Abfall- und Recyclingsektor. Die vier größten Anbieter - Waste Management, Republic Services, Waste Connections und GFL Environmental - brachten es 2025 auf einen Umsatz von zusammengerechnet rund 60 Milliarden US$, was einem Marktanteil von rund 50 Prozent entspricht. 

    Der Marktführer Waste Management beschäftigte nach eigenen Angaben 2024 mehr als 60.000 Mitarbeiter und verfügte über 150 Recyclinganlagen. Die Großen der Branche erwarten zudem ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum. Waste Connections geht von einem Plus von 4 bis 5 Prozent für 2026 aus. GFL Environmental ist mit einem Zuwachs zwischen 6 und 7,5 Prozent noch optimistischer. Waste Management, dessen Umsatz 2025 um satte 14 Prozent gestiegen war, spricht von einem weiterhin kräftigen Wachstum. 

     

    Wichtige Branchenunternehmen in den USA Umsatz in Milliarden US-Dollar

    Unternehmen

    Sparte

    2025

    Waste ManagementGesamte Wertschöpfungskette

    25,2

    Republic ServicesGesamte Wertschöpfungskette

    16,6

    Waste ConnectionsGesamte Wertschöpfungskette

    9,5

    GFL EnvironmentalGesamte Wertschöpfungskette

    6,6

    CleanharborsSonderabfall, Recycling

    6,0

    StericycleKlinikabfälle

    2,7 *)

    Casella Waste SystemsSchwerpunkt im Osten der USA

    1,8

    Redwood MaterialsBatterierecycling

    0,3

    * 2023, wurde 2024 von "Waste Management" übernommen.Quelle: Geschäftsberichte, Pressemeldungen; 2026

    In den Vereinigten Staaten übernehmen öffentliche Körperschaften ungern direkt unternehmerische Tätigkeiten, sondern setzen auf eine Kooperation mit der Privatwirtschaft, etwa in Form von BOO-Betreibermodellen (build, own, operate). Daher betrieben beziehungsweise besaßen öffentliche Gesellschaften (gemessen am Müllaufkommen) 2022 nur ein gutes Viertel aller Deponien, so das Waste Business Journal. Die beiden privaten Marktführer kamen auf einen Anteil von zusammengerechnet knapp 50 Prozent. Der Rest entfiel auf kleinere private Konkurrenten. 

    Ausländische Anlagenhersteller haben gute Chancen

    Die genannten Firmen sind in allererster Linie Dienstleister und müssen die von ihnen eingesetzte Technologie zukaufen. Die einheimischen Hersteller von Anlagen zur Aufbereitung und Wiederverwertung von Abfall haben ein vergleichsweise geringes Know-how, vor allem weil sich der Markt in der Gesamtbetrachtung noch in einer frühen Entwicklungsphase befindet. Daher bestehen für ausländische Anbieter gute Absatzchancen. Generell haben sich US-amerikanische Hersteller von Investitionsgütern auf Universalanlagen spezialisiert. In zahlreichen Nischen gibt es keine einheimischen Konkurrenten. 

     

    Von Roland Rohde | Washington, D.C.

  • Ausländische Firmen dürften vor allem mit großen Privatgesellschaften ins Geschäft kommen. Diese sind nicht an Vorgaben zur Lokalisierung gebunden.

    Ausschreibungen verlaufen in den USA offen und relativ fair. Korruption spielt eine geringe Rolle. Dennoch erhalten bei öffentlichen Projekten meist einheimische Firmen den Zuschlag. Ausländische Unternehmen können aber bei Zulieferungen zum Zuge kommen. In zahlreichen Investitionsgüterbranchen, insbesondere in Nischen, existieren keine inländischen Anbieter.

    Bei öffentlichen und staatlich geförderten Projekten gibt es Vorschriften zur Erbringung lokaler Wertschöpfungsanteile ("local content"). Das trifft besonders auf Vorhaben im Rahmen des Ende 2021 verabschiedeten "Infrastructure Investment and Jobs Act" (IIJA) zu. Dort kommen die Regelungen des zeitgleich erlassenen "Build America, Buy American Act" zum Tragen. 

    Lokale Wertschöpfungsquoten mit Ausnahmeregeln

    Es gelten Quoten von bis zu 100 Prozent, etwa bei Baustoffen für öffentliche Projekte. Doch die Regelung nennt auch explizit Ausnahmen, wenn es keine einheimischen Anbieter gibt oder deren Produkte zu einem nicht wettbewerbsfähigen Preis angeboten werden. In diesen Fällen darf auf Importe zurückgegriffen werden. Dafür ist eine entsprechende Ausnahmegenehmigung des "Made in America Office" (MIAO) erforderlich. Die Bundesstaaten und die Kommunen können darüber hinaus eigene Quoten erlassen

    Im Abfall- und Recyclingsektor haben es ausländische Unternehmen zumeist mit (großen) privaten Aktiengesellschaften zu tun. Dort gelten strenge Vorgaben bezüglich der "corporate governance". Das strahlt auch auf ihr Beschaffungs- und Ausschreibungswesen aus. Sie sind nicht an die Local-Content-Vorgaben gebunden, es sei denn, sie betreiben ein staatlich gefördertes Projekt.

