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VAE: Energiewende trifft auf Versorgungssicherheit

Der Energiesektor der VAE bleibt stark staatlich gelenkt. Ausschreibungen, lokale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit prägen den weiteren Ausbau.

Von Heena Nazir | Dubai

Ausblick der Energiewirtschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten 

Bewertung:

  • Für Solarenergie, Speicher und Netzinfrastruktur dürfte mittelfristig eine umfangreiche Projektpipeline bestehen.
  • Chancen für deutsche Unternehmen ergeben sich insbesondere bei Netzstabilisierung, Speicherintegration, Digitalisierung sowie Effizienztechnologien.
  • Risiken bestehen im anhaltenden Preisdruck in Ausschreibungen, langen Vergabeprozessen, steigenden Lokalisierungsanforderungen und geopolitischen Unsicherheiten.

Anmerkung: Einschätzung der Autorin für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: Juni 2026

  • Die VAE steuern ihren Energiesektor in Richtung Diversifizierung und Emissionsminderung, ohne Gas zu ersetzen.

    Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) richten ihre Energiewirtschaft in den kommenden drei bis zehn Jahren auf einen schrittweisen, staatlich gesteuerten Umbau aus. Grundlage ist die „UAE Energy Strategy 2050“, die einen breiter aufgestellten Energiemix vorsieht. Erneuerbare und andere emissionsärmere Energieträger sollen deutlich an Bedeutung gewinnen. Gas bleibt zugleich ein strategischer Bestandteil der Versorgung, ergänzt durch den Ausbau der Kernenergie sowie perspektivisch Speicher- und Wasserstofflösungen. Seit 2021 verfolgt das Land zudem das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden.

    Der aktuelle Krieg erhöht den Druck, Versorgungssicherheit und Resilienz zu stärken. Für die VAE gewinnt damit ein Energiesystem an Bedeutung, das weniger anfällig für regionale Transport-, Preis- und Lieferkettenrisiken ist. Der Ausbau von Solarenergie, Speichern und Netzinfrastruktur dürfte daher eher beschleunigt als infrage gestellt werden. Gleichzeitig bleiben Gas und Kernkraft wichtig, um Grundlast zu sichern und den stark steigenden Strombedarf zu decken.

    In den nächsten Jahren ist mit weiteren Investitionen in Photovoltaik, Batteriespeicher, Netze und flexible Kraftwerkskapazitäten zu rechnen. Die Regierung setzt dabei weiterhin auf wettbewerbliche Ausschreibungen und private Investorenmodelle. Dieses System hat bislang erfolgreich Kapital mobilisiert, steht durch Krieg, höhere Finanzierungskosten, mögliche Lieferverzögerungen und steigende Komponentenpreise jedoch stärker unter Druck. Besonders anfällig sind Vorhaben mit importintensiver Ausrüstung, etwa bei Netztechnik, Speichern oder Solarkomponenten.

    Die Ziele gelten grundsätzlich weiter als erreichbar, da Finanzierung, politische Steuerung und institutionelle Strukturen in den VAE vergleichsweise stabil sind. Risiken bestehen vor allem bei der Umsetzungsgeschwindigkeit. Steigender Stromverbrauch, Verzögerungen beim Netzausbau, regulatorische Abstimmung zwischen den Emiraten und unsichere Wasserstoffmärkte könnten den Umbau bremsen. Der Krieg verstärkt diese Unsicherheiten, unterstreicht aber zugleich die strategische Bedeutung von Diversifizierung, Eigenversorgung und Energiesicherheit.

    Insgesamt dürfte sich die Energiewirtschaft der VAE in den kommenden Jahren weiter diversifizieren, ohne fossile Energieträger kurzfristig zu verdrängen. Der Fokus verschiebt sich stärker von reiner Dekarbonisierung hin zu einer Doppelstrategie aus Energiewende und Versorgungssicherheit.

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Die Energiewende der VAE bleibt intakt. Krieg rückt Versorgungssicherheit, Netze und Resilienz stärker in den Fokus.

    Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben ihre Stromerzeugungskapazität in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet und zugleich neu ausgerichtet. Nach Angaben der International Renewable Energy Agency (IRENA) stieg die installierte Leistung zwischen 2019 und 2024 von rund 33 auf knapp 48 Gigawatt. 

