Branche kompakt | Vietnam | Abfallwirtschaft

Vietnam setzt massiv auf Müllverbrennung

Deponien sollen landesweit durch Müllverbrennung zur Stromerzeugung ersetzt werden. Während der Waste‑to‑Energy‑Sektor boomt, entwickelt sich das Recycling nur langsam.

Von Peter Buerstedde | Hanoi

Ausblick der Abfallwirtschaft in Vietnam

 

  • Die Müllverbrennung wird kurzfristig massiv ausgebaut. Dadurch aber nur begrenzte Chancen für deutsche Firmen, da eher vietnamesische und chinesische Betreiber zum Zuge kommen.
  • Modernere Recycling-Anlagen kommen erst langsam zur Anwendung und bieten in Zukunft bessere Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Firmen.
  • Geschäftsbedingungen sehr schwierig. Deutsche Firmen brauchen starke lokale Partner.

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: März 2026

  • Vietnam baut Waste‑to‑Energy aus, doch getrennte Sammlung und hochwertiges Recycling kommen langsamer voran, auch wenn viele Initiativen am Start sind.

    Zwei Trends prägen derzeit die Abfallwirtschaft in Vietnam: Der Ausbau von Abfall‑zu‑Energie‑Anlagen (WtE) schreitet voran, gleichzeitig entwickeln sich moderne Mülltrennungs- und Recyclingsysteme erst langsam.

    Für die Sammlung kommunaler Abfälle sind die Kommunen zuständig; faktisch übernehmen dies an der Quelle überwiegend informelle Sammlerinnen mit Handkarren. Die Entsorgung organisieren Städte oder Provinzen über eigene Betriebe. Zum Beispiel Urenco in Hanoi, Citenco in Ho Chi Minh Stadt. 

    Nach Schätzungen des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt fielen 2023 rund 24,8 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle an (56 Prozent städtisch, 44 Prozent ländlich). Hinzu kommen etwa 4,2 Millionen Tonnen an Industrieabfällen, davon 550.000 Tonnen gefährlich. 

    Informeller Sektor spielt wichtige Rolle

    In Städten werden über 90 Prozent gesammelt, auf dem Land etwa 40 bis 50 Prozent; der Rest wird selbst entsorgt oder offen verbrannt. Der informelle Sektor erfasst 15 bis 30 Prozent der Wertstoffe und verkauft sie weiter an Zwischenhändler oder Recyclingdörfer, die unter starken Umweltbelastungen zum Beispiel Plastik einschmelzen und wieder zu Granulat zerschneiden.

    Die Entsorgung erfolgt überwiegend über Deponien, von denen nur etwa 10 Prozent modernen Umweltstandards entsprechen. Fast 87 Prozent der rund 4.400 Deponien sind kleiner als 1 Hektar. Trotzdem nutzen fast alle Provinzen mehr Land für Deponien, als sie laut staatlichen Regularien dürfen. 

    Die Regierung will die Verbringung auf Deponien schnell zurückführen, hat aber ihr Ziel, diese bis 2025 auf unter 30 Prozent zu drücken, deutlich verfehlt. Gleichzeitig steigt das Abfallaufkommen, getrieben von Urbanisierung und wachsendem Konsum, stark an. Die Weltbank hatte von 2018 bis 2030 eine Verdopplung der kommunalen Abfälle (MSW, municipal solid waste) prognostiziert, was einem Wachstum von rund 6 Prozent pro Jahr entspricht. In den Großstädten gehen Experten von höheren Steigerungen zwischen 7 und 10 Prozent pro Jahr aus.

    Müllverbrennung als bevorzugte Lösung

    Die Müllverbrennung mit gekoppelter Energiegewinnung (Waste-to-Energy) gilt in Vietnam als bevorzugte Option, um die Verbringung auf Deponien zu ersetzen, Strom zu erzeugen und den Rückbau von Deponien (landfill mining) zu ermöglichen. Nach Informationen der Fachzeitschrift Construction Magazine sind derzeit 7 derartige Anlagen in Betrieb und rund 15 in Planung und Bau. 

    ~15

    WtE-Anlagen sind im Bau oder in Planung. 

    Die Umsetzung ist oft schwierig und hat sich verzögert: Coronakrise, Antikorruptionskampagne und 2025 die Gebietsreform mit Provinzzusammenlegungen bremsten Vorhaben. Hinzu kommen Widerstände wegen Umweltfolgen und niedriger Entschädigungen. Für Investoren sind die Anreize knapp: Behandlungsentgelte meist 15 bis 20 US‑Dollar je Tonne (Da Nang 19,5 US‑Dollar je Tonne) und für die Einspeisevergütung für Strom aus Abfall gilt seit 2025 eine Obergrenze von rund 10 US‑Cent je Kilowattstunde, verhandelt wird projektspezifisch nur bis zu diesem Maximum.

