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Britischer Lebensmittelmarkt wird attraktiver

Für den britischen Markt für Lebensmittel zeichnet sich 2026 eine Trendwende ab. Deutsche Technologieanbieter könnten davon besonders profitieren.

Michał Woźniak

Von Michał Woźniak | Berlin

Die britischen Haushalte gaben 2025 nominal rund ein Drittel mehr aus als noch 2021. Insgesamt beliefen sich ihre Konsumausgaben laut dem britischen Statistikamt ONS auf knapp 2,1 Billionen Euro. Etwa 16 Prozent davon entfielen auf Nahrungsmittel und Getränke.

Für den britischen Lebensmittelmarkt bedeutete das jedoch lange Zeit kein reales Wachstum. Fast der gesamte Zuwachs war höheren Preisen geschuldet. Inflationsbereinigt lagen die Ausgaben für Nahrungsmittel und Getränke 2025 auf dem Niveau von sechs Jahren zuvor.

Seit 2026 zeichnet sich eine leichte Belebung ab. In den ersten acht Monaten legten die Umsätze mit Nahrungsmitteln und Getränken langsam, aber stetig zu, obwohl die Konsumausgaben insgesamt zurückgingen. Dazu trugen der sogenannte „In-Eating“-Substitutionseffekt, aufgeschobene größere Anschaffungen und Sonderfaktoren wie die Fußballweltmeisterschaft bei.

Deutsche Discounter gewinnen Marktanteile

Der Preis bleibt für britische Verbraucher ein wichtiges Kriterium beim Lebensmitteleinkauf. Davon profitieren vor allem Discounter. Aldi Süd und Lidl erreichen mittlerweile einen Marktanteil von 20 Prozent im britischen Lebensmitteleinzelhandel. Gemeinsam mit einheimischen Supermarktketten wie Tesco oder Sainsbury's prägen sie den Markt. Unabhängige Supermärkte oder kleinere Ketten verlieren dagegen an Bedeutung.

 

Mehr Technologie in britischer Landwirtschaft

Das Vereinigte Königreich deckte 2025 nur 60 Prozent seines Nahrungsmittelbedarfs selbst. Entsprechend groß ist die Abhängigkeit von Importen: Das Handelsdefizit mit Nahrungsmitteln belief sich auf rund 47 Milliarden Euro. Besonders groß war die Lücke zwischen Ein- und Ausfuhren bei Obst und Früchten, Tee und Kaffee sowie Zucker. Lediglich bei Getränken überstiegen die Exporte die Importe.

Die britische Regierung will die heimische Landwirtschaft deshalb stärken. Mitte 2026 stellte sie die Farming Roadmap 2050 vor. Sie soll Ernährungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit, Umwelt- und Klimaziele sowie wirtschaftliche Resilienz miteinander verbinden. Fördergelder sollen unter anderem den Einsatz von künstlicher Intelligenz, Robotik, Präzisionslandwirtschaft, Sensorik und Datennutzung sowie moderne Pflanzen- und Tierzuchtverfahren vorantreiben.

Davon könnten deutsche Technologieanbieter profitieren. Deutschland war 2025 die wichtigste Bezugsquelle für Landmaschinen, Traktoren und Maschinen zur Lebensmittelverarbeitung im Vereinigten Königreich. Knapp ein Viertel der Importe in diesem Bereich kam aus Deutschland, im Wert von etwa 3,2 Milliarden Euro. Das Vor-Brexit-Niveau ist allerdings noch nicht erreicht: 2019 lag der deutsche Anteil bei fast einem Drittel.

Fleischmarkt bieten Chancen in Nischen

Auch für deutsche Lebensmittelanbieter bietet der britische Markt Absatzchancen, allerdings vor allem in ausgewählten Segmenten. Britinnen und Briten konsumierten 2025 knapp 5 Millionen Tonnen Fleisch. Der Verkauf läuft hauptsächlich über große Supermarktketten, zunehmend über deren Handelsmarken. Chancen bieten vor allem Convenience-Produkte sowie hochwertige Spezialitäten, die über Fachgeschäfte und den Onlinehandel vertrieben werden.

Das Wachstum des Fleischmarkts bleibt allerdings begrenzt. Die schwache Kaufkraftentwicklung und die wachsende Nachfrage nach Fleischalternativen bremsen die Nachfrage. Bis 2034 erwartet das Marktforschungsunternehmen IMARC ein durchschnittliches Wachstum von knapp 2 Prozent pro Jahr.

Bei Schweine- und Rindfleisch ist das Vereinigte Königreich auf Importe angewiesen. Für deutsche Exporteure sind vor allem hochwertige, proteinreiche und Convenience-Produkte sowie Fleisch mit ausgewiesener Herkunfts-, Tierwohl- oder Nachhaltigkeitspositionierung interessant. 

Die Marktstellung deutscher Anbieter hat sich seit dem Brexit jedoch deutlich verschlechtert: Handelshemmnisse und zuletzt der Maul- und Klauenseuche in Brandenburg ließen den deutschen Anteil an den britischen Fleischimporten auf 6 Prozent im Jahr 2025 sinken. Deutschland belegte damit Platz 5 unter den Lieferländern.

Süßwarenmarkt wächst trotz Gesundheitstrend

Deutlich dynamischer entwickelt sich der britische Süßwarenmarkt. Er hatte 2025 ein Volumen von 15 Milliarden Euro, rund zwei Drittel davon entfielen auf Schokoladenwaren. Trotz des Trends zu gesünderer Ernährung erwarten Marktforscher bis in die 2030er-Jahre jährliche Umsatzzuwächse von durchschnittlich 5 Prozent.

Supermärkte sind der wichtigste Verkaufskanal, erzielen aber weniger als die Hälfte der Umsätze. Daneben spielen Convenience Stores eine wichtige Rolle. Überdurchschnittlich wachsen soll der Onlinehandel, unter anderem mit Abo-Modellen sowie personalisierten und Premiumprodukten.

Auch das Angebot verändert sich: Gefragt sind hochwertige Schokolade und nachhaltige Herkunft. Gleichzeitig reagieren Hersteller auf Gesundheitstrends und Werbeeinschränkungen für HFSS-Produkte (High Fat, Salt and Sugar) mit zuckerreduzierten Rezepturen, kleineren Portionen und alternativen Süßungsmitteln. Wachstum verzeichnen zudem vegane, pflanzliche und funktionale Süßwaren.

Weinmarkt legt weiter zu

Auch der britische Weinmarkt bietet Wachstumsperspektiven. Er erreichte 2025 ein Volumen von rund 24 Milliarden Euro. Für 2026 erwartet IMARC ein Umsatzplus von mehr als 4 Prozent; bis 2034 soll der Markt jährlich um durchschnittlich 3 bis 3,5 Prozent wachsen.

Weiß- und Rotwein stehen jeweils für knapp 40 Prozent der Umsätze. Neben internationalen Konzernen prägen zahlreiche kleinere Importeure, Weinhändler und lokale Produzenten den Markt.

Laut dem Verband Wine GB gab es 2025 über 1.100 britische Winzer. Investitionen folgen dabei veränderten Konsum- und Produktionsbedingungen. Weinbauern setzen unter anderem auf alternative Verpackungen, Technologien zur Entalkoholisierung und Bioanbau. Hinzu kommen Präzisionsanbau, KI-gestützte Anbauverwaltung und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel.