Branchen | Usbekistan | Transport und Logistik
Usbekische Logistikbranche setzt zur Aufholjagd an
Der junge Logistikmarkt der zentralasiatischen Republik wächst. Lokale Akteure expandieren und binden ausländische Partner ein. Zahlreiche Lager- und Logistikzentren sind geplant.
17.06.2026
Von Uwe Strohbach | Taschkent
- Logistikdienstleistungen expandieren überdurchschnittlich
- Neues Branchenkonzept formuliert ambitionierte Ausbauziele
- Immenser Nachholbedarf beim Ausbau der logistischen Basisinfrastruktur
- Investitionsoffensive in der Transport- und Logistikbranche angelaufen
- Moderne Zentren für Agrarlogistik haben Hochkonjunktur
Die usbekische Logistikbranche bietet ein breites Geschäftsfeld für ausländische Anbieter. Denn lokale Unternehmen sind bei Hebetechnik, Flurförderzeugen, Kranen und Lagertechnik weitestgehend auf Importe angewiesen. Dies gilt auch für Kühllager, wo Kühltechnik, Kontrollsysteme und Dämmmaterialien zum Einsatz kommen. Der Bedarf an Know-how für leistungsfähige Umschlags-, Beschaffungs-, Absatz- und Distributionslogistik ist hoch. Ausländische Unternehmen können mit Automatisierungs-, KI- und Softwarelösungen Wettbewerbsvorteile erzielen.
Logistikdienstleistungen expandieren überdurchschnittlich
Daten zum noch recht jungen Wirtschaftszweig Verkehr und Lagerei, der alle Verkehrsträger und Logistikdienste umfasst, sind rar. Laut Angaben des nationalen Statistikkomitees Usbekistans wuchsen Verkehr und Lagerei zwischen 2022 und 2025 durchschnittlich um knapp 9 Prozent pro Jahr.
Als besonders temporeich entwickelt sich der Teilbereich Lagerei und sonstige Dienste für den Verkehr, der 2025 ein Volumen von 1,4 Milliarden US-Dollar (US$) erreichte. Entsprechend nimmt die Bedeutung dieser Sparte zu. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung des gesamten Sektors Verkehr und Lagerei stieg zwischen 2022 und 2025 um 8 Prozentpunkte auf rund 18 Prozent.
Neues Branchenkonzept formuliert ambitionierte Ausbauziele
Der Ausbau von Logistikkapazitäten und internationalem Transport zählt zu den wirtschaftspolitischen Prioritäten des mit 38 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Lands in Zentralasien. Das Transportvolumen auf Straße und Schiene soll bis 2030 auf 120 Millionen Tonnen steigen und sich damit gegenüber 2025 verdoppeln.
Für den jährlichen Transitgüterverkehr ist bis 2030 ein Anstieg auf 22 Millionen Tonnen vorgesehen, gegenüber 14,7 Millionen Tonnen im Jahr 2025. Neue Logistikparks sollen bis 2030 zu einer Ausweitung der jährlichen Frachtumschlagkapazität in multimodalen Transport- und Logistikzentren auf 31 Millionen Tonnen beitragen.
Derzeit werden in den größeren multimodalen Zentren des Landes gut 10 Millionen Tonnen Fracht pro Jahr umgeschlagen. Die Exporte von Transport- und Logistikdienstleistungen sollen bis 2030 von 2 Milliarden auf 3,5 Milliarden US$ steigen.
Immenser Nachholbedarf beim Ausbau der logistischen Basisinfrastruktur
Moderne Logistikzentren und Lagerflächen sind weiterhin knapp. Zwar gibt es 24 Transport- und Logistikzentren, denen die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Asien und den Pazifik einen internationalen Status verliehen hat. Viele dieser Güterverkehrszentren müssen jedoch noch umfangreich investieren, um alle internationalen Standards zu erfüllen. Diese sind im Abkommen der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Asien und den Pazifik vom 23. April 2016 sowie in weiteren Dokumenten festgelegt.
Die Lagerfläche der Klassen A und B lag laut IBC Global am 1. April 2026 bei rund 800.000 Quadratmetern (0,02 Quadratmeter je Einwohner). Die Mieten sind aufgrund des knappen Angebots hoch und liegen im Durchschnitt bei etwa 12 US$ (Klasse A) und 11 US$ (B) je Quadratmeter.