    Provinzen mit neuem Zuschnitt

    Die Gebietsreform hat Projekte verzögert, aber größere Provinzen bedeuten auch mehr Mittel und mehr Müll. Das könnte Projekte wirtschaftlicher machen und die Umsetzung erleichtern. 

    Eine Reihe von Großanlagen ist 2025 in Betrieb gegangen und hat Vorbildcharakter für andere Landesregionen. Hanoi hat 2025 mit Seraphin (2.250 Tonnen am Tag) und Soc Son (5.000 Tonnen) zwei große Müllverbrennungsanlagen in Betrieb genommen. In Ho-Chi-Minh-Stadt sind zwei Anlagen unter Hochdampf im Bau und sollen noch 2026 in Betrieb gehen. Danang plant ebenfalls zwei Anlagen. Viele kleinere Städte liegen bei der Umsetzung von Vorhaben aber noch weit zurück.

    Parallel wird die Beimischung als Brennstoff für Zementwerke ausgeweitet. Die Hersteller INSEE und Vicem nutzen in ihren Zementöfen bereits Abfälle, um ihren CO₂-Ausstoß zu verringern und CBAM-Anforderungen zu erfüllen.

    Abfall-Apps

    In Vietnam digitalisieren Apps wie GRAC die Entsorgung in 150 Distrikten via App-Zahlung und Monitoring. VECA (Pick-up) und mGreen (Incentives) vernetzen Haushalte direkt mit Verwertern. Dennoch bleibt der Messenger-Dienst Zalo das zentrale Tool, um Wertstoffe zu verkaufen und Abholungen zu koordinieren. Die informellen Sammler lassen sich jedoch schwer in starre App-Systeme einbinden.

    EPR-System im Aufbau

    Gegenüber dem starken Ausbau der Müllverbrennung entwickelt sich eine moderne Mülltrennung und Wiederverwertung erst langsam. Die Regierung hat ein System der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) eingeführt. Für Verpackungen (Lebensmittel, Kosmetik, Pharma, Zement), Akkus/Batterien, Schmieröle sowie Reifen/Schläuche gelten seit 2024 verbindliche Recyclingpflichten, für Elektro‑/Elektronikgeräte seit 2025. Anfang 2027 folgen Kfz und Motorräder. 

    Unternehmen können ihre Pflicht selbst erfüllen, lizenzierte Recycler beauftragen oder in den Vietnam Environmental Protection Fund (VEPF) einzahlen. Registrierung und Berichterstattung laufen über das nationale EPR‑Portal. In der Praxis zahlen viele Hersteller einfach die VEPF‑Beiträge oder kombinieren sie mit Verträgen lokaler Umweltunternehmen wie etwa Urenco. Das Ministerium veröffentlicht dazu Listen anerkannter Recyclingbetriebe. 

    Dem Vernehmen nach waren einige größere Sortier- und Recycling-Projekte Anfang 2026 in Vorbereitung, aber noch nicht spruchreif. Für Investoren ist es vor allem schwierig, angesichts bereits etablierter Abnehmerstrukturen gesicherte Stoffströme zu erhalten. Die Mülltrennung an der Quelle könnte die Verwertung neu ordnen und ist seit Anfang 2025 verpflichtend, wird in der Breite jedoch noch nicht umgesetzt; Pilotvorhaben laufen, vielerorts wird weiter gemischt eingesammelt.

    Ein Vorreiter für erfolgreiches Recycling ist PET. Hier existieren für Getränkeflaschen funktionierende Bottle‑to‑Bottle‑Kreisläufe. Duy Tan Recycling recycelt nahe Ho-Chi-Minh-Stadt in großem Umfang PET-Flaschen und beliefert damit Nestlé und Coca‑Cola. Derzeit werden zwei PET-Recycling-Vorhaben für die Getränkeindustrie umgesetzt. 

    Tetra Pak unterhält mit Dong Tien aus Vietnam außerhalb von Ho-Chi-Minh-Stadt eine Anlage zum Getränkekarton-Recycling. 2022 haben die Firmen die Kapazität auf 17.000 Tonnen im Jahr verdoppelt.

    PET wird auch für den Textilsektor zu Polyesterfasern umgewandelt. In der Textilindustrie gibt es darüber hinaus etliche Recycling-Vorhaben auch für Textil-zu-Textil-Recycling.

