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Zulieferprodukte: Glas, Fliesen und Sanitär
Indonesien hat eine starke Glasindustrie. Die Hälfte ihres Outputs findet im Hochbau Verwendung. Keramikimporte werden eingeschränkt, dafür wächst der Bedarf im Bereich Sanitär.
01.12.2025
Von Oliver Döhne | Jakarta
Glas
Die Nachfrage nach Glas in Indonesien wächst laut Marktbeobachtern mäßig. Das Expansionspotenzial ist perspektivisch gut. Doch noch bremst die instabile Kaufkraftentwicklung im Land. Zudem nehmen viele Entscheider eine abwartende Haltung ein in Anbetracht der schwächelnden Konjunkturentwicklung und der unsicheren globalen Lage. Auch der noch immer etwas unklare Fokus der Regierung bei gleichzeitigem Sparkurs wirkt sich negativ aus.
Für das Jahr 2025 wird landesweit eine Nachfrage von circa 900.000 Quadratmetern Flachglas erwartet. Das kann Indonesien rechnerisch aus eigener Produktion decken. Für die Herstellung geeigneter Sand ist reichlich vorhanden, Soda-Asche kommt aus den USA, China und Indien. Gas ist als benötigter Energieträger hingegen ein empfindlicher Kostenfaktor, dem die Regierung durch den Ausbau der Gasproduktion begegnen will.
Die Produktionskapazität in Indonesien betrug 2024 etwa 2 Millionen Quadratmeter Glas pro Jahr. Es wurden allerdings nur 1,4 Millionen Quadratmeter produziert. Der genutzte Anteil der Kapazität sinkt, dafür steigen die importierten Mengen. China ist der wichtigste Lieferant, vor allem von ungeschliffenem Flachglas. Aufgrund der US-Handelspolitik versuchen chinesische Anbieter unter anderem nach Indonesien auszuweichen und dort noch mehr Glas zu verkaufen.
Dominierende lokale Hersteller von rohem Flachglas sind Asahima Flat Glass (AGC-Gruppe, Japan), Mulia Glass und seit Oktober 2024 auch die koreanische KCC-Gruppe. Sie hat in Batang in Zentraljava ein großes Werk für modernes Bauglas in Betrieb genommen. Es sind aber nur 20 Prozent der Kapazitäten für den indonesischen Markt gedacht. Im Dezember 2024 eröffnete die chinesische Xinyi-Gruppe bei Surabaya ebenfalls ein Werk für Flachglas, das künftig rund 400.000 Tonnen hochqualitatives Flachglas pro Jahr produzieren soll. Etwa die Hälfte des in Indonesien produzierten Glases landet im Hochbau.
In der nachgelagerten Verarbeitung sind rund 30 Unternehmen aktiv und produzieren zum Beispiel Spiegel, getönte Scheiben und Sicherheitsglas. Im Baubereich sind das unter anderem die Firmen Bintang Mas Glassolutions (BMG) und Esa Sentosa Abadi.
Fliesen/Keramik
Angesichts des bisher geringen Pro-Kopf-Verbrauchs von Fliesen und Keramik ist das künftige Nachfragepotenzial hoch. Treiber sind die geringe Marktdurchdringung besonders in Ost-Indonesien, die Expansion der Transport- und Datenzentreninfrastruktur, die Erschließung neuer Tourismusregionen und der landesweite Bedarf an Wohnraum. Besonders das Regierungsprogramm zum Bau von 1 Millionen Sozialwohnungen pro Jahr gibt Impulse. Gerade im vorherrschenden einfachen Wohnungsbau sind Keramikprodukte geeignet und beliebt. Für höherpreisige Apartments und Gastronomiebetriebe sind hingegen anspruchsvollere Produkte gefragt. Etwa drei Viertel der Keramik wird für Wohnimmobilien verwendet.
Es gibt etwa 40 Hersteller von Keramikfliesen und -kacheln sowie von wichtigen Vorprodukten von Sanitäreinrichtungen im Land. Die Produktionskapazität lag bei 470 Millionen Quadratmetern im Jahr 2020 und 425 Millionen Quadratmetern im Jahr 2024. Indonesien könnte 2025 mit rund 475 Millionen Quadratmetern zum viertgrößten Produzenten der Welt werden. Viele der nötigen Rohstoffe für die Keramikproduktion sind auf dem Archipel vorhanden.
Die Regierung unterstützt den Sektor durch Energiesubventionen und Importbeschränkungen. Weil der Import aus China, Vietnam und Indien zuletzt stark gestiegen ist, hat Indonesien Maßnahmen verhängt, um die Einfuhren zu beschränken.
Heimische Produzenten werden mehr und mehr auf dem Weltmarkt aktiv. Wichtige Branchenunternehmen sind Mulia, Arwana und Keramika Indonesia. Dank moderner Technologie in Kombination mit traditionellen Handwerks- und Designfertigkeiten sind ihre Produkte tendenziell im Qualitätssegment angesiedelt. Die Firma Intikeramik stellt zum Beispiel Porzellan für den Luxus-Wohnungsbau her. Hersteller expandieren auch in neue Marktsegmente wie Granitfliesen und homogene Fliesen für anspruchsvollere Kunden. Diese werden bislang in vier Fabriken gefertigt.
Sanitär
Das derzeitige Wachstum der Nachfrage nach Produkten im Sanitärbereich, insbesondere Badezimmerarmaturen, wird voraussichtlich anhalten. Viele Sanitärsysteme der eilig erbauten Apartmenthäuser und Hotels im Luxussegment haben Probleme mit der Qualität. Eigentümer müssen nachrüsten und setzen dann oft auf westliche Qualitätsprodukte.
Auch die Investitionen großer Branchenakteure sind ein Anzeichen für den zunehmenden Bedarf. Das katalanische Unternehmen Roca und die US-amerikanische Firma Kohler haben 2019 beide vor Ort Produktionen aufgebaut. Der Branchenprimus, die japanische Firma Toto, produziert schon länger im Land. Das japanisch kontrollierte Unternehmen American Standard ist ebenfalls am Markt.
Auch sehr gefragt sind Rohre für Drainage, Be- und Entwässerung sowie Gasverteilung. Neben vielen chinesischen Firmen sind die deutschen Unternehmen KSB und Wilo mit eigenen Produktionen in Indonesien aktiv und erfolgreich. Einige Spezialrohre für Gasleitungen kommen ebenfalls aus Deutschland.
Der wichtigste Vertriebskanal im Bereich Sanitär ist ein mehrstufiges Netzwerk aus Großhändlern und Vertriebspartnern. Unternehmen wie PT Surya Pertiwi übernehmen für ausländische Hersteller den Import, die Lagerung und die Logistik. Außerdem koordinieren sie die Beziehungen zu den regionalen Distributoren und dem Einzelhandel.
PT Surya Pertiwi agiert unter anderem als exklusiver Vertriebspartner für Marken wie Toto, Villeroy & Boch und Geberit. Der Weg über Exklusivdistributoren ist in Großstädten etabliert, sowohl für Wohnbauten als auch Gewerbegebäude. Onlinehandel und Direktverkäufe spielen eine zunehmende, aber noch sekundäre Rolle.