Die Recyclingquoten sind niedrig. In einigen Bereichen - etwa beim Bioabfall - steht das Land erst am Anfang. Große, börsennotierte Dienstleister dominieren das Geschehen.
Die hohe Unübersichtlichkeit des Marktes spiegelt sich auch in der Datenlage wider. So verfügt die nationale Umweltbehörde EPA Anfang 2026 zum Thema Abfall und Recycling lediglich über Statistiken, die bis 2018 (teilweise 2019) reichen. In dem Jahr belief sich das Aufkommen an Siedlungsmüll ("Solid Municipal Waste") auf knapp 300 Millionen Tonnen. Das war nahezu eine Tonne pro Kopf. Doch bis Anfang 2026 ist die US-Bevölkerung laut offiziellen Schätzungen um 20 Millionen angestiegen. Im selben Zeitraum hat der Internethandel (und der damit verbundene zusätzliche Verpackungsmüll) stark zugelegt. Entsprechend dürfte das Abfallaufkommen inzwischen bei deutlich über 300 Millionen Tonnen liegen. Global gesehen sind die USA der größte Erzeuger von kommunalen Abfällen. Sie produziert fast 12 Prozent des weltweiten Abfalls bei einem Anteil von 4 Prozent an der Weltbevölkerung.
Geringe Recyclingquote und Wissenslücken
Bei den kompostierten Stoffen handelt es sich größtenteils um Gartenabfälle. Klassischer Biomüll, wie Küchenabfälle, wird in den Vereinigten Staaten nur selten eingesammelt und verwertet. Das entspricht laut älteren Daten der Umweltbehörde EPA einer landesweiten Recyclingquote von knapp einem Viertel. Die Recycling Partnership kommt für 2024 sogar nur auf einen Wert von einem Fünftel.
Das Problem ist nicht nur struktureller Art, sondern resultiert auch aus einem relativ geringen Umweltbewusstsein. Von den Haushalten, die die Möglichkeit zum Recycling haben, betreiben nur 59 Prozent auch tatsächlich Mülltrennung, konstatiert die Recycling Partnership. Oft fehlt schlichtweg das Wissen, was in welche Tonne gehört. Auch viele Hersteller zeigen ein geringes Engagement. Nur 36 Prozent aller Plastikverpackungen sind wiederverwert- oder kompostierbar.
Zugang zum Recycling-System ist teilweise im einstelligen Prozentbereich
Grundsätzlich ist der Zugang zu einem Recycling-System laut Recycling Partnership bei Einfamilienhäusern mit 85 Prozent besonders hoch, wobei sich eine regionale Streuung von 47 bis 100 Prozent ergab. Bei Mehrfamilienhäusern betrug der durchschnittliche Wert nur 37 Prozent. Hier war die Spannbreite mit 6 bis 89 Prozent nochmals größer. In elf Bundesstaaten lag die Quote im einstelligen Bereich.
Den größten Posten des recycelten Haushaltsmülls machen Papier und Pappe aus. Bei Plastik werden meist nur Flaschen, nicht aber Kunststoffverpackungen wiederverwertet. Ein Pfandsystem gibt es nur in neun Bundesstaaten, so unter anderem in Kalifornien und an der Ostküste (Maine, Connecticut, Massachusetts, Vermont und New York). Ein nationales Ziel, die Deponierung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu beenden, existiert nicht.
Ziel einer 50-Prozent-Recycling-Quote bis 2030 wird verfehlt
Zwar verabschiedete das US-Umweltamt 2020 ein mittelfristiges Ziel: Bis 2030 soll die Recyclingquote auf 50 Prozent steigen, was ungefähr einer Verdoppelung gegenüber 2018 entspricht. Zur Erreichung dieses Wertes sind nach Einschätzung der Behörde Investitionen im Umfang von 36 Milliarden bis 43 Milliarden US$ notwendig. Es handelt sich um ein unverbindliches Ziel und die Behörde hat weder Werkzeuge noch die finanziellen Mittel zur Hand, um diese Vorgaben durchzudrücken.