| Projektbezeichnung (Standort) | Geplante Investitionen | Voraussichtlicher Realisierungszeitraum | Anmerkung/Ansprechpartner |
|---|---|---|---|
| Multimodaler Logistikpark (Provinz Andischan) | 500 | In Abstimmung | China Shandong Huada Group, Provinzverwaltung von Andischan |
| Usbekisch-kasachisches Kooperationsprojekt Multimodales Logistikzentrum (Jangiyo´l/Provinz Taschkent) | 300 | 2026 bis 2030 (Projektphase 1: 2026 bis 2027: 84 Mio. US$) | Silkway CA (Kasachstan/Usbekistan), China Railway Construction Engineering Group (China, EPC-Partner), Usbekische Eisenbahn |
| Multimodales Logistikterminal DP World Tashkent Freight Terminal (Freizone Jangi Avlod/Stadt Taschkent) | 288 | Start 2026 geplant (Projektphase 1: 63.000 qm, Lagerfläche für 150.000 TEU) | DPW Tashkent JV JSC, (Hauptpartner: DP World, Vereinigte Arabische Emirate), inklusive 226.500 qm Lagerflächen sowie Gewerbegebiet |
| Neuer Trockenhafen (Stadt Taschkent) | k.A. | Im Frühstadium | U.S. International Development Finance Corporation (USA), First Dry Port Terminal, Stadtverwaltung Taschkent |
| Ausbau und Modernisierung der Frachtterminals der usbekischen internationalen Flughäfen | k.A.. | 2026 bis 2030 | Uzbekistan Airports |
| Logistik-Hub für den Online-Handel für ganz Zentralasien (Stadt Taschkent/Navoi) | k.A. | Im Frühstadium | Uzbekistan Airports, Harvest Epoch Strategic Investment Limited (Hongkong) |
Investitionsoffensive in der Transport- und Logistikbranche angelaufen
Massive Investitionen in die Logistikinfrastruktur einschließlich Zoll- und Frachtabfertigung an den Grenzen stehen bevor. Mehrere neue Transport- und Logistikzentren sind angekündigt. Laut IBC Global sollen bis 2029/2030 rund 2,5 Millionen Quadratmeter zusätzliche Lagerflächen entstehen, davon sind etwa 400.000 Quadratmeter bereits im Bau.
Die Projekte gehen mit der Einführung bislang kaum verbreiteter Logistikmodelle einher. Dazu zählen 3PL- und 4PL-Konzepte, also die teilweise oder vollständige Auslagerung logistischer Leistungen an externe Anbieter.
Vor allem das Ballungsgebiet Taschkent stärkt seine Position als führender Logistikstandort. Die Region bildet mit 6,4 Millionen Einwohnern (inoffiziell bis zu 7,5 Millionen) das wirtschaftliche Zentrum und steht für etwa 30 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). Auch das dicht besiedelte Ferganatal rückt stärker in den Fokus. Die Region mit den Provinzen Andischan, Fergana und Namangan trägt 16 Prozent zum (BIP) bei, die drei Provinzen zählen rund 11 Millionen Einwohner.
Die erste große Ausbauphase neuer Transport- und Logistikzentren sowie zusätzlicher Lagerkapazitäten prägen vor allem mehrere Unternehmen. Dazu zählen Orient Logistic, Uzum und BTS Express Cargo (Usbekistan), PCT Holding (Kasachstan), Rhenus SE & Co. KG (Deutschland) sowie Wildberries (Russland).
Moderne Zentren für Agrarlogistik haben Hochkonjunktur
Usbekistan ist ein bedeutender Produzent von Obst, Beeren, Gemüse, Melonen und Wein. Die Produktion lag 2025 bei 21,4 Millionen Tonnen. Die Regierung will die Sparten zu einem wichtigen Exportsegment ausbauen. Bis 2030 wird ein Exportvolumen von 10 Milliarden US$ angestrebt (2025: 2,1 Milliarden US$; 2,2 Millionen Tonnen).
Der Plan erfordert umfangreiche Investitionen in temperaturgeführte Lager-, Umschlag-, Konfektions- und Transportlogistik. Bereits ab 2029 sollen möglichst alle Obst- und Gemüseexporte über Agrarlogistikzentren abgewickelt werden (Frisch-, Gefrier-, Kühl- und Halbwaren).
Die Kapazitäten für Lagerung und Umschlag dürften bis 2030/2031 deutlich steigen (Ausgangsniveau: gut 1,5 Millionen Tonnen). Der Bau mehrerer Dutzend Agrarlogistikzentren ist vorgesehen. Chinesische, russische und weitere ausländische Investoren setzen erste Projekte um.
Zudem besteht erheblicher Modernisierungsbedarf bei den rund 4.000 Kühllagern. "Die Sicherstellung einer lückenlosen Kühlkette gilt als vordringliche Aufgabe und erfordert hohe Investitionen", so Nodir Khaydarov vom Transport- und Logistikinstitut des Transportministeriums gegenüber Germany Trade & Invest.
| Standort | Güterverkehrszentrum |
|---|---|
| Hauptstadt Taschkent | Universal Logistics Services, Orient Logistics Centre (beide Orient Group), First Dry Port Terminal, Terminal Services Invest Group, Azia Trans Terminal, Texnopark, Uzbekistan Airports Cargo |
| Provinz Taschkent | Angren Logistics Centre (Centrum Logistic Group), Highway Logistics Centre (Orient Group), Forward Trans Terminals, Multimodal Trans Terminal |
| Dschissach | Jizzakh Logistics Centre |
| Fergana | Kokand Logistics Centre, Fergana Wholesale Trade, Margilan Logistics Centre |
| Namangan | Rovaston Logistics Centre |
| Samarkand | Ulugbek Logistics Centre |
| Surchandarja | Termez Logistics Centre, Airitom Logistics Centre, Termez Cargo Centre |
| Nawoi | Navoi Cargo/Navoi International Logistics Center |
| Buchara | Bukhara Logistics Centre |
| Autonome Republik Karakalpakstan | Nukus Logistics Centre, Kungrad Cargo Impex |