    Solar beschleunigt den Strukturwandel – Erdgas bleibt zentrale Stütze

    Treiber waren vor allem erneuerbare Energien: Ihre Kapazität erhöhte sich im selben Zeitraum von 1,9 auf 6,8 Gigawatt. Solarenergie dominiert mit einem Anteil von über 95 Prozent den regenerativen Mix. Parallel nahm 2024 das Kernkraftwerk Barakah mit 5,6 Gigawatt vollständig den Betrieb auf. Es gehört zu den ersten kommerziellen Kernkraftwerken in der arabischen Welt.

    1,32 US-Cent/kWh

    –zu diesem Preis wurde in Abu Dhabi eines der weltweit günstigsten Solarprojekte vergeben. 

    Der aktuelle Krieg ändert diese Entwicklung nicht grundsätzlich, erhöht aber den strategischen Wert eines breiter aufgestellten Stromsystems. Für die VAE geht es nicht allein um Dekarbonisierung, sondern zunehmend auch um Versorgungssicherheit, geringere Abhängigkeit von volatilen Brennstoffmärkten und widerstandsfähige Infrastruktur. Solarenergie, Kernkraft, Speicher und Netze gewinnen dadurch zusätzlich an Bedeutung.

    Trotz des Ausbaus neuer Technologien bleibt Erdgas mit rund 33,5 Gigawatt die wichtigste Erzeugungsquelle. Weitere 1,9 Gigawatt entfallen auf Öl und Diesel. Fossile Energieträger stellen damit rund 74 Prozent der installierten Kapazität, erneuerbare Energien etwa 14 Prozent und Kernenergie knapp 12 Prozent. Gemäß der aktualisierten UAE Energy Strategy 2050 soll Gas auch künftig eine tragende Rolle spielen. Der Umbau des Stromsystems erfolgt daher nicht als vollständiger Ersatz fossiler Quellen, sondern als diversifiziertes Modell aus Solarenergie, Kernkraft und flexibel einsetzbaren Gaskraftwerken.

    Sinkende Stromgestehungskosten verändern die Investitionslogik

    Ein zentraler Treiber des Ausbaus sind fallende Stromgestehungskosten. Der Begriff bezeichnet die durchschnittlichen Erzeugungskosten über die gesamte Lebensdauer einer Anlage. Laut IRENA sind die Kosten für Photovoltaik seit 2010 weltweit um rund 90 Prozent gesunken. In sonnenreichen Märkten wie den VAE zählen großskalige Solarprojekte inzwischen zu den günstigsten Formen der Stromerzeugung.

    Gasbasierte Kraftwerke reagieren dagegen sensibel auf internationale Brennstoffpreise. Der Krieg kann diese Schwankungen verstärken, etwa über höhere Risikoaufschläge, unsichere Transportwege oder steigende Finanzierungskosten. Für Energieversorger und Projektentwickler entsteht daraus ein zusätzlicher Anreiz, mehr erneuerbare Kapazitäten aufzubauen und zugleich flexible Reserven vorzuhalten.

    Die Regierung plant gemäß Energiestrategie Investitionen von rund 600 Milliarden VAE-Dirham, entsprechend etwa 163 Milliarden US-Dollar (US$), bis 2050 im Energiesektor. Für deutsche Unternehmen ergeben sich Marktchancen vor allem bei Netzstabilisierung, Speicherintegration, Digitalisierung und Effizienzsteigerung. Gefragt sind technische Zuverlässigkeit, lange Lebensdauer und Systemintegration.

    Projektmarkt: Ausbau entlang mehrerer Technologien

    Die Projektpipeline im Stromsektor zeigt, dass die VAE mehrere strategische Linien parallel verfolgen. Neben Solarenergie investieren die Emirate in flexible Gaskraftwerke, Speicherlösungen, Netzinfrastruktur sowie Optionen zur Weiterentwicklung der Kernenergie. Der Transformationspfad bleibt technologieoffen und sicherheitsorientiert. Der Krieg dürfte diese Logik verstärken: Projekte, die Versorgungssicherheit, Netzstabilität und Effizienz erhöhen, gewinnen an Priorität.

    In Abu Dhabi befindet sich das Untersee-Übertragungsprojekt "Project Lightning" mit einem Investitionsvolumen von rund 3,5 Milliarden US-Dollar in fortgeschrittener Bauphase. Es wird im Build-Own-Operate-Transfer-Modell umgesetzt und verbindet Offshore-Förderanlagen der Abu Dhabi National Oil Company mit dem Onshore-Netz. Das Vorhaben umfasst Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungssysteme mit 3.200 Megawatt Leistung, mehrere Konverterstationen und rund 1.000 Kilometer Seekabel. Ziel ist es, Offshore-Anlagen mit Strom aus dem Onshore-Netz – einschließlich Kernenergie aus Barakah – zu versorgen und die CO2-Emissionen der Offshore-Produktion zu senken.

