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Trübe Aussichten für Batterie- und Solarrecycling in den USA
Auf der einen Seite steht langfristig ein großes Wachstumspotenzial, auf der anderen Seite haben sich die Rahmenbedingungen – zumindest vorübergehend – signifikant verschlechtert.
Von Roland Rohde | Washington, D.C.
Das Recycling von Batterien für Elektroautos befindet sich in den USA in einer frühen Marktphase. Der Umsatz der Branche belief sich 2025 auf 1,5 Milliarden US-Dollar (US$), so das Marktforschungsunternehmen IBIS World. Langfristig betrachtet gebe es ein sehr großes Wachstumspotenzial, das unter anderem von den steigenden gesetzlichen Anforderungen der Kommunen und Bundesstaaten in Sachen Wiederverwertung sowie Deponierung getrieben werde. Davon könnten auch ausländische Anbieter von Recyclingtechnik profitieren. Sie verfügen oft über einen Wettbewerbsvorsprung gegenüber amerikanischen Konkurrenten.
Doch mittelfristig haben sich die Aussichten spürbar eingetrübt. Bis 2030 soll der Branchenumsatz lediglich um knapp 3 Prozent pro Jahr auf 1,7 Milliarden US$ zulegen. Eingerechnet der Inflation kommt dies nahezu einem Nullwachstum gleich. Auch die Teilnehmer einer vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Markterschließungsreise, die Ende 2025 in Detroit und Chicago stattfand, zeigten sich im Gespräch mit Germany Trade & Invest hinsichtlich der aktuellen Geschäftschancen zurückhaltend bis ernüchtert.
Riesendämpfer bei der E-Mobilität
Der Grund: Die Elektromobilität hat unter der Trump-Administration einen schweren Rückschlag erlitten. So wurde die im Rahmen des Inflation Reduction Act (IRA) eingeführte staatliche Kaufprämie von 7.500 US$ zum 1. September 2025 ersatzlos gestrichen. Der Absatz an Elektrofahrzeugen brach im 4. Quartal 2025 um 36 Prozent zum Vorjahr ein, berichtet Cox Automotive. Der Anteil der Elektrofahrzeuge an den Gesamtzulassungen betrug nur noch knapp 6 Prozent.
Cox Automotive sagt für 2026 immerhin einen leichten Anstieg der Quote auf 8 Prozent voraus. Doch das ursprüngliche Ziel der Biden-Regierung, bis 2030 einen Zulassungsanteil von 50 Prozent zu erreichen, rückt in unerreichbare Ferne. Viele Autohersteller in den USA legten ihre Pläne zum Bau von Fabriken zur Herstellung von Batterien und Elektroautos auf Eis. Erst nach einem Amtswechsel im Weißen Haus Anfang 2029 könnten sich die Rahmenbedingungen bessern und die Investitionen wieder sprudeln.
Mittelständler streichen Projekte fürs Batterierecycling
Damit fällt auch der Bedarf an Anlagen zum Batterierecycling wesentlich geringer als noch 2024 erwartet aus. Vor allem kleine Recyclingfirmen sind von der Marktschwäche betroffen. Laut Manufacturing Dive musste der Mittelständler Li-Cycle den Bau von mehreren Anlagen wegen Kapitalmangels unterbrechen. Ebenso stoppte Ascent Elements die Konstruktion einer Fabrik in Kentucky, nachdem ein wichtiger Abnehmer ausgestiegen war. Außerdem verlor die Firma Zuschüsse vonseiten des US-Energieministeriums.
Große Unternehmen investieren aber weiter. Die US-Firma Redwood nahm im November 2025 eine Batterierecyclinganlage in South Carolina in Betrieb. Die Investitionskosten beliefen sich auf 3,5 Milliarden US$. Zugleich baut sie eine weitere Fabrik in Nevada (Investitionssumme: 2 Milliarden US$). Dabei verzichtete sie sogar auf einen Kredit des Energieministeriums und versorgte sich stattdessen am Kapitalmarkt.
Photovoltaik ist die am schnellsten wachsende Stromquelle
Bei der Solarenergie sieht die Lage weniger dramatisch aus. Zwar wurde deren Förderung im Rahmen des Inflation Reduction Act (IRA) ebenfalls vorzeitig beendet. Doch es gibt lange Karenzzeiten. Projekte, die bis zum 4. Juli 2026 in die Phase des Baustarts eingetreten sind, müssen erst bis Ende 2030 in Betrieb gehen, um noch die Steuergutschriften aus dem IRA zu erhalten. Das lässt Investoren einen gehörigen Gestaltungsspielraum, denn der Begriff "Baubeginn" lässt sich relativ weit fassen. Dazu gehören etwa auch Arbeiten bei den Zufahrtswegen.
Der Ausbau der Photovoltaik geht daher nur leicht abgebremst weiter. Langfristig betrachtet bleibt sie die am schnellsten wachsende Sparte des Energiesektors. Laut einer Prognose der Energy Information Agency aus dem Jahr 2025 sollen die Erzeugungskapazitäten in den nächsten zweieinhalb Jahrzehnten um den Faktor fünf steigen.
Solarpanel-Recycling muss erst wirtschaftlich tragbar werden
Doch die Lebensdauer von Photovoltaikanlagen beträgt im Durchschnitt drei bis vier Jahrzehnte. Entsprechend lange wird es dauern, bis eine kostengünstige Massenverwertung möglich sein wird. Damit befindet sich die Sparte in einer nochmals früheren Phase im Vergleich zum Batterierecycling.
Auch der Gesetzgeber scheint keine große Eile bezüglich Vorgaben zur Wiederverwertung zu haben. Entsprechend landen mehr als 90 Prozent aller ausgedienten Solarmodule auf Deponien. Die Entsorgung als Sondermüll ist immer noch wesentlich günstiger als ein professionelles Recycling. Trotzdem steigt die Nachfrage vonseiten umweltbewusster Unternehmen und die ersten Innovatoren werden aktiv.
Solar Cycle gab im Oktober 2024 den Bau einer Anlage im US-Staat Georgia bekannt. Dort sollen künftig 2 Millionen Solarpanelen pro Jahr recycelt werden. Die Kapazität soll bis 2030 auf 10 Millionen Einheiten steigen. Das entspräche dann rund 25 bis 30 Prozent der landesweit ausgedienten Photovoltaikanlagen. Die Anlage entsteht neben der firmeneigenen Fabrik zur Herstellung von Glas für die Solarindustrie. Im August 2025 vermeldete Solar Cycle, mit dem Solarpanelhersteller Illuminate einen mehrjährigen Abnahmevertrag für das recycelte Solarglas geschlossen zu haben.