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Zulieferprodukte: Kunststoffe, Türen und Fenster
Bauherren sparen gerne noch bei der Qualität von Fenstern und Türen. Steigende Sicherheitsstandards erzwingen auch auf dem lokalen Markt eine höherwertige Produktion.
05.05.2025
Von Peter Buerstedde | Hanoi
Kunststoffe
Die etwa 4.000 Unternehmen im vietnamesischen Kunststoffsektor erzielten 2024 laut Angaben des Fachverbands Vietnam Plastics Association (VPA) Umsätze in Höhe von 31 Milliarden US-Dollar (US$). Das sind fast 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Baukunststoffe machen nach Angaben der VPA etwa ein Viertel des Umsatzes aus.
Um dem wachsenden Preiskampf bei Kunststoffprodukten für Verpackungen und Haushalt zu entgehen, verlagern die großen Hersteller in Vietnam ihre Aktivitäten stärker auf Kunststoffbaustoffe und technische Kunststoffe, die im Bau- und Industriebereich eingesetzt werden. Bislang sind diese Güter aber noch durch eine qualitativ und technologisch einfache, auf dem Weltmarkt wenig konkurrenzfähige Produktion geprägt.
Die wichtigsten Unternehmen im Bereich Kunststoffrohre sind das vorwiegend im nördlichen Landesteil aktive Unternehmen Tien Phong Plastic (NTP) sowie das den Süden des Landes abdeckende Unternehmen Binh Minh Plastic (BMP). BMP gehört mehrheitlich zur thailändischen Siam Cement Group, einem der größten Baustoffmischkonzerne in Südostasien. NTP hält regional im Norden einen Marktanteil von 53 Prozent, BMP bedient 43 Prozent des Bedarfs an Baukunststoffen im Süden des Landes. Jeweils halten sie etwa 30 Prozent des vietnamesischen Marktes.
Die Hoa Sen Group, die sonst vor allem Baustahl herstellt, sowie das aufstrebende, zunehmend in umweltfreundliche Kunststofflösungen investierende Unternehmen An Phat machen den Marktführern Konkurrenz. Die vier Unternehmen kommen gemeinsam etwa auf einen Marktanteil von 80 bis 90 Prozent. Der kleinere Anbieter Tan A Dai Thanh bewirbt seine deutsch klingende Marke Ströman damit, dass sie auf Maschinen der deutschen Hersteller Krauss Maffei, Battenfeld-Cincinatti und Zeppelin Systems hergestellt werden.
Weil sich der Hochbau im Norden besser erholt als im Süden des Landes, hat NTP die Umsätze 2024 deutlich ausbauen können (+9,3 Prozent). BMP hat hingegen erneut kräftige Einbußen vermeldet (-10,5 Prozent). Für 2025 erwarten Analysten für beide Firmen steigende Umsätze durch die Erholung im Hochbau.
Umsatz 20231) | Umsatz 20241) | Veränderung 2024/20232) | |
|---|---|---|---|
| Tien Phong Plastics | 216,9 | 225,8 | 9,3 |
| Binh Minh Plastics | 216,1 | 184,3 | -10,4 |
Türen und Fenster
Vietnamesische Privat- und Geschäftskunden interessieren sich vorrangig für günstige Türen und Fenster aus heimischer Produktion oder Importe aus China. Innovative, hochpreisige Fenster sind laut Branchenkennern dann gefragt, wenn der Kunde neben den reinen Baukosten auch Wert auf Betriebskosten, international anerkannte Zertifizierungen wie das Leadership in Energy and Environmental Design (LEED)-Zertifikat oder technische Finesse legt. Energieeffizienz ist bei privaten und gewerblichen Bauherren bisher kaum ein Thema. In der Regel liegt der Fokus eher auf Kosteneinsparungen.
Der Türenmarkt litt zuletzt unter der Flaute im Hochbau und der Konsumzurückhaltung. Die Erholung im Hochbau sollte dem Absatz im Jahr 2025 Schwung geben. Branchenbeobachtern zufolge steigen die Vorgaben an Sicherheit von Türen und Fenstern. Angesichts einiger Großbrände mit Todesopfern in den vergangenen Jahren hat der Gesetzgeber Baustandards für den Feuerschutz in Gewerbeimmobilien und im Wohnungsbau verschärft und setzt diese auch verstärkt um. Dies verbessert in einem stark umkämpften Markt die Wettbewerbsposition von Unternehmen, die bereits heute nach internationalen Standards arbeiten. Schätzungsweise werden im Inland etwa zu 40 Prozent Kunststofftüren mit Stahlkern verkauft. Etwa 5 Prozent sind aus Eisen, 10 Prozent aus Holz und der Rest aus Aluminium.
Aluminium verdrängt Holz
Vollholztüren und -fenster weichen Elementen aus PVC, Aluminium und beschichteten Materialien. Die Hersteller von Türen und Fenstern setzen sowohl auf Aluminium als auch auf Kunststoff. Hier ist der Sektor weniger konzentriert als bei Rohren.
Bedeutende Fensterhersteller sind die lokalen Unternehmen Dong A Plastic, Eurowindow sowie das vietnamesisch-australische Joint Venture Austdoor. Die Produktion von Aluminiumprofilen ist in den letzten Jahren stark angewachsen, mit Fabriken großer Hersteller aus dem Ausland wie Xingfa (China), Hyundai Aluminum (Korea) und Tung Shin (Taiwan). Es gibt auch inländische Akteure wie Dong Anh, Do Thanh, Viet Phap, Truong Thanh und Viet Nhat. Anti-Dumping-Zölle der USA auf chinesische Importe haben seit 2019 dazu geführt, dass einige chinesische Firmen Fabriken in Vietnam errichtet haben.
Dong A Plastic galt als der größte Hersteller von Kunststoff- und Aluminiumprofilen, bis die Firma 2023 in finanzielle Probleme geriet. Die Firma hatte sich mit großen Investitionen überhoben. Auch starke Konkurrenz durch chinesische Produkte dürfte eine Rolle gespielt haben. Der Jahresumsatz war 2023 um 46 Prozent auf rund 50,4 Millionen US$ eingebrochen und ist mittlerweile nahezu vom Markt verschwunden.
Eurowindow stellt in eigenen Fabriken Fassaden, Türen und Fenster aus PVC, Aluminium und Holz her. Die Firma ist gleichzeitig einer der größten Projektentwickler im Wohnungsbau in Vietnam. Seit 2018 arbeitet Eurowindow mit dem deutschen Farbunternehmen Rhenocoll bei der Beschichtung von Rahmen und Türen zusammen. Deutsche Unternehmen wie Hörmann oder Schüco sind mit eigenen Niederlassungen vor Ort vertreten.