    Auch Batteriespeicher werden wichtiger. In Abu Dhabi wurde ein 400-Megawatt-Projekt der Emirates Water and Electricity Company als Independent Power Project vergeben. In Dubai plant die Dubai Electricity and Water Authority ein System mit 1.500 Megawatt und einem geschätzten Investitionsvolumen von 1,5 Milliarden US$. Die Hauptausschreibung für die Planung, Beschaffung und den Bau ist für 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme bis 2030. 

    Energieprojekte in den Vereinigten Arabischen Emiratenin Milliarden US-Dollar, Kapazität in Megawatt
    ProjektTechnologieStatus

    Kapazität

    Investitionssumme

    Barakah Nuclear Power Plant – Reaktoren 5–8KernenergieTechnische Vorplanungsphase

    n. a.

    20 (Richtwert: ca. 5 Mrd. US$ je Reaktor)

    Ras Al Khaimah Pumped Storage Hydro PlantPumpspeicherStudie

    5.000 

    5

    MBRM Solar Park Phase 7Photovoltaik + SpeicherHauptvertrag in Ausschreibung

    2.000 Photovoltaik + 1.400 Speicher

    3,4

    Al-Nouf 1 Combined Cycle Gas Turbine Independent Power ProjectErdgas (Gas- und Dampfturbinenkraftwerk)Angebotsauswertung

    3.300 

    3,3

    Taweelah C Combined Cycle Gas Turbine Independent Power ProjectErdgas (Gas- und Dampfturbinenkraftwerk)Angebotsauswertung

    2.500 

    3

    Sweihan Gas-Fired Power PlantErdgasStudie

    2.457 

    2,5

    Green Ammonia Solar PlantPhotovoltaikStudie

    2.000 

    2

    Al Zarraf Solar Photovoltaik Independent Power ProjectPhotovoltaikAngebotsauswertung

    1.500 

    1,5

    Werte bei Projekten im frühen Entwicklungsstadium sind Richtwerte; tatsächliche Kosten können abweichen. Rundungsabweichungen möglich.Quelle: MEED Projects, Recherchen Germany Trade & Invest 2026

    Wasserstoff bleibt strategisch, aber kurzfristig begrenzt

    Die Emirate verfügen derzeit über 20 Wasserstoffprojekte mit einem kumulierten Investitionsvolumen von 13,4 Milliarden US$. Damit stellen sie rund ein Drittel der Anzahl der erfassten Vorhaben im Golf-Kooperationsrat. Beim Gesamtinvestitionsvolumen liegen die VAE jedoch mit etwa 14 Prozent deutlich hinter Oman mit 50,4 Milliarden US-Dollar und Saudi-Arabien mit 32,5 Milliarden US$ zurück.

    Die Umsetzung verzögert sich vor allem wegen hoher Anfangsinvestitionen, fehlender langfristiger Abnahmeverträge und unsicherer Erlösmodelle. Der Krieg dürfte diese Hürden nicht grundsätzlich verändern, kann Investitionsentscheidungen aber beeinflussen, wenn Finanzierungskosten steigen oder Abnehmer langfristige Verträge zurückhaltender prüfen. Wasserstoff bleibt damit eine strategische Ergänzung, dürfte kurzfristig jedoch nur begrenzt zur Stromversorgung beitragen.

    Wasserstoffprojekte in den Vereinigten Arabischen Emiratenin Milliarden US-Dollar
    Projekt / Betreiber

    Projektstand

    Projektwert 

    Ocior Energy – Anlage für grünen Wasserstoff in Abu Dhabi, Projekt 1Studie3,3
    Industrial Development Bureau / Hycap Group – Wasserstoff-IndustriekomplexStudie2,7
    Ocior Energy – Anlage für grünen Wasserstoff in Abu Dhabi, Projekt 2Studie1,0
    KOEN / SK Ecoplant – Anlage für grünen Wasserstoff und grünes AmmoniakStudie1,0
    ADNOC / BP / Masdar – Projekt für CO₂-armen blauen WasserstoffStudie1,0
    Uniper / Masdar – Anlage für grünen Wasserstoff in den VAEStudie1,0
    CMMZE UAE – Anlage zur Produktion von grünem WasserstoffStudie0,6
    Avaada Energy – Projekt für grünen Wasserstoff in den VAEStudie0,5
    ADNOC / TES H2 – e-NG-Projekt in den VAEStudie0,5
    ALFATTAN – 200-MW-Anlage für grünen Wasserstoff und AmmoniakStudie0,4
    DEWA / Siemens – MBR-Anlage für grünen WasserstoffStudie0,4
    Quelle: MEED Projects, Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Der Krieg verändert die Marktstruktur nicht, erhöht aber den Wert resilienter Netze, verlässlicher Lieferketten und technologieoffener Projektmodelle.

    Der Energiesektor der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ist institutionell klar organisiert. In Abu Dhabi fungiert die Emirates Water and Electricity Company (EWEC) als zentraler Strom- und Wasserabnehmer. In Dubai übernimmt die Dubai Electricity and Water Authority (DEWA) Planung, Erzeugung und Netzinfrastruktur. Für die nördlichen Emirate ist Etihad Water and Electricity zuständig. Damit ist die Nachfrageseite stark konzentriert.

    Informationen zu laufenden und geplanten Ausschreibungen veröffentlichen die zuständigen Stellen regelmäßig auf ihren Webseiten:

    In der Regel sind eine formelle Registrierung als Bieter sowie der Nachweis technischer und finanzieller Leistungsfähigkeit Voraussetzung für die Teilnahme.

    Großprojekte entstehen überwiegend im Modell des Independent Power Producer (IPP). Private Konsortien entwickeln, finanzieren und betreiben Kraftwerke und verkaufen den erzeugten Strom über langfristige Abnahmeverträge an staatliche Stellen. Diese Power Purchase Agreements sichern Investoren planbare Einnahmen. Der Wettbewerb findet daher vor allem in internationalen Ausschreibungen statt und weniger im klassischen Endkundenmarkt. Auch deutsche Unternehmen sind aktiv. Siemens Energy liefert etwa Turbinen- und Netztechnik für Projekte von DEWA und EWEC und ist damit Teil internationaler Konsortien.

    Der aktuelle Krieg verändert diese Marktstruktur nicht grundsätzlich, erhöht aber den Stellenwert von Versorgungssicherheit, resilienter Netzinfrastruktur und verlässlichen Projektpartnern. Ausschreibungen dürften künftig stärker danach bewertet werden, ob Vorhaben Kostenstabilität, Lieferfähigkeit und Systemresilienz verbinden.

    Erdgas dominiert – Solar gewinnt an Gewicht

    Die Stromerzeugung basiert weiterhin überwiegend auf Erdgas. Nach Angaben der International Energy Agency (IEA) entfielen 2024 rund 71 Prozent der Stromproduktion auf Gas. Gleichzeitig steigt die installierte Solarleistung deutlich. Die International Renewable Energy Agency (IRENA) weist für 2024 einen Anteil erneuerbarer Stromerzeugung von rund 9 Prozent aus, überwiegend aus Photovoltaik. Seit der vollständigen Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Barakah im Jahr 2024 ergänzt Kernenergie den Energiemix. Die Anlage verfügt über 5,6 Gigawatt und trägt zur Grundlastversorgung bei.

    Die größten Solarvorhaben konzentrieren sich auf Dubai und Abu Dhabi. In Dubai bildet der Mohammed bin Rashid Al Maktoum Solar Park mit einem Gesamtziel von 5.000 Megawatt das zentrale Ausbauprojekt. Mit Stand Mai 2026 sind rund 2.600 Megawatt aus den Phasen 1 bis 5 in Betrieb; weitere Abschnitte befinden sich im Bau oder in der Ausschreibung. In Abu Dhabi ging 2023 die Anlage Al Dhafra mit 2.100 Megawatt ans Netz. Zusätzlich wird ein Photovoltaikprojekt mit 5.200 Megawatt umgesetzt. Nach Angaben von EWEC soll die installierte Solarleistung des Emirats bis 2030 auf etwa 7.500 Megawatt steigen.

    Der Krieg dürfte diesen Ausbau nicht bremsen, sondern den Nutzen erneuerbarer Energien erhöhen. Solarprojekte senken die Abhängigkeit von volatilen Brennstoffpreisen und stärken die heimische Stromversorgung. Mit wachsendem Anteil fluktuierender Einspeisung steigt der Bedarf an Netzstabilität, Speicherintegration und digitaler Steuerung. 

