Wirtschaftsausblick | Usbekistan

Usbekistans Wirtschaft wächst weiter stabil

Die usbekische Wirtschaft wächst in den Jahren 2026 und 2027 jeweils um rund 6 Prozent. Dafür sorgen Ausbauinitiativen in zahlreichen Branchen und eine ambitionierte Reformagenda.

Von Uwe Strohbach | Taschkent

Top-Thema: Ausbau erneuerbarer Energien schreitet in Usbekistan voran

Usbekistan verfolgt ambitionierte Ziele bei erneuerbaren Energien. Ihr Anteil an der gesamten Stromerzeugung soll bis 2027 auf 35 Prozent und bis 2030 auf 54 Prozent steigen. Bereits 2025 lag der Anteil mit rund 20 Prozent etwa doppelt so hoch wie 2022. Für 2026 wird gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg der Wind- und Solarstromerzeugung um ein Drittel auf 14 Milliarden Kilowattstunden erwartet.

Anfang 2026 kündigte die Regierung 42 Projekte zur Erzeugung, Speicherung und Übertragung grüner Energie im Gesamtwert von rund 11 Milliarden US-Dollar (US$) an. In der Strombranche sind knapp 30 unabhängige Erzeuger aktiv, überwiegend ausländische Investoren. Bis Anfang 2026 flossen rund 19 Milliarden US-Dollar an privaten Investitionen in den Sektor.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum bleibt robust

Für 2026 und 2027 erwarten Regierung und Geberbanken ein reales Wirtschaftswachstum von jeweils über 6 Prozent. Treiber sind vor allem hohe Bau- und Investitionsaktivitäten, ein dynamischer Dienstleistungssektor sowie ein wachsendes verarbeitendes Gewerbe.

Die Regierung setzt ihren Reformkurs fort. Geplant sind der Abbau staatlicher Monopole, Strukturreformen bei Staatsunternehmen sowie eine beschleunigte Privatisierung von Unternehmen, brachliegenden Objekten und Grundstücken. Auch die Unternehmens- und Exportförderung wird ausgebaut. Public-private-Partnership-Modelle (PPP) gewinnen weiter an Bedeutung; neue Projekte dürften 2026 und 2027 jeweils mindestens 6,5 Milliarden US$ umfassen.

Trotz hoher Reformbereitschaft bleibt die Umsetzung neuer Regelungen uneinheitlich. Der strukturelle Reformbedarf ist weiterhin erheblich.

Ausland treibt Investitionen auf Rekordniveau

Hohe Bruttoanlageinvestitionen stützen den Aufschwung. Für 2026 und 2027 werden zweistellige Zuwächse erwartet; das Volumen dürfte 2026 erstmals über 50 Milliarden US-Dollar liegen.

Entscheidend sind Kapitalzuflüsse aus dem Ausland. Ausländische Investitionen und Kredite erreichen 2026 voraussichtlich mindestens 38 Milliarden US-Dollar und machen weiterhin deutlich mehr als zwei Drittel des gesamten Kapitalvolumens aus.

Rund 40 Prozent der Investitionen entfallen auf Maschinen und Ausrüstungen. Wichtigste Anlagesektoren sind das verarbeitende Gewerbe, gefolgt von Stromwirtschaft, Bau, Landwirtschaft und Rohstoffförderung.

In- und ausländische Handelsunternehmen gewinnen Marktanteile

Erwartete reale Lohnzuwächse von 8 bis 10 Prozent für 2026 und 2027, gemessen in der Landeswährung, erhöhen die verfügbaren Einkommen. Hinzu kommen steigende Einkünfte selbstständiger Gewerbetreibender. Auch wachsende Verkäufe von Agrargütern aus Nebenwirtschaften der Bevölkerung tragen dazu bei. Die zusätzlichen Mittel fließen in höhere Ausgaben im Einzelhandel und in anderen Dienstleistungssektoren.

Hohe und weiter zunehmende private Geldtransfers usbekischer Arbeitsmigranten aus dem Ausland verstärken diesen Trend. Eine rege Vergabe von Verbraucherdarlehen sowie eine sichtbare Belebung des Incoming-Tourismus kurbeln den Konsum zusätzlich an.

Gleichzeitig bleiben die monatlichen Pro-Kopf-Ausgaben der Bevölkerung niedrig. Sie beliefen sich 2025 im Einzelhandel auf knapp 85 US-Dollar. In der Hauptstadt Taschkent lag dieser Betrag etwa viermal so hoch.

Usbekische und ausländische Einzelhändler profitieren von der Liberalisierung des Marktes. Zudem wächst die Akzeptanz moderner Handelsformate wie Supermärkte, Einkaufszentren und Fachgeschäfte.

Maschinen und Ausrüstungen prägen die Importe

Die Einfuhren von Waren und Dienstleistungen dürften 2026 und 2027 jeweils um etwa ein Sechstel gegenüber dem Vorjahr zulegen. Im Jahr 2025 hatte das Importwachstum bei 20 Prozent gelegen. Treiber sind eine hohe Investitionsneigung sowie eine starke Binnennachfrage nach Verbrauchsgütern.

Rund ein Drittel der jährlichen Gesamtimporte entfallen auf Maschinen, Ausrüstungen und Fahrzeuge einschließlich Kfz-Zulieferungen und -teilen. Die Einfuhren dieser Warengruppe steigen 2026 voraussichtlich auf bis zu 19 Milliarden US$. Im Vorjahr waren es 16 Milliarden US$.

Angesichts zahlreicher Projekte im verarbeitenden Gewerbe, im Energiesektor sowie in der Land- und Bauwirtschaft dürfte sich an der Bedeutung dieser Warengruppe wenig ändern. Bei der Umsetzung der Vorhaben bleibt Usbekistan in hohem Maße auf Importe von Investitionsgütern angewiesen.

China und Russland sind die wichtigsten Handelspartner Usbekistans. Deutschland ist der wichtigste Beschaffungsmarkt innerhalb der EU. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen Gold, Textilien und Bekleidung, Obst und Gemüse, Nichteisenmetalle sowie chemische und elektrotechnische Erzeugnisse. Hinzu kommen Dienstleistungen aus den Bereichen Tourismus und Verkehr.

Deutsche Perspektive: Breites Spektrum an Geschäftschancen

Deutschland belegt unter allen Lieferländern Usbekistans den sechsten Rang. Deutsche Anbieter zählen in den Warengruppen Maschinen und Ausrüstungen, chemische Erzeugnisse sowie Mess- und Regeltechnik zu den wichtigsten Lieferanten. In diesen Segmenten erzielt jedoch die Konkurrenz aus China deutlich höhere Lieferanteile. Deren Präsenz nimmt von Jahr zu Jahr weiter zu.

Usbekische Geschäftspartner schätzen an deutschen Anbietern vor allem schlüsselfertige Lösungen für den industriellen Bedarf. Hinzu kommen die Zuverlässigkeit bei der Vertragserfüllung sowie ein als hoch bewerteter Kundenservice.

Die besten Absatzchancen bestehen für deutsche Unternehmen bei Ausrüstungen für die Textil-, Lebensmittel-, chemische und Baustoffindustrie. Auch die Stromwirtschaft bietet gute Geschäftsperspektiven. Vielversprechende Chancen ergeben sich zudem in der Logistikbranche einschließlich der Agrarlogistik.

Weiterhin gefragt sind Arzneimittellieferungen und Medizintechnik aus Deutschland. Ebenfalls empfehlenswert ist ein Blick auf die IT-Branche Usbekistans. Sie gewinnt zunehmend Aufträge im Bereich des Outsourcings aus dem Ausland.