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Digital Health
Die Digitalisierung des Gesundheitswesens in den Golfstaaten schreitet voran. Künstliche Intelligenz unterstützt bereits bei Diagnosen.
27.01.2026
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) zählen zu den dynamischeren Wachstumsmärkten für digitale Gesundheitslösungen im Nahen Osten. Umfang und Dynamik des Marktes hängen jedoch stark von der jeweiligen Abgrenzung digitaler Leistungen ab. Nach Schätzungen von Research and Markets erreichte der Markt für digitale Gesundheit im Jahr 2024 ein Volumen von rund 620 Millionen US-Dollar (US$). Bis 2030 soll er auf etwa 1,8 Milliarden US$ wachsen, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von knapp 20 Prozent entspricht.
Eine deutlich weiter gefasste Marktabgrenzung verwendet Nova One Advisor. Demnach belief sich das Marktvolumen 2025 bereits auf rund 945 Millionen US$ und könnte bis 2035 – unter Einbeziehung genomischer Datenplattformen, KI-gestützter Diagnostik und datengetriebener Prävention – auf bis zu 7,8 Milliarden US$ steigen. Die stark auseinandergehenden Prognosen verdeutlichen, dass sich der Markt für digitale Gesundheit in den VAE noch in einer Definitions- und Abgrenzungsphase befindet. In engeren Definitionen überschneidet sich der Digital-Health-Markt teilweise mit dem klassischen Medizintechnikmarkt, der insgesamt eine ähnliche Größenordnung erreicht.
Künstliche Intelligenz hält Einzug in den Klinikalltag
Ein zentraler Entwicklungspfad ist der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) im klinischen Alltag. Die VAE verfolgen seit 2017 eine nationale KI-Strategie, die mehrere Sektoren – darunter explizit das Gesundheitswesen – adressiert. Im Rahmen der UAE National AI Strategy 2031 sowie begleitender Programme werden staatliche und staatsnahe Investitionen in Milliardenhöhe mobilisiert. Konkrete, ausschließlich dem Gesundheitssektor zugeordnete Budgets werden dabei nicht systematisch ausgewiesen. KI-Anwendungen in Diagnostik, Bildgebung und Versorgungssteuerung gelten jedoch als prioritäre Einsatzfelder, insbesondere in größeren Klinikverbünden und staatlich regulierten Versorgungssystemen.
In der Praxis kommen KI-gestützte Systeme bereits bei der Auswertung radiologischer Bilder oder in der Früherkennung bestimmter Erkrankungen zum Einsatz. Das Gesundheitsministerium gründete 2022 ein Digital Health Monitoring Centre, das unter anderem datenbasierte Frühwarnsysteme für Krankheitsausbrüche nutzt. In der Innovationsstrategie des Ministeriums für den Zeitraum 2023 bis 2026 spielen KI-Anwendungen, Telemedizin und datengetriebene Versorgungsmodelle eine zentrale Rolle.
Elektronische Patientenakten vernetzen das Gesundheitssystem
Die nationale Gesundheitsdatenplattform Riayati verbindet die regionalen Systeme NABIDH (Dubai) und Malaffi (Abu Dhabi) zu einem einheitlichen föderalen System. Nach Angaben des emiratischen Gesundheitsministeriums (Ministry of Health and Prevention) waren mit Stand Oktober 2024 (letzte verfügbaren Zahlen) rund 4.950 Gesundheitseinrichtungen an Riayati angebunden. Auf dieser Grundlage lässt sich davon ausgehen, dass die Plattform einen großen Teil der lizenzierten Gesundheitseinrichtungen in den VAE abdeckt, insbesondere Krankenhäuser sowie größere ambulante und diagnostische Anbieter.
Internationale Kooperationen unter staatlicher Rahmensetzung
Internationale Kooperationen werden im Bereich der digitalen Gesundheit gezielt durch staatliche Stellen und Gesundheitsbehörden gefördert. Dazu zählen insbesondere das Gesundheitsministerium, die Emiratsbehörden sowie Investitionsagenturen wie das Abu Dhabi Investment Office. Kooperationen dienen vor allem dem Technologietransfer, dem Aufbau lokaler Kompetenzen und der schrittweisen Einführung neuer Versorgungsmodelle.
Beispiele sind Digitalisierungsprojekte zwischen Aster DM Healthcare und Siemens Healthineers oder internationale Kooperationen von Mediclinic Middle East im Bereich spezialisierter Medizin. Solche Partnerschaften sind weniger als Einbahnstraße zu verstehen, sondern als Instrumente zur Integration internationaler Standards in ein lokal reguliertes Gesundheitssystem.
| Klinikgruppe | Internationale Partner | Kooperationsschwerpunkt |
|---|---|---|
| Aster DM Healthcare | Siemens Healthineers | Digitalisierung und Modernisierung der medizinischen Infrastruktur in über 100 Kliniken. |
| Mediclinic Middle East | Bourn Hall Clinic UK | Zusammenarbeit im Bereich Reproduktionsmedizin und Fruchtbarkeitsbehandlungen. |
| Cleveland Clinic Abu Dhabi | Cleveland Clinic USA | Wissensaustausch und Implementierung internationaler Standards in der Patientenversorgung. |
| NMC Healthcare | Frost & Sullivan | Entwicklung innovativer Gesundheitslösungen und Verbesserung der Patientenversorgung. |
| Burjeel Holdings | Philips Healthcare | Einführung fortschrittlicher bildgebender Verfahren und Verbesserung der diagnostischen Kapazitäten. |
Parallel dazu fördern die Emirate digitale Gesundheitslösungen durch Programme und Gründerzentren, die insbesondere Pilotprojekte und frühe Markteintritte unterstützen.
| Programm | Standort | Schwerpunkt | Leistungen |
|---|---|---|---|
| Dubai Future Accelerators | Dubai | Innovation & Pilotprojekte | Zugang zu Behörden, Finanzierung |
| Hub71 | Abu Dhabi | Start-up-Ökosystem | Investoren-Netzwerk, Büroräume |
| Abu Dhabi Investment Office (ADIO) | Abu Dhabi | HealthTech-Förderung | Zuschüsse, Innovationswettbewerbe |
| Dubai Health Innovation Centre | Dubai | Gesundheitslösungen | Testumgebungen, Kooperationen |
| DIFC FinTech Hive | Dubai | Digitale Plattformen | Mentoring, Finanzierung |
Wettbewerb nimmt zu, regulatorische Anforderungen steigen
Der Markt ist zugleich durch wachsenden Wettbewerbsdruck gekennzeichnet. Neben europäischen und US-amerikanischen Anbietern gewinnen asiatische Unternehmen – insbesondere aus China und Südkorea – an Bedeutung, vor allem in kostengetriebenen Segmenten. Gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen an Datenschutz, Interoperabilität und klinische Validierung digitaler Anwendungen.
Insgesamt bieten die Digitalisierungsstrategien der VAE weiterhin Ansatzpunkte für internationale Anbieter. Der Marktzugang erfordert jedoch zunehmend lokale Präsenz, regulatorische Anpassungsfähigkeit und belastbare klinische Evidenz, wodurch sich der Wettbewerb weniger über einzelne Technologien als über langfristige Integration in das Gesundheitssystem entscheidet, betonen Experten.