    Laufende und geplante Solarvorhaben in den VAEin Milliarden US-Dollar, Kapazität in Megawatt
    ProjektEmirat

    Kapazität 

    Investitionssumme 

    Status
    Abu Dhabi Solar PV IPP (EWEC/Masdar) mit BESSAbu Dhabi

    5.200 PV + Speicher

    6

    Im Bau
    MBRM Solar Park Phase 7 Dubai

    2.000 PV + 1.400 Speicher

    3,4

    Ausschreibung
    TAQA/AD Ports – Green Ammonia Solar PlantAbu Dhabi

    2.000

    2

    Studie
    Al Zarraf Solar PV IPP (EWEC)Abu Dhabi

    1.500

    1,5

    Vergabephase
    MBRM Solar Park Phase 6 (DEWA)Dubai

    1.800

    1,5

    Im Bau
    Al Ajban Solar IPP (EWEC)Abu Dhabi

    1.500

    1,5

    Im Bau
    Al Khazna Solar PV IPP (EWEC)Abu Dhabi

    1.500

    1,5

    Im Bau
    MBRM Solar Park (Masterplan)Dubai

    5.000 (Ziel)

    0,7

    Mehrere Phasen im Bau
    Kizad Green Ammonia Solar PV PlantAbu Dhabi

    650

    0,7

    Studie
    MBRM Solar Park Phase 3 – RevampingDubai

    300

    0,3

    Im Bau
    Großskalige Photovoltaikprojekte kosten in der Region häufig rund 1 Mio. US$ je installiertem Megawatt; daher können Kapazitäts- und Investitionswerte rechnerisch ähnlich ausfallenQuelle: MEED Projects; Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Wertschöpfung folgt Projektlogik

    Die lokale Wertschöpfung orientiert sich stark an den Projektphasen. Bau, Montage, Netzanschluss und Betrieb erfolgen überwiegend im Land. Technologisch anspruchsvolle Kernkomponenten wie Turbinen, Leistungselektronik, Schutz- und Leittechnik oder Batteriezellen werden dagegen größtenteils importiert. Genau hier können geopolitische Spannungen stärker ins Gewicht fallen: Lieferzeiten, Frachtkosten, Finanzierungskonditionen und Verfügbarkeit kritischer Komponenten werden wichtiger für die Projektkalkulation.

    Anlagen- und Komponentenhersteller besetzen vor allem technologische Nischen. Dazu zählen Netzschutz- und Regeltechnik, digitale Zustandsüberwachung sowie Peripherie für Power-to-X-Anwendungen, bei denen Strom in andere Energieträger wie Wasserstoff umgewandelt wird. Auch hochtemperatur- und korrosionsbeständige Werkstoffe gewinnen in einem klima- und kühlungsintensiven Umfeld an Bedeutung. Wettbewerbsvorteile entstehen weniger über Preisführerschaft als über technische Spezialisierung, Systemintegration und langfristige Serviceangebote.

    Planer und Projektentwickler agieren meist im Rahmen von IPP-Konsortien. Sie treten etwa als technische Berater finanzierender Banken oder als Owner’s Engineer auf, der die Interessen des Auftraggebers überwacht. Gefragt sind Netzstudien, Hybridlösungen aus Photovoltaik und Speicher sowie Konzepte zur Kopplung erneuerbarer Erzeugung mit Meerwasserentsalzungsanlagen.

    Wertschöpfungsstruktur im Energiesektor der VAEMarktrollen, typische Leistungen und Eintrittspunkte für ausländische Anbieter entlang der Projektlogik
    WertschöpfungsstufeMarktsituation in den VAETypische LeistungenEintrittspunkte
    Hersteller und KomponentenlieferantenProjektgetriebener Ausbau von Photovoltaik, Speichern und NetzinfrastrukturSchutz- und Regeltechnik, Monitoring-Systeme, Peripherie für Wasserstoffanwendungen, Spezialventile, HochleistungswerkstoffeAufnahme in Lieferantenlisten von EWEC und DEWA; Zertifizierung im In-Country-Value-Programm (MOIAT)
    Planer und ProjektentwicklerRegelmäßige Ausschreibungen für unabhängige Stromerzeuger (Independent Power Producer, IPP)Technische Beratung von Auftraggebern und Banken, Netzstudien, Hybridlösungen aus Photovoltaik und Speicher, Kopplung mit EntsalzungsanlagenBeteiligung an Ausschreibungen über EWEC und DEWA
    Bau- und AnlagenunternehmenIntensiver internationaler Wettbewerb, häufig konsortial organisiertBau von Umspannwerken, Automatisierungstechnik, Wasseraufbereitung, spezialisierte TeilloseBeteiligung an Konsortien mit Projektentwicklern wie Masdar oder internationalen Generalunternehmern
    Investoren und FinanziererProjektfinanzierung auf Basis langfristiger Strom- und Wasserabnahmeverträge (Power Purchase Agreements, PPA)Strukturierung von Projektfinanzierungen, Co-Finanzierung, Emission grüner AnleihenBeteiligung an Projektgesellschaften, etwa bei Großprojekten wie Al Dhafra Solar
    PPA steht für Stromabnahmevertrag. In-Country-Value ist das Programm zur Förderung lokaler Wertschöpfung.Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Internationaler Wettbewerb prägt den Markt