Die nationalen Gesetzgebungen zur Abfallwirtschaft stammen noch aus den 60er oder 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Unter der Trump-Administration hat das Ministerium zudem stark an Einfluss und Personal eingebüßt. Das Ziel dürfte damit mit hoher Wahrscheinlichkeit verfehlt werden. Immerhin verfolgen die Bundesstaaten oftmals eigene Ziele. Vorreiter ist Kalifornien, das für etwa ein Viertel des landesweiten Abfallaufkommens verantwortlich ist. Die dortige Recyclingrate lag laut offiziellen Angaben 2024 bei 42 Prozent. Sie soll auf 75 Prozent steigen. Ein Datum wird allerdings nicht genannt.
Vier Aktiengesellschaften geben den Ton an
Große, börsennotierte Gesellschaften mit mehreren 10.000 Angestellten dominieren in den USA den Abfall- und Recyclingsektor. Die vier größten Anbieter - Waste Management, Republic Services, Waste Connections und GFL Environmental - brachten es 2025 auf einen Umsatz von zusammengerechnet rund 60 Milliarden US$, was einem Marktanteil von rund 50 Prozent entspricht.
Der Marktführer Waste Management beschäftigte nach eigenen Angaben 2024 mehr als 60.000 Mitarbeiter und verfügte über 150 Recyclinganlagen. Die Großen der Branche erwarten zudem ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum. Waste Connections geht von einem Plus von 4 bis 5 Prozent für 2026 aus. GFL Environmental ist mit einem Zuwachs zwischen 6 und 7,5 Prozent noch optimistischer. Waste Management, dessen Umsatz 2025 um satte 14 Prozent gestiegen war, spricht von einem weiterhin kräftigen Wachstum.
Wichtige Branchenunternehmen in den USA Umsatz in Milliarden US-DollarUnternehmen | Sparte | 2025 |
|---|
| Waste Management | Gesamte Wertschöpfungskette | 25,2 |
| Republic Services | Gesamte Wertschöpfungskette | 16,6 |
| Waste Connections | Gesamte Wertschöpfungskette | 9,5 |
| GFL Environmental | Gesamte Wertschöpfungskette | 6,6 |
| Cleanharbors | Sonderabfall, Recycling | 6,0 |
| Stericycle | Klinikabfälle | 2,7 *) |
| Casella Waste Systems | Schwerpunkt im Osten der USA | 1,8 |
| Redwood Materials | Batterierecycling | 0,3 |
* 2023, wurde 2024 von "Waste Management" übernommen.Quelle: Geschäftsberichte, Pressemeldungen; 2026
In den Vereinigten Staaten übernehmen öffentliche Körperschaften ungern direkt unternehmerische Tätigkeiten, sondern setzen auf eine Kooperation mit der Privatwirtschaft, etwa in Form von BOO-Betreibermodellen (build, own, operate). Daher betrieben beziehungsweise besaßen öffentliche Gesellschaften (gemessen am Müllaufkommen) 2022 nur ein gutes Viertel aller Deponien, so das Waste Business Journal. Die beiden privaten Marktführer kamen auf einen Anteil von zusammengerechnet knapp 50 Prozent. Der Rest entfiel auf kleinere private Konkurrenten.
Ausländische Anlagenhersteller haben gute Chancen
Die genannten Firmen sind in allererster Linie Dienstleister und müssen die von ihnen eingesetzte Technologie zukaufen. Die einheimischen Hersteller von Anlagen zur Aufbereitung und Wiederverwertung von Abfall haben ein vergleichsweise geringes Know-how, vor allem weil sich der Markt in der Gesamtbetrachtung noch in einer frühen Entwicklungsphase befindet. Daher bestehen für ausländische Anbieter gute Absatzchancen. Generell haben sich US-amerikanische Hersteller von Investitionsgütern auf Universalanlagen spezialisiert. In zahlreichen Nischen gibt es keine einheimischen Konkurrenten.
Von Roland Rohde
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Washington, D.C.