    Viele WtE-Anlagen im Bau und in PlanungAusgewählte Investitionsprojekte in der Abfallwirtschaft in Vietnam, in Millionen US-Dollar
    Projekt

    Investitionssumme 

    StandProjektträger
    Polyester-Recycling Anlage (150.000 bis 250.000 t pro Jahr an Textil-zu-Textil-rPET für Nike, Gap und Target)

    1.000

    Baustart ab 2027Syre
    Tam Sinh Nghia WtE , Ho-Chi-Minh-Stadt (2.600 t pro Tag, 60 MW)

    183

    Im Bau, Fertigstellung Ende 2026 angepeiltBCG Energy, Shanghai SUS Environment, Power China International
    Vietstar WtE, Ho-Chi-Minh-Stadt (2.000 t pro Tag, 40 MW)

    140

    Bau im März 2025 wieder aufgenommen, Fertigstellung noch 2026Vietstar
    Khanh Son WtE-Anlage (1.000 t pro Tag, 20 MW)

    106

    In PlanungNoch kein Investor
    Dinh Vu-Cat Hai WtE (100 t pro Tag)

    100

    In PlanungNoch kein Investor
    Quang Tri WtE (600 Tonnen am Tag, 15 MW)

    61

    In PlanungEverbright
    Phu Quoc Wasseraufbereitungs- und WtE-Cluster (300 t pro Tag, Recycling 250 t pro Tag)

    47,5

    Im BauBiwase
    Stavian rPET-Anlage (Phase1: 17.000t pro Jahr)

    35

    Im Bau, Inbetriebnahme Q1/2027Stavian
    PVChem rPET-Anlage (Phase 1 für 30.000 t im Jahr, rPET für Nahrungsmittel- und Textilindustrie)

    33

    Im BauPVChem
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Von Peter Buerstedde | Hanoi

  • Vietnams Müllverbrennung boomt mit chinesischen und vietnamesischen Betreibern. Die Sammlung setzt auf lokale Aufbauten auf Import‑Chassis und Handkarren.

    Informelle Sammler gehen haushaltsnah mit einfachen Handkarren durch die Viertel, ziehen verwertbare Fraktionen (Metalle, Pappe, Kunststoffe) heraus und überlassen die Restfraktion den Stadtbetrieben für Transport und Behandlung. Handkarren und einfache Sammelgeräte stammen oft aus lokaler Fertigung, unter anderem vom Spezialfahrzeugbauer Hiep Hoa, der vom Handkarren bis zum Müllpressfahrzeug ein breites Spektrum liefert.

    Kommunale Schwergewichte: Citenco und Urenco

    Citenco (HoChiMinhStadt) und Urenco (Hanoi) sind die größten Entsorger des Landes: Sie verantworten stadtweite Sammlung, Umschlag und Behandlung, betreiben Transferstationen, Behandlungs, Abwasser und Sonderabfallkapazitäten sowie Deponien und steuern große Flotten für den Transport zu Deponie beziehungsweise WtEStandorten. 

    Citenco deckt das komplette Spektrum von Sammlung/Transport über Abfall und Abwasserbehandlung bis zu Sonderabfällen ab. Urenco ist als Unternehmensverbund organisiert. So gibt es Urenco-Teilfirmen für einzelne Stadtteile und andere für Spezialabfälle. Urenco 11 ist etwa verantwortlich für gefährliche und industrielle Abfälle. Deponien werden auch von vietnamesischen Privatfirmen wie Vietnam Waste Solutions, Tasco oder Vietstar betrieben.

    Oft lokale Aufbauten auf Chassis aus dem Ausland

    Großbetriebe wie Citenco und Urenco arbeiten mit vollmechanisierten Sammelsystemen (Müllpressfahrzeuge in mehreren Größenklassen), häufig aufgebaut von Hiep Hoa auf Chassis der japanischen Firma Isuzu. Sie betreiben mehrere Umschlagpunkte und beginnen, die Vorbehandlung/Sortierung in ersten Pilotprojekten zu modernisieren.

    In mittleren Städten fällt der Fuhrpark der kommunalen Betriebe kompakter aus, die Technik ist heterogener (Mischung aus lokalen Chassis‑Integrationen und importierten Maschinen), und die Vorbehandlung stützt sich stärker auf klassische Umschlagplätze. Anbieter wie Viet‑Han Specialized Equipment oder HiepHoa beliefern auch diese Märkte mit Pressaufbauten und Spezialfahrzeugen.