    Der Energiemarkt der VAE ist stark internationalisiert. Neben lokalen Akteuren sind europäische, koreanische, japanische und zunehmend chinesische Unternehmen aktiv. Der Wettbewerb erfolgt über Preis, Finanzierungskonditionen, technologische Effizienz und lokale Wertschöpfungsanteile. Langfristige Stromabnahmeverträge schaffen stabile Rahmenbedingungen, erhöhen jedoch zugleich den Druck auf Anbieter mit höheren Kostenstrukturen.

    Im Engineering-, Procurement- and Construction-Segment, das Planung, Beschaffung und Bau von Energieanlagen umfasst, dominieren große internationale Konzerne mit umfassender Projekt- und Finanzierungserfahrung. Deutsche Unternehmen sind ebenfalls präsent, jedoch vor allem in technologieintensiven Bereichen wie Netztechnik, Kraftwerkskomponenten und spezialisierter Ingenieurberatung. Für mittelständische Anbieter bieten sich eher spezialisierte Teillose oder technologische Ergänzungen innerhalb größerer Konsortien an.

    Die weitere Marktentwicklung wird maßgeblich durch Ausschreibungsbedingungen, Lokalisierungsanforderungen und die Geschwindigkeit des Netzausbaus geprägt. Der Krieg verstärkt dabei den Fokus auf robuste Lieferketten, verlässliche Wartungskonzepte und regionale Partnerschaften. Insgesamt dürfte sich der Energiesektor weiter schrittweise und projektgetrieben entwickeln; großvolumige Einzelvorhaben bestimmen das Markttempo.

    Führende internationale Akteure im Energiemarkt der VAEAuswahl, Vertragswert in Milliarden US-Dollar
    UnternehmenSitzland

    Vertragswert 

    Anzahl Projekte

    Larsen & ToubroIndien

    22,9

    188

    SiemensDeutschland

    22,6

    124

    Mott MacDonald GroupVereinigtes Königreich

    29,9

    67

    Électricité de FranceFrankreich

    37,8

    58

    AlstomFrankreich

    31,2

    54

    Fichtner Consulting EngineersDeutschland

    17,3

    51

    Lahmeyer InternationalDeutschland

    8,5

    41

    AtkinsRealisKanada

    27,3

    38

    Hyundai E&CSüdkorea

    31,9

    33

    Doosan EnerbilitySüdkorea

    33,8

    24

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Von Heena Nazir

  • Die Vergabelogik bleibt stabil, aber geopolitische Risiken erhöhen den Wert lokaler Präsenz, belastbarer Lieferketten und langfristiger Servicekonzepte.

    Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) steuern ihren Energiesektor über strategische Leitlinien und projektbezogene Ausschreibungen. Mit der UAE Energy Strategy 2050 verfolgt die Regierung das Ziel, den Anteil sauberer Energiequellen am Strommix bis 2050 auf 50 Prozent zu erhöhen und die CO₂-Emissionen der Stromerzeugung um 70 Prozent zu senken. Ergänzend wurde Klimaneutralität bis 2050 gesetzlich verankert.

    Flächendeckende Einspeisevergütungen spielen kaum eine Rolle. Neue Kapazitäten entstehen überwiegend über wettbewerbliche Ausschreibungen: Die Regierung definiert den Bedarf, legt technologische Rahmenbedingungen fest und vergibt Projekte im Wettbewerb. Ausgewählte Vorhaben erhalten langfristige Stromabnahmeverträge. Diese Power-Purchase-Agreements sichern Betreibern kalkulierbare Einnahmen und reduzieren Finanzierungsrisiken. Maßgeblich für den Zuschlag sind Preis, technische Effizienz und Finanzierungsstruktur.

    Dieses Verfahren hat bei großen Photovoltaikprojekten zu niedrigen Gebotspreisen geführt, erhöht aber den Margendruck für Anbieter. Der aktuelle Krieg verändert die Vergabelogik nicht grundsätzlich, dürfte aber einzelne Kriterien stärker gewichten. Neben niedrigen Kosten gewinnen Lieferfähigkeit, robuste Projektstrukturen, Systemresilienz und Risikomanagement an Bedeutung. Anbieter müssen stärker nachweisen, dass sie auch unter geopolitisch unsicheren Bedingungen terminsicher liefern und langfristig warten können.