    Fachkräftemangel in nahezu allen Branchen

    Wer in den USA größer ins Geschäft kommen will, kommt oft nicht darum herum, Kapazitäten vor Ort - etwa eine Fabrik oder Montagehalle - aufzubauen. Damit lassen sich nicht nur die zunehmenden protektionistischen Maßnahmen umgehen. Das Siegel "Made in America" wirkt auch absatz- und imagefördernd. Allerdings will dieser Schritt gut überlegt sein: Der Fachkräftemangel ist nochmals ausgeprägter als in Deutschland, die US-Löhne liegen vielfach deutlich über dem deutschen Niveau.

    Die Gründung einer Firma ist in den USA relativ einfach möglich, berichten deutsche Unternehmen im Gespräch mit Germany Trade & Invest. Auch im Personalbereich fallen die bürokratischen Hürden gering aus. Die Anstellung erfolgt zumeist sogar ohne Arbeitsvertrag. Dafür liegen an anderer Stelle Stolpersteine. Aufgrund der hohen Klagefreudigkeit muss man sich gegen alle erdenklichen Fälle rechtlich abgrenzen. Ein besonderes Augenmerk ist auf das Produkthaftungsrecht zu richten. Bei Entsendung von ausländischem Personal in die USA sind die unter der Trump-Administration verschärften Einwanderungs- und Visavorschriften zu berücksichtigen. 

    Handelskonflikt schwelt weiter

    Der US-Handelskonflikt schwelt seit dem Frühjahr 2025. Nachdem die Trump-Administration länderspezifische Zölle eingeführt hatte und es mit der EU im Herbst zu einer Zollvereinbarung gekommen war, wurden sie im Februar 2026 nach einem Urteil des Obersten Gerichtes außer Kraft gesetzt. Anschließend verhängte der Präsident der USA auf Grundlage von Sec. 122 des Trade Act of 1974 einen vorübergehenden Importzuschlag (Zoll) von 10 Prozent. Donald Trump hat für einige Länder eine Erhöhung auf 15 Prozent angekündigt.

    Die Maßnahme gilt für einen Zeitraum von 150 Tagen, also voraussichtlich bis zum 24. Juli 2026, sofern sie nicht vorher geändert oder durch den Kongress verlängert wird. Diese Zölle gelten als rechtlich umstritten, sodass mit erneuten Klagen und Gerichtsurteilen zu rechnen ist. Daher dürfte die Trump-Administration weitere Wege suchen und finden, um über dieses Datum hinaus und ohne Beteiligung des Kongresses, entsprechende Importzölle zu erheben. Dadurch entsteht bei Lieferanten und Kunden ein hohes Maß an Unsicherheit.

    Zölle erhöhen Bürokratieaufwand, werden aber an US-Abnehmer weitergereicht

    Daneben gelten branchenspezifische Zölle. Hier ist vor allem der anteilige Zoll von 50 Prozent auf Aluminium, Stahl und zahlreiche Derivate zu nennen. Davon sind nach Einschätzung des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) nahezu die Hälfte aller Maschinenlieferungen in die Vereinigten Staaten betroffen. Er sorgt neben der eigentlichen finanziellen Belastung für einen hohen bürokratischen Mehraufwand. Muss doch für jede Schraube Metallgehalt und Herkunft ermittelt und an den US-Zoll übermittelt werden. Diese Zölle sind nicht von dem Gerichtsurteil vom Februar 2026 betroffen und haben kein "Ablaufdatum". 

    Letztendlich tragen aber die US-amerikanischen Abnehmer einen Großteil der zusätzlichen Kosten. Eine gemeinsame Studie der Harvard- und Chicago-Universität oder des Kieler Institut für Weltwirtschaft kam Anfang 2026 auf eine Quote von über 90 Prozent. In den USA tätige deutsche Unternehmen schätzten im Gespräch mit Germany Trade & Invest diesen Wert allerdings als eindeutig zu hoch ein. Dennoch gilt: In etlichen Bereichen des produzierenden Gewerbes gibt es in den Vereinigten Staaten nicht genügend einheimische Anbieter, sodass die Alternativen zu Einfuhren fehlen. Das trifft insbesondere auf Sparten des Maschinenbaus und nahezu die gesamte Branche der Umwelttechnik zu.

    Die GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Roland Rohde | Washington, D.C.

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & InvestAußenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK USA

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen. Niederlassungen in Atlanta, Chicago, New York, San Francisco und Washington DC

    German RETech Partnership e.V.

    Netzwerk deutscher Unternehmen und Institutionen der Entsorgungs- und Recyclingbranche zur Exportförderung

    Environment Protection Agency

    Nationale Umweltschutzbehörde
    National Waste & Recycling Association Branchenverband 

    Waste Dive

    Fachzeitschrift/Informationsplattform zur US-Abfallwirtschaft

    IBIS World

    kostenpflichtige Marktstudien zur US-Abfallwirtschaft
    The Recycling PartnershipKostenloser Report zum Recyclingwesen in den USA

    Waste Expo

    Fachmesse. Jährliche Veranstaltung Anfang Mai in Las Vegas