    Vorbehandlung im Aufbruch: MRF‑Piloten

    Bei der Vorbehandlung/Sortierung werden Umschlagpunkte schrittweise zu Materialrückgewinnungsanlagen (MRF) ausgebaut, bisher allerdings nur als Pilot-Vorhaben. Ein von der UNDP und Norwegen finanziertes Programm baut auf einem MRF‑Pilotprojekt in Quy Nhon auf, bei dem getrennt erfasste Kunststoffe nachsortiert und an Recycler übergeben werden. Im Rahmen dieses Programms soll in Cam Pha eine größere Anlage entstehen, die Kunststoffe sortiert und Restmengen zur Verbrennung in Zementwerken bereitstellt. Zudem wird auf Phu Quoc ein Pfand-Rücknahmesystem für Plastikverpackungen getestet. In diesen Vorhaben sind unter anderem Tomra aus Norwegen für Sensor-/Optiksortierung und Duy Tan als Abnehmer eingebunden.

    PET-Recycling steht vor Ausweitung

    Duy Tan ist der mit Abstand größte Recycler von Plastikflaschen mit einer Kapazität von 100.000 Tonnen im Jahr. Die Firma erhält die Wertstoffe von 100 Sammelstellen im ganzen Land und recycelt unter anderem für Coca-Cola, Unilever, Suntory PepsiCo und Ajinomoto. 

    Im Oktober 2025 hat die vietnamesische Firma Stavian Recycling den Bau eines neuen rPET‑Komplexes in Thanh Hoa angekündigt: Zum Einsatz kommen soll eine Bottle‑to‑Bottle‑Linie der österreichischen Firma Starlinger sowie eine Vorbehandlungs‑/Waschlinie von AMUT aus Italien. Am gleichen Standort plant das Staatsunternehmen PVChem ebenfalls ein rPET-Projekt, dem Vernehmen nach ebenfalls mit Technik aus Österreich.

    Chinesische Betreiber als Pioniere bei WtE-Anlagen

    Vietnams Müllverbrennungslandschaft ist dual geprägt: Chinesische Investoren und Betreiber waren die ersten Investoren und Betreiber von WtE-Anlagen. Vietnamesische Firmen ziehen jetzt nach, wobei für die Energiegewinnung weiter ausländische Technologie eingesetzt werden muss. Everbright aus China betreibt Anlagen in Can Tho und Hue. Im Oktober 2025 hat die Firma ein Projekt in Quang Tri vorgeschlagen. 

    China Tianying betreibt in Soc Son außerhalb von Hanoi die größte Anlage des Landes, die von der chinesischen Firma MCC gebaut wurde. Nanning-Jianning Water Investment und Gezhouba Group (CGGC) ebenfalls aus China, bereiten neue Projekte für WtE-Anlagen in verschiedenen vietnamesischen Städten vor.

    Inländische Firmen immer aktiver

    Die WtE-Anlage Seraphin nahe Hanoi ist seit 2025 in Betrieb und gilt als die erste, die vollständig von einem lokalen Unternehmen geplant, finanziert und gebaut worden ist, in diesem Fall vom Amaccao-Konglomerat. Andere vietnamesische Firmen wie Thuan Thanh Environment (mit JFE Engineering aus Japan), Vietstar, Biwase und BCG Energy betreiben ebenfalls Anlagen. 

    Deutsche Technologie im Einsatz

    In vielen Projekten kommen Verbrennungsroste der Martin Gruppe aus Deutschland zum Einsatz, die besonders für Abfälle mit hoher Feuchtigkeit wie in Vietnam geeignet sind. Diese werden von der chinesischen Firma Chongqing Sanfeng Covanta in China in Lizenz gefertigt und in Projekte weltweit, außer in Industrieländern, integriert. Valmet aus Finnland, SK Ecoplant aus Südkorea sowie Hitachi Zosen und JFE Engineering aus Japan haben ebenfalls Ausrüstungen für WtE-Anlagen in Vietnam geliefert. 

    Von Peter Buerstedde | Hanoi

  • Niedrige Gebühren, EPR‑Unschärfen und geringe WtE‑Anreize bremsen Investitionen in Vietnam. Kostendruck aus China und strenge Zollvorgaben erschweren den Marktzugang.

    Im vietnamesischen Abfallsektor sind die größten Hürden ökonomisch und institutionell. Haushaltsgebühren bleiben vielerorts pauschal und niedrig (typisch 1,00 bis 1,50 US-Dollar pro Monat); volumengebundene Modelle sind zwar gesetzlich vorgesehen, ihre Umsetzung stockt, wodurch Investitionssignale für hochwertige Sammlung und Sortierung fehlen. 