    Direkte Subventionen oder steuerliche Sonderanreize bleiben im Großanlagenbereich die Ausnahme. Für kleinere Solaranlagen existieren Programme wie Net Metering, bei denen Betreiber selbst erzeugten Strom ins Netz einspeisen und mit dem eigenen Verbrauch verrechnen können. Der Schwerpunkt liegt jedoch weiter auf großvolumigen, strategisch geplanten Projekten.

    Typische Vergabeverfahren im Energiesektor der VAE
    VerfahrensformAnwendungsbereichZentrales EntscheidungskriteriumBesonderheit
    Wettbewerbliche IPP-Ausschreibung (Independent Power Producer)Großkraftwerke (Solar, Gas, Kernenergie)Strompreis und FinanzierungskonditionenLangfristiger Stromabnahmevertrag mit staatlichem Abnehmer
    EPC-Vergabe (Engineering, Procurement and Construction)Netzinfrastruktur, Umspannwerke, SpeicherPreis, technische ReferenzenHäufig konsortial organisiert
    Studien- und BeratungsaufträgeMachbarkeitsstudien, NetzanalysenFachliche SpezialisierungOft vorgelagert zu Großprojekten
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Lokale Wertschöpfung entscheidet mit

    Neben Preis und technischer Leistungsfähigkeit spielt lokale Verankerung eine zunehmend wichtige Rolle. Ein zentrales Instrument ist das In-Country-Value-Programm (ICV) des Ministry of Industry and Advanced Technology. Es bewertet den wirtschaftlichen Beitrag eines Unternehmens in den VAE und berücksichtigt diesen bei staatlichen Vergaben. Feste Mindestquoten bestehen nicht; dennoch beeinflusst die erzielte Punktzahl die Wettbewerbsposition.

    Die Ausgestaltung erfolgt emiratspezifisch. Vor allem Abu Dhabi und Dubai unterhalten eigene regulatorische Strukturen. Für ausländische Anbieter reicht technologische Wettbewerbsfähigkeit allein daher häufig nicht aus. Präsenz im Land oder belastbare Partnerschaften fließen ebenfalls in die Bewertung ein. Der Marktzugang wird damit nicht nur durch Preis und Technik, sondern auch durch industriepolitische Ziele bestimmt.

    Der Krieg verstärkt diesen Trend. Lokale oder regionale Lieferketten, Servicekapazitäten vor Ort und verlässliche Ersatzteilverfügbarkeit gewinnen an Gewicht, wenn Transportwege, Frachtkosten oder Lieferzeiten unsicherer werden. Für deutsche Unternehmen kann dies Chancen eröffnen, wenn sie Spezialisierung mit lokaler Präsenz oder starken Partnern verbinden.

    Zentrale Bewertungskomponenten des ICV-Programms
    BewertungskomponenteInhaltStrategische Bedeutung
    Lokale ProduktionFertigung oder Montage in den VAEVerbessert Position im Vergabeverfahren
    BeschäftigungAnteil lokaler ArbeitskräftePolitisch gewollte Arbeitsmarktintegration
    InvestitionenAufbau lokaler Infrastruktur oder AnlagenSignal langfristiger Standortbindung
    LieferkettenEinbindung emiratischer ZuliefererStärkung nationaler Industriepolitik
    Ausbildung und WissenstransferSchulungsprogramme, TechnologietransferBeitrag zur wirtschaftlichen Diversifizierung
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Neben dem ICV-Programm müssen Unternehmen technische und rechtliche Anforderungen erfüllen. Produkte benötigen in der Regel Zertifikate, die bestätigen, dass sie den in den VAE geltenden Normen entsprechen. Für Einfuhren gelten die Bestimmungen der Federal Customs Authority, die Zoll- und Importverfahren auf Bundesebene koordiniert. "In der Praxis verlaufen Prozesse effizient, sofern Dokumentation und Zertifikate vollständig vorliegen", berichten Branchenkenner, in Gesprächen mit GTAI.