    Erweiterte Herstellerverantwortung und Trennung an der Quelle noch in Umsetzung

    Das neue Regime der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) schafft mittelfristig Nachfrage nach Recycling, erzeugt aber kurzfristig Unsicherheit durch laufende Anpassungen an der konkreten Umsetzung. Das gleiche gilt für die Mülltrennung an der Quelle, die zwar gesetzlich vorgeschrieben ist, aber (noch) nicht durchgesetzt wird.

    Für WtE- und Recycling-Vorhaben kommen verschiedene Probleme zusammen. Auf der einen Seite niedrige Anreize durch einen geringen Einspeisetarif (etwa 10 US-Cent), niedrige Abfallentgelte für WtE (15 bis 20 US-Dollar je Tonne) und auf der anderen Seite die Unsicherheit der Materialströme, durch zum Teil undurchsichtige, informell existierende Abnehmerstrukturen sowie Korruption. Risikoabwägung und Finanzierbarkeit von PPP-Vorhaben (Public Private Partnerships) sind dadurch für internationale Firmen sehr schwierig.  

    Kostendruck durch erfahrene chinesische Firmen   

    Preisgetriebene Vergaben und die frühe Marktdurchdringung chinesischer Betreiber und Zulieferer – etwa bei den größten WtE-Projekten des Landes – setzen europäische Anbieter unter Kostendruck. Sie gelten auch als weniger strikt in Compliance-Fragen und können so flexibler mit lokalen Behörden und Unternehmen zusammenarbeiten. 

    Bei geberfinanzierten Projekten, vor allem durch ostasiatische Geberländer, treten zusätzlich Wettbewerbsverzerrungen durch gebundene Mittel auf, die deutsche Anbieter ausschließen können. 

    Zoll kann Probleme bereiten  

    Unternehmen sollten bei Klassifizierung, Bewertung und Ursprung von Waren besonders sauber arbeiten. Falsche HS‑Codes oder inkonsistente Wertangaben führen zu Nachforderungen, Prüfungen und Post‑Clearance‑Audits. 

    Für Maschinen und Anlagen gelten Altersgrenzen und Qualitätsauflagen: in der Regel unter 10 Jahre, in einzelnen Branchen bis zu 25 Jahre; technische Linien müssen mind. 85 Prozent Restleistung und weniger als 15 Prozent Mehrverbrauch nachweisen. Häufig verlangt die Zollstelle Herstellerbestätigungen (Baujahr, Standards) beziehungsweise Inspektionszertifikate anerkannter Prüfstellen. Ohne diese Nachweise drohen Verzögerungen oder Zurückweisung. 

    Die Einfuhr von Abfällen ist verboten; Schrott darf nur in engen Grenzen (Positivliste, Umweltlizenz, Sicherheitsleistung) als Produktionsrohstoff importiert werden. Das trifft Ihre Ausrüstung nicht direkt – ist aber kritisch, wenn Lieferungen verunreinigt sind oder als "Schrott" deklariert werden. 

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Peter Buerstedde | Hanoi

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Germany Trade & InvestAußenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft

    AHK Vietnam

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    German RETech Partnership e.V.

    Netzwerk deutscher Unternehmen und Institutionen der Entsorgungs- und Recyclingbranche zur Exportförderung

    Ministry of Agriculture and Environment

    Ministerium für Natürliche Ressourcen und Umwelt
    Ministry of ConstructionKoordination des Baus von Müllverwertungsanlagen
    Ministry of FinancePlanung und Koordination von Investitionsvorhaben (auch ausländischen), zuständiges Ministry of Planning and Investment wurde 2025 in Ministry of Finance eingegliedert

    Viet Nam Environment Agency

    Planungseinrichtung in Umweltschutzfragen
    Viet Nam Waste Recycling Association (VWRA)Verband der nationalen Recyclingfirmen
    Vietnam Environmental Industriy Association (VEIA)Verband der Entsorgungsunternehmen
    Packaging Recycling Organization (Pro-Vietnam)Vereinigung für Verpackungsrecycling großer Konsumgüterhersteller 
    Waste Expo (WETV)Findet gemeinsam mit der Wassermesse Vietwater in Ho-Chi-Minh-Stadt statt, wichtig für kommunale Abfallwirtschaft, in der Vergangenheit mit deutschem Pavillon

    Entech

    Fachmesse in Hanoi mit weitem Fokus auf Energie und Umwelt, aber mit Fokus auf WtE
    Viet Nam Circular EconomyPlattform zur Kreislaufwirtschaft
    Vietnam National E-Procurement System (VNEPS)Zentrale Ausschreibungsplattform des Ministry of Finance

     

    Von Peter Buerstedde | Hanoi

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