    Regulatorische Anforderungen im Energiesektor
    BereichZuständige StelleZentrale AnforderungenBedeutung für Anbieter
    Technische NormenMinistry of Industry and Advanced Technology (MOIAT) (inkl. ECAS-Zertifizierung)Einhaltung nationaler Standards, Konformitätsnachweis (z. B. ECAS)Voraussetzung für Projektzulassung
    NetzzugangDepartment of Energy Abu Dhabi / Dubai Electricity and Water Authority (DEWA)Technische Spezifikationen, NetzanschlussbedingungenFrühzeitige Abstimmung erforderlich
    ImportverfahrenFederal Customs AuthorityZollabwicklung, vollständige DokumentationEffiziente Prozesse bei korrekten Unterlagen
    UmweltauflagenEnvironment Agency – Abu Dhabi (EAD) / UAE Ministry of Climate Change and Environment (MOCCAE)Umweltverträglichkeitsprüfung bei GroßprojektenBestandteil der Genehmigungsphase
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

    Finanzierung bleibt stabil, aber selektiver

    Die Finanzierung von Energieprojekten erfolgt überwiegend über internationale Banken, regionale Finanzinstitute und Kapitalmarktinstrumente. Langfristige Stromabnahmeverträge schaffen stabile Zahlungsströme und erleichtern projektbezogene Finanzierungen. Green Bonds gewinnen im Zuge der Dekarbonisierungsstrategie an Sichtbarkeit, bleiben bei großvolumigen Energievorhaben jedoch von nachgeordneter Bedeutung.

    Internationale Entwicklungsbanken treten bislang nur vereinzelt auf. Die VAE verfügen über eigene Finanzmittel und kreditwürdige staatliche Abnehmer. Dies wirkt risikomindernd auf die Projektstruktur. Für Investoren bleibt die Bonität staatlicher Vertragspartner ein zentraler Bewertungsmaßstab.

    Der Krieg dürfte die grundsätzliche Finanzierungsfähigkeit der VAE nicht infrage stellen. Allerdings können höhere Risikoaufschläge, volatile Rohstoffpreise und unsichere Lieferketten die Kalkulation einzelner Projekte beeinflussen. Finanzierer dürften deshalb stärker auf vertragliche Absicherung, belastbare Konsortien und realistische Zeitpläne achten.

    Insgesamt entsteht ein Energiemarkt, der strategisch geplant, projektbasiert umgesetzt und industriepolitisch flankiert wird. Für Unternehmen bestimmen Ausschreibungsmechanismen, Vertragsstrukturen und Lokalisierungsvorgaben maßgeblich die Wettbewerbsbedingungen.

    Markteinstieg erfordert strategische Vorbereitung

    Ein erfolgreicher Einstieg setzt eine frühzeitige Registrierung auf den einschlägigen Tenderplattformen sowie eine sorgfältige Prüfung der Präqualifikationsanforderungen voraus. Diese umfassen technische Leistungsfähigkeit, finanzielle Stabilität und belastbare Referenzprojekte.

    Auch das In-Country-Value-Programm sollte frühzeitig berücksichtigt werden. Der lokale Wertschöpfungsanteil fließt als Bewertungskriterium in staatliche Vergaben ein und kann die Wettbewerbsposition beeinflussen. Eine lokale Präsenz oder belastbare Partnerschaften wirken sich entsprechend positiv aus.

    Zudem gilt der Markt als stark projektgetrieben und häufig konsortial organisiert. Erfolgreich sind meist Anbieter, die ihre technologische Spezialisierung in größere Projektstrukturen einbringen. Reine Preisführerschaft reicht angesichts des intensiven internationalen Wettbewerbs selten aus; gefragt sind integrierte Lösungen, Finanzierungskompetenz und langfristige Servicekonzepte.

    Der Krieg verschärft diese Anforderungen. Unternehmen sollten Lieferketten, Garantien, Ersatzteilversorgung und Vertragsrisiken früh prüfen. Entscheidend bleibt, nicht nur als Produktlieferant aufzutreten, sondern als verlässlicher Partner für komplexe, langfristige Energieprojekte.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    Von Heena Nazir | Dubai

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    Exportinitiative EnergieInformationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen
    Deutsch-Emiratische Industrie- und HandelskammerAnlaufstelle für deutsche Unternehmen
    Ministry of EnergyEnergieministerium der VAE
    Emirates Water and Electricity Company Stromversorger der VAE
    Masdar (Abu Dhabi Future Energy Company)Staatliche Organisation für nachhaltige Entwicklung in den VAE
    Middle East Solar Industry AssociationVerband der Solarindustrie in den VAE
    World Future Energy SummitMesse/Konferenz (jährlich; nächster Termin 12. - 14. Januar 2027 in Abu Dhabi)
    Middle East's Definitive Energy
     
    Messe (jährlich; nächster Termin 1. - 3. September 2026 in Dubai)
    WETEX (Water, Energy, Technology and Environment Exhibition)/Dubai Solar ShowFachmesse (jährlich; nächster Termin 20. - 22. Oktober 2026 in Dubai)

     

    Von Heena Nazir | Dubai